Grenzsteuersatz - LinkFang.de





Grenzsteuersatz


Der Grenzsteuersatz (marginaler Steuersatz) bezeichnet den Steuersatz, mit dem die jeweils nächste Einheit der Steuerbemessungsgrundlage belastet wird. Er gibt an, welcher Anteil eines zusätzlich zu versteuernden Euro (oder anderer Währungseinheit) als Steuer abgeführt werden muss.

Praktische Bedeutung hat der Grenzsteuersatz im Zusammenhang mit progressiven Einkommensteuertarifen, wie sie weltweit (u.a. in Deutschland, Österreich und der Schweiz) Verwendung finden. Dabei ist der Grenzsteuersatz von der Höhe des zu versteuernden Einkommens (Bemessungsgrundlage) abhängig. Bis zur Höhe des Grundfreibetrags ist er gleich Null, danach erhöht er sich vom Eingangssteuersatz bis zum Spitzensteuersatz. Betrachtet man alle Teile zusammen, so ergibt sich ein Durchschnittsteuersatz, der stets geringer ist als der Grenzsteuersatz.

Der Grenzsteuersatz ist (nur) relevant für die Frage, inwieweit es sich lohnt, das zu versteuernde Einkommen zu steigern oder auch (durch Betriebsausgaben, Werbungskosten oder weitere Freibeträge) zu verringern.

Allgemeines

Einführungsbeispiel

Das zu versteuernde Jahreseinkommen eines Steuerpflichtigen betrage 60.000 €. Nach dem allgemeinen Tarifbeispiel im Bild oben rechts sind 11.250 € Einkommensteuer zu zahlen. Das sind 18,75 % des zu versteuernden Einkommens (= Durchschnittsteuersatz). Der Grenzsteuersatz wird berechnet, indem man den Einkommenszuwachs betrachtet.

Erhöht sich das zu versteuernde Einkommen um 3.000 € auf insgesamt 63.000 €, so sind insgesamt 12.322,50 € Einkommensteuer zu zahlen. Auf diesen Einkommenszuwachs von 3.000 € entfällt somit eine Einkommensteuer von 1.072,50 €, mithin 35,75 %. Das wäre der "Differenzsteuersatz". Betrachtet man nun sehr kleine Einkommensänderungen unter Beachtung der Steuerbetragsfunktion, so erhält man daraus den Grenzsteuersatz. Dieser heißt so, weil er genau an der Grenze zum nächsten zusätzlich verdienten Euro gilt. So beträgt der Grenzsteuersatz im Beispiel zunächst 35 %, jedoch nach der Gehaltserhöhung 36,5 %.

Es ist ersichtlich, dass sich die Grenzsteuersätze vom Differenzsteuersatz unterscheiden, was jedoch bei geringen Einkommenszuwächsen vernachlässigt werden kann.

Definition

Mathematisch handelt es sich beim Grenzsteuersatz um den Differentialquotienten (die Ableitung) der Steuerbetragsfunktion. Ist die Steuerbetragsfunktion [math]S(B)[/math] bei einem bestimmten Wert der Bemessungsgrundlage [math]B[/math] differenzierbar, so ist deren Ableitung der Grenzsteuersatz [math]s_{g}[/math].[1]

Mit [math]s_{g}[/math] = Grenzsteuersatz und [math]B[/math] = Bemessungsgrundlage (zu versteuerndes Einkommen) gilt folgende Beziehung:

[math] s_{g}(B) = S'(B) = \frac {\mbox{d} S(B)} {\mbox{d} B} [/math]

Das ist zugleich die Steigung der Steuerbetragsfunktion beim betrachteten Wert der Bemessungsgrundlage.

Auch der Eingangs- und der Spitzensteuersatz sind definitionsgemäß Grenzsteuersätze. Der Eingangssteuersatz bezieht sich ja nur auf den Einkommensteil oberhalb des Grundfreibetrages. Der Spitzensteuersatz wird nur für den Einkommensteil über dem obersten Einkommenseckwert angerechnet, ab dem er gilt.

