Goldberg (Familie) - LinkFang.de





Goldberg (Familie)


Dieser Artikel erläutert Geschichtliches zur Familie Goldberg aus Warnsdorf; zu anderen Bedeutungen siehe Goldberg.

Die Familie Goldberg aus Warnsdorf (tschechisch Varnsdorf) ist eine weit verzweigtes Geschlecht, das bis heute existiert.

Sie stellte über Jahrhunderte den Ortsvorsteher in Warnsdorf. Aufgrund der stark ausgeprägten Textilindustrie, welche das nordböhmische Niederland charakterisierte, waren viele Mitglieder der Familie hier als Fabrikanten und Weber tätig. Bis 1900 sind ca. 1500 Mitglieder der Familie bekannt und genealogisch kartiert.

Ursprung

Schon im 16. Jahrhundert lebten einige Familien mit dem Namen Goldberg in Warnsdorf. Ab 1634 wurden die Kirchenbücher von Warnsdorf ununterbrochen geführt und sind bis heute erhalten. Von den Goldberg-Familien in Warnsdorf überlebte nur die Familie des Richters Michel Goldberg den Dreißigjährigen Krieg. Der Ursprung der Familie ist ungewiss. In der benachbarten Oberlausitz gab es im 16. Jahrhundert ebenfalls einige Familie selben Namens[1] (z.B. Fabian und Wenzel Goldberg aus Großschönau), ob und in welcher verwandtschaftlicher Beziehung diese Familien standen ist unbekannt. Der noch heute existierende Goldfabianteich in Großschönau ist beispielsweise nach diesen benannt.[2] Ebenso sind verwandtschaftliche Beziehungen ins nahe gelegene Reichstadt, wo 1590 Veit Goldberg[3] und 1621 Andreas Goldberg[4] Bürgermeister waren, nicht nachgewiesen. Im 17. Jahrhundert war in Böhmisch Leipa Heinrich Hieronymus Goldberg Bürgermeister.[5][6] 15 Kilometer süd-westlich von Varnsdorf liegt der Goldberg.

Namensschreibweisen

Die heute gewohnte Schreibweise „Goldberg“ festigte sich erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Während der Name in den Warnsdorfer Kirchenbüchern des 16. Jahrhunderts noch Goltbergk, Goldbergk, Goldtbergk, Goldtberg, Goldtbergen, Goltbergen und Goldtberger geschrieben wurde, änderte sich die Schreibweise im 17. Jahrhundert überwiegend in Goldbriche, Goldbrich und Goldberg. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde dann oft Goltberg, Goldtberg und Goldtbrich geschrieben, bis sich die Schreibweise mit Einsetzen eines neuen Kirchenbuchs im Jahr 1753 auf Goldberg anglich. Im Jahre 1707 heiratete Zacharias Goldberg in Großmergthal, wo der Name des Warnsdorfers „Gulprich“ geschrieben wurde, welches ein Hinweise auf die Aussprache des Namens zu dieser Zeit darstellt. Da Goldberg in schlesischer Mundart "Gulprich" ausgesprochen wurde,[7] liegt es nahe, dass es im angrenzenden böhmischen Gebiet nicht anders war.

Richteramt

Im Jahre 1634 wird Michel Goldberg als Richter zu Warnsdorf genannt. Im 16. Jahrhundert waren andere Familien Inhaber der Patrimonialgerichtsbarkeit.[8] Wie das Richteramt in die Familie gelangte ist unbekannt. Nach Michels Tod im Jahre 1641 ging das Amt an seinen Sohn Christoph über, der es, mit Ausnahme zu Zeiten der Emigration als Exulant nach Sachsen[9], ebenfalls bis zu seinem Tod führte. Er wird als Erbrichter bezeichnet. Nach ihm übernahm sein Sohn Christoff das Amt. Andreas Goldberg, ein Sohn von Christoff Goldberg war dann Richter in Altwarnsdorf. Am 31. Januar 1742 ging das Amt an seinen Bruder Michael, der es mit seinem Tod im Jahre 1762 an seinen Sohn Johann Michael vererbte. Dieser wiederum vererbte es an seinen Sohn namens Johann Michael Nicolaus, dieser wiederum an seinen Sohn Johann Michael, der im Jahr 1849 starb. Mit seinem Tod lief auch das Amt aus. Durch das Grundentlastungspatent wurde das Amt des Erbrichters aufgehoben und das des Bürgermeisters entstand.

