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Gärtringen


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: BöblingenVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 476 m ü. NHN
Fläche: 20,21 km²
Einwohner: 11.754 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 582 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71116
Vorwahl: 07034
Kfz-Kennzeichen: BB, LEO
Gemeindeschlüssel: 08 1 15 015
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rohrweg 2
71116 Gärtringen
Webpräsenz: www.gaertringen.de
Bürgermeister: Thomas Riesch (CDU)
}

Gärtringen ist eine Gemeinde im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Die Gemeinde liegt am Rand des Schönbuchs zwischen Böblingen und Herrenberg.

Geographie

Geographische Lage

Die Gemeinde Gärtringen liegt zwischen Hecken- oder Schlehengäu und Schönbuch. In südlicher Richtung erstreckt sich eine kleine Ebene, die durch den in der Nachbargemarkung Nufringen entspringenden Krebsbach gebildet wird, der in die Würm mündet. Unmittelbar südlich von Rohrau beginnt das ausgedehnte Waldgebiet des Schönbuches. In nördlicher und westlicher Richtung steigt das Gelände gleichmäßig zum Schwarzwald hin an. Das Gebiet der Gemeinde Gärtringen ist relativ arm an eigenen Quellen, so dass es nur wenige ständig wasserführende Gräben und Bäche (Krebsbach, Keltergraben, Brühl-/Hungergraben) gibt und die Wasserversorgung teilweise durch Bodenseewasser gesichert wird.

Gemeindegliederung

Gärtringen besteht aus den beiden Ortsteilen Gärtringen und Rohrau. Die offizielle Bezeichnung des Ortsteils Rohrau lautet Gärtringen-Rohrau. Die beiden Ortsteile bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Der Ortsteil Rohrau bildet zudem eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit direkt gewählten Ortschaftsrat und ehrenamtlich tätigen Ortsvorsteher[2] (seit 4. November 2014 Torsten Widmann). Zum Ortsteil Gärtringen gehören Gärtringen und die aus Aussiedlerhöfen bestehende Siedlung Waldhöfe sowie die abgegangenen Ortschaften (Wüstungen) Edelburg, Hartheim und Wislingen. Zum Ortsteil Rohrau gehört ausschließlich das Dorf Rohrau.[3]

Neubaugebiete

Im mittlerweile zum Großteil besiedelten Wohngebiet Kayertäle entstehen auf 27 Hektar Fläche insgesamt 800 Wohneinheiten, 2.000 Bürger sollen einmal hier ihr Zuhause haben. Bis Herbst 2017 wird ein weiteres 8 ha großes Wohngebietes im Nordwesten von Gärtringen (Lammtal) erschlossen.

Das Gewerbegebiet Am S-Bahnhof bietet ansiedlungswilligen Betrieben Gewerbeflächen mit direkter Anbindung an S-Bahn und Autobahn. In den letzten fünf Jahren konnten so in den Gärtringer Gewerbegebieten bereits 800 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Bewusst hat die Gemeinde neue Wohnbauflächen und das neue Gewerbegebiet unter dem Motto „Wohnen und Arbeiten in Gärtringen“ miteinander kombiniert. Im Mai 2009 wurde die Erschließung des Gewerbegebietes Riedbrunnen am östlichen Ortsrand beschlossen.[4]. Dort wurde 2011 auf 4,6 ha Fläche eine ausgedehnte Niederlassung des Tiefkühllogistikunternehmens Nordfrost errichtet.

Geschichte

Älteste Siedlungsspuren auf der Gemarkung stammen aus der Hallstattzeit. Alte, möglicherweise römische, Siedlungsreste sind am Hardtheimer Brünnele zu finden. Der Ortsname „Gärtringen“ ist alemannischen Ursprungs, wobei die Siedlung wohl nach einem Gartheri benannt ist. Gärtringen wird erstmals 1140 urkundlich erwähnt. Ursprünglich der Grafschaft Calw, dann den Pfalzgrafen von Tübingen unterstehend, kam die Gemeinde 1382 an Württemberg.

Durch die Nähe zu den Industriestandorten Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart und die gute Verkehrsanbindung durch die Eisenbahn ab 1879 und die Autobahn ab Ende der 1970er Jahre wurde Gärtringen ein beliebter Wohnort. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich dadurch die Einwohnerzahl vervielfacht. Dieser Zuwachs hält nicht zuletzt durch den seit 1992 bestehenden S-Bahn-Anschluss bis heute an.

