Fußgängerzone - LinkFang.de





Fußgängerzone


Eine Fußgängerzone (auch Fußgängerbereich oder norddeutsch Gehstraße, v. a. in den Kreisen Dithmarschen sowie Nordfriesland)[1] ist eine Verkehrsfläche, auf der Fußgänger Vorrang vor anderen Verkehrsteilnehmern haben.[2] Sie kann aus mehreren Fußgängerstraßen bestehen und liegt meistens im Innenbereich einer Stadt oder Siedlung.

Die Straßenraumgestaltung ist an die Bedürfnisse des Fußverkehrs angepasst, durch ansprechende Oberflächengestaltung des Belages und Ausstattung mit Möblierung (Bänke, Beleuchtung, Brunnen und Bäume) wird eine gestalterische Wirkung erzeugt, die die Aufenthaltsqualität erhöht. Außerdem sind Fußgängerzonen oft gesäumt von Geschäften, Restaurants und Cafés.

Entstehung und Verbreitung

Planung und Einrichtung der ersten Fußgängerzonen begannen in den 1950er Jahren in Europa. Zuvor wurden an verschiedenen Orten autofreie Zonen bzw. autofreie Straßen eingerichtet, so etwa in den Vereinigten Staaten auf Mackinac Island oder in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires. Ein Vorläufer der Fußgängerzonen in Deutschland, genauer eine fahrverkehrsfreie Einkaufsstraße, wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1927 in der Limbecker Straße in Essen angelegt. Im Jahr 1953 wurde die Einkaufsstraße Lijnbaan in Rotterdam als erste Straße Europas für den Fahrzeugverkehr gesperrt und vollständig dem Fußverkehr gewidmet.

In Deutschland wurde am 9. November 1953 als offizielle erste Fußgängerzone Deutschlands die Treppenstraße in Kassel eröffnet.[3] Sie ging aus einem Wiederaufbauwettbewerb von 1947 hervor, da die Innenstadt von Kassel von den Bombenabwürfen schwer beschädigt wurde. Kiel folgte mit der Holstenstraße am 12. Dezember 1953; entsprechende Planungen gab es hier zwar bereits seit 1950/1951, doch die Freigabe erfolgte erst zwei Jahre später. Auch Stuttgart erklärte noch Ende 1953 die Schulstraße, eine Querachse zwischen der Königstraße und dem Marktplatz, zur Fußgängerzone; nach eigenen Angaben war sie die erste Fußgängerzone überhaupt.[4] Die erste Fußgängerzone Österreichs entstand 1961 in der Klagenfurter Kramergasse. Mit der Bebauung des kriegszerstörten Nordabschnitts des Breiten Wegs (damals Karl-Marx-Straße) in der ersten Hälfte der 1960er Jahre entstand in Magdeburg die erste Fußgängerzone in der DDR. Am 23. Februar 1966 wurde die Schildergasse in Köln zur Fußgängerzone erklärt. 1970 wurde die Fischerstraße in Kempten (Allgäu) als erste ausgebaute Fußgängerzone in Schwaben eröffnet.

In vielen Fällen wurde in den 1950er Jahren die Gelegenheit des Wiederaufbaus von im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadtkernen genutzt, um Fußgängerzonen als wesentliches Element modernen Städtebaus zu planen und einzurichten. Damit wurde ein Konzept umgesetzt, das einerseits Verkehr, Einkaufen und Wohnen räumlich trennt, andererseits aber auch eine Trennung der Verkehrsströme gewährleistet. Fußgängerzonen sind ein Bestandteil autogerechter Stadtplanung, indem sie Fußverkehr vom motorisierten Individual- bzw. öffentlichen Verkehr trennen[5] und zusammen mit der Errichtung von Parkhäusern, Parkleitsystemen sowie auch unterirdisch geführten Bahnen (die Entwicklung der sogenannten Stadtbahn fällt ebenfalls in diese Zeitperiode) die einzelnen Verkehre ordnen und qualitativ optimieren. Einkaufen sollte in Fußgängerzonen stattfinden, sie wurden zu einem Symbol prosperierenden Wirtschaftslebens und vielerorts zum zentralen Ort des Massenkonsums. Insbesondere in mittleren und größeren Städten finden sich dort neben Fachgeschäften und anderen Betriebsformen des Einzelhandels auch große Kauf- und Warenhäuser.

Die Verbreitung von Fußgängerzonen ist weitgehend auf Europa beschränkt geblieben. So gibt es in Deutschland heute in vielen Groß-, Mittel-, und Kleinstädten Fußgängerzonen, während in den Vereinigten Staaten von den vor allem in den 1960er Jahren geschaffenen Fußgängerzonen nur wenige übrig geblieben sind. Für Aufsehen sorgte 2009 der Plan des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg, zeitweise Teile des berühmten Broadway zur Fußgängerzone zu erklären. So wurden sowohl auf dem etwa 500 Meter langen Abschnitt zwischen 42. und 47. Straße, der auch den Times Square umfasst, als auch zwischen 33. und 35. Straße die Durchfahrt für Fahrzeuge zeitweilig verboten. Bei Taxifahrern und Zulieferern stieß der Plan auf Widerstand. Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde die Fußgängerzone jedoch beibehalten.

Rechtsnormen

Sachlich zuständig für die Einrichtung ist die jeweilige Straßenverkehrsbehörde (in Deutschland nach §§ 44, 45 Straßenverkehrsordnung).

Die Verkehrsregeln für Fußgängerzonen und deren Beschilderung sind weitgehend ähnlich. Fußgängerzonen sind für den Gebrauch durch Fußgänger bestimmt. Anderen Verkehrsteilnehmern ist die Nutzung im Allgemeinen untersagt. Durch entsprechende Beschilderung kann deren Zufahrt allerdings (zeitweilig) zugelassen werden, sie sind dann als untergeordnet zu betrachten und müssen ihre Geschwindigkeit und das Fahrverhalten an den Fußgängerverkehr anpassen. Ausnahmen gelten in den meisten Fällen für Einsatz-, Entsorgungs- und Reinigungsfahrzeuge, teilweise auch für Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs. Fahrzeuge, die Fußgängerzonen befahren, sind nicht an das Rechtsfahrgebot (in Ländern mit Rechtsfahrgebot) gebunden, auch gelten keine Vorfahrtsregelungen oder Parkregeln. Es gelten nur die allgemeinen Verhaltensvorschriften, in Deutschland: § 1 StVO. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird am Beginn und am Ende einer Fußgängerzone jeweils ein entsprechendes Schild aufgestellt. In der Schweiz wird dabei der Schriftzug „ZONE“ in der jeweiligen regionalen Amtssprache geschrieben.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Dietmar König: Gehstraße. 2. August 2001, abgerufen am 22. Februar 2015.
  2. Frank Höfler: Verkehrsplanung. In: Verkehrswesen-Praxis. Bd. 1. Bauwerk Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-934369-52-9, S. 233–235.
  3. Informationen der Stadt Kassel zur Fußgängerzone (Memento vom 11. Januar 2012 im Internet Archive)
  4. Schulstraße , www.Stuttgart.de
  5. KK: Radfahren in Fußgängerzonen. Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, Landesverband Nordrhein-Westfalen e. V., 15. August 2012, abgerufen am 22. Februar 2015.

Weblinks

 Commons: Fußgängerzonen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Beschilderung von Fußgängerzonen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Fußgängerzone – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Kategorien: Keine Kategorien vorhanden!

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Fußgängerzone (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.