In den später eingemeindeten umliegenden Orten stellte die Familie teilweise auch Richter, in Floriansdorf sogar über mehrere Generationen. Karl Raimund Goldberg, ein Sohn des letzten Erbrichters, wurde 1872 Bürgermeister in Warnsdorf. Seit dem Jahr 1874 bis zu seinem Tode gehörte er dem böhmischen Landtag[10] ununterbrochen an. Im Jahr 1904 war Josef Joachim Goldberg Bürgermeister in Warnsdorf. Er war ein Neffe 5. Grades von Karl Raimund Goldberg, kam also nicht aus der unmittelbaren Verwandtschaft.

Stammtafel der Familie Goldberg aus Warnsdorf

Generationen 1–3

  1. Michel Goldberg, Patrimonialrichter zu Warnsdorf, * vor 1600, ▭ 23. März 1641 in Warnsdorf
    1. Maria, * um 1615, ∞ Christoff Eger am 19. Februar 1641 in Warnsdorf, ▭ 13. März 1698 in Warnsdorf
    2. Christoph, Erbrichter zu Warnsdorf, * um 1619, ▭ 31. März 1681 in Warnsdorf, ∞ (I) Eva Fiehbiger am 19. Juni 1641 in Warnsdorf, (II) Martha Maßcken am 28. November 1656 in Warnsdorf
      1. (I) Eva, ~ 25. August 1641 in Warnsdorf, ▭ 10. Februar 1643 in Warnsdorf
      2. (I) Eva, ~ 28. Oktober 1643 in Warnsdorf, ∞ Eliaß Kretschmer am 20. April 1663 in Rumburg, ▭ 24. Februar 1716 in Warnsdorf
      3. (I) Michel, ~ 7. Juni 1646 in Warnsdorf, ∞ Elisabeth Schwarzeld am 22. November 1682 in Warnsdorf
      4. (I) Christoff, Erbrichter zu Warnsdorf, ~ 31. Januar 1649 in Warnsdorf, ∞ Magdalena Breuer am 29. Oktober 1674 in Warnsdorf
      5. (I) Johann Christoph, ~ 2. April 1652 in Warnsdorf
      6. (I) Anna Elisabeth, ~ 29. Januar 1654 in Warnsdorf, ∞ Christoff Eisert am 20. Juni 1678 in Warnsdorf
      7. (II) Zacharias, Gärtner, ~ 7. Februar 1658 in Warnsdorf, ∞ Elisabeth Richter am 12. Oktober 1680 in Warnsdorf, ▭ 9. Juni 1711 in Warnsdorf
      8. (II) Christianus, ~ 18. Mai 1659 in Warnsdorf, ∞ Eva Haase am 14. April 1681 in Warnsdorf, ▭ 31. Dezember 1709 in Warnsdorf
      9. (II) Johann Georg, ~ 11. Mai 1664 in Warnsdorf
      10. (II) Hanß Görge, Richter zu Floriansdorf, ~ 8. Juni 1667 in Warnsdorf, ∞ Magdalena Mertten am 1. Oktober 1693 in Warnsdorf, ▭ 3. August 1745 in Floriansdorf
      11. (II) Anna Catharina, ~ 26. Oktober 1672 in Warnsdorf
      12. (II) Anna Rosina, ~ 18. November 1674 in Warnsdorf, ∞ Hannß Arnoldt am 12. Mai 1698 in Warnsdorf
    3. Eva, ∞ Hans Eger
    4. Martin
      1. Christoph, ~ 12. Oktober 1650 in Warnsdorf, ∞ Justinen Guber am 12. Januar 1677 in Seifhennersdorf, + 17. Februar 1695 in Seifhennersdorf
      2. Maria, ~ 8. Mai 1664 in Seifhennersdorf
      3. Zacharias, Häußler, ~ 18. April 1666 in Seifhennersdorf, ∞ Maria Anna N.N. am 30. September 1687 in Seifhennersdorf
    5. Michel, ∞ Eva Seidemann am 17. November 1643 in Warnsdorf, † vor 1706 in Großschönau
      1. Maria, ~ 19. Februar 1646 in Warnsdorf
      2. Christoph, ~ 30. August 1648 in Warnsdorf

