Frankfurter Landwehr - LinkFang.de





Frankfurter Landwehr


Die Frankfurter Landwehr war eine den Stadtmauern von Frankfurt am Main vorgelagerte Landwehranlage, mit deren Bau Ende des 14. Jahrhunderts begonnen wurde.

Verlauf

Die Landwehr zog sich im Abstand von zwei Kilometern um die Stadt; sie bestand im Wesentlichen aus undurchdringlichen Hecken („Gebück“, „Gedörn“) und Gräben. Der Stadtteil Dornbusch verdankt seinen Namen der Tatsache, dass zu Verteidigungszwecken Dornbüsche gepflanzt wurden. An strategisch wichtigen Stellen erfolgte die Errichtung von Warttürmen.

Sie folgte im weiteren Verlauf dem Sumpfgelände vor dem Bornheimer Hang, wandte sich längs des kleinen Riederbruchs (etwa Südzipfel Ostpark) nach Osten, umschloss die Riederhöfe und traf etwa in Höhe des heutigen Osthafens auf den Main.

Entsprechend waren im Süden bei Sachsenhausen Befestigungsanlagen mit Gräben, Hecken, Zäunen und kleinen Wällen sowie der Sachsenhäuser Warte errichtet worden. Im Südosten ist die Oberräder Landwehr jüngst von der Stadt und der Regionalpark Süd-West GmbH wiederhergestellt worden. Der historische Graben, der 1441 angelegt wurde, ist sichtbar und durch einen Steg begehbar gemacht worden, so dass dieses Denkmal ohne weitere Beschädigung besichtigt werden kann.

Geschichte

Der ursprüngliche, natürliche Schutz des Frankfurter (Land-)Gebiets war der Flusslauf der Nidda, deshalb versuchte die Stadt schon sehr früh Kontrolle über die jeweiligen Niddabrücken (Vilbel, Bonames, Eschersheim, Praunheim, Hausen, Rödelheim, Nied) zu erlangen, jedoch genügte dies als Sicherung und Begrenzung bald nicht mehr.

1333 gestattete Kaiser Ludwig IV. die Erweiterung der Stadt. Im folgenden Jahrhundert wurde eine neue Stadtmauer errichtet und die alte Befestigung, die Staufenmauer, geschleift oder überbaut. Der ernsthafte Bau der neuen Stadtbefestigung begann im Jahre 1400 und dauerte bis 1428. Teil der Stadtmauer war der heute noch erhaltene Eschenheimer Turm, der jetzt allerdings mitten in der Frankfurter Innenstadt steht.

Im Jahr 1393 beschloss der Rat der Stadt den Bau der Landwehr, der von König Wenzel gebilligt wurde. 1396 wurde mit der Anlage begonnen, deren Ausführung sich über die nächsten 150 Jahre erstreckte. Das Ziel der Landwehr war außer der militärischen Verteidigung auch die sichtbare Demarkierung des eigenen Gebietes insbesondere gegenüber den Herren und Grafen von Hanau, mit denen es immer wieder politische Streitigkeiten gab. Aber auch die verlorene Kronberger Fehde gegen die Ritter von Kronberg, Herren von Hanau und den Pfalzgrafen Ruprecht I., bei der Frankfurt im Mai 1389 eine herbe Niederlage, verbunden mit der Zahlung von 73.000 Goldgulden, erlitten hatte, bestärkte den Rat zur Anlage der Landwehr.

Im Jahre 1476 errichtete die Stadt an der nordöstlichen Grenze der Gemeinden Bornheim und Seckbach weitere Landwehranlagen (Gräben und Hecken). So entstand die Bornheimer Landwehr, die 1478 mit dem Bau der Friedberger Warte abgeschlossen wurde. Die Bornheimer Landwehr wurde zehn Jahre später zur Bornheim-Seckbacher Landwehr ausgebaut.

Warttürme

Die Warttürme waren befestigte Beobachtungstürme und ähnelten einer kleinen Burg. Sie verfügten über einen Aussichtsturm, einen Wehrhof, über Mannschaftsgebäude, Waffenlager und Brunnen. Vom Turm aus konnte der Wächter die Umgebung beobachten und bei Gefahr die Stadt warnen, tagsüber mit Fahnen und nachts mit Fackeln.

