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Friesenbrücke


Friesenbrücke
Die Friesenbrücke bei Weener an der Ems
Nutzung Eisenbahnstrecke, Fuß- und Radweg
Unterführt

Ems

Ort Weener, Westoverledingen
Unterhalten durch Deutsche Bahn AG[1]
Gesamtlänge 335 m
Höhe 4 m[2]
Baubeginn 1924
Fertigstellung 1926
Eröffnung 1926
Schließung 2015
Lage
Höhe über dem Meeresspiegel m ü. NN

Die Friesenbrücke ist eine eingleisige, nicht elektrifizierte Eisenbahnbrücke mit Geh- und Radweg über die Ems bei der ostfriesischen Stadt Weener in Niedersachsen. Das von 1924 bis 1926 errichtete Bauwerk aus Stahl ist 335 Meter lang und besteht aus sechs Abschnitten mit jeweils rund 50 Meter Stützweite sowie einer Klappbrücke mit 30 Meter Spannweite. Zeitweise war die Friesenbrücke die längste Eisenbahnklappbrücke in Deutschland.[3]

Am Abend des 3. Dezember 2015 rammte ein Frachtschiff den geschlossenen Klappteil der Brücke und zerstörte ihn. Die Brücke kann nun nicht mehr genutzt werden. Ein notwendiger Neubau wird inklusive Planung, Planfeststellung und Bauausführung mindestens fünf Jahre dauern.[4]

Verkehrliche Bedeutung

Eisenbahnverkehr

Die Brücke über die Ems ist Teil der Bahnstrecke Leer–Groningen. Im Stundentakt mit werktäglich 14 Fahrten pro Tag und Richtung wurde sie von einer Regionalbahn GroningenLeer befahren, mit der die DB-Tochtergesellschaft Arriva Niederlande beauftragt ist.

Seit der Zerstörung der Brücke enden die Züge in Bad Nieuweschans, dem Grenzort im niederländischen Reiderland. Schienenersatzverkehr mit Omnibussen gibt es im Stundentakt von Winschoten über Weener nach Leer. Außerdem verkehrt vom 11. Dezember 2015 bis Ende Februar 2016 ein Schnellbus direkt zwischen Groningen und Leer.[5]

Die Bahnstrecke über die Friesenbrücke war bis etwa 1975 die kürzeste Verbindung von Hamburg nach Amsterdam. Heute hat sie im Fernverkehr nur noch geringe Bedeutung.

Fuß- und Radweg

Neben dem Bahngleis trägt die Friesenbrücke, auf der südlichen bzw. flussaufwärts gelegenen Seite, einen Fuß- und Radweg. Dieser dient(e) dem Pendlerverkehr zwischen dem links der Ems liegenden Weener sowie dem dahinterliegenden Rheiderland und der rechts der Ems liegenden Gemeinde Westoverledingen mit ihren Ortschaften Ihrhove sowie Steenfelde, Flachsmeer u. a. Dazu kommt Freizeit- und Tagesausflugsverkehr mit Zielen wie dem Friesenbad oder Organeum in Weener, oder dem Badesee Grotegaste auf der anderen Seite. Außerdem war die Brücke eine wichtige Verbindung für Touristen, sowohl solche mit Aufenthalt in Ostfriesland als auch Radtouristen auf der Dortmund-Ems-Kanal-Route, der Deutschen Fehnroute, dem Emsradweg[6] und dem Kreuzfahrtweg einer eher lokalen Rad-Themenroute, die die Schiffsüberführungen der Meyer-Werft zum Thema hat[7].

Schiffsverkehr

Die Ems ist hier Teil der Seeschifffahrtsstraße Untere Ems bis einschließlich zum Hafen Papenburg, die mit dem Dortmund-Ems-Kanal als Binnenwasserstraße bis ins Ruhrgebiet führt. Für Fahrzeuge der Berufsschifffahrt (hauptsächlich der Seeschifffahrt) und Sportschifffahrt mit höheren Aufbauten muss die Brücke geöffnet werden, was je nach Dauer der Durchfahrt des Schiffes zehn Minuten oder länger dauert.

