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Gäu (Baden-Württemberg)


Die Bezeichnung Gäu steht in erster Linie für einen waldarmen Kulturlandschaftstyp,[1] der sich in der Südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft zwischen dem Schwarzwald bzw. dem Strom- und Heuchelberg im Westen und der Schwäbischen Alb bzw. den Schwäbischen Keuperwaldbergen im Osten herausgebildet hat. Wegen der weiteren Untergliederung in Oberes Gäu bzw. Korngäu, Heckengäu, Strohgäu und Zabergäu kann man auch von „den Gäuen“ reden.

Das Wort leitet sich von der ur-indogermanischen Wurzel *ghew „gähnen, klaffen“ ab, aber mit einer Bedeutungsentwicklung im alemannischen Sprachraum zu freier Gegend oder offener Landschaft.

Naturräumliche Eigenschaften

Das Gäu ist eine aus den Gesteinen des Muschelkalks und Lettenkeupers bestehende Hochfläche von 250 bis 500 Metern Meereshöhe, in die sich die Flüsse Neckar, Ammer, Würm, Glems, Enz, Metter und Zaber teils tief eingeschnitten haben. Im Norden gehen die schwäbischen Gäulandschaften in die Hochflächen des Baulands und des Tauberlands über, im Westen sind sie durch den Schwarzwald, im Osten durch die Schwäbische Alb und durch die Keuperberglandgebiete Schönbuch, Glemswald und Schwäbischer Wald begrenzt.

Die Gäue sind landwirtschaftlich intensiv genutzte Gegenden, deren Böden in der Hauptsache aus Parabraunerden auf Löss bestehen. In den sogenannten „Armen Gäuen“ fehlt die Lössüberdeckung: Auf den anstehenden verkarsteten Kalken des Oberen Muschelkalks haben sich meist nur flachgründige und weniger fruchtbare Rendzinen entwickelt. Auf den Lesesteinriegeln haben sich Hecken gebildet (Heckengäu).

Vergleichbare Landschaften in unmittelbarer Angrenzung an die als Gäue bezeichneten sind östlich des mittleren Neckars das Schmidener Feld bei Fellbach und die Backnanger Bucht. Etwas weiter abseits liegt südlich Stuttgarts die ebenfalls lößbedeckte Filderebene, die geologisch allerdings zum Schwäbischen Keuper-Lias-Land zählt.

Großräumig bzw. geologisch lässt sich das Gäu als Teil der gesamten Landschaft zwischen Schwarzwald und Keuperwäldern betrachten, die durch den im Untergrund anstehenden Muschelkalk geprägt ist. Sie verengt sich im Süden auf die Landstriche am oberen Neckar nördlich der Baar. Im Norden erweitert sie sich stark bis in die Gegenden Unterfrankens. Dieser „Muschelkalkfächer“ wiederum ist Teil einer umfangreichen „Fächerlandschaft“, der Südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft.

Gliederung

Im Süden befindet sich das Korngäu bzw. Oberes Gäu, im Westen und Nordwesten das Schlehengäu bzw. Heckengäu und im Nordosten das Strohgäu (auch Unteres Gäu). Große Teile dieser Landschaften gehören zum Landkreis Böblingen, übergreifend auf die benachbarten Landkreise, wie das Obere Gäu, das sich von seiner Metropole Herrenberg nach Süden auch in Richtung Rottenburger Vororte und Eutingen im Gäu weitet. Das Strohgäu reicht vom „Altkreis“ Leonberg in den Landkreis Ludwigsburg und im Westen bis in den Enzkreis.

Geschichte

Ausgrabungen zeigen, dass die Gegend des Gäus schon seit der Mittelsteinzeit besiedelt gewesen ist. Davon zeugen Pfeilspitzen, Hügelgräber und andere Funde. Aus keltischer Zeit ist in Hochdorf im Strohgäu ein vollständig erhaltenes Fürstengrab gefunden worden (Keltenfürst von Hochdorf). Es wird vermutet, dass sich auf dem Asperg ein keltischer Fürstensitz befunden hat, Nachweise hierfür konnten aber wegen nachfolgender starker Überbauung bis in unsere Zeit noch nicht erbracht werden. Nach der Eroberung durch die Römer verlief der Limes weniger als 100 Kilometer nordöstlich des Gäus und machte die Gegend zur römischen Provinz. Später siedelten Alemannen in diesem Gebiet. Die vielen Ortsnamen, die auf -ingen enden, die so genannten schwäbischen Urdörfer, stammen aus dieser Zeit des 6. bis 8. Jahrhunderts n. Chr.

