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Geburtenziffer


Geburtenziffer ist ein Fachausdruck der Demografie, mit dem die Anzahl der Lebendgeborenen pro Jahr bezogen auf 1000 Einwohner angegeben wird.

Die Geburten- wie die Sterbeziffern sind kurz- und langfristigen Veränderungen unterworfen. Im Modell des demografischen Übergangs (vor allem seit den 1970er Jahren) wird angenommen, dass es eine einheitliche Tendenz von hohen hin zu niedrigen Geburten- und Sterbeziffern gibt. Diese Entwicklung lässt den Altenquotienten steigen, d. h. der Anteil Älterer an der Bevölkerung nähme weiter zu. Hohe Geburten- und Sterbeziffern würden zu einem Steigen des Jugendquotienten führen. Eine besonders deutliche Veränderung der Geburtenziffer erlebten viele Staaten nach Einführung der Antibabypille (dem sogenannten Pillenknick).

Definition

In der Bevölkerungsstatistik wird mit der Geburtenziffer die Anzahl der Lebendgeborenen pro Jahr und 1000 Einwohner angegeben, also

[math]1000\cdot{Lg \over Ew}[/math]

mit

Lg := Lebendgeborene im entsprechenden Jahr und
Ew := Einwohner im Jahresmittel oder zur Jahresmitte.

Synonyme

Gleichbedeutend mit Geburtenziffer werden in der demografischen Literatur die Begriffe Geburtenrate, Geborenenziffer, Bruttogeburtenrate, rohe Geburtenrate, allgemeine Geburtenrate und allgemeine Geburtenziffer verwendet. Bei den beiden Letzteren ist zu beachten, dass damit oft auch das bezeichnet worden ist, was heute meist allgemeine Fruchtbarkeitsziffer genannt wird.

Der englische Fachbegriff ist crude birth rate, abgekürzt CBR.

Abgeleitete Begriffe

Ableitungen der Geburtenrate bilden u. a. Geburtenraten, die nicht auf die Gesamtbevölkerung einer Raumeinheit, sondern auf Teilgruppen wie beispielsweise Stadtbevölkerung oder Landbevölkerung bezogen werden.

Geburtenziffern, die auf die Zahl von Frauen im gebärfähigen Alter (oder Teilgruppen davon) bezogen sind, werden oft als Fruchtbarkeitsziffern oder (in Anlehnung an den englischen Begriff fertility rate) Fruchtbarkeitsraten bezeichnet.

Insbesondere existieren folgende Begriffe:

Allgemeine Geburtenziffer, allgemeine Fruchtbarkeitsziffer

Unter allgemeine Geburtenziffer oder allgemeine Fruchtbarkeitsziffer (abgekürzt GFR für englisch general fertility rate) wird die Zahl der Lebendgeborenen pro Jahr und 1000 Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren (also grob im gebärfähigen Alter) verstanden. Sie kann durchaus hoch sein, obwohl die rohe Geburtenrate – wegen eines hohen Anteils von Alten, Männern und/oder Kindern – einen niedrigen Wert hat.

Als „Alter“ nimmt man hier und im Folgenden aus praktischen Gründen manchmal die Differenz zwischen Geburtsjahr des Kindes und Geburtsjahr der Mutter, womit sich im Durchschnitt (± 1 Jahr) ungefähr das mathematisch exakte Alter der Mutter ergibt und nicht die Zahl der vollendeten Lebensjahre (z. B. sind Mütter, die in der Statistik 30 Jahre alt sind, im allgemeinen Sprachgebrauch zur Hälfte erst 29 Jahre alt).

Altersspezifische Geburtenziffer, altersspezifische Fruchtbarkeitsziffer

Darunter wird die Zahl der Lebendgeborenen von Frauen in einem bestimmten Alter bezogen auf 1000 Frauen im entsprechenden Alter verstanden.

Die Höhe der altersspezifischen Fruchtbarkeitsziffern differiert deutlich mit dem Alter der Frauen. Für die Altersjahre bis 15 und ab 45 Jahren sind sie nahe 0, dazwischen gibt es meist ein ausgeprägtes Maximum, dessen Position vor allem vom Bildungsstand der betrachteten Frauen abhängt. In Deutschland hat es sich in den letzten 40 Jahren von etwa 25 auf 31 Jahre verschoben.

Zusammengefasste Geburtenziffer, zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer

Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer (abgekürzt TFR für englisch total fertility rate) ist die durch 1000 geteilte Summe der altersspezifischen Fruchtbarkeitsziffern.

Kohortenspezifische Geburtenziffer, kohortenspezifische Fruchtbarkeitsziffer

Auch bei der kohortenspezifischen Geburtenziffer (abgekürzt CFR für englisch cohort fertility rate) handelt es sich um eine durch 1000 geteilte Summe altersspezifischer Fruchtbarkeitsziffern, wobei aber die Ziffern verschiedener Jahre so summiert werden, dass sie sich auf einen einheitlichen Geburtsjahrgang der Mütter beziehen. Sie wird auch als mittlere endgültige Kinderzahl bezeichnet, weil sie die Zahl der Kinder angibt, die Frauen eines Jahrgangs im Durchschnitt gehabt haben, und ist ein realitätsnäheres Maß als die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer, hat aber den Nachteil, dass sie erst ermittelt werden kann, nachdem der betreffende Jahrgang das gebärfähige Alter weitgehend verlassen hat.

Literatur

  • Aharon Levy: Geburtenziffer der jüdisch-christlichen Mischehen in einigen Großstädten Deutschlands, München 1936, DNB 570833817 (Dissertation Universität München, Medizinische Fakultät, 1936, 28 Seiten).
  • Geburtenentwicklung nach der Wende: Protokoll einer Tagung der Johann-Peter-Süßmilch-Gesellschaft für Demographie, herausgegeben von Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum Berlin-Brandenburg SFZ, durch Ingrid Kurz-Scherf und G. Winkler (= Umbruch, Band 14). am Turm, Berlin 1998, DNB 958073929 .
  • Johannes Kopp: Geburtenentwicklung und Fertilitätsverhalten, theoretische Modellierungen und empirische Erklärungsansätze, UVK, Konstanz 2002, ISBN 3-89669-969-5 (Habilitationsschrift Universität Mannheim 1999, 238 Seiten, Wissenschaftliche Abhandlung, die auch eine Erläuterung demographischer Größen enthält).
  • Norbert Schuett: Endogenes Wachstum und Bevölkerungsentwicklung, Bielefeld 2005, DNB 978135245 Dissertation Uni Bielefeld Juli 2005, 175 Seiten, Betreuer: Alfred Greiner und Willi Semmler, online (PDF, kostenfrei 175 Seiten, 588 KB)

Populärwissenschaftliche Zusammenfassung der Kritik

Weblinks


Kategorien: Demografie

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