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GKK Etzenricht


Die Gleichstrom-Kurz-Kupplung (GKK) Etzenricht war eine von der ehemaligen Bayernwerk AG (jetzt TenneT TSO GmbH) von 1993 bis 1995 auf dem Areal des 1970 in Betrieb genommenen und in der Folgezeit erweiterten Umspannwerks Etzenricht betriebene HGÜ-Kurzkupplung zur Kopplung des deutschen und des tschechischen Stromnetzes. Sie arbeitete mit einer Zwischenkreisspannung von 160 kV und besaß eine maximale Übertragungsleistung von 600 Megawatt.

Aufbau

Die beiden Stromrichter sind in einer 13 Meter hohen Halle von 430 Quadratmeter Grundfläche, die in gemischter Ort- und Fertigbetonbauweise ausgeführt wurde, untergebracht. Jeder Stromrichter besteht aus 432 Thyristoren, welche in sechs in einer Reihe angeordneten Thyristortürmen untergebracht sind. Jeder Thyristorturm beinhaltet zwei Ventilfunktionen und besteht aus acht übereinander angeordneten Thyristorbausteinen, die wiederum neun in Reihe geschaltete Thyristoren, inklusive Hilfseinrichtungen, wie die zur Strombegrenzung nötigen Sättigungsdrosseln enthalten. Parallel zu jedem Thyristor liegt eine Reihenschaltung eines Widerstands mit einem Kondensator, welche den Stromanstieg begrenzt. Von dieser Beschaltung wird auch die Energie zur Versorgung der Thyristorelektronik gewonnen, welche, da sie unter Hochspannung steht, mit der auf Erdpotential liegenden Ansteuerelektronik über Glasfaserkabel in bidirektionaler Verbindung steht. Parallel zu jedem Thyristormodul ist ein Kondensator und parallel zu jeder Ventilfunktion ein Varistor geschaltet. Als Thyristor wurde der Typ U78 S346 S34 von Siemens mit einem maximalen Dauergrenzstrom mit 4.100 Ampere verwendet, der zum Zeitpunkt der Errichtung der Anlage der leistungsfähigste Thyristor der Welt war.

An beiden Enden der Halle befinden sich jeweils drei Buchten zur Unterbringung der, als einphasige Einheiten ausgeführten, Stromrichtertransformatoren.

Geschichte

Am 26. April 1991 erfolgte die Grundsteinlegung. Im September 1991 war die Fertigstellung des Rohbaus und im Mai 1992 der Beginn der Inbetriebnahme. Diese konnte bis zur Fertigstellung der Leitung nach Hradec am 3. September 1992[1] nur im Kreisbetrieb, das heißt zwischen den Sammelschienen des Umspannwerks Etzenricht, durchgeführt werden. Am 27. Januar 1993 folgte der Beginn des Probebetriebs. Am 9. Juli 1993 war die offizielle Inbetriebnahme. Am 18. Oktober 1995 erfolgte die Stilllegung nach dem Synchronschluss des deutschen und des tschechischen Stromnetzes.

Durch den Synchronschluss erhöhte sich der Wert der über die Leitung Etzenricht–Hradec übertragbaren Leistung von 600 MW auf 1316 MW. Der erst nach dem Synchronschluss am 29. Juli 1997[2] in Betrieb genommene zweite 380-kV-Stromkreis nach Přeštice brachte noch einmal eine zusätzliche Übertragungskapazität von 1579 MW, so dass heute über das Umspannwerk Etzenricht maximal 2895 MW mit Tschechien ausgetauscht werden können.

Nachdem 1997 die meisten externen Komponenten demontiert und auf dem Stationsgelände eingelagert wurden, stand die Anlage bis 2009 funktionslos und nicht betriebsfähig auf dem Betriebsgelände. Nur die Transformatoren, die Glättungsdrosseln und ein Filterkreis verblieben an ihrem ursprünglichen Platz. Seit der Stilllegung der Anlage war ihr Verkauf nach Osteuropa geplant, um einen Energieaustausch zwischen dem osteuropäischen Stromnetz und dem Stromnetz der GUS-Staaten zu ermöglichen. Da der Stromrichter zunehmend veraltete und weil man inzwischen eine Stromrichteranlage wie die GKK Etzenricht mit Hilfe von Fotothyristoren viel einfacher realisieren kann, kam nie ein entsprechender Handel zustande. 2006 wurde die Anlage an die Firma IDPC in Wien verkauft, welche sie ursprünglich komplett und später in Einzelteilen vermarkten wollte. Allerdings konnten nur sehr wenige Bauteile verkauft werden. Im Frühling 2009 wurden sämtliche, noch vorhandene Komponenten der GKK Etzenricht demontiert und verschrottet. In die einstige Stromrichterhalle wurde eine große Tür eingebaut.[3]