Tourismus

Am Westrand des Gäus verläuft mit dem 120 km langen Gäurandweg ein Fernwanderweg des Schwarzwaldvereins.

Ursprung der Bezeichnung

„Gau“ (bzw. alemannisch „Gäu“) kommt aus dem Mittelhochdeutschen und war ein Terminus für „gutes Ackerland“. Diese Wortendung findet sich in den verschiedenen geographischen Naturräumen im Südwesten Deutschlands (bis hin zu den Werra-Gäuplatten) und in der Schweiz wieder, beispielsweise: Oberes Gäu, Kraichgau, Strohgäu, Ochsenfurter Gau. Weitere Beispiele findet man über die Begriffsklärungsseite. Charakteristisch für die Gäulandschaften ist, dass sie für den Ackerbau geeignet sind und schon lange landwirtschaftlich genutzt werden. Häufig – aber nicht überall – sind die fruchtbaren Lössböden verbreitet.

Naturräumliche Systematik

Das Gäu mit seinen Bestandteilen Heckengäu, Korngäu bzw. Oberes Gäu, Strohgäu und Zabergäu überschneidet sich mit den (sich berührenden, aber nicht überlappenden) Haupteinheiten Obere Gäue (122) und Neckarbecken (123) des Naturraums Neckar- und Tauber-Gäuplatten in der Systematik des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, ohne diese beiden Haupteinheiten ganz zu überdecken. Im Fall des Heckengäus mag (je nach Auslegung) auch der Naturraum 150, Schwarzwald-Randplatten, betroffen sein.

  1. Das Zabergäu ist der nördlichste Bestandteil des Gäus und liegt als Naturraum 123.8 im Naturraum Neckarbecken links des Neckars.
  2. Der Naturraum Korngäu (122.41) ist kleiner als das im Artikel Korngäu beschriebene Gebiet, der Naturraum Oberes Gäu (122.4) größer (umfasst Heckengäugebiet, siehe Korngäu#Bezeichnungen). Unabhängig von den so gegebenen Möglichkeiten, Korngäu und Oberes Gäu zu deuten, werden sie vom Naturraum Obere Gäue (122) umfasst. Zum Neckar wahrt er jedenfalls eine gewisse Distanz.
  3. Vom →Heckengäu wird, wie gesagt, im Handbuch ein Teil sogar als Bestandteil des Naturraums Oberes Gäu aufgefasst. Was vom Heckengäu nördlich der A 8 liegt, bildet zusammen mit dem →Strohgäu den südwestlichen Teil 123.1 des Neckarbeckens. Auch hier bleibt Abstand zum Neckar; noch mehr gilt dies für Teile des Heckengäus, die auf den Schwarzwald-Randplatten liegen sollen. Lässt man diese weg, so ist das südlich der A 8 gelegene Heckgäu komplett ein Bestandteil des Naturraums Oberes Gäu (122.4). Allerdings sieht das Handbuch noch Heckengäuteile weiter südlich als in Heckengäu#Geographische Lage beschrieben, diese liegen im Naturraum Obere Gäue (122) weiter südlich als das Obere Gäu.

Unabhängig von unklaren Abgrenzungen liegt das Gäu ganz auf der linken Neckarseite, nicht dazu gehört der geologisch gleichartige Naturraum Backnanger Bucht (123.3).

Literatur

Einzelnachweise

  1. Das Gäu steht sowohl etymologisch als auch von seiner heutigen Bedeutung her für einen anderen Landschaftstyp als der Gau, der einen Siedlungsbereich entlang eines Gewässers bezeichnete und dementsprechend in fränkischer Zeit zu einem politischen Verwaltungsbegriff wurde. Vgl. u.a. Duden-Herkunftswörterbuch, Etymologie der Deutschen Sprache, 3. Auflage, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, Mannheim u.a. 2001.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Gäu (Baden-Württemberg) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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