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Fritz Leonhardt


Fritz Leonhardt (* 11. Juli 1909 in Stuttgart; † 30. Dezember 1999 ebenda) war einer der einflussreichsten deutschen Bauingenieure des 20. Jahrhunderts.

Leben und Wirken

Nach seinem Abitur 1927 am Dillmann-Realgymnasium (heute Dillmann-Gymnasium) studierte er Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Stuttgart und an der Purdue Universität in West Lafayette (Indiana) in den USA.

Von 1934 bis 1938 war er Brückenbauingenieur bei der Reichsautobahn-Gesellschaft. Bereits dort arbeitete er mit Paul Bonatz zusammen.

1939 gründete er in München ein Ingenieurbüro, das noch heute unter dem Namen Leonhardt, Andrä & Partner existiert. Mit seinem Büro war er unter anderem mit der Planung des neuen Münchener Hauptbahnhofs mit einer Kuppel von 245 Meter Durchmesser und der Öresundbrücke, einer Hängebrücke mit drei 756 Meter langen Hauptfeldern, befasst.

Er wurde bekannt durch den Bau zahlreicher Brücken, Hochhäuser und Fernsehtürme in Stahl- und Spannbeton-Bauweise. Den Spannbeton lernte er während seiner Zeit bei der Organisation Todt durch einen Aufsatz von Eugène Freyssinet von 1941 kennen, zu dem er auch später nach Frankreich reiste. Begünstigt wurde die Verbreitung des Spannbetons in Deutschland nach dem Krieg etwa im Brückenbau durch den Mangel an Stahl. Gleich nach Kriegsende gründete er ein Ingenieurbüro und die erste Spannbetonbrücke entstand 1948 im Schwarzwald. Der von ihm erbaute Stuttgarter Fernsehturm war der weltweit erste Fernsehturm in Stahlbetonbauweise. Zusammen mit Wolfhardt Andrä gründete Leonhardt 1953 das Ingenieurbüro Leonhardt und Andrä, seit 1970 um Partner erweitert unter Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) firmiert. Von 1957 bis 1974 war Leonhardt Professor für Massivbau der TH Stuttgart, von 1967 bis 1969 auch Rektor.

In dieser Zeit war er maßgeblich an der Planung der für das Richtfunknetz erforderlichen Typentürme beteiligt. Sein Büro erstellte die Tragwerkplanung für das Zeltdach des Münchner Olympiageländes und ermöglichte so die Bauausführung des von Günter Behnisch noch ohne Wissen über die Verwirklichung entworfenen Modells. Leonhardts kann als Hauptvertreter der "Stuttgarter Schule des Konstruktiven Ingenieurbaus"[1] gelten, in deren Zentrum der Leichtbau steht. So publizierte er 1940 den Aufsatz "Leichtbau - eine Forderung unserer Zeit. Anregungen für den Hoch- und Brückenbau".[2] Mit Willi Baur (1913-1978) entwickelte er das Taktschiebeverfahren im Brückenbau.

Nach seiner Emeritierung wurde Jörg Schlaich sein Nachfolger auf dem Lehrstuhl. 1975 erhielt Leonhardt die Goldmedaille der Institution of Structural Engineers.

Fritz Leonhardt wurde mit zahlreichen Ehrungen bedacht, darunter mit dem Großen Verdienstkreuz und sechs Ehrendoktorwürden. 1981 wurde er mit dem Award of Merit in Structural Engineering der Internationalen Vereinigung für Hochbau und Brückenbau IVBH ausgezeichnet. 1982 wurde Leonhardt Ehrenmitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. 1998 wurde eine bis dahin namenlose Realschule im Stuttgarter Stadtteil Degerloch nach ihm benannt. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Stuttgart.

Der nach ihm benannte Fritz-Leonhardt-Preis wird alle drei Jahre an herausragende Bauingenieure verliehen, 2015 zum sechsten Mal.[3]

Bauwerke

Schriften

  • Spannbeton für die Praxis. Verlag Ernst, Berlin 1973, ISBN 3-433-00541-9.
  • Ingenieurbau – Bauingenieure gestalten die Umwelt. Carl Habel Verlag, Darmstadt 1974.
  • Brücken/Bridges. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1982, ISBN 3-421-02590-8.
  • Baumeister in einer umwälzenden Zeit (Memoiren), Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1984, ISBN 3-421-02815-X.

Literatur

  • Joachim Kleinmanns und Christiane Weber (Hrsg.): Fritz Leonhardt 1909–1999. Die Kunst des Konstruierens/The art of engineering, Edition Axel Menges, Fellbach 2009, ISBN 978-3-936681-28-4 (deutsch, englisch).

Weblinks

 Commons: Fritz Leonhardt  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Annette Bögle und Karl-Eugen Kurrer: Das strukturale Komponieren von Tragwerken bei Jörg Schlaich. In: Beton- und Stahlbetonbau. 109. Jahrgang, Nr. 11. Ernst & Sohn, Berlin 2014, S. 830 ff.
  2. Fritz Leonhardt: Leichtbau - eine Forderung unserer Zeit. Anregungen für den Hoch- und Brückenbau. In: Die Bautechnik. 18. Jahrgang, Nr. 36/37. Ernst & Sohn, Berlin 1940, S. 413–423.
  3. Erik Raidt: Werner Sobek für sein Lebenswerk ausgezeichnet. In: Stuttgarter Zeitung. Nr. 152, 6. Juli 2015, S. 16.


Kategorien: Brückenbau-Ingenieur | Träger des Werner-von-Siemens-Rings | Ehrenmitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften | Hochschullehrer (Universität Stuttgart) | Gestorben 1999 | Geboren 1909 | Träger des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien | Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes | Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg | Deutscher | Mann | Bauingenieur

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz Leonhardt (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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