Bedeutende Mitglieder der Familie

  • Michel Goldberg († 1641), Oberrichter in Warnsdorf (bis 1641)
  • Christoph Goldbrich (um 1619–1681), Erbrichter in Warnsdorf (1641–1681)
  • Christoff Goldbriche (1649–1724), Erbrichter in Warnsdorf (1681–1724)
  • Andreaß Goldbrich (1679–1743), Erbrichter in Warnsdorf (1724–1742)
  • Michael Goldbrich (1683–1762), Erbrichter in Warnsdorf (1742–1762)
  • Johann Michäel Goldtbrich (1720–1806), Erbrichter in Warnsdorf (1762–1806)
  • Johann Michael Nicolaus Goldberg (1766–1838), Erbrichter in Warnsdorf (1806–1838)
  • Johann Michael Goldberg (1804–1849), Amtsrichter von Warnsdorf (1838–1849), Schützenmajor, Gastwirt, Kommandant der Nationalgarde zu Warnsdorf
  • Johannes Michael Goldberg (1819–1891), Halbwollwarenfabrikant in Warnsdorf[11]
  • Karl Raimund Goldberg (1836–1897), Fabrikant, Bürgermeister von Warnsdorf (1872–1897), Mitglied des böhmischen Landtags (1874–1897, DFP)
  • Anton Josef Goldberg (1846–1917), altkatholischer Fabrikbesitzer, Ratsherr in Warnsdorf[12]
  • Josef Joachim Goldberg (1849–1916), altkatholischer Fabrikant, Bürgermeister von Warnsdorf (1905–1914)[13]
  • Carl Goldberg (1858–1926), Fabrikant (Glasraffinerie und Glasmalerei) in Haida,[14] Freimaurer[15]
  • Alma Goldberg geb. Weickert (1885–1964), letzte Eigentümerin der Lausche-Baude (brannte 1946 ab), Frau von Dr. Richard Johann Goldberg
  • Rainer Goldberg (1898–1976), Apotheker, Ratsherr in Gratzen[16]
  • Kurt Goldberg (1924–2007), Träger der Silbernen Kulturmedaille der Stadt Wels sowie des Silbernen Verdienstabzeichen des Landes Oberösterreich[17]
  • Walter Hans Gustav Karl Maria Goldberg (1924), Prof. Dr., Komiteemitglied des Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften[18][19]
  • Kaarina Goldberg, in Wien lebende finnische Schriftstellerin und Journalistin
  • Katja Goldberg (1980-heute), Dr. rer. nat., Chemikerin[20]
  • Felix Goldberg (1988-heute), Wiener Zeichner, Urheber des Comic Everyday Blues[21]
  • Jan Michael Goldberg (1994-heute), Kreistagsabgeordneter des Kreises Gütersloh,[22] SPD

Familienverband

Mitglieder der Familie gründeten am 9. November 2014 in Rheine den „Goldberg'scher Familienverband e.V.“.[23]