2500 Meter nordwestlich von Gärtringen, an der westlichen Talkante des Gärtringer Tals, befindet sich der Burgstall Edelburg.

Einwohnerentwicklung

Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[5] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 1.773
1. Dezember 1880 ¹ 1.940
1. Dezember 1890 ¹ 1.952
1. Dezember 1900 ¹ 1.875
1. Dezember 1910 ¹ 1.932
16. Juni 1925 ¹ 2.039
16. Juni 1933 ¹ 2.071
17. Mai 1939 ¹ 2.194
13. September 1950 ¹ 3.238
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 4.129
27. Mai 1970 ¹ 6.355
31. Dezember 1980 9.491
27. Mai 1987 ¹ 10.147
31. Dezember 1990 10.731
31. Dezember 1995 11.038
31. Dezember 2000 11.341
31. Dezember 2005 11.949
31. Dezember 2010 12.116

Religionen

Gärtringen ist traditionell überwiegend evangelisch geprägt (evangelische Pfarrämter Gärtringen-Ost und -West sowie Rohrau), wenngleich die katholische Gemeinde St. Michael mittlerweile 2.600 Mitglieder hat. Durch den Zuzug von Mitbürgern ausländischer Herkunft in den letzten Jahrzehnten sind auch andere Religionen vertreten, hierzu sind allerdings keine Zahlen bekannt.

Eingemeindungen

Rohrau

Der am 1. September 1971 eingemeindete Ortsteil Rohrau mit rund 1.600 Einwohnern am Fuße des Schönbuchs ist historisch durch den bis ins 20. Jahrhundert betriebenen Abbau von Räthsandstein und durch die Sandmühle bekannt. Im späten Mittelalter wurde Rohrau durch eine Raubritterburg im Schönbuch und eine Wasserburg am heutigen Kirchplatz geprägt. Die alte Rohrauer Kirche am Kirchplatz musste 1974 aufgrund von Bauschäden infolge von Geländesenkungen abgerissen werden und wurde durch die Christuskirche am Eisenbergle ersetzt.

In Rohrau gibt es wenig Gewerbe, der einzige Industriebetriebe ist ein Mineralwasser-Abfüller. Durch Rohrau fließt der Krebsbach (Würm).

Politik

Gemeinderat

In Gärtringen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Gärtringen hat nach der letzten Wahl 22 Mitglieder (unverändert). Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtliche Endergebnis[6]. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
40
30
20
10
0
34,74 %
28,74 %
15,90 %
14,74 %
5,88 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+2,66 %p
-2,35 %p
+1,45 %p
+0,13 %p
-1,89 %p
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FW Freie Wähler in Gärtringen e.V. 34,74 8 32,08 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,74 6 31,09 7
GRÜNE Grüne Liste 15,90 4 14,45 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 14,74 3 14,61 3
FDP Freie Demokratische Partei 5,88 1 7,77 1
gesamt 100,0 22 100,0 22
Wahlbeteiligung 55,4 % 56,5 %

Bürgermeister

  • 1899–1932 Heinrich Gärttner
  • 1932–1933 Eugen König
  • 1933–1938 Merz
  • 1938–1945 Gustav Reule
  • Juni–Sep. 1945 Heinrich Schäfer
  • Sep. 1945–1946 Franz Xaver Frey
  • 1946–1947 Gottlieb Eppler
  • 1947–1948 Walter Bauer (komm.)
  • 1948–1953 Walter Mayle
  • 1953–1983 Herbert Holder
  • 1983–1999 Hans Drexler
  • 1999–2015: Michael Weinstein
  • Seit 1. April 2015: Thomas Riesch[7]

Wappen

Blasonierung: In gespaltenem Schild vorne in Rot ein nach links gekehrter goldener Adlerfang, hinten in Gold ein roter Kelch.

Partnergemeinde

Gärtringen unterhält seit 1976 partnerschaftliche Beziehungen zu Rohrau in Niederösterreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten

  • Schloss der Freiherren Hiller von Gaertringen, am Schlossweg, erbaut 1728
  • Spätgotische Dorfkirche St. Veit, Kirchstraße/Ecke Schlossweg, erstmals 1275 erwähnt
  • Park um die Villa Schwalbenhof (Kiefer-Park)
  • Friedrich-Sieburg-Gedenkstätte in der Villa Schwalbenhof
  • Historische Sandmühle mit Schmiede in Rohrau, Hildrizhauser Straße/Hanfweg
  • Naturdenkmal Friedenslinde, am Aidlinger Weg nördlich Gärtringen

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Viele Gewerbebetriebe vom Handwerksbetrieb bis zum großen Logistikzentrum bieten eine Vielzahl von Arbeitsplätzen am Ort.