Die Durchfahrtsbreite der geöffneten Klappsektion beträgt nur 25 Meter, was für die meisten Kreuzfahrtschiff-Neubauten der Meyer Werft nicht ausreicht. Daher wird für eine Neubau-Durchfahrt nach dem Öffnen des beweglichen Teils der daneben liegende Stromüberbau durch einen Schwimmkran ausgehängt, mit seinem Anschlussbauteil herausgelöst und über den folgenden Überbau geklappt. So entsteht eine zweite, mit 46,6 Meter deutlich breitere Durchfahrt. In diesem Zustand konnte die Klappsektion nicht mehr geschlossen werden; der Zugverkehr wurde dann durch Busse ersetzt. Die Pfeiler sind 12,7 Meter bis 15,5 Meter tief gegründet, die Stützweiten der festen Brückenfelder betragen 50,64 Meter.[8]

Bilder

Geschichte

Die heutige Friesenbrücke ist das zweite Brückenbauwerk an dieser Stelle. In den Jahren 1874 bis 1876 wurde zunächst ein 345 Meter langes Brückenbauwerk mit einer integrierten Drehbrücke über die Ems errichtet.[9] Diese Vorgängerbrücke ersetzte man in den Jahren von 1924 bis 1926 durch eine stählerne Fachwerkbrücke mit einer Rollklappbrücke über der Schifffahrtsöffnung. Errichter der Brücke war das MAN Werk Gustavsburg.[8] Das Bauwerk besteht seitdem aus sechs Abschnitten mit jeweils rund 50 Meter Stützweite und einer Klappbrücke mit 30 Meter Spannweite. Mitte April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, sprengten Wehrmachtsoldaten die Brücke. Von 1950 bis 1951 wurde sie in gleicher Form wieder aufgebaut.

Zerstörung

Am Abend des 3. Dezember 2015 rammte das mit 4563 BRZ vermessene Frachtschiff Emsmoon der Papenburger Reederei Grona Shipping den Klappteil der geschlossenen Brücke, zerstörte ihn und verschob durch die Wucht des Aufpralls die Aufbauten der Brücke um einige Meter.[10] Die Beschädigung erscheint irreparabel.[11] Der Emsabschnitt wurde sofort wegen der Trümmer für Seeschiffe gesperrt. Ein Brückenteil wurde per Schwimmkran herausgehoben, damit Seeschiffe die Unfallstelle wieder passieren können; für Binnenschiffe war die Passage bereits seit dem 4. Dezember wieder möglich.[12] Die Brücke kann seitdem nicht mehr genutzt werden. Zwischen Leer und Bad Neuschanz wurde ein Schienenersatzverkehr für die betroffene Strecke eingerichtet, die sonst mit Zügen der niederländischen Arriva betrieben wird.[10] Die von der Staatsanwaltschaft Aurich veranlassten Unfallermittlungen laufen (Stand: 9. Dezember 2015). Hinweise auf technische Defekte wurden weder beim Schiff, noch bei der Klappbrücke gefunden. Noch ist nicht geklärt, wer das Kommando über den Havaristen hatte: der russischstämmige Kapitän oder der Lotse. [13] Der Schiffsfahrtenschreiber des Frachters wurde ausgewertet, aber die Ergebnisse wurde noch nicht von der Staatsanwaltschaft veröffentlicht (Stand: 9. April 2016).[14]

Am 10. Dezember 2015 gab das Wasser- und Schifffahrtsamt Emden die Ems wieder für die Seeschifffahrt frei. Ein Bagger hatte zuvor die normale Solltiefe im Bereich der Friesenbrücke wieder hergestellt. Nun können auch große Seeschiffe die Brücke wieder passieren. Die Lichtzeichen stehen dauerhaft auf Grün.[15] Der Leitstand ist nicht mehr besetzt.