Quellen

  • Kirchenbücher der entsprechenden Orte
  • Genealogische Sammlung der Familie
  • Alois Palme: Warnsdorf mit seinen historischen Denkwürdigkeiten von dessen Gründung an bis zum Jahre 1850. Verlag H. Anner, 1913.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Johann Gottfried Theodor Sintenis: Die Oberlausitz: ein belehrendes und unterhaltendes Lesebuch, vorzüglich für alle diejenigen welche an diesem Lande ganz besondern Antheil nehmen. 1812.
  2. Goldfabianteich. In: Friedrich Theordor Richter: Geschichtlich-statistische Darstellung der Damastmanufactur-Orte Groß- und Neu-Schönau in der Königl. Sächs. Oberlausitz. Leipzig 1837, S. 8.
  3. Mitteilungen des nordböhmischen Exkursions-Klubs. Band 37, 1914, S. 243.
  4. Mitteilungen des nordböhmischen Exkursions-Klubs. Band 31, 1908, S. 227.
  5. bohmischleipa.cz
  6. Mitteilungen des nordböhmischen Exkursions-Klubs. Band 10, 1887, S. 7.
  7. Hans Bahlow: Schlesisches Namensbuch. Dritter Band, Holzner Verlag, Kitzingen/Main 1953.
  8. Alois Palme: Warnsdorf mit seinen historischen Denkwürdigkeiten von dessen Gründung an bis ins Jahre 1850. Druck: Philipp Geržabek, Böhmisch Leipa 1852, S. 170.
  9. Christian Adolph Pescheck: Die böhmischen Exulanten in Sachsen. Zur Beantwortung der von der Fürstlich Jablonowski'schen Gesellschaft gestellten historischen Preisfrage: "Untersuchung der bis zur Mitte des XVII. Jahrhunderts stattgefundenen Uebersiedelung aus Böhmen nach Sachsen und der Folgen, welche diese für Sachsens Cultur gehabt haben". Verlag S. Hirzel, 1857, S. 86.
  10. Stenographischer Bericht über die XXV. Sitzung d. II. Jahressession d. Landtages des Konigreiches Böhmen v. Jahre 1895 am 10. Jänner 1898 . Tschechisch und deutsch. Protokoll des böhmischen Landtags vom 10. Januar 1898. online auf psp.cz.
  11. Mitteilungen des Nordböhmischen Exkursions-Klubs. Band 10, 1896, S. 110.
  12. SOA Lit, N67/19, 1908–1928, S. 56.
  13. Christian Halama: Altkatholiken in Österreich. Böhlau-Verlag, 2004, ISBN 3-205-77224-5, S. 401.
  14. Antonín Langhamer: The Legend of Bohemian Glass. 2003, ISBN 80-86062-11-2, S. 292.
  15. Karl Goldberg. im Freimaurer-Wiki.
  16. Sudetenpost. 35. Jahrgang, Wien-Linz, Folge 3 vom 2. Februar 1989, S. 5.
  17. Sudetenpost. 30. Jahrgang, Wien-Linz, Folge 5 vom 8. März 1984, S. 5.
  18. Walter Goldberg's Biography. In: Rolf Wolff: Organising Industrial Development. De Gruyter-Verlag, 1986, ISBN 3-11-010669-8, S. 375 f.
  19. Wolfgang Girnus (Hrsg.): Sozialistischer Weltbürger und Enzyklopädist: Mosaiksteine zu Jürgen Kuczynski. Leipziger Universitätsverlag, 2007, ISBN 978-3-86583-159-0, S. 95.
  20.   Katja Goldberg: Einsatz von Alkoholdehydrogenasen in der Biokatalyse: Entwicklung eines biokatalytischen Verfahrens zur asymmetrischen Produktion von Alkoholen. 2010, ISBN 978-3-8381-1874-1.
  21. Everyday Blues . Website von Felix Goldberg. Abgerufen am 20. Juni 2014.
  22. Die Glocke. 27. Mai 2014.
  23. Jeder Mensch hinterlässt Spuren. In: Neue Westfälische. abgerufen am 23. Dezember 2014. (zur Gründung des Familienverbands)

Kategorien: Individuelle Familie

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Goldberg (Familie) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.