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Gedächtnisspanne


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Die Gedächtnisspanne ist die Zahl der Elemente, die ein Lebewesen gleichzeitig miteinander vergleichen oder in irgendeine logische Beziehung zueinander setzen kann. Je größer die Gedächtnisspanne oder das unmittelbare Behalten ist, desto komplizierteres Denken wird möglich.

Spricht man einer Person eine Reihe von einsilbigen Wörtern vor, also etwa „Pferd“, „Hund“, „Kuh“, „Schaf“ usw. – jedes Wort nur einmal und das nächste im Abstand von einer Sekunde – und fordert die Versuchsperson dann auf, die Wörter zu wiederholen, dann stellt sich heraus, dass sich ein Erwachsener im Durchschnitt sieben (7±2) Wörter merken kann. (Miller, 1956) Das Ergebnis lässt sich immer bestätigen, beispielsweise beim Nachsprechen von einfachen Zufallszahlen. Der Zusammenhang zwischen Gedächtnisspanne, Intelligenz und Kurzspeicherkapazität oder Leistungsvermögen des Arbeitsgedächtnisses scheint regelmäßig zu bestehen.

Überblick

Die Gedächtnisspanne ist bei kleinen Kindern gering, nur zwei oder drei, und wächst dann bei intelligenten Kindern etwa alle zwei Jahre um ein Element an. Es war der Psychologe Jean Piaget, der die Bedeutung der Gedächtnisspanne erkannte und der die Theorie aufstellte, dass das Ausreifen des Denkens bei Kindern ursächlich mit dem Wachsen der Gedächtnisspanne zusammenhängt. Hochbegabte Kinder haben schon bei Eintritt ins Schulalter eine Gedächtnisspanne von fünf.

Die Möglichkeiten der gleichzeitigen Verarbeitung mehrerer Elemente lässt sich aber auch methodisch steigern. Durch Einbau mehrerer Elemente in einen Gesamtzusammenhang können diese in einer erhöhten Menge betrachtet werden. Baut eine Testperson also die Begriffe „Pferd“, „Hund“, „Kuh“, ... in die größere Einheit „Bauernhof“ ein, dann dient dies als eine erweiternde Stütze des Kurzzeitgedächtnisses. Die Begriffe können gemeinsam betrachtet und untersucht werden.

Eine solche Bildung von Bedeutungseinheiten, letztlich also von Komplexen, bildet auch die Grundlage höherer Denkvorgänge. Es wird sowohl eine Reduktion der Information als auch ein größere Zusammenhänge erfassender Blick gewonnen.

Diese grundlegende Art der Informationsverarbeitung, auch als Chunking bezeichnet, führt nicht nur nach außen hin zu einer scheinbaren Überschreitung der Siebenerschwelle, sondern zur Aufnahme und Ergründung weitverzweigter Informationsstrukturen.

Das Testen der Gedächtnisspanne in verschiedenen Varianten (etwa Wiedergabe von Zahlenfolgen vorwärts oder rückwärts oder mitten aus einer fortlaufenden Zahlenreihe heraus) ist seit etwa 100 Jahren ein fester Bestandteil von zahlreichen Intelligenztests.

Ein typisches Beispiel für die Bildung von Informationseinheiten aus scheinbar unzusammenhängenden Zeichen weit über die 7er-Schwelle hinaus ist unter anderem die buchstabenbezogene Schrift und für die Basistests mit Zahlenfolgen die Anwendung von Gedächtnistechniken, mit denen Zahlenpaaren oder Zahlentripeln bestimmte Bedeutungen zugewiesen werden.

Besonders letzteres mag schnell als „Trick“ abgetan werden, bei genauerer Betrachtung wird durch eine solche Anwendung aber genau das nachvollzogen, was auf höherer Ebene ständig geschieht: Die Bildung sinnbehafteter Einheiten zur Überwindung der Schwelle von sieben Untereinheiten. Gerade solche Techniken illustrieren also im Kleinen eine der grundlegenden Funktionen unseres Denkens.

Zur Frage, inwiefern die mit derartigen Techniken stets einhergehende, aber hiervon zu unterscheidende Loci-Methode, also die räumliche Anordnung von Information zur besseren Speicherung und Verarbeitung, auch bereits automatisch bei Denkvorgängen Anwendung findet und inwieweit hierdurch Informationsaufnahme und -verarbeitung gegebenenfalls unterstützt werden können, existieren sowohl unter regelmäßigen Anwendern der Methode als auch unter Psychologen Meinungsverschiedenheiten. Klar strukturierte Untersuchungen hierzu fehlen noch.

Siehe auch

Literatur

  • Fritz Süllwold: Das unmittelbare Behalten und seine denkpsychologische Bedeutung. Hogrefe, Göttingen 1964

Weblinks


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