Fußball-Weltmeisterschaft 1966 - LinkFang.de





Fußball-Weltmeisterschaft 1966


FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 1966
Football World Championship 1966
Anzahl Nationen 16 (von 71 Bewerbern)
Weltmeister England England (1. Titel)
Austragungsort England England
Eröffnungsspiel 11. Juli 1966 (London)
Endspiel 30. Juli 1966 (London)
Spiele 32
Tore 89 (⌀: 2,78 pro Spiel)
Zuschauer 1.563.135 (⌀: 48.848 pro Spiel)
Torschützenkönig Portugal Eusébio (9 Tore)
Platzverweise (⌀: 0,16 pro Spiel)

Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 (englisch Football World Championship) war die achte Ausspielung dieses bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und fand vom 11. bis zum 30. Juli 1966 in England, dem „Mutterland des Fußballs“, statt.

Weltmeister wurde Gastgeberland England im Finale gegen Deutschland, in dem mit dem Wembley-Tor eines der umstrittensten und gleichzeitig berühmtesten Tore der Fußballgeschichte fiel. Mit diesem Tor war die Vorentscheidung für Englands ersten und bisher einzigen Titelgewinn bei einem großen Endrundenturnier gefallen.

Der Portugiese Eusébio wurde mit neun Toren Torschützenkönig und führte seine Nationalmannschaft bei ihrer ersten WM-Teilnahme auf den dritten Rang. Titelverteidiger Brasilien schied bereits nach der Gruppenphase aus. Vize-Weltmeister Tschechoslowakei hatte sich nicht für das Turnier qualifizieren können.

Vergabe

Neben England hatten sich auch Spanien und Deutschland um die Ausrichtung der WM 1966 beworben. Am 22. August 1960 wurde in Rom auf dem Weltkongress des Fußballs über die Vergabe abgestimmt. Als Spanien kurz vor der Abstimmung seine Kandidatur zurückzog, verblieben nur noch zwei Bewerber. Mit 34:27 Stimmen bei sechs Enthaltungen fiel schließlich die Entscheidung zu Gunsten von England aus, das mit dem Argument „100 Jahre Fußball in England“ (Gründung der Football Association 1863) punkten konnte.

Spielorte

Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in acht Stadien in sieben verschiedenen englischen Städten ausgetragen.

