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Großauheim


Großauheim
Stadt Hanau
Höhe: 106 (101–110) m ü. NHN
Fläche: 9,14 km²[1]
Einwohner: 12.569 (1. Apr. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 1.375 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63457
Vorwahl: 06181

Großauheim ist ein am nördlichen Mainufer gelegener Stadtteil von Hanau im Main-Kinzig-Kreis in Hessen und mit etwa 12.500 Einwohnern der zweitgrößte Stadtteil.

Geschichte

Mittelalter

Der Name mit der Endung „-heim“ weist auf eine Gründung in der Zeit der fränkischen Landnahme, etwa im 6. Jahrhundert, hin. Der Ortsname Euuicheim dürfte sich von einem Personennamen Ewic ableiten und könnte sich in der Folgezeit zu Oweheim und schließlich zu Auheim entwickelt haben.[3]

Aus der Zeit Karls des Großen könnte die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung Auheims stammen, die allerdings nicht im Original, sondern nur als Abschrift im Lorscher Codex überliefert ist: „Im Namen Christi, am 3. Tag des April, im 38. Jahr der Herrschaft des Kaisers Karl[Anm. 1] ... schenke ich, Irminrat ... dem Kloster Lorsch ... unter Abt Adalungus ... in Rumpenheim, Bellingen und in Euuicheim ... “.[4]

Die erste Unterscheidung zwischen Klein- und Großauheim findet sich in einer Aufstellung der Einkünfte der Herren von Eppstein aus dem Jahr 1270.[5]

Großauheim lag im Amt Steinheim, das zunächst den Herren von Eppstein gehörte, von diesen mehrfach verpfändet wurde und dann 1425 an den Kurfürsten und Erzbischof von Mainz, Konrad III. von Daun verkauft wurde. 1438 befindet sich das Dorf – wohl vorübergehend und nur kurzfristig – als Pfand im Besitz von Graf Reinhard II. von Hanau.[6] Für mehrere Jahrhunderte gehörte Auheim zu Kurmainz.[7]

Neuzeit

In den Jahren 1631–1634, während des Dreißigjährigen Kriegs, beschlagnahmte König Gustav II. Adolf das Amt als Kriegsbeute und stattete die nachgeborenen Hanauer Grafen Heinrich Ludwig von Hanau-Münzenberg und Jakob Johann von Hanau-Münzenberg, die mit ihm verbündet waren, damit aus.[8] Da beide Grafen schon bald starben und der Westfälische Friede auf das Normaljahr 1624 abstellte, kam Großauheim wieder an Kurmainz, wo es bis 1803 verblieb, als es im Zuge der Säkularisation an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt fiel.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Großauheim noch ein Bauerndorf. Im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden Industrieniederlassungen wie die Marienhütte, BBC und die Rütgerswerke (heute RÜTGERS Basic Aromatics GmbH) sowie VDM.

Die Gemeinde hat seit 1912 elektrischen Strom. Dieser wurde im eigenen Kraftwerk produziert. Das Wasserleitungsnetz wurde 1913 in Betrieb genommen.

Der 1924 gebaute Hanauer Hafen liegt zu großen Teilen in der Auheimer Gemarkung. 1956 verlieh das Land Hessen an Großauheim die Stadtrechte. Am 31. Dezember 1971 wurde der Nachbarort Wolfgang eingemeindet. Am 1. Juli 1974 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Gesetz die Eingliederung der Stadt Großauheim in die Stadt Hanau.[9] Für Großauheim/Wolfgang wurde ein gemeinsamer Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Einwohnerentwicklung

Belegte Einwohnerzahlen sind:[10]

  • 1895: 03467 Einwohner
  • 1939: 07542
  • 1961: 11219
  • 1970: 14028
Großauheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
1.452
1840
  
1.555
1846
  
1.707
1852
  
1.864
1858
  
1.922
1864
  
2.075
1871
  
2.294
1875
  
2.448
1885
  
2.761
1895
  
3.467
1905
  
5.336
1910
  
6.368
1925
  
7.398
1939
  
7.542
1946
  
9.573
1950
  
10.299
1956
  
10.345
1961
  
11.219
1967
  
13.569
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur

Sehenswürdigkeiten

Bekannteste Sehenswürdigkeit ist das im alten Elektrizitätswerk beheimatete Museum Großauheim,[11] das neben Exponaten der örtlichen Industrie-, Handwerks- und Agrargeschichte auch Skulpturen von August Gaul ausstellt. Im ersten Obergeschoss des im August 2010 wieder eingeweihten Museums befinden sich Exponate zum Schaffen des Großauheimer Malers und Glaskünstlers August Peukert. Ein Freilichtmuseum auf dem Außengelände des Museums befindet sich im Ausbau und soll in nächster Zeit Besuchern eine Ausstellung diverser von Dampf angetriebenen Maschinen bieten. Das Museum gehört zur Stadt Hanau, wird aber hauptsächlich vom Förderverein des Museums betreut, welcher auch für den Umbau des Freigeländes zuständig ist.

Die „Postkartenansicht“ von Großauheim ist die „Mainwiese“, eine breite, weitläufige Wiese, die sich gemeinsam mit einem Promenadenweg an Stelle des historischen Leinpfades entlang des gesamten Uferbereiches erstreckt.

Im Norden liegt die Bulau, ein Waldgebiet, das sich bis zur Nachbargemeinde Rodenbach erstreckt und durch das der Limes führt.

