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Frauen-Täubling


Frauen-Täubling

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Täublingsartige (Russulales)
Familie: Täublingsverwandte (Russulaceae)
Gattung: Täublinge (Russula)
Art: Frauen-Täubling
Wissenschaftlicher Name
Russula cyanoxantha
(Schaeff.) Fr.

Der (Violettgrüne) Frauen-Täubling (Russula cyanoxantha) ist eine Pilzart aus der Familie der Täublingsverwandten. Er ist gekennzeichnet durch seinen großen, violetten bis grünen und radialadrigen Hut, sein mild schmeckendes Fleisch, den dicken Stiel und seine fast negative Eisensulfatreaktion. Besonders charakteristisch im Vergleich zu den meisten verwandten Arten sind die auffallend biegsamen, sich fettig anfühlenden Lamellen. Der europaweit häufige Täubling kommt sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern vor, die Fruchtkörper des beliebten Speisepilzes erscheinen zwischen Juni und Anfang November.

Als Pilz des Jahres 1997 erhielt der Frauen-Täubling eine besondere Beachtung.[1]

Merkmale

Makroskopische Merkmale

Der fleischige Hut ist jung halbkugelig, dann flach ausgebreitet und im Alter fast trichterförmig vertieft. Er erreicht einen Durchmesser von 6 bis 15 cm. Die Oberseite ist bei jungen Exemplaren oft schiefergrau getönt. Später setzt sich die Farbe aus violetten und grünen Anteilen zusammen, von denen jeweils eine Farbe bis zur Einfarbigkeit dominieren kann. Der Rand ist oft violettpurpurn gefärbt. Die Mitte weist häufig dunkelgrüne Töne auf, kann aber auch verblassen. Von der Mitte zum Rand verlaufen radiale Fasern. Die Oberfläche ist kahl, lange schmierig und bei feuchter Witterung glänzend. Der Rand ist scharf ausgeprägt und bei älteren Exemplaren gerieft. Die Huthaut ist bis zu einem Drittel abziehbar.

Die Lamellen sind weiß. Sie stehen mehr oder weniger dicht gedrängt und sind meist relativ dünn. Anders als bei den meisten Täublingen sind sie recht weich und biegsam. Im Längsschnitt sind die Lamellen relativ schmal und verschmälern sich sowohl zum Stiel als auch zum Rand hin. Sie sind häufig gegabelt und unterschiedlich lang. Am Stiel sind sie breit angewachsen oder laufen ein wenig daran herab. Das Sporenpulver ist rein weiß.

Der große, kräftige Stiel ist weiß, in seltenen Fällen auch lila oder rötlich behaucht. Er ist zylindrisch und stämmig gebaut und wird zwischen 5 und 10 cm lang und 1,5 bis 2,5 cm dick. Zur Basis hin ist er zugespitzt. Das Stielfleisch ist bei jungen Exemplaren vollfleischig und fest und wird im Alter oft schwammig oder hohlkammerig.

Das Fleisch ist weiß, unter der Huthaut jedoch violettlich-purpurn. Es ist geruchlos, schmeckt mild und wirkt fast käsig. Ein wichtiges Merkmal ist die Eisensulfatreaktion, die beim Frauen-Täubling negativ ist. In seltenen Fällen kann sich das Stielfleisch mit Eisensulfat auch blass grau- bis olivgrünlich verfärben. Mit Guajak reagiert das Fleisch nach etwa 50 Sekunden schwach, dann intensiv blaugrün. Die Huthaut reagiert mit Natriumhydroxid bräunlich und mit Schwefelsäure grüngelblich.

Mikroskopische Merkmale

Die rundlichen bis länglich Sporen sind 6,8 bis 8,5 µm lang und 6,0 bis 7,5 µm breit. Der Q-Wert (Länge/Breite) beträgt 1,1 bis 1,2. Das Sporenornament besteht aus zahlreichen, bis zu 0,5 µm hohen Warzen, die nur spärlich und undeutlich durch feine Adern miteinander verbunden sind.

Die Basidien sind keulig und 45 bis 55 µm lang und 9 bis 10 µm breit und tragen je vier Sterigmen. Die Cheilozystiden auf der Lamellenschneide sind spindelförmig bis zylindrisch, 30 bis 55 µm lang und 4 bis 6 µm breit. An der Spitze tragen sie teilweise ein kleines Anhängsel. Die 27 bis 85 µm langen und 3 bis 6 µm langen Pleurozystiden auf der Lamellenfläche sehen ähnlich aus. Alle Zystiden sind recht zahlreich und färben sich mit Sulfobenzaldehyd schwach grauschwarz mit Sulfovanillin etwas blau an.