  • London (Wembley-Stadion): Das Wembley-Stadion in London war das größte Stadion der WM 1966. Es bot 98.600 Zuschauern Platz und wurde bereits im Vorfeld der WM für sechs Millionen Mark renoviert. Speziell für die WM wurden nur noch kleinere Renovierungen vorgenommen. Im Wembley-Stadion fanden fünf Vorrundenspiele der Gruppe A, ein Viertel-, ein Halbfinalspiel, das Spiel um Platz 3 und das Finale statt. Insgesamt sahen 778.034 Zuschauern die neun Spiele, ein Schnitt von 86.448 Zuschauern. Die meisten (98.270) kamen zum letzten Vorrundenspiel gegen Frankreich.
  • London (White City Stadium): Im White-City-Stadion wurde lediglich ein Spiel der Vorrundengruppe A ausgetragen. Da sich der Besitzer des Wembley-Stadions weigerte, ein Greyhound-Rennen zu verlegen, wurde für die Partie Frankreich gegen Uruguay ein Ersatzstadion in London nötig. Im White-City-Stadion fanden 54.000 Zuschauer Platz und 45.662 Besucher verfolgten dieses Spiel.
  • Birmingham (Villa Park): Im Villa Park zu Birmingham, der Heimstätte des Erstligisten Aston Villa, fanden drei Spiele der Gruppe B statt. Für 1,3 Millionen Mark wurde das Stadion renoviert, das Zuschauervermögen wurde zu Gunsten von Sitzplätzen von 72.000 auf 55.000 reduziert. Insgesamt sahen 131.512 Zuschauer die drei Spiele, ein Schnitt von 43.837 pro Spiel.
  • Sheffield (Hillsborough Stadium): Das Hillsborough-Stadion in Sheffield hatte während der WM 58.000 Plätze. In der Heimstätte von Sheffield Wednesday wurde die Kapazität zu Gunsten von Sitzplätzen um 7.000 Plätze verringert. Die Haupttribüne wurde für 1,5 Millionen Mark neu errichtet, auch ein neues Stahldach bekam das Stadion extra zur WM. Insgesamt wurden 2,5 Millionen Mark für die Renovierung des Stadions ausgegeben. Neben drei Vorrundenspielen der Gruppe B fand auch das Viertelfinalspiel mit der deutschen Mannschaft im Hillsborough statt. Insgesamt kamen 140.289 Zuschauer zu den vier Spielen, im Schnitt 35.072, die meisten zum Viertelfinale: 40.007.
  • Liverpool (Goodison Park): Der Goodison Park war mit 64.000 Plätzen das zweitgrößte Stadion der Fußball-WM 1966. Auch die Heimstätte des FC Everton wurde um 4.000 Plätze reduziert, um mehr Sitzplätze zu haben. Im Goodison Park fanden drei Spiele der Gruppe C, ein Viertelfinalspiel und eine Halbfinalpaarung statt. 235.695 Zuschauer sahen die fünf Spiele, im Schnitt 47.139, wobei das Halbfinale mit 38.273 Zuschauern die wenigsten hatte.
  • Manchester (Old Trafford): Im Old Trafford, der Heimat des Fußballclubs Manchester United, fanden während der WM 58.000 Zuschauer Platz. Um mehr Sitzplätze zu haben, wurde das Fassungsvermögen um 9.000 Plätze reduziert. Insgesamt wurde 1 Million Mark in die Renovierung gesteckt. Das Old Trafford war Schauplatz von drei Vorrundenspielen der Gruppe C. 79.453 Zuschauer sahen die drei Spiele, im Schnitt 26.484.
  • Sunderland (Roker Park): Im Roker Park zu Sunderland fanden während der WM 54.000 Zuschauer Platz. Für 700.000 Mark wurden zur WM ein neues Restaurant und neue Presseräume gebaut, die Gesamtkapazität wurde um 10.000 Plätze reduziert. Im Heimatstadion des AFC Sunderland fanden drei Vorrundenspiele der Gruppe D und ein Viertelfinalspiel statt. 97. 863 Zuschauer sahen die vier Spiele, im Schnitt 24.466.
  • Middlesbrough (Ayresome Park): Der Ayresome Park war mit 40.000 Plätzen das kleinste Stadion der WM 1966. Im Heimatstadion des FC Middlesbrough wurde die Zuschauerkapazität um 9.000 gesenkt. Die Renovierungskosten betrugen insgesamt 1,2 Millionen Mark. Das Stadion war Austragungsort von drei Partien der Gruppe D. Nur 54.627 Zuschauer sahen die drei Spiele und damit im Schnitt (18.209) die Wenigsten. Das Spiel zwischen Nordkorea und Chile hatte mit 13.792 Zuschauern die wenigsten Besucher aller Spiele.

Qualifikation

71 Nationen meldeten ihre Teilnahme an der Qualifikation zur WM 1966, was ein neuer Rekord war. England als Gastgeber und Brasilien als Titelverteidiger waren automatisch qualifiziert, wodurch 69 Nationen um insgesamt 14 freie Plätze spielten. Alle afrikanischen Mannschaften zogen ihre Bewerbung zurück, nachdem sie gemeinsam mit Asien und Ozeanien lediglich einen Platz bekommen sollten. Europa standen neun Qualifikationsplätze zu, Südamerika drei. Auch den nord- und mittelamerikanischen Ländern wurde lediglich ein Platz zugestanden.

Beide Vize-Weltmeister der vergangenen WM-Turniere, Schweden und die Tschechoslowakei, scheiterten. Die beiden Nationalmannschaften von Nordkorea und Portugal waren erstmals bei einer WM-Endrunde dabei.

Teilnehmer

Nach 127 Qualifikationsspielen standen die folgenden Mannschaften für die WM-Endrunde fest:

10 aus Europa Bulgarien 1948 Bulgarien Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland England England Frankreich Frankreich
Italien Italien Portugal Portugal Schweiz Schweiz Sowjetunion 1955 Sowjetunion
Spanien 1945 Spanien Ungarn 1957 Ungarn
4 aus Südamerika Argentinien Argentinien Brasilien 1960 Brasilien Chile Chile Uruguay Uruguay
1 aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik Mexiko 1934 Mexiko
1 aus Asien und Afrika Korea Nord Nordkorea

Auslosung

Die Gruppenauslosung, die am 6. Januar 1966 im Royal-Garden-Hotel in London stattfand, wurde erstmals im Fernsehen übertragen.[1] Das Organisationskomitee hatte sich am Vorabend auf vier Lostöpfe à vier Mannschaften geeinigt.

