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Gänsefingerkraut


Gänsefingerkraut

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Argentina
Art: Gänsefingerkraut
Wissenschaftlicher Name
Argentina anserina
(L.) Rydb.

Das Gänsefingerkraut (Argentina anserina) ist eine Pflanzenart, die zur Unterfamilie der Rosoideae in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört. Es ist weithin unter dem wissenschaftlichen Namen Potentilla anserina L. bekannt, wird aber nach jüngeren Forschungsergebnissen in die Gattung Argentina gestellt.[1][2] Sie ist in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel weitverbreitet.

Trivialnamen

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Weitere Trivialnamen sind: Anserine, Gänserich, Gänsewiß, Grensel, Martinshand, Silberkraut, Säukraut oder Krampfkraut.

Beschreibung

Das Gänsefingerkraut ist eine kriechende, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von nur 10 bis 20 Zentimetern erreicht. Sie bildet ein bis zu 20 Zentimeter langes Rhizom aus. Aus den Blattachseln sprießen bis zu 80 Zentimeter lange, kriechende Ausläufer, die an den Knoten Blattrosetten tragen und Wurzeln treiben. Die gestielten Grundblätter sind unterbrochen gefiedert und 7- bis 21-zählig. Die Blättchen sind auf der Oberseite spärlich behaart, auf der Unterseite silbrig seidenhaarig.

Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Die einzeln an langen Stielen stehenden, radiärsymmetrischen und zwittrigen Blüten weisen einen Durchmesser von 1,5 bis 2 Zentimeter auf. Die leuchtend gelben Kronblätter sind nicht ausgerandet.

Je Blüte entstehen zahlreiche einsamige Nüsschen, die sich bei der Reife vom kegeligen Blütenboden ablösen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28 oder 42.[3]

Ökologie

Das Gänsefingerkraut ist eine weitverbreitete Rosettenpflanze und trittfeste Pionierpflanze. Seine Blätter biegen sich bei Trockenheit auf und reflektieren so Licht und vermutlich auch Wärme.[4]

Blütenökologisch handelt es sich um homogame „Nektar führende Scheibenblumen“. Die Blüten sind nur bei Sonne völlig geöffnet. Die Kronblätter haben innen Saftmale im UV-Bereich, die für das menschliche Auge nicht erkennbar sind. Die Bestäubung erfolgt durch verschiedene Insekten. Vor dem Abblühen kommt es auch zur Selbstbestäubung.[4]

Es liegt eine Selbstausbreitung vor. Häufig findet aber auch Zufallsausbreitung durch Huftiere und Klebverbreitung (mit Schlamm) durch Gänse, Menschen usw. statt.[4]

Vorkommen

Das Gänsefingerkraut ist in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel weitverbreitet. In Mitteleuropa ist es häufig; es fehlt höchstens in Lagen der Mittelgebirge und in den Südalpen in kleineren Gebieten.[5] Es steigt in Mitteleuropa bis in Höhenlagen von 2000 Metern.[5] Im Allgäu erreicht es aber nur (bei Steeg (Tirol)) die Höhe von 1220 m.[6]

Vor allem auf nährstoffreichen Wiesen (Gänseweiden), auf Äckern und an Wegrändern kommt das Gänsefingerkraut bestandsbildend vor. Es siedelt verbreitet in frischen Pionierrasen, an Wegen, Ufern, in Gänseangern, vor allem in Dörfern. Es bevorzugt dichten, feuchten, stickstoffreichen, lehmig-tonigen Boden und geht auch auf steinigen Untergrund.[3] Nach Ellenberg ist es eine Halblichtpflanze, stickstoffreiche Standorte anzeigend, salzertragend und eine Ordnungscharakterart der Gänse-Fingerkraut- Weißstraußgras-Kriechrasen (Agrostietalia stoloniferae).[7]

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Es ist ein Kulturfolger, durch Verschleppung weltweit verbreitet und eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Pflanzenarten. Wegen ihrer Salztoleranz hat sich die Art in den letzten Jahrzehnten auch entlang der Ränder von Straßen, Autobahnen und Feldwegen stark ausgebreitet.

Taxonomie

Das Basionym Potentilla anserina wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.[8] Das Gänsefingerkraut wurde 1898 von Per Axel Rydberg in die Gattung Anserina gestellt.[9] Diese lange Zeit nicht akzeptierte Einstufung wurde durch molekularsystematische Untersuchungen[1] bestätigt.

Man unterscheidet zwei Unterarten:[10]

  • Argentina anserina subsp. anserina
  • Argentina anserina subsp. egedei (Wormsk. ex Hornem.) Á.Löve & Ritchie. Sie unterscheidet sich von subsp. anserina durch die geringere Zahl der Fiederblättchen (7 bis 15), die kahl und auch unterseits weniger behaart sind. Die Chromosomenzahl beträgt bei dieser Unterart 2n = 28. Sie kommt an den Küsten Nordeuropas vor.

