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Ger (Wurfspieß)


Der altertümliche Ausdruck Ger bezeichnet den Wurfspieß oder Speer der Germanen.

„Ger-Mannen-Theorie“

Seit langer Zeit nahm man an, dass sich der Begriff „Germanen“ von „Ger-Männer“ herleite.

Das Wort Germane ist schon in Dokumenten von Julius Caesar († 44 v. Chr.) gesichert. Caesar bezeichnete damit die Völker rechts des Rheines sowie seine germanischen Hilfstruppen. Erstmals erwähnt wurde das Wort Germanen schon vorher, 80 v. Chr., unter dem griechischen Geschichtsschreiber Poseidonios. Laut Poseidonios bezeichnete dieser Name ursprünglich die Stämme am Niederrhein und am Nordseeküstengebiet.

Der römische Historiker Tacitus berichtet um das Jahr 98 n. Chr. in seinem Werk De origine et situ Germanorum („Über den Ursprung und die Lage der Germanen“; 2. Kapitel), dass der Name Germanen noch relativ neu sei; man habe den Namen zunächst für den germanischen Stamm der Tungrer benutzt und anschließend auf alle germanischen Stämme übertragen. Die kaum erforschten Tungrer wurden einst von Caesar im Norden Galliens angesiedelt, wo sie die Einheimischen verdrängten. Tacitus zufolge seien also als Germanen im umfassenden Sinn alle rechtsrheinischen Stämme so zuerst von den Galliern bezeichnet worden, als sie den Rhein überschritten: „Zuerst wurden alle nach dem Sieger, aus Furcht vor ihm, als Germanen bezeichnet, bald aber nannten auch sie selbst sich so, nachdem der Name einmal aufgekommen war.

Man nahm daraufhin an, dass diese Namensgebung wohl kaum wegen einer bestimmten Charaktereigenschaft, sondern eher wegen einer als „Ger“ bekannten Waffe erfolgt sei. Caesars Werke, etwa das 7. Buch De Bello Gallico, ermöglichen diese Deutung, da sie die außergewöhnliche Kampfkraft der Germanen betonen: Für die Schlacht bei Alesia forderte er seine Verbündeten, die berittenen germanischen Hilfstruppen, an. Die Germanen erschienen schlauerweise nur mit „lahmen Ackergäulen“, da sie Pferde für das höchste Gut hielten und ihren eigenen Besitz in einer Schlacht wohl nicht opfern wollten. Caesar aber war wohl von ihrer Waffentechnik so sehr überzeugt, dass er sogar seinen eigenen Leuten die Pferde wegnehmen und sie den Germanen zukommen ließ.[1]

Tacitus berichtete des Weiteren, dass die von den Germanen am häufigsten geführte Waffe ein leichter Speer oder Spieß sei, den die Germanen selbst Frame nennen, und den sie sowohl als Wurfwaffe als auch im Nahkampf einsetzen. Schwerter und schwere Spieße würden, so berichtet er, – auch wegen des hohen Preises von Eisen– nur von wenigen getragen. Archäologische Funde und deren Häufigkeit belegen diese Beschreibung.[2]

Naheliegend war daher die Annahme, dass sich der Name Germanen von Ger-Männern herleite, wobei Ger die Bezeichnung für ihren Speer sein müsse.

Das mittelhochdeutsche Wort gêr, althochdeutsch gêr oder kêr, entstand aus dem germanischen Wort *gaizaz, bzw. indogermanisch *ghaisó und bedeutete so viel wie „Wurfspeer, Geschoss, Pfeil, Keil“.[3] Das Bedeutungsspektrum von gêr hat heute der Begriff Speer, aus germ. *sparran („stützen, stemmen“; substantivisch: „Sparren, Stange, Speer“), übernommen.

Laut Meyers Konversations-Lexikon war der Ausdruck Ger noch 1905 in der Turnkunst (Gerwerfen nach dem Zielpfahl mit Pfahlkopf) gebräuchlich.[3] Er findet heute keine Verwendung mehr, kommt aber noch als Namensbestandteil vor, wie etwa in Gerhard, Gerlinde oder Gertrud.[3]

Kritik

Die oben genannte Theorie wird heute vielfach wissenschaftlich bezweifelt. Das Wort gêr ist erst ab dem 8. Jahrhundert in der Bedeutung „Speer“ in schriftlichen Dokumenten belegt, z. B. im Beowulf-Epos (dort werden die Dänen als Gâr-Dena, d.h. „Ger-Dänen“ bezeichnet) oder im Hildebrandslied.[4] Schon Tacitus berichtet, dass die Eigenbezeichnung der Germanen für ihren Speer Frame war. Ohnehin scheint es unwahrscheinlich, dass der Tacitus zufolge gallische Begriff Germane sich aus einer germanischen Selbstbezeichnung ableite. Ebenso fand man bisher keine Inschriften mit dem ausgeschriebenen Wort Ger auf Steinen. Eine mögliche gemeingermanische Wortbedeutung von Ger ist bisher weder überliefert noch erschlossen.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Als sie eintrafen, jedoch keine sehr geeigneten Pferde hatten, nahm er den Militärtribunen und den übrigen römischen Rittern sowie den Freiwilligen ihre Pferde und verteilte sie an die Germanen.“ (Caesar,Gallico,7,65,5)
  2. Vgl. Hermann Ament: Germanen. Unterwegs zu höherer Zivilisation.
  3. 3,0 3,1 3,2 Vgl. Eintrag Gēr , in: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 1905.
  4. Vgl. Henrike Lähnemann (Memento vom 19. März 2008 im Internet Archive)

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