  • Topf 1: Brasilien (Titelverteidiger), Argentinien, Chile, Uruguay
  • Topf 2: Frankreich, Italien, Portugal, Spanien
  • Topf 3: England (Ausrichter), Deutschland, Sowjetunion, Ungarn
  • Topf 4: Bulgarien, Mexiko, Nordkorea, Schweiz

Titelverteidiger Brasilien wurde in Gruppe C und Gastgeber England wurde in Gruppe A als Gruppenkopf gesetzt, um das Eröffnungsspiel bestreiten zu dürfen. Ferner wurden Deutschland und Italien gesetzt. Ein offizielles Eröffnungsspiel wurde bei dieser WM zum ersten Mal ausgetragen. Nach 15 Minuten war die Auslosung vorüber und es standen die vier Gruppen fest.

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
Uruguay Uruguay Schweiz Schweiz Brasilien 1960 Brasilien Korea Nord Nordkorea
England England Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland Bulgarien 1948 Bulgarien Sowjetunion 1955 Sowjetunion
Frankreich Frankreich Spanien 1945 Spanien Ungarn 1957 Ungarn Chile Chile
Mexiko 1934 Mexiko Argentinien Argentinien Portugal Portugal Italien Italien

Für Informationen zu den einzelnen WM-Gruppen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.

Modus

Der Turniermodus blieb im Vergleich zur WM 1962 in Chile unverändert. Die 16 Teilnehmer traten in vier Vorgruppen mit je vier Mannschaften an. Jeder spielte einmal gegen jeden. Für einen Sieg gab es zwei Punkte, für ein Unentschieden einen Punkt. Bei Punktgleichstand entschied der bessere Torquotient über die Platzierung. Wäre auch dieser gleich, hätte das Los entscheiden müssen.

Die beiden Ersten jeder Gruppe qualifizierten sich für das Viertelfinale. Ab dem Viertelfinale wurde das Turnier im K.-o.-System ausgetragen. Im Viertelfinale traf jeweils ein Gruppenerster auf einen Gruppenzweiten.

Stand in einem Spiel der K.-o.-Runde nach 90 Minuten kein Sieger fest, wurde eine Verlängerung von zweimal 15 Minuten gespielt. Hätte es auch nach danach Unentschieden gestanden, wäre wieder das Los zur Entscheidung herangezogen worden. Im Finale wurde diese Regelung aufgehoben. Wenn nach dem ersten Finalspiel kein Sieger festgestanden hätte, wäre ein Wiederholungsspiel angesetzt worden. Hätte auch nach diesem kein Sieger festgestanden, wäre das Los zum Einsatz gekommen. Ein Losentscheid war bei dieser WM aber nicht notwendig.

Vorrunde

Gruppe A

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. England England  3  2  1  0 004:000  +4 05:10
 2. Uruguay Uruguay  3  1  2  0 002:100  +1 04:20
 3. Mexiko 1934 Mexiko  3  0  2  1 001:300  −2 02:40
 4. Frankreich Frankreich  3  0  1  2 002:500  −3 01:50
11. Juli, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) 1966 in London
England Uruguay 0:0
13. Juli, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) 1966 in London
Frankreich Mexiko 1:1 (0:0)
15. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in London
Uruguay Frankreich 2:1 (2:1)
16. Juli 1966, 15:00 Uhr (16:00 Uhr MESZ) in London
England Mexiko 2:0 (1:0)
19. Juli 1966, 16:30 Uhr (17:30 Uhr MESZ) in London
Mexiko Uruguay 0:0
20. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in London
England Frankreich 2:0 (1:0)

England meisterte die Vorrunde erwartungsgemäß. Nach einem torlosen Auftakt gegen Uruguay konnten sowohl Mexiko als auch Frankreich mit jeweils 2:0 bezwungen werden. Mit den gezeigten Leistungen waren die englischen Fans nicht zufrieden, der ersehnte WM-Titel schien nach diesem Start nicht erreichbar.

