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Großerlach


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Rems-Murr-KreisVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 522 m ü. NHN
Fläche: 27,14 km²
Einwohner: 2479 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 91 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 71577,
71560 (Mittelfischbach, Unterfischbach)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 07903
Kfz-Kennzeichen: WN, BK
Gemeindeschlüssel: 08 1 19 024
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Stuttgarter Straße 18
71577 Großerlach
Webpräsenz: www.grosserlach.de
Bürgermeister: Christoph Jäger
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Großerlach [ɡroːsˈʔɛrlax] ist eine ländliche Flächengemeinde im Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg. Mit etwa 2600 Einwohnern und einer Bevölkerungsdichte von unter 100 Einwohner je km² zählt sie zu den am dünnsten besiedelten Gemeinden in der Region Stuttgart.

Geographie

Geographische Lage

Das Gemeindegebiet von Großerlach liegt im Mainhardter Wald auf der Hochfläche zwischen Rot im Norden und Murr im Süden. Mit der Hohen Brach befindet sich der höchste Punkt des Naturraums Schwäbisch-Fränkische Waldberge und des Rems-Murr-Kreises im Gemeindegebiet. Nachbargemeinden sind Wüstenrot (Landkreis Heilbronn) im Nordwesten, Mainhardt im Norden, Oberrot im Osten (beide Landkreis Schwäbisch Hall), Murrhardt und Sulzbach an der Murr im Süden sowie Spiegelberg im Westen.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Großerlach gehören 25 verstreut liegende Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser (in Klammern die Einwohnerzahlen[2]).

Zum Gebiet der Gemeinde Großerlach vor der Gebietsreform der 1970er Jahre gehören die Dörfer Großerlach (742) und Neufürstenhütte (489), die Weiler Altfürstenhütte (108), Böhringsweiler (20), Hals (33), Kleinerlach (37), Kuhnweiler (7), Liemersbach (144), Mittelfischbach (24), Oberfischbach (37), Unterfischbach (13), das Gehöft Wiedhof (16) und der Wohnplatz Erlach (164).

Zum Gebiet der ehemaligen Gemeinde Grab gehören das Dorf Grab (389), die Weiler Frankenweiler (22), Hohenbrach (35), Mannenweiler (17), Morbach (78), Schönbronn (66), Schöntalhöfle (auch Schertelhöfle) (27) und Trauzenbach (47) sowie die Wohnplätze Butzberg (6), Platte (11), Schöntalsägmühle (3) und Schweizerhof (9). Zwischen Großerlach und Mainhardt liegt der 1891 abgebrannte und abgegangene Wohnplatz Gollenhof.[3]

Die ehemalige Gemeinde Grab bildet eine Ortschaft mit eigenem Ortschaftsrat im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.[4]

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[5]

Geschichte

Böhringsweiler wird erstmals 1251 urkundlich bezeugt. Trauzenbach wird am 24. Mai 1300 erstmals erwähnt. In den Jahren 1364 und 1370 gehören die zwei Höfe Erlachs zum einen dem Rüdiger von Ohrn und zum anderen den Gebrüdern Burkhard und Friedrich Sturmfeder. Um 1500 ist der erste Hof (Amt Sulzbach) Eigentum des Grafen von Löwenstein und der Schenk von Limpurg ist Grundherr des zweiten Hofes (Amt Oberrot). Die erste Nennung des Ortes Großerlach datiert auf den 2. Januar 1441, als dieser von den Grafen von Löwenstein an den Pfalzgrafen Ludwig IV. verkauft wurde. Bereits 1750 wird von Gross-Oehrlach, Ober-Oehrlach und Klein-Oehrlach, Unter-Oehrlach und Glashütte gesprochen. Alleiniger Grundherr ist nun der Graf von Löwenstein. Sowohl das Territorium des Schenken von Limpurg als auch das Gebiet des Grafen von Löwenstein gehörten von 1500 bis 1806 zum Fränkischen Reichskreis.

