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Friedrich Karl Kaul


Friedrich Karl Kaul (* 21. Februar 1906 in Posen; † 16. April 1981 in Ost-Berlin) war ein deutscher Jurist, Hochschullehrer und Schriftsteller der DDR.

Stationen

Friedrich Karl Kaul wuchs als Sohn eines Textilunternehmers in Posen und Berlin auf, wo er bis zum Abitur das Grunewaldgymnasium besuchte. Ab 1925 absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften in Berlin, wo er Mitglied der Studentenverbindung Corps Neosilesia wurde, und in Heidelberg. Er hatte eine Assistentenstelle bei James Goldschmidt und promovierte im Jahre 1932 über Die Entwicklung der Freiheitsstrafe in Brandenburg.

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 die Macht im Deutschen Reich übernahm, wurde ihm das zweite Examen verweigert. Kaul wurde aus dem Justizdienst entlassen, weil er Kommunist und zudem wegen seiner jüdischen Mutter auch Halbjude war.[1] 1935 wurde er von der Gestapo verhaftet und ins KZ Lichtenburg eingeliefert, später war er im KZ Dachau inhaftiert. James Goldschmidt konnte ihm trotz seiner schon 1934 erfolgten Zwangsemeritierung noch helfen und trug zu seiner Entlassung bei.[2] Kaul konnte dann nach Kolumbien emigrieren, später ging er nach Mittelamerika.

1941/42 wurde Kaul in Nicaragua interniert und an die USA ausgeliefert.

Nach dem Ende des Krieges kehrte er noch 1945 nach Deutschland zurück und wählte Ost-Berlin als Wohnsitz. Er trat in die KPD ein, die 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone mit der SPD zur SED zwangsvereinigt wurde, und war als Justitiar beim Berliner Rundfunk tätig. Da Kaul noch vor der Trennung der Justizsysteme Berlins am Kammergericht zugelassen worden war, konnte er auch in West-Berlin und an allen westdeutschen Gerichten als zugelassener Strafverteidiger auftreten. Er war in der Folge an allen Staatsschutzverfahren in der Bundesrepublik Deutschland beteiligt, die gegen Kommunisten und FDJ-Mitglieder geführt wurden und trat oft als Nebenkläger in Verfahren gegen Täter des NS-Unrechtes auf.[3] Im Verbotsprozeß gegen die KPD vor dem Bundesverfassungsgericht war er Hauptprozeßbevollmächtigter der kommunistischen Organisation. 1960 wurde er zum Professor ernannt. Vom ersten Frankfurter Auschwitzprozess an trat er in 17 Strafverfahren gegen nationalsozialistische Gewaltverbrecher als Vertreter der Nebenkläger für die in der DDR lebenden Opfer auf. So war er von 1963 bis 1965 Nebenkläger im Frankfurter Auschwitz-Prozess, von 1967 bis 1970 im Essener Dora-Prozess und agierte 1970 als Vertreter der Nebenkläger im Düsseldorfer Treblinka-Prozess. In den Jahren 1970 bis 1972 vertrat er Eberhard Czichon und seinen Verleger Manfred Pahl-Rugenstein gegen die Klage von Hermann Josef Abs wegen der Darstellung von dessen Rolle im Vorstand der Deutschen Bank während der Zeit des Dritten Reichs. Dabei wurde er in der westdeutschen Presse als „Staranwalt“ bezeichnet.[4][5] Zu seinem antifaschistischen Engagement gehörte auch der langjährige Kampf für die gerichtliche Bestrafung des Mordes an Ernst Thälmann. Darüber schrieb er auch ein Buch.[6] Das Auftreten Kauls als Nebenkläger in den Prozessen gegen nationalsozialistische Verbrecher wurde von Seiten der DDR auch propagandistisch genutzt. Die DDR stellte sich so als Vertreterin der Opfer der NS-Diktatur dar.[3] Kaul war deshalb auch in der Bundesrepublik eine bekannte Persönlichkeit.