Uruguay konnte in der Vorrunde den zweiten Platz erreichen und sich somit für das Viertelfinale qualifizieren. Durch ein Unentschieden gegen England und einen Sieg gegen Frankreich hatte man praktisch das Viertelfinale schon erreicht. Durch ein torloses Unentschieden gegen Mexiko verschenkten die Charrúas allerdings den möglichen Gruppensieg. Die Spielweise des zweimaligen Weltmeisters wurde als äußerst defensiv und hart kritisiert.

Mexiko schied wie bei allen vorangegangen Weltmeisterschaften in der Vorrunde aus. Mit Antonio Carbajal hatte man zumindest einen Spieler im Kader, der seine fünfte WM absolvierte und einen Rekord aufstellte, der erst 1998 von Lothar Matthäus eingestellt wurde.

Frankreich konnte bei seiner ersten Teilnahme nach dem dritten Platz von 1958 nicht an diese Leistung anschließen. Lediglich einen Punkt gegen Mexiko aus dem Auftaktspiel hatte man am Ende auf dem Konto.

Gruppe B

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland  3  2  1  0 007:100  +6 05:10
 2. Argentinien Argentinien  3  2  1  0 004:100  +3 05:10
 3. Spanien 1945 Spanien  3  1  0  2 004:500  −1 02:40
 4. Schweiz Schweiz  3  0  0  3 001:900  −8 00:60
12. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Sheffield
BR Deutschland Schweiz 5:0 (3:0)
13. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Birmingham
Spanien Argentinien 1:2 (0:0)
15. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Sheffield
Spanien Schweiz 2:1 (0:1)
16. Juli 1966, 15:00 Uhr (16:00 Uhr MESZ) in Birmingham
BR Deutschland Argentinien 0:0
19. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Sheffield
Argentinien Schweiz 2:0 (0:0)
20. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Birmingham
BR Deutschland Spanien 2:1 (1:1)

Deutschland besiegte zum Auftakt die Schweiz mit 5:0 und wurde durch ein 0:0 gegen Argentinien und einen 2:1-Erfolg über Spanien Gruppensieger. In der Vorrunde fiel insbesondere der erst 20-jährige Franz Beckenbauer auf.

Argentinien legte mit einem Auftaktsieg über Spanien den Grundstein für das Erreichen des Viertelfinales. Am Ende musste sich die Mannschaft nur wegen des schlechteren Torverhältnisses gegenüber der BRD mit Rang zwei begnügen.

Europameister Spanien konnte, obwohl mit vielen Stars aus der heimischen Primera Division und der Serie A bestückt, nicht das Viertelfinale erreichen. Nach einer Niederlage gegen Argentinien und einem glücklichen 2:1-Sieg über die Schweiz ging das entscheidende Spiel gegen die deutsche Elf mit 1:2 verloren.

Die Schweiz stieß bei diesem Turnier an ihre Grenzen. Ohne große Einzelkönner konnten die Schweizer den etablierten Nationalmannschaften nicht Paroli bieten. Insbesondere die schwachen Abwehrleistungen machten eine Überraschung der Schweizer unmöglich.

Gruppe C

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. Portugal Portugal  3  3  0  0 009:200  +7 06:00
 2. Ungarn 1957 Ungarn  3  2  0  1 007:500  +2 04:20
 3. Brasilien 1960 Brasilien  3  1  0  2 004:600  −2 02:40
 4. Bulgarien 1948 Bulgarien  3  0  0  3 001:800  −7 00:60
12. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Liverpool
Brasilien Bulgarien 2:0 (1:0)
13. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Manchester
Portugal Ungarn 3:1 (1:0)
15. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Liverpool
Brasilien Ungarn 1:3 (1:1)
16. Juli 1966, 15:00 Uhr (16:00 Uhr MESZ) in Manchester
Portugal Bulgarien 3:0 (2:0)
19. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Liverpool
Portugal Brasilien 3:1 (2:0)
20. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Manchester
Ungarn Bulgarien 3:1 (2:1)