Für den Wiederaufbau rechnet die Deutsche Bahn mit mindestens 5 Jahren. Die Reparatur soll um die 20 Millionen Euro kosten, aber ein Neubau wäre noch teurer und würde bis zu 9 Jahren dauern. Von diesen Kosten übernimmt die Haftpflicht-Versicherung des Frachters nur 4 Millionen Euro.[16]

Literatur

  • Paul Schlodtmann: Neubau der Eisenbahnbrücke über die Ems bei Weener.
    In: Die Bautechnik, 3. Jahrgang 1925,
    • Heft 23 (vom 29. Mai 1925) (online als PDF), S. 297–300. (1. Teil)
    • Heft 24 (vom 5. Juni 1925) (online als PDF), S. 310–313. (2. Teil)
  • Schenkelberg: Die Friesenbrücke über die Ems bei Weener.
    In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 46. Jahrgang 1926,
    • Nr. 47 (vom 24. November 1926) (Download als PDF), S. 530–533. (1. Teil)
    • Nr. 48 (vom 1. Dezember 1926) (Download als PDF), S. 537–541. (2. Teil)
    • Nr. 49 (vom 8. Dezember 1926) (Download als PDF), S. 551. (3. Teil)

Weblinks

 Commons: Friesenbrücke  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Wasser- und Schiffahrtsdirektion Nordwest: Planfeststellungsbeschluß für den Ausbau der Bundeswasserstraße Ems von km 0 bis km 40,45 , abgerufen am 8. Dezember 2015
  2. Schenkelberg: Die Friesenbrücke über die Ems bei Weener. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 46. Jahrgang 1926, Nr. 47 (vom 24. November 1926), S. 530. (vgl. Literatur)
  3. www.baw.de: Friesenbrücke bei Weener mit Unterems , Bildarchiv der Bundesanstalt für Wasserbau, abgerufen am 10. Februar 2015.
  4. Frank Binder: Friesenbrücke: Wiederaufbau dauert Jahre. In: Täglicher Hafenbericht vom 12. Januar 2016, S. 15
  5. Bad Nieuweschans-Leer: geen treinen maar bussen (niederländisch) In: arriva.nl. 15. Dezember 2015. Abgerufen am 22. Dezember 2015.
  6. Christoph Schillingmann: Knotenpunkt fällt weg: Unfall an Friesenbrücke wirkt sich auf Radtourismus aus . In: Neue Osnabrücker Zeitung, 9. Dezember 2015. Abgerufen am 21. Dezember 2015. 
  7. Rudi Meyer: Mit Rückenwind von Halte bis Ditzum . In: Ostfriesen-Zeitung, 20. September 2010. Abgerufen am 21. Dezember 2015. 
  8. 8,0 8,1 Paul Schlodtmann: Neubau der Eisenbahnbrücke über die Ems bei Weener (Teil 1). (PDF) In: Die Bautechnik. 3, Nr. 23, 29. Mai 1925, S. 297-300. Abgerufen am 22. Dezember 2015.
  9. Schenkelberg: Die Friesenbrücke über die Ems bei Weener. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 46. Jahrgang 1926, Nr. 47 (vom 24. November 1926), S. 530–533. (vgl. Literatur)
  10. 10,0 10,1 Frachter kracht auf Ems in Eisenbahnbrücke . In: Neue Osnabrücker Zeitung, 3. Dezember 2015. 
  11. Kollision. Frachter zerstört Friesenbrücke . In: NDR online, Nachrichten für Niedersachsen vom 4. Dezember 2015.
  12. Frachterunfall auf der Ems: Havarie mit fatalen Folgen. Artikel in der Nordwest-Zeitung vom 5. Dezember 2015, abgerufen am 9. Dezember 2015.
  13. Zerstörte Brücke In Weener: Jetzt übernimmt die Staatsanwaltschaft . Artikel in der Nordwest-Zeitung vom 8. Dezember 2015, abgerufen am 9. Dezember 2015.
  14. Friesenbrücke: Stimmrekorder ausgewertet . Artikel im NDR vom 11. März 2016, abgerufen am 9. April 2016.
  15. ndr.de: Friesenbrücke – Ems ist für Seeschiffe wieder frei , abgerufen am 11. Dezember 2015
  16. Bahn-Chef: "Fünf Jahre für Friesenbrücke zu lang" . Artikel im NDR vom 20. März 2016, abgerufen am 9. April 2016.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Friesenbrücke (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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