1977 organisierte Kaul eine geheim gehaltene Kooperation der DDR-Staatssicherheit mit den Anwälten von RAF-Terroristen in der Bundesrepublik Deutschland.[7]

In der DDR war der Jurist weit mehr durch seine Fernsehserie Fragen Sie Professor Kaul[8] (1972–1981) bekannt, in der er Rechtsfragen aus dem Alltag erörterte. Er schrieb auch Kriminalgeschichten, Romane, Hör- und Fernsehspiele, teilweise unter dem Namen Friedrich Karl Hartmann[9] darunter die Kriminalfilmreihe Bonner Pitaval, für das DDR-Fernsehen, in deren ersten Folge Die Affäre Heyde-Sawade Kaul den Skandal eines in Westdeutschland untergetauchten Nazi-Euthanasie-Massenmörders filmisch inszenierte, dokumentierte und nicht zuletzt juristisch aufarbeitete. Kaul thematisierte erstmals die Euthanasie-Morde im Nationalsozialismus auch für eine größere Öffentlichkeit in der DDR.

Seine Urne wurde in der Grabanlage Pergolenweg der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt.

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Funkhaus Masurenallee. Ein Hörspiel, 82 Minuten, 1951.
  • Ich sagte die Wahrheit: Lilly Wächter - ein Vorbild der deutschen Frauen im Kampf um den Frieden, Deutscher Frauen Verlag, Berlin 1952
  • Ankläger auf der Anklagebank - Erlebnisse und Erfahrungen mit Westberliner Gerichten. 2 Bände 1952/1953
  • Der Pitaval der Weimarer Republik, Band 1, Justiz wird zum Verbrechen. Berlin 1953
  • Der Pitaval der Weimarer Republik, Band 2, Verdienen wird groß geschrieben. Berlin 1954.
  • Der Ring. (ein Kriminalroman), Berlin 1954.
  • Der Weg ins Nichts, (Roman), Das Neue Berlin, Berlin 1955, Gelbe Reihe
  • Ich fordere Freispruch. Dietz Verlag, Berlin 1955.
  • Der blaue Aktendeckel / Mord im Grunewald - ein Unschuldiger soll ins Gefängnis. (Zwei Romane; Mord im Grunewald ist ein Roman zum Attentat auf den damaligen deutschen Außenminister Walter Rathenau; Der blaue Aktendeckel wurde auch verfilmt) Berlin 1957
  • Fernsehpitaval (Fernsehspielreihe 1958-78), Szenarien dieser Filme wurden hauptsächlich von Kaul, zusammen mit Walter Jupé, geschrieben
  • Kleiner Weimarer Pitaval, Berlin 1959.
  • Es wird Zeit, dass du nach Hause kommst. Das Neue Berlin, Berlin 1959.
  • Die Doppelschlinge. (Roman), Das Neue Berlin, Berlin 1961.
  • Und das von Rechts wegen. VEB Dt. Zentralverlag, Berlin 1961.
  • Der Pitaval der Weimarer Republik, Es knistert im Gebälk, Band 3. Berlin 1961.
  • Der Fall Eichmann. Das Neue Berlin, Berlin 1963. - Ein Bericht über den Prozess in Jerusalem
  • Vornehme Leute - Der Bonner Pitaval Berlin 1964
  • Der Fall des Herschel Grynszpan. Akademie Verlag, Berlin 1965
  • Von der Stadtvogtei bis Moabit - Ein Berliner Pitaval. Berlin 1965
  • Ein Pitaval. Band 1 Zehn Kriminalfälle und Prozessberichte von 1894 bis 1925. Berlin 1966.
  • Ein Pitaval. Band 2 Zehn Kriminalfälle und Prozessberichte von 1926 bis 1964. Berlin 1966.
  • Ich fordere Freispruch - Westberliner Prozesse von 1949 bis 1959. Berlin 1966.
  • Angeklagter Nr. 6 - Eine Auschwitz-Dokumentation. Berlin 1966.
  • Mord im Grunewald - der Weg ins Nichts. Berlin 1966, DNB 457163690 . (Mord an Rathenau)
  • Ärzte in Auschwitz. 1968.
  • So wahr mir Gott helfe - Pitaval der Kaiserzeit. Berlin 1968.
  • Ich klage an. Hamburg 1971.
  • Dr. Sawade macht Karriere: der Fall des Euthanasie-Arztes Dr. Heyde. Frankfurt am Main 1971
  • Geschichte des Reichsgerichts, Band IV (1933–1945). Berlin 1971
  • In Robe und Krawatte - Vor Gerichten der BRD - Der Verteidiger hat das Wort. Berlin 1972, DNB 730414841
  • Nazimordaktion T4 - Ein Bericht über die erste industriemäßig durchgeführte Mordaktion des Naziregimes. Berlin 1973.
  • DINA: die chilenische Gestapo. Berlin 1976
  • Watergate - Ein Menetekel für die USA. Berlin 1976
  • Rechtsfragen für dich und mich. Berlin 1979.
  • Die Psychiatrie im Strudel der "Euthanasie". Berlin 1979
  • „… ist zu exekutieren!“ : Ein Steckbrief der deutschen Klassenjustiz. Berlin 1981.
Neuausgabe: Berlin 2006, ISBN 3-355-01724-8.
  • Menschen vor Gericht - Ein Pitaval aus unseren Tagen. Berlin 1981.
  • Menschen vor Gericht: Ein Pitaval aus unseren Tagen. Berlin 1987, ISBN 3-360-00069-2.
  • Prozesse, die Geschichte machten: deutscher Pitaval von 1887 bis 1933. Berlin 1988, ISBN 3-360-00164-8.