Auf einem ehemaligen Militärgelände, dem Campo Pond, wurde 2009 ein Refugium für Przewalski-Pferde geschaffen.

Brauchtum

Zu Ehren des heiligen Rochus findet in Großauheim alljährlich eine Rochusprozession zum Rochusplatz statt, um die Dankbarkeit der Großauheimer nach der überstandenen Pest im 17. Jahrhundert zu bekunden. Der bekannte „Rochusmarkt“ als gewerbliches Markttreiben auf Initiative des Gewerbevereins Großauheim wird regelmäßig im September entlang der Hauptstraße und rund um den Rochusplatz veranstaltet.

Infrastruktur

Bildung

In Großauheim gibt es drei Grundschulen (August-Gaul-Schule, Eichendorffschule, Limesschule) und eine integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, die Lindenauschule.

Außerdem gibt es im Ort zwei Privatschulen: die katholische Mädchenrealschule St. Josef und die evangelische Paul-Gerhardt-Schule.

Verkehr

Nördlich von Großauheim verläuft die autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße 43a, die den Ort an das überregionale Autobahnnetz anbindet.

Über den Bahnhof Großauheim (Kr Hanau) an der Main-Spessart-Bahn ist der Ort an das Schienennetz angebunden. Die Hanauer Straßenbahn AG bedient Großauheim mit Bussen der Linien 6 und 7, außerdem verläuft die Regionalbuslinie 566 durch die Großauheimer Altstadt.

Konversion

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete die US-Armee zwei Kasernen in Großauheim, die Großauheim-Kaserne und die Underwood-Kaserne in direkter Nachbarschaft südlich von Großauheim. Ein kleinerer Teil der Großauheim-Kaserne wurde 1991 geräumt, dort eröffneten 2012 mehrere Geschäfte. 2008 räumte die US-Armee beide Kasernen komplett. Pläne zur Konversion dieser Flächen gibt es noch nicht.

Großauheim hat zudem einen Anteil am südlichen Teil der New Argonner Kaserne, die sich über Wolfgang und Großauheim erstreckte. Ursprünglich sollte hier ein neues Sportzentrum errichtet werden, jedoch musste dieses Vorhaben aufgrund Geldmangels aufgegeben werden. Nunmehr ist geplant, auf der freien Fläche Wohnbebauung zu errichten. Problematisch an diesem Vorhaben ist nicht nur der notwendige Lärmschutz aufgrund der benachbarten Bahnstrecke, sondern auch die Tatsache, dass sich auf dem Gelände die streng geschützte Kreuzkröte niedergelassen hat.[12]

Persönlichkeiten mit Bezug zu Großauheim

Städtepartnerschaft

Großauheim unterhält seit 1965 eine Städtepartnerschaft mit Conflans-Sainte-Honorine in Frankreich.

Religionen

Literatur

  • Mathilde Hain (Hrsg.): Großauheim. Heimatbuch zum 1150jährigen Bestehen. 2. Aufl. Frankfurt 1969.
  • Heinrich Kurzschenkel, Karl Kurzschenkel u. Alois Wilhelm Funk: Mainzer Rad und Pilgermuscheln. Gesammelte Studien zur Grossauheimer Geschichte und Volkskunde. Herausgegeben vom Magistrat der Stadt Hanau. Kommissions-Verlag Kramer. Frankfurt 1981. ISBN 3-7829-0181-9
  • Bertold Picard: Großauheim. Geschichte in Bildern und Dokumenten. 2. Aufl. Hanau 1986. Peters-Verlag, Hanau 1986, ISBN 3-87627-425-7
  • Bertold Picard: So alt wie die Bulau. Spazierwege durch die Geschichte Großauheims. CoCon-Verlag, Hanau 2007, ISBN 978-3-937774-42-8

Weblinks

 Commons: Großauheim  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Das Jahr 806.

Einzelnachweise

  1. Statistik für den Stadtteil im Internetauftritt der Stadt Hanau , abgerufen im März 2016.
  2. Statistik der Stadt Hanau vom Juni 2015: Einwohnerzahlen mit Hauptwohnsitz , abgerufen im März 2016.
  3. Neuere Forschungen halten es jedoch für möglich, dass sich diese Urkunde und damit der ON Euuicheim nicht auf Auheim, sondern auf Frankfurt - (Bergen-)Enkheim bezieht: Peter Jüngling, Hanau-Kesselstadt. Zur Archäologie einer Pfarrkirche in Hanau = Hanauer Schriften zur Archäologie und Geschichte 1 (2004), S. 26f.
  4. Lorscher Codex auf Folio 202, Urkunde 3424. Eine weitere Kopie der Schenkungsurkunde von Irminrat soll sich im Codex Eberhardi finden.Edmund E. Stengel: Urkundenbuch des Klosters Fulda = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 10, Bd. 1, Nr. 521, S. 503, befinden.
  5. Hain S. 290.
  6. Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. .
  7. Hain S. 292.
  8. Richard Wille: Hanau im Dreißigjährigen Krieg. Hanau 1886, S. 91, 593f.
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 345 und 366.
  10. „Großauheim, Main-Kinzig-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 10. Dezember 2014)
  11. Stadt Hanau, Museum Grossauheim
  12. Offenbach-Post - Hanau setzt weiter auf Zuzug: Kröte contra Wohnhäuser in Großauheim?

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Großauheim (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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