Rundungsregel

Neben der reinen Steuerbetragsfunktion gibt es häufig eine Rundungsregel, nach der das zu versteuernde Einkommen und der Steuerbetrag auf bestimmte Beträge gerundet werden. Das führt zu einer Abweichung vom grundsätzlich vorgesehenen Tarifverlauf. Bei sehr grob gestuften Steuertabellen kommt es dadurch zu verzerrenden Effekten, die zum Problem der Reihenfolgeumkehr führen können. Bei modernen Formeltarifen mit Rundung auf einen vollen Euro kann man diesen Effekt praktisch vernachlässigen.

Deutschland

Der Verlauf des Grenzsteuersatzes in Deutschland in Abhängigkeit vom zu versteuernden Einkommen (zvE) ergibt sich aus nebenstehender Grafik für das Jahr 2014 (gestrichelte Linien). Bei einem zu versteuernden Einkommen von 48.000 € beträgt der Grenzsteuersatz 39,76 %.[2] Das ist der Grenzsteuersatz bei Einzelveranlagung. Bei einem zusammen veranlagten Paar mit dem gleichen gemeinsamen Einkommen beträgt der Grenzsteuersatz nur 28,78 %.[3]

Der Einkommensteuertarif in Deutschland ist grundsätzlich ein linear-progressiver Tarif, der jedoch in zwei Abschnitte unterteilt ist. Dadurch entstehen die beiden im Bild erkennbaren Knicke. Eine Abweichung vom linearen Verlauf bildet zudem die zusätzliche Tarifstufe bei etwa 250.000 Euro mit dem Spitzensteuersatz von 45 % (im Bild nicht sichtbar).

Durch die bis 2003 geltende Rundungsregelung, nach der das zvE auf volle 36 Euro abzurunden war, ergaben sich kleine Einkommensstufen, die die Linearität merklich verzerrten. Seit 2004 steigt der Steuerbetrag wesentlich kontinuierlicher, weil seither auf einen vollen Euro abgerundet wird.

Österreich

Der Einkommensteuer in Österreich wird nach einem Stufengrenzsatztarif ermittelt. Der Verlauf des Grenzsteuersatzes in Abhängigkeit vom zu versteuernden Einkommen (zvE) ergibt sich aus nebenstehender Grafik für das Jahr 2016 (unteres Diagramm, dünne rote Linie).

Die Grenzsteuersätze betragen:

  • 00 % für Einkommensteile von 00.000 bis 11.000 Euro jährlich
  • 25 % für Einkommensteile von 11.001 bis 18.000 Euro jährlich
  • 35 % für Einkommensteile von 18.001 bis 31.000 Euro jährlich
  • 42 % für Einkommensteile von 31.001 bis 60.000 Euro jährlich
  • 48 % für Einkommensteile von 60.001 bis 90.000 Euro jährlich
  • 50 % für Einkommensteile von 90.001 bis 1.000.000 Euro jährlich
  • 55 % für Einkommensteile über 1.000.000 Euro jährlich

Dieser Tarif wurde nach der Steuerreform 2015/2016 eingeführt.

Schweiz

In der Schweiz wird die Einkommenssteuer gleichzeitig auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene erhoben. Das nebenstehende Diagramm zeigt den Verlauf der Grenzsteuersätze am Beispiel Zürich ab dem Jahr 2012. Die Grenzsteuersätze sind für jede Ebene und für die Summe als gestrichelte Linie dargestellt.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Steuerpolitik Rainald Borck LMU München SS 2008, Folie 15 (PDF; 253 kB)
  2. Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums, Grundtarif ohne Solidaritätszuschlag
  3. Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums, Splittingtarif ohne Solidaritätszuschlag
Beachten Sie unsere <a href="/wiki/Rechtshinweise">Rechtshinweise</a>

Kategorien: Steuerrecht

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Grenzsteuersatz (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.