Hochspannungsleitung nach Tschechien

Die von der GKK Etzenricht nach Tschechien zu den Umspannwerken Hradec und Přeštice führende 380-kV-Leitung wurde 1992 gebaut und ist zum Schutz vor Überspannungen auf ihrer gesamten Länge mit zwei Erdseilen, von denen eines ein Luftkabel in Glasfasertechnik zur Nachrichtenübermittlung enthält, ausgerüstet. Sie verfügt bis zur Gabelung bei Stráž über zwei Stromkreise für eine Spannung von 380 kV mit einer maximalen Übertragungsleistung von 1639 Megawatt. Als Leiterseile werden auf der deutschen Seite Viererbündel aus Aluminium/Stahl Leiterseilen verwendet, wobei der Aluminiumquerschnitt jedes Einzelleiters 340 mm² und der Stahlquerschnitt 30 mm² beträgt. Zwischen Weiden und Etzenricht ist sie auf 14 Donaumasten mit Erdseiltraverse verlegt. Mit Ausnahme des ersten Mastes, der erst nach der Stilllegung der GKK errichtet wurde, um die Leitung direkt – an der Stromrichterhalle der ehemaligen GKK vorbei – in die Schaltanlage des Umspannwerk Etzenricht einzuführen, wodurch sich die Länge des deutschen Leitungsabschnitts um 180 Meter auf 33,8 Kilometer vergrößerte, trugen diese Maste bis 1992 die 110-kV-Leitung zum Umspannwerk Weiden. Diese Leitung wurde 1992 auf neuen Masten parallel zur 380-kV-Leitung nach Tschechien verlegt. Im Zuge der Installation der 380-kV-Stromkreise erhielten die Maste der einstigen 110-kV-Leitung von Etzenricht nach Weiden auch die Erdseiltraverse. Unmittelbar hinter dem Umspannwerk Weiden, welches die Leitung überquert, ist die Leitung auf 60 Masten mit einer vierten Traverse zur Aufnahme der beiden Stromkreise der 110-kV-Leitung Weiden in der Oberpfalz–Vohenstrauß und der 30-kV-Leitung Vohenstrauß–Eslarn verlegt. Diese Maßnahme wurde erforderlich, da aus Umweltschutzgründen nur eine Leitungstrasse genehmigt werden konnte, so dass die Stromkreise dieser schon vor 1992 bestehenden Leitungen auf den Masten der Leitung nach Tschechien untergebracht werden mussten.

In Vohenstrauß zweigen die 110-kV-Stromkreise zum örtlichen Umspannwerk, das sich unmittelbar an der Leitungstrasse befindet, ab. Hinter Vohenstrauß befinden sich auf der untersten Traverse die Stromkreise der 30-kV-Leitung Vohenstrauß-Eslarn, deren Isolatoren schon für eine spätere Umstellung auf 110 kV dimensioniert wurden. In der Nähe von Riedlhof zweigt diese Leitung von der nach Tschechien führenden 380-kV-Leitungstrasse ab und läuft auf Betonmasten zum Umspannwerk Eslarn. Die 380-kV-Leitung verläuft von da an auf 15 Donaumasten zur deutsch-tschechischen Grenze, die unmittelbar nördlich des Grenzübergangs der Autobahn A6 bei Waidhaus gekreuzt wird. An der Grenze ändert sich nicht das Mastbild, allerdings das Mastdesign und der Typ der verwendeten Leiterseile. Kamen in Deutschland Vierbündel zum Einsatz, so werden in Tschechien Dreierbündel verwendet, bei denen jeder Teilleiter einen Querschnitt von 450 mm² Aluminium und 50 mm² Stahl besitzt. Nach weiteren 31,5 Kilometern spaltet sich diese Leitung von Stráž in zwei einkreisige 380-kV-Leitungen auf, in den 1992 gebauten, 97,5 Kilometer langen Leitungsabschnitt zum nordböhmischen Hradec und den 1997 errichteten Leitungsabschnitt nach Přeštice. Beide Leitungen sind auf Deltamasten verlegt. Bemerkenswert ist, dass der letzte Abschnitt der Leitung Etzenricht-Hradec auf dem Areal des Umspannwerks Hradec zwischen dem Abspannportal und der Sammelschiene als Erdkabel ausgeführt ist.

Richtfunkturm

befindet sich seit 1973 ein 55 Meter hoher Richtfunkturm, der als freistehende Stahlfachwerkkonstruktion ausgeführt ist. Er dient zur Übermittlung von Betriebswerten und Fernsteuerkommandos, um das regulär nicht besetzte Umspannwerk Etzenricht (auch zum Betrieb der GKK Etzenricht war nicht die reguläre Anwesenheit von Personal nötig) fernzusteuern.

Siehe auch

Literatur

  • Sonderdruck aus Elektrizitätswirtschaft (Nr. 4475), „Gleichstromkurzkupplung Etzenricht Strombrücke zwischen West und Ost“.

Weblinks

 Commons: GKK Etzenricht  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Walter Schossig: Aus der Geschichte der Elektrizität. In: Verein deutscher Ingenieure, Bezirksverein/Landesvertretung Thüringen (Hrsg.): Thüringer Mitteilungen. Nr. 2, 2002, S. 21 (vdi.de [PDF]).
  2. Walter Schossig: Aus der Geschichte der Elektrizität. In: Verein deutscher Ingenieure, Bezirksverein/Landesvertretung Thüringen (Hrsg.): Thüringer Mitteilungen. Nr. 2, 2007, S. 20 (vdi.de [PDF]).
  3. Stromrichterhalle GKK Etzenricht. (structurae.de ).

Kategorien: Stillgelegte Anlage | HGÜ-Kurzkupplung | Versorgungsbauwerk in Bayern | Bauwerk im Landkreis Neustadt an der Waldnaab | Etzenricht

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/GKK Etzenricht (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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