Die Huthaut enthält zylindrische, teilweise septierte und verzweigte haarartige, 2 bis 5 µm breite Hphenzellen (Haare). Dazwischen sind 2 bis 3,5 µm breite Pileozystiden eingestreut, die sich in Sulfobenzaldehyd schwach grauschwarz anfärben. Die Hyphenwände sind gelatinisiert.[2]

Artabgrenzung

Von ähnlichen Arten wie dem Papageien-Täubling (R. ionochlora) oder dem Blaugrünen Reiftäubling (R. parazurea) ist der Frauen-Täubling am einfachsten durch die biegsamen, nicht splitternden Lamellen zu unterscheiden. Die genannten Arten sind zudem etwas kleiner als der Frauen-Täubling und besitzen kein rein weißes Sporenpulver. Grünliche Formen können leicht mit dem Grünen Speisetäubling (R. heterophylla) verwechselt werden. Bei diesem verfärbt sich das Stielfleisch mit Eisensulfat meist deutlich rosa, außerdem sind die Sporen des Grünen Speisetäubling kleiner.

Die grünlich risshütigen Variationen können leicht mit dem Grüngefelderten Täubling (R. virescens) verwechselt werden, dessen Fleisch sich mit Eisensulfat rosaorange verfärbt und dessen Huthaut zu einem großen Teil aus kugeligen Zellen besteht. Auch der Gelbe Graustiel-Täubling (R. claroflava) kann gelblichen Formen des Frauen-Täublings sehr ähnlich werden. Sein Fleisch verfärbt sich im Alter grau, seine Lamellen sind brüchig und sein Sporenpulver ist dunkel creme- bis blass ockerfarben.[2]

Ökologie

Der Frauen-Täubling ist meist in Wäldern mit Rotbuchen und Eichen zu finden. Dazu zählen vor allem Rotbuchen- und Weißtannen-Mischwälder, insbesondere Waldmeister-Rotbuchenwälder. Daneben ist er in Tannen-Buchen- und Tannen- sowie in Hainsimsen-Buchenwäldern anzutreffen. Unter den Eichenwäldern ist der Pilz besonders im Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald zu finden. Darüber hinaus wächst er auch in Fichten-Tannen- und Fichtenwälder sowie in Parks und Gärten.

Der Täubling besiedelt vor allem frische, mittelgründige, lockere Böden, die schwach sauer bis schwach alkalisch, nicht zu basenarm, aber calciumarm sind. Er ist dagegen selten auf längere Zeit trockenem oder staunassem, verdichtetem und nährstoffreichem, vor allem stark stickstoffhaltigem Untergrund zu finden.

Der Frauen-Täubling ist ein Mykorrhiza-Pilz, der mit verschiedenen Laub- und Nadelbäumen vergesellschaftet ist. Meist ist er unter Rotbuchen, aber auch bei Fichten und Eichen anzutreffen. Die Fruchtkörper erscheinen zwischen Juni und Anfang November. Einzelne Exemplare erscheinen bereits Mitte April.[3]

Frauen-Täublinge werden häufig von Larven der Gattung Drosophila bewohnt. So wurde beobachtet, wie Drosophila phalerata und Drosophila cameraria ihre Eier gezielt in die Hutoberfläche ablegen.[4]

Verbreitung

Der Frauen-Täubling ist in der Holarktis, also fast auf der ganzen nördlichen Erdhemisphäre verbreitet. So ist er in Mittel und Nordamerika (USA, Mexiko, Costa Rica), Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien), auf den Kanarischen Inseln, in Asien (Kaukasus, Russland, Korea, Japan, Taiwan) und Europa zu finden. Sein Verbreitungsgebiet ist meridional bis subboreal. Daher kann man ihn vom Mittelmeergebiet bis in die nördlich bis nordöstlichen Nadelwaldgebiete finden.

In Europa ist der Pilz im gesamten Laubwaldgebiet, aber auch in den Fichtenbeständen anzutreffen. Das Gebiet reicht von Spanien, den Balearen, Italien, Serbien, Ungarn und Rumänien im Süden bis zu den Hebriden und dem mittleren Fennoskandinavien im Norden sowie ostwärts über Polen und Weißrussland bis Russland.