Verkehr

Gärtringen ist über die Bundesautobahn 81 (StuttgartSingen) zu erreichen. Eine Besonderheit ist, dass, von Süden kommend, die Abfahrt über die linke Spur erfolgt. Sie kam dadurch zustande, dass dem Kreuzungsbauwerk beim Bau in den 1970er Jahren die Funktion eines Autobahnkreuzes (A 81 /A 831) zugedacht war, die vorgesehenen Rampen jedoch als Anschlussstelle benutzt wurden.

Die Gäubahn verbindet Gärtringen mit dem überregionalen Schienennetz in Richtung Stuttgart, Singen und Freudenstadt. Dabei bedient die Linie S1 (Kirchheim (Teck)–Stuttgart–Herrenberg) der S-Bahn Stuttgart den Gärtringer Bahnhof, meist halbstündig in beide Richtungen.

Bildungseinrichtungen/Kinderbetreuung

Mit der Theodor-Heuss-Realschule, der Ludwig-Uhland-Schule (Grund- und Gemeinschaftsschule) und den beiden Grundschulen Peter-Rosegger-Schule und Joseph-Haydn-Schule Rohrau gibt es vier Schulen im Ort. Zur Betreuung von Kindern stehen 8 kommunale und 1 kirchliche Kindertageseinrichtungen (auch mit Krippen- und Ganztagsgruppen) bereit.

Freizeit

Über 50 Vereine und Organisationen sowie die Kirchen bieten vielfältige Freizeitmöglichkeiten und betreiben Jugendarbeit. In Gärtringen bestehen fünf Turn- und Sporthallen, eine Tennishalle, ein Freibad, eine Bibliothek, sowie die Villa Schwalbenhof, ein Kulturzentrum mit Kleinkunstbühne. Naherholungsmöglichkeiten bestehen im direkt anschließenden Naturpark Schönbuch und im Schwarzwald.

Ärztliche Versorgung

Die ärztliche Versorgung ist durch vier Allgemeinärzte, einen Schmerztherapeuten, eine Frauenärztin, zwei Fachärzte für Innere Medizin, einen Kinderarzt und fünf Zahnärzte gewährleistet.

Pflege

Im Ortszentrum liegt das Seniorenheim Samariterstift. Dort bestehen 72 Pflegeplätze und 20 betreute altengerechte Wohnungen. Dort und über die Gemeinde werden eine vielfältige offene Seniorenarbeit angeboten mit Mittagstisch, Kaffeetafel und verschiedenen kulturellen Veranstaltungen.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • 1983: Herbert Holder (* 1922; † 8. August 2013), Bürgermeister von Gärtringen (1953–1983)
  • 2000: Erich Gutmann (* 1920; † 24. April 2005), Bürgermeister der damals selbstständigen Gemeinde Rohrau (1945–1971)

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Wilhelm Gmelin (1573–1635), Pfarrer
  • Wilhelm Hofacker (1805–1848), Evang. Theologe
  • Wolfgang Theis (* 1948), Filmwissenschaftler und Ausstellungsmacher, Träger des Verdienstkreuzes am Band 2011

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Ludwig Hofacker (1798–1828), Evangelischer Theologe, lebte einige Jahre während der Kindheit in Gärtringen
  • Friedrich Sieburg (1893–1964), Journalist, Schriftsteller und Literaturkritiker, lebte seit den 1950er Jahren bis zu seinem Tod in der Villa Schwalbenhof.[8]
  • Erich Kiefer (1903-1962), Fabrikant lufttechnischer Anlagen,[9] Bauherr der Villa Schwalbenhof, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande 1952

Weblinks

 Commons: Gärtringen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Gärtringen in der Beschreibung des Oberamts Herrenberg von 1855 – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Gärtringen vom 31. Oktober 1995
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 88–89.
  4. 4,5 Hektar warten auf Investor , Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung online, Artikel vom 22. Mai 2009, abgerufen 6. Oktober 2009
  5. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2012
  6. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
  7. Neuer Bürgermeister für Gärtringen: Riesch fährt Erdrutschsieg ein , Stuttgarter Zeitung online, Artikel vom 25. Januar 2015, abgerufen 26. Januar 2015
  8. Friedrich-Sieburg-Gedenkstätte , Literaturland Baden-Württemberg, abgerufen am 26. April 2008
  9. Erich Kiefer GmbH , Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg, abgerufen 9. Juli 2010

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