Portugal überraschte als Neuling positiv. Mit mutigem Angriffsfußball, angeführt von Eusébio, konnten die Portugiesen als Gruppenerster den Einzug unter die letzten Acht feiern. Alle drei Spiele wurden überzeugend gewonnen, im letzten Gruppenspiel bezwang man den amtierenden Weltmeister und sorgte so für dessen sensationelles Vorrundenaus. Ungarn konnte sich ebenso wie Portugal überraschend vor Brasilien platzieren. Mit Flórián Albert, Ferenc Bene und Gyula Rákosi verfügten die Ungarn über ein großes Angriffspotential, das sich für den Einzug in die nächste Runde hauptverantwortlich zeigte. Damit musste Brasilien die erste Niederlage in einer WM nach über 12 Jahren hinnehmen, die ebenfalls gegen Ungarn, damals bei der WM 1954 mit 2:4, war. Brasilien schied als amtierender Weltmeister bereits in der Vorrunde aus. Die überalterte Mannschaft war nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden Pelés nicht in der Lage, gegen Ungarn und Portugal einen Sieg zu erringen. Mit dem Ausscheiden Brasiliens war der Titelfavorit überraschend eliminiert. Bulgarien kam in der Gruppe 3 nicht über die Rolle des Statisten hinaus. Wie schon bei der WM 1962 schied die bulgarische Mannschaft als Tabellenletzter aus.

Gruppe D

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. Sowjetunion 1955 Sowjetunion  3  3  0  0 006:100  +5 06:00
 2. Korea Nord Nordkorea  3  1  1  1 002:400  −2 03:30
 3. Italien Italien  3  1  0  2 002:200  ±0 02:40
 4. Chile Chile  3  0  1  2 002:500  −3 01:50
12. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Middlesbrough
Sowjetunion Nordkorea 3:0 (2:0)
13. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Sunderland
Italien Chile 2:0 (1:0)
15. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Middlesbrough
Chile Nordkorea 1:1 (1:0)
16. Juli 1966, 15:00 Uhr (16:00 Uhr MESZ) in Sunderland
Sowjetunion Italien 1:0 (0:0)
19. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Middlesbrough
Italien Nordkorea 0:1 (0:1)
20. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Sunderland
Sowjetunion Chile 2:1 (1:1)

Die Sowjetunion spielte die Vorrunde souverän. Alle drei Spiele konnten gewonnen werden, dabei kassierte man lediglich ein Gegentor. Zwar unspektakulär, aber mit nüchternen und soliden Leistungen rückte die Sowjetunion ungefährdet in die nächste Runde vor.

Nordkorea war die Überraschungsmannschaft der Vorrunde. Als absoluter Außenseiter gestartet und spätestens nach der 0:3-Niederlage gegen die Sowjetunion als chancenloser Exot belächelt, zeigten die Nordkoreaner eine nicht für möglich gehaltene Leistung, indem sie sich zunächst gegen Chile einen Punkt erkämpften, bevor sie die italienischen Superstars sensationell mit 1:0 schlugen und somit unter die letzten Acht vorrückten.

Italien schied absolut überraschend nach der Vorrunde aus. Nach einem Sieg über Chile und einer knappen Niederlage gegen die Sowjetunion rechnete die komplette Fachwelt mit einem ungefährdeten Sieg gegen die Nordkoreaner. Doch durch eine sensationelle 0:1-Niederlage war für die Squadra Azzurra bereits nach der ersten Runde Schluss. Bei der Rückkehr in die Heimat wurden die italienischen Spieler von ihren maßlos enttäuschten Fans mit Tomaten und faulem Obst begrüßt.

Chile war nicht in der Lage, an die Leistung im vorhergegangenen Turnier anzuschließen. Als WM-Dritter angereist, schied man als Tabellenletzter mit nur einem Punkt aus.

