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Gattung (Musik)


Gattung bezeichnet in der Musik einen Kompositionstypus.[1] Der Gattungsbegriff ist innerhalb eines logischen Klassifikationsmodells auf einer mittleren Ebene angesiedelt. Er fügt die auf einer unteren Ebene angesiedelten Arten zu einer Familie zusammen und erscheint mit anderen Erscheinungen derselben logischen Ebene unter einem gemeinsamen Oberbegriff subsumierbar. Eine Art wird durch eine Untergliederung anderer Elemente zu einer Gattung für die nächsttiefere Ebene. Eine musikalische Gattung entsteht laut Carl Dahlhaus „durch Tradierung von Normen, existiert aber andererseits nicht isoliert für sich, sondern als Teil eines Gattungssystems“.

„Gattung“ und „Form“ sind unterschiedlich zu verstehen. Eine Form beschreibt den kompositorischen Formaufbau einer Komposition, zum Beispiel die Sonatenhauptsatzform. Dagegen findet man im strukturellen Aufbau der Gattung Sonate die Form eines Sonatenhauptsatzes häufig im ersten Satz. Aber man unterscheidet auch in Formtypen und Formschemata. Formtypen sind geschichtliche Arten des Aufbaus von Stücken, Formschemata sind Abstraktionen, welche nur eine Seite des Aufbaus betreffen, zum Beispiel das Rondoschema.

Die Lehre von den musikalischen Gattungen betrachtet im Gegensatz dazu die Kriterien Besetzung, Text, Funktion, Aufführungsort ,Satzstruktur, Liturgie, Stil und Ton.

Die genaue Definition der Gattung ist wissenschaftlich stark diskutiert, und es besteht keine Möglichkeit einer exakten allgemeingültigen Definition.

Gattung und Funktion der Musik

Oft überschneiden sich Bezeichnungen für Aufführungsrahmen mit den Bezeichnungen für das dort Aufgeführte: Kammermusik war einst Musik in der aristokratischen „Kammer“, scheint sich seit dem späten 18. Jahrhundert aber eher durch Besetzung, Stil etc. zu definieren. Der Begriff Opéra comique bezeichnet ein Pariser Theaterinstitut des 19. Jahrhunderts und zugleich eine Operngattung, die dort aufgeführt wurde. Das Menuett ist ein Gesellschaftstanz und zugleich ein Satz in der klassischen Sinfonie.

Gattung und Aufführungsrahmen entsprechen sich so und sind dann nur bedingt trennbar: Gattungen sind vor der Romantik eng an funktionale Zusammenhänge gebunden, Musik ist dann Gebrauchsmusik. Die Bindung an bestimmte Gattungstypen brachte für den Komponisten stets Beschränkungen seiner kompositorischen Möglichkeiten mit sich, z. B. bei Kirchensonaten oder zunächst bei der Gestaltung der geistlichen Oratorien, die nicht allzu opernhaft sein durften. Seit dem späten 18. Jahrhundert wurde Kammermusik jedoch - quasi gattungsübergreifend - auch im bürgerlichen Konzertsaal spielbar, und die Opéra comique konnte auch in deutschen (Provinz-)Theatern reproduziert werden. Dieser räumlichen Emanzipation entspricht oft die Emanzipation von ihrer Funktion, wie etwa bei Tanzmusik, die zum Sinfoniesatz wird.

Eine solche Emanzipation von der Funktionsmusik macht die Gattung rein bzw. „absolut“ (vgl. Absolute Musik). Sie bewahrt etwas (wie die aristokratische Kammer als Aura) und löst es zugleich aus seinem ursprünglichen Zusammenhang. Absolutheit zielt dem ästhetischen Anspruch nach auf Kunst als von der Wirklichkeit losgelöster „Gegenwelt“. Sie kann eine ungeschönte Betrachtung der historischen Fakten im 20. Jahrhundert behindern und steht seit den Katastrophen des 20. Jahrhunderts unter Ideologieverdacht.

Komponisten des 20. Jahrhunderts haben sich von allzu engen Gattungsbegriffen gelöst und haben hybride Mischformen im Rahmen klassischer Gattungen (wie z. B. die Kammersinfonie) oder im Rahmen der Künste (z. B. Performance als Mischform von Tanz/Theater und Musik) gefunden. In radikalen Experimenten negierte John Cage den Gattungs- und Werkbegriff vollständig.

Siehe auch

Literatur

  • Marc Honegger, Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik. Band 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1987, ISBN 3-451-20948-9, S. 235–237.
  • Gattung in Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sachteil
  • Genre in New Grove Dictionary
  • Carl Dahlhaus: Was ist eine musikalische Gattung

Einzelnachweise

  1. Marc Honegger, Günther Massenkeil (Hrsg.): Das große Lexikon der Musik. Band 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1987, ISBN 3-451-20948-9, S. 235.

Kategorien: Musikalische Gattung | Klassische Musik

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