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Frisistik


Die Frisistik (oder Friesische Philologie, seltener Friesistik) ist die akademische Disziplin, die sich mit den friesischen Sprachen und Literaturen befasst. Häufig schließt das Fach auch Landeskunde und Kultur der Frieslande ein. In den Niederlanden ist ausschließlich der Begriff Frisistik bzw. Frisistiek üblich, da unter Philologie dort vor allem die Editionsphilologie verstanden wird.

Forschung und Lehre

Deutschland

Universitäten

In Deutschland gibt es nur in Schleswig-Holstein Friesisch-Professuren. Dabei besteht lediglich an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ein Lehrstuhl für friesische Philologie[1]. An der Europa-Universität Flensburg wird der Lehrbetrieb durch zwei Honorarprofessoren sichergestellt.[2]

Bereits im Jahr 1950 wurde die Nordfriesische Wörterbuchstelle am Nordischen Institut der Universität in Kiel angesiedelt, eine Professur für Friesische Philologie besteht allerdings erst seit 1978. Damit konnte dort das Fach im Rahmen eines Lehramts- oder Magisterstudiengangs im Haupt- und Nebenfach studiert werden.[3] Heute bildet die Frisistik zusammen mit der Skandinavistik und der Allgemeinen Sprachwissenschaft ein gemeinsames Institut an der Philosophischen Fakultät. Seit der Einführung der Bologna-Studiengänge im Jahr 2007 ist das Fach "Friesische Philologie" als eines von zwei Hauptfächern mit den Abschlüssen Bachelor of Arts und Master of Arts wählbar. Module der Frisistik stehen auch Studierenden anderer Fachrichtungen im Rahmen der sogenannten Fachergänzung offen. Als ein vollwertiges Fach im Lehramtsstudium ist die Frisistik allerdings nicht vorgesehen. Lehramtsstudenten haben aber die Möglichkeit, zusätzlich zu ihren beiden Hauptfächern Friesisch als sogenanntes Ergänzungsfach zu studieren.[4] Schwerpunkt der Kieler Forschung und Lehre ist die Nordfriesische Sprache und Literatur, grundsätzlich werden jedoch auch das Westfriesische und das Ostfriesische behandelt.

An der Pädagogischen Hochschule Flensburg (heute Europa-Universität Flensburg) gab es mit Unterbrechungen seit 1963 zunächst Lehraufträge für Friesisch. Im Jahr 1988 wurde für das Fach eine reguläre Professur eingerichtet, die allerdings bereits 1996 im Zuge von Sparmaßnahmen wieder aufgehoben wurde. Der Lehrbetrieb des Friesischen Seminars wird seitdem wieder mit Lehraufträgen und Honorarprofessuren aufrechterhalten. Bis zum Jahr 1999 konnte Friesisch als eines von drei Fächern im Lehramtsstudium gewählt werden. Aktuell bestehen für Studenten dagegen nur noch eingeschränkte Möglichkeiten, sich mit Friesisch zu befassen. Germanistikstudenten können im Bachelorstudium innerhalb ihres Fachs einen zweisemestrigen Friesisch-Schwerpunkt absolvieren. Lehramtsstudenten aller Fächer können zudem einzelne Kurse im Wahlpflichtbereich belegen. Daneben gibt ein Zertifizierungsangebot zur Erweiterung der Lehrfähigkeit für Masterstudenten und Lehrer[5]. Die Lehrveranstaltungen beziehen sich nahezu ausschließlich auf das Nordfriesische.

An der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg bestand bis 2003 eine Arbeitsstelle Niederdeutsch und Saterfriesisch unter der Leitung von Marron Curtis Fort. Im Jahr 2008 wurde die neue Professur "Germanistische Linguistik: Linguistische Pragmatik und Soziolinguistik / Niederdeutsch" an der Universität eingerichtet, der auch das Saterfriesische zugeordnet ist.[6] West- und Nordfriesisch finden keine Berücksichtigung. Wie in Flensburg kann auch in Oldenburg Friesisch nicht als eigenes Fach studiert werden. Kurse zum Saterfriesischen für angehende Lehrkräfte können vor allem innerhalb des Germanistikstudiums belegt werden.