Finalrunde

Viertelfinale Halbfinale Finale
                   
       
  England England  1
  Argentinien Argentinien  0  
  England England  2
    Portugal Portugal  1  
  Portugal Portugal  5
  Korea Nord Nordkorea  3  
  England England  041
    Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland  2
  Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland  4
  Uruguay Uruguay  0  
  Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland  2 Spiel um Platz drei
    Sowjetunion 1955 Sowjetunion  1  
  Sowjetunion 1955 Sowjetunion  2   Portugal Portugal  2
  Ungarn 1957 Ungarn  1     Sowjetunion 1955 Sowjetunion  1
1 Sieg nach Verlängerung

Viertelfinale

23. Juli 1966, 15:00 Uhr (16:00 Uhr MESZ) in London
England England Argentinien Argentinien 1:0 (0:0)
23. Juli 1966, 15:00 Uhr (16:00 Uhr MESZ) in Sheffield
Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland Uruguay Uruguay 4:0 (1:0)
23. Juli 1966, 15:00 Uhr (16:00 Uhr MESZ) in Liverpool
Portugal Portugal Korea Nord Nordkorea 5:3 (2:3)
23. Juli 1966, 15:00 Uhr (16:00 Uhr MESZ) in Sunderland
Sowjetunion 1955 Sowjetunion Ungarn 1957 Ungarn 2:1 (1:0)

Im Viertelfinale setzten sich in allen Partien die Gruppenersten durch. In der Partie zwischen Gastgeber England und Argentinien wurde der deutsche Schiedsrichter Rudolf Kreitlein unfreiwilliger Hauptdarsteller, nachdem er den Argentinier Antonio Rattín bereits nach einer halben Stunde vom Platz stellte und somit den Engländern einen großen Vorteil verschaffte, den diese auch nutzen konnten. Rattín weigerte sich jedoch, das Spielfeld zu verlassen. Das Spiel wurde unterbrochen, und Rattín wurde von englischen Polizisten vom Platz geführt. Besonders in der argentinischen Presse wurde Kreitlein nach dieser Partie angefeindet.

Deutschland besiegte Uruguay mit 4:0. Zwei Platzverweise gegen die Südamerikaner kurz nach der Pause machten es für die deutsche Mannschaft allerdings leichter, ein hohes Resultat herauszuspielen. Torschützen waren Haller (11., 83.), Beckenbauer (70.) und Seeler (75.).

Das Spiel Portugal gegen Nordkorea ging als eines der dramatischsten Spiele in die WM-Geschichte ein. Nach 25 Minuten führte Nordkorea bereits mit 3:0, und alles sah danach aus, als könnte der Außenseiter seinen unglaublichen Siegeszug fortsetzen. Doch Eusébio sorgte fast im Alleingang für die Wende: Er erzielte vier Treffer zwischen der 27. und 59. Minute und bereitete den fünften vor. Portugal zog dadurch bei seiner ersten WM-Teilnahme ins Halbfinale ein.

Die Sowjetunion konnte sich auch im Viertelfinale durchsetzen. Den Ungarn gelang es nicht, ihre Leistung aus der Vorrundenpartie gegen die Brasilianer erneut abzurufen. Die Sowjets gewannen dank ihrer starken Defensive um Torhüter Lew Jaschin und ihrer schnellen Sturmspitzen, wodurch sich immer wieder Kontermöglichkeiten ergaben.

Halbfinale

25. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in Liverpool
Deutschland Bundesrepublik BR Deutschland Sowjetunion 1955 Sowjetunion 2:1 (1:0)
26. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in London
England England Portugal Portugal 2:1 (1:0)

Die deutsche Elf erreichte mit dem Sieg über die Sowjetunion das zweite Mal ein WM-Finale. Die Treffer erzielten die beiden besten deutschen Spieler des Turniers: Helmut Haller in der 43. und Franz Beckenbauer in der 68. Minute. Der Anschlusstreffer der UdSSR in der 88. Minute durch Porkujan kam zu spät.

Die Engländer setzten sich gegen Portugal mit 2:1 durch. Portugal war England zwar zumeist ebenbürtig, doch die Engländer verstanden es, Zählbares aus ihren Spielzügen zu machen. Zudem wurde Eusébio erfolgreich von Nobby Stiles in Manndeckung genommen. Sein achtes Turniertor erzielte der portugiesische Stürmerstar dennoch, allerdings erst in der 82. Minute per Elfmeter zum 1:2-Endstand.