Verwendung

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Phytotherapie

Das Gänsefingerkraut ist in den Kräuterschriften der Antike nicht zu finden. Das liegt wohl daran, dass es keine typische Mittelmeerpflanze ist, sondern seine Heimat in Mittel- und Nordeuropa hat. Im 15. Jahrhundert n. Chr. wird das Gänsefingerkraut in einem Kräuterbuch von Peter Schöffer erwähnt. In der germanischen Heilkunde wird das Gänsefingerkraut wahrscheinlich schon sehr lange verwendet, worauf auch die Anwendung in Milch hindeutet, die bei den Germanen sehr beliebt war.[11][12]

Es ist hilfreich bei Durchfall, Blutungen und Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches. Die Volksmedizin setzt das Krampfkraut generell bei krampfartigen Beschwerden, auch der quergestreiften Muskulatur (z. B. Wadenkrämpfe), ein. Wissenschaftlich anerkannt ist inzwischen die innerliche Anwendung von Gänse-Fingerkraut zur unterstützenden Behandlung von unspezifischen Durchfallerkrankungen mit krampfartigen Beschwerden, anderen Bauch- und Unterleibsschmerzen mit Krämpfen und bei Menstruationsbeschwerden.

Traditionell werden der Droge krampfstillende Eigenschaften zugeschrieben, so dass sie häufig, auch in Fertigpräparaten, gegen schmerzhafte Monatsblutungen eingesetzt wird. Diese Wirkung ist umstritten, sie konnte bisher nicht ausreichend belegt werden; ein entsprechender Inhaltsstoff dafür wurde auch nicht gefunden.[13]

Gesammelt und getrocknet zu Heilzwecken verwendet werden die Blätter während der Blütezeit von Mai bis August. Für einen Tee übergießt man zwei Teelöffel getrocknetes Kraut mit 250 ml kochendem Wasser und lässt den Aufguss 10–15 Minuten ziehen. Die Volksmedizin kennt auch das Kauen der Wurzel, beispielsweise bei Zahnfleischentzündung. Trockenextrakt aus Gänse-Fingerkraut ist heute in standardisierten Arzneien wie Dragées und Teemischungen in der Apotheke erhältlich.

Inhaltsstoffe und Wirkungen

Gänse-Fingerkraut enthält als therapeutisch wirksame Inhaltsstoffe vor allem Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Flavonoide und Cholin. Es wirkt hauptsächlich zusammenziehend (adstringierend) und hat außerdem eine schmerzstillende und stopfende Wirkung. Weitere Inhaltsstoffe sind Anthocyanidine, Hydroxycumarine, Phenolcarbonsäuren, Polyphenole und Phytosterole.[13]

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Jiři Soják: Argentina Hill, a genus distinct from Potentilla (Rosaceae). In: Thaiszia. Band 20, 2010, S. 91–97 (PDF-Datei).
  2. Waldemar Ternes, Alfred Täufel, Lieselotte Tunger, Martin Zobel (Hrsg.): Lebensmittel-Lexikon. 4., umfassend überarbeitete Auflage. Behr, Hamburg 2005, ISBN 3-89947-165-2.
  3. 3,0 3,1 Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5.
  4. 4,0 4,1 4,2 Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  5. 5,0 5,1 Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 3: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Droseraceae bis Fabaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1992, ISBN 3-8001-3314-8.
  6. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching bei München 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 67.
  7. Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Große Reihe. Band 8104). 5. stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3.
  8. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 495, Digitalisat
  9. Per Axel Rydberg: A monograph of the North American Potentilleae. In: Memoirs from the Department of Botany of Columbia University. Band 2, 1898, S. 1–223 (hier: S. 259 ).
  10. P. W. Ball, Bogumil Pawłowski, Stuart Max Walters: Potentilla L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 2: Rosaceae to Umbelliferae. Cambridge University Press, Cambridge 1968, ISBN 0-521-06662-X, S. 39–40 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. F. Losch: Kräuterbuch. Unsere Heilpflanzen in Wort und Bild.
  12. Heilkräuter.de: Gänsefingerkraut. Abgerufen am 19. April 2012.
  13. 13,0 13,1 Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das Neue Handbuch der Heilpflanzen. Botanik, Arzneidrogen, Wirkstoffe Anwendungen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.

Weiterführende Literatur

  • Hiroshi Ikeda, Hideaki Ohba: A systematic revision of Potentilla L. Section Leptostylae (Rosaceae) in the Himalaya and adjacent regions. In: Bulletin. University Museum, University of Tokyo. Band 39, Nr. 3, 1999, S. 31–117 (online) .
  • Li Chaoluan, Hiroshi Ikeda, Hideaki Ohba: Potentilla sect. Leptostylae (Th. Wolf) T. T. Yü & C. L. Li. In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 9: Pittosporaceae through Connaraceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2003, ISBN 1-930723-14-8, S. 298 (online [abgerufen am 28. Juli 2016] PDF-Datei ).

Weblinks

 Commons: Gänsefingerkraut (Argentina anserina)  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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