Glashütten

1568 gründet Hans Greiner, der Sohn des Hüttmeisters von Neulautern, eine erste Waldglashütte in Mittelfischbach, die bis 1702 betrieben wird. 1605 stellt man in Altfürstenhütte und 1695 in Neufürstenhütte Glas her, was 1771 eingestellt wird.[6]

1737 geht auf der Gemarkung der heutigen Erlacher Höhe die letzte Glashütte in Betrieb. 1781 verpflichtet man Israel Oechsle aus dem Schwarzwald als Hüttmeister. Er hat die nötigen Kenntnisse, um anstelle des bisher grünstichigen Waldglases hochwertiges Klarglas herzustellen. Sein Sohn Ferdinand Oechsle erfindet später die Oechsle-Waage. In Erlach werden vorwiegend Apothekerwaren wie Kolben und Destillierapparate hergestellt. 1891 erwirbt das Diakonische Werk die Erlacher Glashütte und gründet die Arbeiterkolonie Erlach (heute: Erlacher Höhe),[7] die heute das erste Bioenergiedorf im Kreis und bundesweit innerhalb der Diakonie ist.

Silberrausch

Drei Bauern finden im Dezember 1772 beim Ausheben eines Brunnen Silbererz. Bergrat Riedel aus Löwenstein gründet daraufhin ein Silberbergwerk und eine Schmelzhütte in Liemersbach. Nach einem knappen Jahr muss der Betrieb mit Verlust eingestellt werden.

Großerlach wird 1806 zusammen mit Löwenstein endgültig Teil von Württemberg.

Zwischen 1834 und 1847 ist das heute noch existierende Gasthaus Krone Relais-Posthalterei für die Strecke: StuttgartSchwäbisch Hall.

Spukhaus

Im Jahre 1916 kommt das Bauernhaus der Witwe Kleinknecht zu deutschlandweiter Aufmerksamkeit, als vom 30. April bis zum 15. Mai Gegenstände im ganzen Haus seine Bewohner terrorisieren und auch durch zu Hilfe gerufene Nachbarn nicht zur Ruhe gebracht werden können. Das Haus muss von seinen Bewohnern aufgegeben und verschlossen werden. Schultheiß, Lehrer, Amtsdiener, Bezirksbeamte waren Zeugen.[8]

Eingemeindungen

Am 13. Mai 1848 wurde Großerlach eine selbstständige politische Gemeinde. Die Teilorte Großerlach, Kleinerlach, Erlacher Glashütte und Liemersbach hatten vorher zu Sulzbach gehört, die Teilorte Unter-, Mittel- und Oberfischbach dagegen zu Reichenberg (heute Teil der Gemeinde Oppenweiler).

Die Gemeinde Großerlach gehörte zum Oberamt Backnang (später Landkreis Backnang).

Am 1. Oktober 1939 kommen zu Großerlach die seit 1821 selbständige Gemeinde Neufürstenhütte, zu der auch der nördliche Teil von Kleinerlach gehört, ferner die Ortsteile Altfürstenhütte, Böhringsweiler, Hals und Kuhnweiler von Wüstenrot und auch der Wiedhof von Mainhardt.

Die selbständige Gemeinde Grab mit den Ortsteilen Butzberg, Frankenweiler, Hohenbrach, Mannenweiler, Morbach, Morbach-Platte, Schönbronn, Schöntalhöfle, Schöntalsägmühle, Schweizerhof und Trauzenbach wurde im Zuge der Gemeindereform am 1. Juli 1974 mit der Gemeinde Großerlach zur neuen Gemeinde Großerlach zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung

Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[9] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1824 1.147
1835 1.147
1. Dezember 1871 ¹ 2.163
1. Dezember 1880 ¹ 2.194
1. Dezember 1890 ¹ 2.042
1. Dezember 1900 ¹ 1.825
1. Dezember 1910 ¹ 1.753
16. Juni 1925 ¹ 1.571
16. Juni 1933 ¹ 1.501
17. Mai 1939 ¹ 1.395
Jahr Einwohner
13. September 1950 ¹ 1.854
6. Juni 1961 ¹ 1.716
27. Mai 1970 ¹ 1.910
31. Dezember 1980 2.383
27. Mai 1987 ¹ 2.183
31. Dezember 1990 2.488
31. Dezember 1995 2.523
31. Dezember 2000 2.630
31. Dezember 2005 2.624
31. Dezember 2010 2.488

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Großerlach hat 10 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 50,72 % (2009: 48,4 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Freie Wählervereinigung (FWV) 5 Sitze (51,23 %)
Unabhängige Liste (UL) 5 Sitze (48,77 %)

Sehenswürdigkeiten

Im Ortsteil Grab wurde auf dem Heidenbuckel, dem zweithöchsten Geländepunkt des Obergermanisch-Raetischen Limes, ein Teilstück der Grenzanlage aus dem 2. Jahrhundert nach Christus mit Wachturm, Palisadenzaun, Wall und Graben rekonstruiert. Für die Nachbildung des römischen Wachturms diente ein Relief auf der Trajanssäule als Vorbild. Der Turm ist 1982 als erster neu errichteter steinerner Limes-Wachtturm in Baden-Württemberg gebaut worden. 2004 wurde eine Schneise geschlagen, um den Limes sichtbar zu machen.

Der 1773 eröffnete Silberstollen Gabe Gottes war nach dem Ende des Großerlacher Silberrausches lange Zeit verschüttet. Im Jahre 1926 begann man, das Mundloch wieder freizulegen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Während des Zweiten Weltkriegs nutzte die Bevölkerung den Stollen als Luftschutzkeller. Danach geriet er in Vergessenheit, ehe er 1993 vom Heimatverein Großerlach/Grab erneut freigelegt und restauriert wurde. Seit dem Mai 2000 ist ein 30 Meter langes Teilstück wieder öffentlich zugänglich.

Die Anhöhe zwischen Großerlach und Erlacher Höhe bietet Fernsicht über den Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Durch die Bundesstraße 14 ist die Gemeinde an die nächsten Mittelzentren Backnang (18 km) und Schwäbisch Hall (20 km) angebunden.

Ansässige Unternehmen

Seit 1953 hat das Alexander-Stift seinen Sitz in Neufürstenhütte.

Telekommunikation

Auf der Hohen Brach befindet sich der 1985 errichtete, 133 Meter hohe Fernmeldeturm Großerlach der Deutschen Telekom, ein Typenturm vom Typ 12. Der Turm ist das höchste Bauwerk im Rems-Murr-Kreis.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Josef Holub (1926–2010), Kinder- und Jugendbuchautor und seit 3. Juli 2008 Ehrenbürger

Literatur

  • 300 Jahre Neufürstenhütte. Heimatgeschichtliche Nachrichten. Heimatverein Großerlach/Grab e. V., Großerlach 1995.
  • Jutta Puff: Analyse und Verbesserung der ÖPNV-Erschließung der ländlichen Flächengemeinde Großerlach. Diplomarbeit, Universität Stuttgart 2003 (Volltext ).

Weblinks

 Commons: Großerlach  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Groß-Erlach in der Beschreibung des Oberamts Backnang von 1871 – Quellen und Volltexte

Quellen

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Die Gemeinde und ihre Teilorte 7. April 2007.
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 554–556.
  4. Hauptsatzung vom 25. November 2004 (PDF; 50 kB).
  5. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Großerlach.
  6. http://www.grosserlach.de/data/glashuetten.php , 5. Mai 2006.
  7. Großerlacher Glashütten, S. 4, Heimatgeschichtliche Nachrichten, 1998, Heimatverein Großerlach/Grab e. V.
  8. http://www.grosserlach.de/data/spukVonGrosserlach.php , 5. Mai 2006.
  9. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2012

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Großerlach (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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