Spiel um Platz 3

28. Juli 1966, 19:30 Uhr (20:30 Uhr MESZ) in London
Portugal Portugal Sowjetunion 1955 Sowjetunion 2:1 (1:1)

Im Spiel um Platz 3 schlossen die Portugiesen ihre WM-Premiere mit dem dritten Platz ab. Das Siegtor der Portugiesen fiel erst in der 88. Minute. Dies ist das bislang beste Ergebnis Portugals bei der Endrunde einer Fußball-Weltmeisterschaft.

Finale

England BR Deutschland Aufstellung
England
Finale
Samstag, 30. Juli 1966 in London (Wembley-Stadion)
Ergebnis: 4:2 n.V. (2:2, 1:1)
Zuschauer: 96.924
Schiedsrichter: Gottfried Dienst (Schweiz Schweiz)
Spielbericht
BR Deutschland
Gordon BanksGeorge Cohen, Jack Charlton, Bobby Moore (C), Ray WilsonNobby Stiles, Bobby Charlton, Martin PetersAlan Ball, Geoff Hurst, Roger Hunt
Trainer: Alf Ramsey
Hans TilkowskiHorst-Dieter Höttges, Willi Schulz, Wolfgang Weber, Karl-Heinz SchnellingerFranz Beckenbauer, Helmut Haller, Wolfgang OverathUwe Seeler (C), Sigfried Held, Lothar Emmerich
Trainer: Helmut Schön

1:1 Hurst (18.)
2:1 Peters (78.)

3:2 Hurst (101.)
4:2 Hurst (120.)
0:1 Haller (12.)


2:2 Weber (90.)
Verwarnung: Peters

Das Finale der WM 1966 zwischen England und der Bundesrepublik Deutschland begann furios. Bereits nach 20 Minuten stand es durch Tore von Helmut Haller (12.) und Geoff Hurst (18.) 1:1. Zwölf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit konnten die Engländer durch Martin Peters in Führung gehen, doch dem deutschen Verteidiger Wolfgang Weber gelang in der Nachspielzeit mit seinem ersten Länderspieltor noch der Ausgleich.

In der 101. Minute fiel das legendäre Wembley-Tor. Hurst schoss den Ball an die Unterkante der Latte, der von dort senkrecht nach unten prallte, bevor er von Weber ins Toraus geköpft wurde. Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst entschied nach Rücksprache mit Linienrichter Tofiq Bəhramov auf Tor. Hurst erhöhte in der Schlussminute der zweiten Halbzeit der Verlängerung noch auf 4:2. Obwohl dieser Treffer unter normalen Umständen irregulär wäre, da sich bereits Zuschauer auf dem Spielfeld befanden, blieb das Endergebnis bei 4:2 nach Verlängerung. England war damit zum ersten und bislang einzigen Mal Fußball-Weltmeister.

Ehrungen der Platzierten

Die deutsche Nationalmannschaft wurde in Deutschland zur Mannschaft des Jahres, Franz Beckenbauer zu Deutschlands Fußballer des Jahres und Bobby Charlton zu Englands Fußballer des Jahres sowie Europas Fußballer des Jahres (hierbei wurde Eusébio Zweiter und Franz Beckenbauer Dritter) gewählt. Bobby Moore wurde zum Sportler des Jahres in Großbritannien gewählt.

Weltmeister England England

Die Weltmeistermannschaft: Gordon Banks; George Cohen, Bobby Moore, Ramon Wilson; Jack Charlton, John Connelly, Terence Paine, Nobby Stiles, Alan Ball, Ian Callaghan, Bobby Charlton, Jimmy Greaves, Roger Hunt, Geoff Hurst, Martin Peters – Trainer: Alf Ramsey

Beste Torschützen

Rang Spieler Tore
1 Portugiese Eusébio 9
2 Deutscher Helmut Haller 6
3 Deutscher Franz Beckenbauer 4
Ungar Ferenc Bene 4
Engländer Geoff Hurst 4
Sowjetrusse Waleri Porkujan 4
7 Argentinier Luis Artime 3
Sowjetrusse Eduard Malofejew 3
Portugiese José Augusto 3
Portugal José Augusto Torres 3
Engländer Bobby Charlton 3
Engländer Roger Hunt 3
Rang Spieler Tore
13 Chilene Rubén Marcos 2
Sowjetrusse Igor Tschislenko 2
Nordkoreaner Pak Seung-zin 2
Ungar Kálmán Mészöly 2
Deutscher Uwe Seeler 2
18 Deutscher Lothar Emmerich 1
Deutscher Sigfried Held 1
Deutscher Wolfgang Weber 1
Schweiz René-Pierre Quentin 1

Darüber hinaus gab es 24 weitere Spieler mit je einem Treffer. Hinzu kamen zwei Eigentore.