Filmografie

Hörspiele

Literatur

Weblinks

 Commons: Friedrich Karl Kaul  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. vgl. Annette Rosskopf:Friedrich Karl Kaul. Anwalt im geteilten Deutschland (1906–1981). Verlag Arno Spitz, Berlin 2002, ISBN 3-8305-0130-7.
  2. Vgl. Martin Heger: James Goldschmidt. 1874–1940. In: Stefan Grundmann u. a. (Hrsg.): Festschrift 200 Jahre Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Geschichte, Gegenwart und Zukunft. De Gruyter, Berlin/ New York 2010, ISBN 978-3-89949-629-1, S. 484.
  3. 3,0 3,1 Annette Rosskopf: Strafverteidigung als ideologische Offensive. Das Leben des Rechtsanwalts Friedrich Karl Kaul (1906–1981) . In: forum historiae juris. 1998.
  4. N.N.: Prozesse: Abs. Noch'n Ruck. In: Der Spiegel. Nr. 43, 1970, S. 128–131 (online ).
  5. N.N.: Banken: Abs. Vollkommen rein. In: Der Spiegel. Nr. 46, 1970, S. 119–120 (online ).
  6. ...ist zu exekutieren!: Ein Steckbrief der deutschen Klassenjustiz. Berlin 1981, Neuauflage 2006.
  7. faz.net
  8. TV Wunschliste: Fernsehserie Fragen Sie Professor Kaul
  9. Filmportal Kaul als Friedrich Karl Hartmann


Kategorien: Rechtsanwalt (DDR) | Träger des Vaterländischen Verdienstordens (Ehrenspange) | Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur | Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus | Häftling im KZ Dachau | Gestorben 1981 | Geboren 1906 | Träger des Karl-Marx-Ordens | Träger des Banners der Arbeit | SED-Mitglied | Drehbuchautor | DDR-Bürger | Corpsstudent (20. Jahrhundert) | Rechtswissenschaftler (20. Jahrhundert) | Deutscher | Mann

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich Karl Kaul (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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