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Gleisdreieck


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gleisdreieck (Begriffsklärung) aufgeführt.

Ein Gleisdreieck (manchmal auch Bogendreieck genannt) bei Bahnen ist eine Verbindung von Strecken über drei Berührungspunkte. Immer zwei der Strecken sind an jedem der drei Berührungspunkte mit einer Weiche verbunden. Die Anlage kann durch ein- oder mehrgleisige Strecken gebildet werden.

Von Einrichtungsfahrzeugen genutzte Straßenbahnnetze haben ein Wendedreieck oder eine Wendeschleife.

Auslegung bei Überkreuzung

Bei der Beteiligung mehrgleisiger Strecken ist zu unterscheiden zwischen

Davon hängt die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur ab.

Beispiele:

Eisenbahn

Gleisdreiecke wurden bei der Eisenbahn aber auch in Bahnbetriebswerken oder Güterbahnhöfen angelegt. Dabei wurde in der Regel von einem durchgehenden geraden Gleis unter Einsatz von drei Weichen ein rechtwinklig zum geraden Gleis errichtetes Stumpfgleis über zwei möglichst symmetrische Gleisbögen angebunden. Diese Gleisdreiecke dienten dem „Wenden“ speziell von Schlepptenderlokomotiven, die nicht regulär in Rückwärtsfahrt im Zugdienst eingesetzt werden konnten und wurden daher in der Nähe von Betriebsstellen benötigt, an denen Züge enden oder beginnen. Aufgrund des relativ großen Platzbedarfes sind Gleisdreiecke in Deutschland selten. Mit Einführung der Drehscheiben in den Bahnbetriebswerken wurden Gleisdreiecke weitgehend entbehrlich. Eine noch seltenere (und erheblich aufwändigere) Variante mit gleicher Funktion sind Gleisfünfecke, deren Platzbedarf zwischen dem von Gleisdreieck und Drehscheibe liegt.

Gelegentlich verkehren ICE-Züge in „umgekehrter Reihung“, weil sie z. B. bei einer vorangegangenen Umleitung „Kopf machen“ mussten. Diese müssen dann in einem großräumigen Gleisdreieck gewendet werden, um zu Beginn des nächsten Einsatzes wieder richtig zu stehen, z. B. der ICE 1 auf den Nord-Süd-Linien mit der 1. Klasse nach Süden (eine Drehfahrt).

In Westsachsen ist das Bogendreieck Werdau von überregionaler Bedeutung für den Bahnhof Plauen (Vogtl) ob Bf und den Zwickau Hbf. Auch die Bahnstrecke Jüterbog–Röderau besitzt ein Bogendreieck, den Abzweig bei Zeithain nach Dresden und Elsterwerda.

U-Bahn

Auch bei U-Bahnen können Gleisdreiecke vorkommen. Am bekanntesten ist bis heute der U-Bahnhof Gleisdreieck in Berlin, obwohl es das namensgebende Gleisdreieck schon seit dem Umbau des Bahnhofs im Jahre 1912 nicht mehr gibt.

Straßenbahn

Wie bei der Eisenbahn werden durch ein Gleisdreieck drei Strecken so miteinander verbunden, dass alle Fahrbeziehungen möglich sind. Neben komplett zweigleisig ausgebauten Gleisdreiecken sind auch verschiedene Varianten gebaut worden (teilweise oder komplett eingleisig; sowohl mit als auch ohne Ausweichen in den Schenkeln).

Eine Sonderform ist das meist eingleisige Wendedreieck, das hauptsächlich zum Wenden von Einrichtungsfahrzeugen dient und entweder als Zwischenendstelle dient oder den Streckenabschluss darstellt. Wendedreiecke wurden meist in Straßenzügen angelegt, wo aus Platzgründen keine Wendeschleife möglich war (z. B. Magdeburg-Diesdorf, 2001 durch Wendeschleife ersetzt) oder entstanden durch Rückbau eines Gleisdreiecks nach Stilllegung einer dort angeschlossenen Strecke (z. B. in Leuna), bzw. von betrieblich nicht mehr benötigten Wendeschleifen, um so in Ausnahmefällen (Unfall etc.) zu wenden (München, Wettersteinplatz und Zirkus Krone). Es gibt aber auch Wendedreiecke außerhalb des Straßenraumes (Görlitz Landeskrone). Wendedreiecke sind meist so angelegt, dass die Straßenbahn erst an ihnen vorbeifährt (1), dann rückwärts (2) in das Stumpfgleis hinein- und anschließend vorwärts (3) wieder herausfährt. Bei der Rückwärtsfahrt steuert der Fahrer meist von einem Hilfsfahrerstand am Heck des Wagens bzw. Zuges oder es wird ein Rangierer benötigt.

Bei Baumaßnahmen mit Streckenunterbrechung werden Gleisdreiecke und provisorisch errichtete Wendedreiecke auch als Wendemöglichkeiten für Einrichtungswagen eingesetzt.

Nachdem früher Wendedreiecke zunehmend abgebaut oder außer Betrieb genommen wurden (z. B. in Augsburg), sind in den letzten Jahren z. B. in Rotterdam und München neue gebaut worden; letztere werden jedoch nur bei Umleitungen u. ä. benutzt.

Modellbahn

Im Modellbahn-Betrieb im Zweischienen-Zweileiter-System (siehe auch Antriebssysteme der Modelleisenbahn) kann bei eingleisigen Strecken ein Gleisdreieck, wie auch bei den Wendeschleifen, nur mit zusätzlicher Schaltungstechnik realisiert werden. Andernfalls werden die beiden Leiter, also die beiden Schienen, über kreuz zusammengeführt und es entsteht ein Kurzschluss. Bei analoger Steuerung wird dieses Problem am einfachsten gelöst, indem ein Gleisabschnitt elektrisch von den anderen Gleisen getrennt, und über einen Polwendeschalter mit Strom versorgt wird. Polwendeschalter bedingen einen kurzen Halt des Zuges. Der getrennte Gleisabschnitt kann auch über Dioden mit Strom versorgt werden. Ein Halt kann vermieden werden, wenn die Dioden als Gleichrichter (in Graetz-Schaltung) geschaltet werden und beim Durchfahren des Gleisabschnittes am Transformator die Fahrtrichtung gewechselt wird. Wenn das Wechseln der Fahrtrichtung am Transformator vergessen wird, kommt es zu einem Kurzschluss. Komplexere Lösungen verwenden Relais oder elektronische Schaltungen. Bei digitaler Steuerung bieten die Hersteller so genannte „Kehrschleifenmodule“ an. Solch ein Kehrschleifenmodul versorgt einen elektrisch von den anderen Gleisen getrennten Abschnitt.


Kategorien: Bahnanlage | Modelleisenbahn | Straßenbahntechnik

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