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Georg Gradnauer


Georg Gradnauer (* 16. November 1866 in Magdeburg; † 18. November 1946 in Berlin-Schlachtensee) war ein deutscher Politiker (SPD).

Leben

Gradnauer, Sohn eines Kaufmanns, jüdischer Herkunft, studierte nach dem bestandenen Abitur am Klostergymnasium von 1885 bis 1889 in Genf, Berlin, Marburg und Halle/Saale Geschichte, Literatur und Philosophie. Nach der 1889 in Halle erfolgten Promotion, einer Arbeit über „Mirabeaus Gedanken über die Erneuerung des französischen Staates“, war er bis 1897 Schriftleiter der Sächsischen Arbeiterzeitung. Hier als leitender Redakteur bat er Friedrich Engels um einen Beitrag zum 1. Mai 1893. Von 1896 bis 1905 war er Redakteur des Vorwärts in Berlin und anschließend bis 1918 leitender Redakteur der Dresdner Volkszeitung in Dresden.

Von 1889 bis 1890 absolvierte Gradnauer seinen Militärdienst. Er trat im Oktober 1890 in die SPD ein. 1898–1906 und 1912–1918 war er Mitglied des Reichstages (MdR). Im Zuge des Umbruchs nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gradnauer Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten im Freistaat Sachsen. Diese Funktion übte er vom 22. Januar 1919 bis 14. März 1919 aus.

Seine Partei wurde bei den Wahlen zur Volkskammer am 2. Februar 1919 stärkste Partei. Nach der Verabschiedung eines vorläufigen Grundgesetzes für den Freistaat Sachsen wählten die Abgeordneten ihn am 14. März 1919 zum Ministerpräsidenten. Er gehörte daneben der Weimarer Nationalversammlung an.

Die äußerst unruhige politische Lage in Deutschland im Zuge der Neuordnung nach dem Ende der Monarchie fand in Sachsen im „Chemnitzer Blutbad“, der zeitweiligen Ausrufung des Ausnahmezustandes durch General Maercker sowie dem Lynchmord an dem Kriegsminister Gustav Neuring ihre unrühmlichen Höhepunkte. Eine sinnvolle Arbeit erschien Gradnauer nicht mehr möglich. Er trat daher am 22. April 1920 zusammen mit Innenminister Karl Otto Uhlig zurück. Sein Nachfolger wurde am 4. Mai 1920 Wilhelm Buck (SPD).

Gradnauer war im Anschluss 1920–1924 nochmals MdR und 1921 für kurze Zeit Reichsinnenminister. Von 1921 bis 1932 leitete er die Sächsische Gesandtschaft in Berlin. 1933 wurde er durch das NS-Regime in „Schutzhaft“ genommen. Am 21 Januar 1944 erfolgte eine zweite Verhaftung und Verschleppung ins KZ Theresienstadt. Er war dort bis zum 8. Mai 1945 inhaftiert, wo er der Gruppe jüdischer „Prominenter“ angehörte. Gradnauer wurde nach dem Vereinigungsparteitag Mitglied der SED.[1]

In Kleinmachnow wurde ein Stolperstein verlegt.[2]

Veröffentlichungen / Werke

  • Mirabeau's Gedanken über die Erneuerung des französischen Staatswesens. Karas Halle a. S. 1889 (= Hallesche Abhandlungen zur neueren Geschichte 23)
  • Sozialpolitische Seifenblasen. In: Die neue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens. 15.1896-97, 1. Band (1897), Heft 18, S. 566-570. Digitalisat
  • Das Elend des Strafvollzugs. Buchhandlung Vorwärts, Berlin 1905.
  • Die Wahlrechtsbewegung. In: Sozialistische Monatshefte. 12 = 14(1908), Heft 18/19, S. 1143-1149. Digitalisat
  • Verfassungswesen und Verfassungskämpfe in Deutschland. Buchhandlung Vorwärts, Berlin 1909.
  • Die sächsischen Wahlen und die Reichspolitik. In: Sozialistische Monatshefte. 13 = 15(1909), Heft 21, S. 1342-1346. Digitalisat
  • Nach den sächsischen Wahlen 1909. In: Sozialistische Monatshefte. 13 = 15(1909), Heft 23, S. 1466-1471. Digitalisat
  • Wahlkampf! Die Sozialdemokratie und ihre Gegner. Kaden, Dresden 1911.
  • Georg Gradnauer, Robert Schmidt: Die deutsche Volkswirtschaft. Eine Einführung. Buchhandlung Vorwärts, Berlin 1921.
  • Georg Gradnauer, Rudolf Breitscheid (Hrsg.): Die Vorgeschichte des Weltkrieges. Das Werk des Untersuchungsausschusses der Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung und des Deutschen Reichstages. Deutsche Verlags- Gesellschaft für Politik und Geschichte, Berlin 1919–1930.

Literatur

  • E. Herbig: Gradnauer, Georg. In: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Biographisches Lexikon. Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 162-163.
  • Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.
  • Georg Gradnauer und die Begründung des Freistaates Sachsen 1918-1920. Parlamentarisierung und Demokratisierung der sächsischen Revolution. In: Landesgeschichte in Sachsen. Tradition und Innovation. Sächs. Landeszentrale f. Polit. Bildung, Dresden 1997, S. 249-270.
  • Mike Schmeitzer, Andreas Wagner (Hrsg.): Von Macht und Ohnmacht. Sächsische Ministerpräsidenten im Zeitalter der Extreme 1919-1952. Sax-Verlag, Bucha 2006, ISBN 978-3-934544-75-8, S. 52-88.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. E. Herbig: Gradnauer, Georg.
  2. Stolpersteine in Kleinmachnow


Kategorien: Innenminister (Deutschland) | Landesminister (Sachsen) | Ministerpräsident (Sachsen) | Reichsminister (Weimarer Republik) | Mitglied des Rates der Volksbeauftragten | Mitglied der Weimarer Nationalversammlung | Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik) | Überlebender des Holocaust | Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich) | Gestorben 1946 | Geboren 1866 | SPD-Mitglied | SED-Mitglied | Person der Novemberrevolution | Deutscher | Mann | Journalist | Stolpersteine

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Georg Gradnauer (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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