Andere Einrichtungen

Eng mit der Universität Flensburg ist das Nordfriisk Instituut in Bredstedt im Kreis Nordfriesland verknüpft, das seit 1965 als unabhängige, aber staatlich unterstützte wissenschaftliche Einrichtung besteht. Zur Zeit der Flensburger Friesisch-Professur beinhaltete diese auch die Leitung des Nordfriisk Instituuts. Heute hat der Leiter des Instituts eine Honorarprofessur an der Universität Flensburg inne.[7]

In Alkersum auf Föhr besteht die Ferring Stiftung als wissenschaftliche Einrichtung, die sich vor allem mit der Föhrer und Amrumer Sprache und Landeskunde befasst. Der Leiter der Ferring Stiftung ist ebenfalls Honorarprofessor in Flensburg.

Niederlande

In den Niederlanden ist die Reichsuniversität Groningen die wichtigste Universität für die Frisistik. Dort besteht die Abteilung Friese Taal en Cultuur, der Schwerpunkt liegt auf der westfriesischen Sprache.[8] An den Universitäten Amsterdam und Leiden können Kurse aus dem Gebiet der Frisistik als Neben- und Wahlfächer belegt werden.[9] In Leeuwarden besteht mit der Fryske Akademy seit 1938 eine wissenschaftliche Einrichtung für die Erforschung der friesischen Sprache. An der Noordelijke Hogeschool in Leeuwarden werden zudem Friesischlehrer ausgebildet.[10]

Berufsfelder

Außerhalb einer wissenschaftlichen Laufbahn werden Frisisten in Deutschland vor allem als Lehrer im Kreis Nordfriesland oder auf Helgoland in Schleswig-Holstein engagiert. Andere Berufsfelder wären beispielsweise Medienarbeit oder Gremienarbeit in friesischen Institutionen.

Geschichte

Von der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert waren es vor allem gebildete Laien, die sich mit den einzelnen friesischen Dialekten befassten. Als Begründer der modernen Frisistik gilt der Germanist Theodor Siebs, der sich mit allen drei friesischen Sprachzweigen befasste. Siebs Habilitationsschrift aus dem Jahr 1889 trug den Namen "Zur Geschichte der englisch-friesischen Sprache". Als wegweisend für die Frisistik gilt seine Geschichte der friesischen Sprache in Hermann Pauls Grundriß der germanischen Philologie im Jahr 1901.

Wichtige Frisisten

Einzelnachweise

  1. Abteilung für Frisistik
  2. Friesisches Seminar, Universität Flensburg
  3. Ommo Wilts und Alastair Walker: Institutionen der Frisistik in Deutschland. In: Horst H. Munske (Hrsg.): Handbuch des Friesischen. Tübingen: Niemeyer 2001
  4. http://www.studservice.uni-kiel.de/sta/5.3-10.pdf
  5. http://www.zww.uni-flensburg.de/43.html
  6. http://www.uni-oldenburg.de/presse/mit/2007/466.html
  7. Ommo Wilts und Alastair Walker: Institutionen der Frisistik in Deutschland. In: Horst H. Munske (Hrsg.): Handbuch des Friesischen. Tübingen: Niemeyer 2001
  8. http://www.rug.nl/let/organization/bestuur-afdelingen-en-medewerkers/afdelingen/afdeling-friese-taal-en-cultuur/
  9. http://www.uva.nl/actueel/persberichten.cfm/F4A6D867-1BBB-4A25-A6F1E864A75808E9
  10. http://www.nhl.nl/scholieren/89/leraar-fries.html

Kategorien: Kulturwissenschaft | Philologie

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Frisistik (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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