Erhalten sind vier Warttürme: die Friedberger Warte, die Sachsenhäuser Warte, die Galluswarte und die Bockenheimer Warte. Die Berger Warte, auch Galgenwarte genannt, war kein Wartturm der Frankfurter Landwehr, sie lag außerhalb des Frankfurter Gebietes. Hier war die Richtstätte, der Galgen, auch diente sie als Geleitswechselstation.

2008 wurden bei Bauarbeiten auf dem Universitätscampus Westend Reste eines Eiskellers ausgegraben, die zu den Einrichtungen der ehemaligen Anstalt für Irre und Epileptische gehört hatten. Die zuständige Denkmalbehörde sah in dem Bauwerk einen bislang unbekannten mittelalterlichen Wartturm der Landwehr, den Affenstein, der später zu einer Windmühle umgebaut worden und seit dem 19. Jahrhundert als Eiskeller der Irrenanstalt genutzt worden sei.[1] Diese Zuschreibung ist jedoch umstritten, nach Ansicht von Archäologen der Frankfurter Universität handelt es sich tatsächlich um die Eisgrube der Irrenanstalt.[2] Teile des Fundes wurden abgebrochen und der Rest in veränderter Form in das Institutsgebäude für Psychologie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften einbezogen.

Wehrhöfe

In das System der Landwehr waren auch wehrhafte Gehöfte eingegliedert (im Uhrzeigersinn, von Westen): Gutleuthof, Hellerhof, Kühhornshof, Riederhof, Strahlenberger Hof und Riedhof. Von diesen Höfen sind nur noch wenige Überreste vorhanden. Vom Riederhof ist noch das Eingangsportal nahe dem Ratswegkreisel an der Hanauer Landstraße erhalten. Auf dem Gelände von Kühhornshof und Bertramshof befindet sich heute der Hessische Rundfunk (hr). Vom Kühhornshof ist noch das Hauptgebäude, ein ehemaliger Wohnturm erhalten, in dem sich heute Seminarräume des hr befinden. Vom Riedhof in Sachsenhausen ist nur noch eine steinerne Pferdetränke vorzufinden.

Literatur

  • Hans Pehl: Als die Frankfurter noch hinter der Mauer lebten – Die mittelalterliche Befestigung der Freien Reichsstadt. Verlag Josef Knecht, Frankfurt 1977. ISBN 3-7820-0385-3
  • Hans Pehl: Als sie einst die Stadt schützten – Frankfurts befestigte Gutshöfe. Verlag Josef Knecht, Frankfurt 1978. ISBN 3-7820-0411-6
  • Eduard Pelissier: Zur Topographie und Geschichte der linksmainischen Landwehren der Reichsstadt Frankfurt. Frankfurt a.M., 1901. Online
  • Eduard Pelissier: Die Landwehren der Reichsstadt Frankfurt am Main. Topographisch-historische Untersuchung. Völcker, Frankfurt am Main 1905 Online

Einzelnachweise

  1. Andrea Hampel: Der Affenstein. Ein mittelalterlicher Wachturm und seine wechselhafte Historie durch sechs Jahrhunderte. Fundberichte aus Hessen 50, 2010 (Wiesbaden 2012) S. 729–760
  2. Hans-Markus von Kaenel, Thomas Maurer, Albrecht Schlierer: Wie das Gedachte das Gebaute verändert. Zur Umdeutung des Eiskellers der ehemaligen „Anstalt für Irre und Epileptische“ auf dem Areal des Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt a. M., in: Frankfurter Archäologische Schriften 21, S. 167–209. Verlag Dr. Rudolf Habelt GmbH, Bonn 2012. Online verfügbar unter http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb09/archwiss/Abteilungen/Abt-2/dokumente/Beitrag-Eiskeller-Webversion.pdf , aufgerufen am 4. April 2013

Kategorien: Frankfurter Stadtbefestigung | Landwehr

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