Fazit

Die WM 1966 war im Vergleich zur WM 1962 in Chile ein deutlicher Fortschritt. Während vier Jahre zuvor eine defensive bis destruktive Spielweise dominierte, wurden die Partien wieder mit mehr Fairness und Sportgeist geführt. Zwar gab es fünf Platzverweise, vier davon verteilten sich aber alleine auf die beiden südamerikanischen Mannschaften aus Uruguay und Argentinien, die mit ihrer harten Gangart Negativschlagzeilen hervorriefen. Das 2-3-5-System, das bei der WM 1962 noch größtenteils praktiziert wurde, wurde vier Jahre später nicht mehr angewandt und durch das 4-3-3 und 4-2-4-System abgelöst.

Mannschaften, die bei dieser WM auf eine totale Defensivtaktik gesetzt hatten, waren damit nicht erfolgreich. Weder Italien noch Chile oder Uruguay konnten in diesem Turnier für Impulse sorgen. Geprägt wurde diese WM von jenen Mannschaften, die es verstanden auf die Offensive zu setzen, allen voran Portugal (17 Treffer in sechs Partien) und Deutschland (15 Treffer in sechs Partien). Trotzdem blieb der Schnitt der erzielten Tore pro Partie gegenüber dem von 1962 unverändert (2,8), was vor allem daran lag, dass es keine „chancenlose“ Mannschaft gab. Selbst „Fußballzwerge“ wie Nordkorea verstanden es, die Partien ausgeglichen zu gestalten.

Besonderheiten

Bei der Fußball-WM 1966 wurden zum ersten und bisher einzigen Mal vor dem Anpfiff keine Nationalhymnen gespielt. Grund dafür war die Tatsache, dass das Vereinigte Königreich keine diplomatischen Beziehungen zu WM-Teilnehmer Nordkorea hatte und das Spielen der nordkoreanischen Hymne verweigerte. In Anbetracht dessen beschloss die FIFA, auf sämtliche Nationalhymnen während des Turniers zu verzichten. Nur das Finale war von dieser Sonderregelung ausgeschlossen.

Erstmals bei einer Weltmeisterschaft wurden Dopingkontrollen durchgeführt. Nach jedem Spiel wurden von zwei Spielern pro Mannschaft Urinproben untersucht.[2]

Siehe auch

Literatur

  • Bertelsmann Sportredaktion, Sport-Informations-Dienst (Hrsg.): VIII. Fussball-Weltmeisterschaft England 1966. Bertelsmann, Gütersloh 1966.
  • Friedebert Becker (Hrsg.): Fussball-Weltmeisterschaft 1966. Copress, München 1966.
  • Günter Simon (Redaktion): Fußball-Weltmeisterschaft England 1966. Sportverlag, Berlin 1966.
  • Ernst Huberty, Willy B. Wange: Weltmeisterschaft 1966. Lingen, Köln 1966.
  • Fritz Walter: Wie ich sie sah. Die Spiele zur Weltmeisterschaft in England 1966. Copress, München 1966.
  • Markus Schäflein (Redaktion): 1966, England. Süddeutsche Zeitung, München 2006, ISBN 3-86615-155-1.
  • Olaf Edig, Daniel Meuren, Nicole Selmer: Fußballweltmeisterschaft 1966 England. Agon, Kassel 2006, ISBN 3-89784-208-4.
  • Bodo Harenberg: Das große Spiel um Geld und Tore. Econ, Düsseldorf 1966.

Weblinks

 Commons: Fußball-Weltmeisterschaft 1966  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://de.fifa.com/mm/document/fifafacts/mencompwc/51/97/68/fs-201_10d_finaldraw-history.pdf
  2. Thomas Kistner: Schuss. Die geheime Dopinggeschichte des Fußballs. München 2015 ISBN 978-3-426-42714-9 S. 46

Kategorien: Keine Kategorien vorhanden!

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Fußball-Weltmeisterschaft 1966 (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.