In Deutschland ist der Frauen-Täubling von den Küsten bis in die Alpen weit verbreitet und häufig. Es zeigen sich nur wenige größere Lücken.[5][6] Auch in Österreich zählt Täubling zu den häufigsten Pilzarten.[7]

Systematik und Taxonomie

Das wissenschaftliche Artattribut (Epitheton) "cyanoxanthus" leitet sich ab von den altgriechischen Adjektiven κυανός (blaugrün oder cyan) und ζανθός (gelb).[8]

Infragenerische Systematik

Der Frauen-Täubling wird Bon und Romagnesi in die Untersektion Indolentinae gestellt, die ihrerseits in der Sektion Heterophyllae steht. Die Vertreter der Untersektion zeichnen sich durch ihren milden Geschmack, das weiße Sporenpulver und die negative Eisensulfatreaktion aus. Typisch sind die weichen, sich fettig anfühlenden Lamellen, die auf Fingerdruck hin nicht brechen.

Varietäten und Formen

Man unterscheidet eine var. cutefracta, die eine dunkel olivgrünen und in der Mitte lila-violettlich fleckenden Hut besitzt. Der Hutrand ist kleinfelderig marmoriert, jedoch nicht rissig. Weiterhin sind die Warzen auf den Sporen konisch geformt und die Reaktion mit Guajak verläuft nach etwa 20 Sekunden schwach, dann intensiv blaugrün. Weitere Variationen sind flavoviridis mit einem einheitlich zitronengelb gefärbten Hut und variata mit scharf schmeckendem Fleisch und einem unangenehmen Geruch.

Weitere Variationen wie peltereaui oder atroviolacea erscheinen nicht gerechtfertigt und gehören offenbar zur Variationsbreite der Typusart.

Trivialnamen

Der Benennung als Frauen-Täubling leitet sich wohl von beobachteten Attributen wie „weich“ und „nachgiebig“ her, welche dem in patriarchalen, westlichen Kulturkreisen geprägten Weiblichkeits-Bild zugeschrieben werden. Im Italienischen wird der Täubling Colombina (Täubchen) genannt, ein Frauenname, der vor allem durch die gleichnamige Figur aus der Commedia dell’arte bekannt ist.[9]

Bedeutung

Der Frauen-Täubling ist essbar und gilt als guter Speisepilz. Darüber hinaus ist er Pilz des Jahres 1997.[10]

Quellen

Literatur

  • Edmund Michael, Bruno Hennig, Hanns Kreisel: Handbuch für Pilzfreunde. Fünfter Band: Blätterpilze – Milchlinge und Täublinge. 2. Auflage. Fischer, Stuttgart 1983, ISBN 3-437-30350-3.
  • Andreas Gminder, German J. Krieglsteiner, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0.
  • J. Schäffer: Russula-Monographie. In: Annales Mycologici. Band 31, 1933, S. 332–4 (online [abgerufen am 14. Dezember 2011]).
  • Henri Romagnesi: Les Russules d'Europe et d'Afrique du Nord. essai sur la valeur taxinomique et spécifique des caractères morphologiques et microchimiques des spores et des revêtements. Bordas, Paris 1967, S. 238 f. (français, online ).

Einzelnachweise

  1. "Pilz des Jahres" 1997 auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (abgerufen am 26. Oktober 2011)
  2. 2,0 2,1 Fred Kränzlin: Pilze der Schweiz Band 6. Russulaceae. Verlag Mykologia, Luzern, ISBN 3-85604-060-9, S. 156.
  3. Russula cyanoxantha in der PILZOEK-Datenbank. In: pilzoek.de. Abgerufen am 18. August 2011.
  4. B. Shorrocks, A. M. Wood: A preliminary note on the fungus feeding species of Drosophila. In: Journal of Natural History. Band 7, Nr. 5, Oktober 1973, S. 551–556, doi:10.1080/00222937300770441 .
  5. G. J. Krieglsteiner, A. Gminder, W. Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2. Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0, S. 465.
  6. Pilz-Verbreitungsatlas – Deutschland. In: Pilzkartierung 2000 Online / brd.pilzkartierung.de. Abgerufen am 14. Dezember 2011.
  7. Datenbank der Pilze Österreichs. In: austria.mykodata.net. Österreichischen Mykologischen Gesellschaft, abgerufen am 14. Dezember 2011.
  8. Carleton Rea: British Basidiomycetae. A handbook to the larger British Fungi. Hrsg.: British Mycological Society. Cambridge: University press, 1922, S. 462 (english, online ).
  9. Andreas Gminder, Tanja Böhning: Welcher Pilz ist das? Franckh-Kosmos, 2007, ISBN 978-3-440-10797-3.
  10. Pilz des Jahres 1997. Deutsche Gesellschaft für Mykologie, abgerufen am 24. Februar 2010.

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Weblinks

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