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Frank Lippmann


Frank Lippmann (* 23. April 1961 in Dresden) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler aus der DDR. Nach seiner Flucht 1986 spielte er auch in der deutschen Bundesliga sowie in Österreich und in der Schweiz. Mit Dynamo Dresden gewann er zweimal den DDR-Fußballpokal. Nach dem Ende seiner Spielerlaufbahn wurde er Fußballtrainer.

DDR-Oberliga-Spieler

Lippmann wuchs im Dresdner Ortsteil Zschachwitz auf und spielte dort auch bis 1979 bei der TSG Blau-Weiß, zuletzt mit der Männermannschaft in der viertklassigen Bezirksklasse. Zu Beginn der Saison 1979/80 wurde Lippmann zum DDR-Oberligisten Dynamo Dresden delegiert. Dort wurde er zunächst für die Nachwuchs-Oberliga nominiert. Doch bereits in dieser Saison kam er am 12. April 1980, dem 21. Spieltag, zu seinem ersten Einsatz in der Männer-Oberliga, als er kurz vor Ende der Partie gegen Wismut Aue (4:2) eingewechselt wurde. Für die Spielzeit 1980/81 wurde der 1,73 m große Angriffsspieler für die erste Mannschaft nominiert und spielte für sie von Saisonbeginn an auf unterschiedlichen Positionen in der Angriffsformation. In seiner ersten Oberligasaison kam er auf 18 Punktspieleinsätze, allerdings ohne Torerfolg. In diese Saison fiel auch sein einziges Auswahlspiel, das er mit der DDR-Nachwuchs-Nationalmannschaft bestritt. In der Saison 1981/82 konnte er sich gegen den Paradesturm Schülbe, Minge, Döschner nicht durchsetzen und kam nur auf sieben Oberligaspiele, von denen die meisten nur Kurzzeiteinsätze waren. Auch in den beiden folgenden Spielzeiten blieb Lippmann nur die Rolle des Ersatzspielers, gehörte aber am 26. Mai 1984 als Linksaußenstürmer zur Dynamo-Mannschaft, die mit einem 2:1-Sieg über den Berliner FC Dynamo den DDR-Fußballpokal gewann. 1984/85 gelang ihm der Durchbruch zum Stammspieler, in 24 von 26 ausgetragenen Punktspielen stand er in der Oberligaelf, in der Regel weiter als Linksaußen. Auf dieser Position war er auch am 8. Juni 1985 an der Pokalverteidigung beteiligt, diesmal siegten die Dresdner mit 3:2 erneut über den BFC Dynamo.

Flucht in den Westen

Auch die Saison 1985/86 setzte Lippmann als Stammspieler fort. Bis zum 16. Spieltag hatte er 14 Spiele als Linksaußen absolviert. Zu diesem Zeitpunkt hatte Dynamo Dresden das Viertelfinale im Europapokal der Pokalsieger erreicht und sich mit einem 2:0-Heimsieg über Bayer Uerdingen eine gute Ausgangsposition für das Halbfinale geschaffen. Diese wurde am 19. März 1986 mit einer 3:7-Niederlage zunichtegemacht. Es war Lippmanns 14. Europapokalspiel, und mit dem zwischenzeitlichen 2:1-Führungstor für Dresden schoss er sein sechstes Tor im Europapokal, von denen er allein fünf im laufenden Wettbewerb erzielte. Nach dem Spiel verließ Lippmann die Mannschaft und setzte sich zu Verwandten nach Nürnberg ab, wo er auf einer Pressekonferenz erklärte, nicht wieder in die DDR zurückkehren zu wollen. Entgegen früheren Gepflogenheiten, als flüchtige DDR-Sportler totgeschwiegen wurden, meldete die DDR-Nachrichtenagentur ADN: „Der Spieler Frank Lippmann hat für eine hohe Geldsumme, die ihm sportfeindliche Kreise boten, seine Kameraden verraten.“[1] Lippmann hinterließ in der DDR seine Familie und seine Verlobte mit einem drei Monate alten Kind. Familie und Verlobte wurden von der Stasi massiv gedrängt, Lippmann zur Rückkehr zu bewegen, hatten aber keinen Erfolg. Vielmehr gelang es Lippmann, Braut samt Kind mittels eines Fluchthelfers über Ungarn aus der DDR herauszuschleusen.

Profifußballer im Westen

Unmittelbar nach seiner Ankunft in Nürnberg hatte Lippmann Kontakt zum Präsidenten des 1. FC Nürnberg aufgenommen und erhielt einen Profivertrag bis zum Ende der Saison 1986/87. Zunächst verhängte der europäische Fußballverband UEFA eine einjährige Sperre, und Lippmann zog sich im Training einen Kreuzbandriss zu. So bestritt er erst am 22. Spieltag seinen ersten Bundesligaeinsatz für den 1. FC Nürnberg, dem bis Saisonende noch vier folgten. Da sein Vertrag nicht verlängert wurde, unterschrieb er für zwei Jahre beim Bundesligisten Waldhof Mannheim. Bei Mannheim kam Lippmann in der Saison 1987/88 auf 16 Bundesligaeinsätze, wurde überwiegend aber nur in der Rückrunde eingesetzt; zu Saisonende stieg er mit Mannheim in die 2. Bundesliga ab. Zur Spielzeit 1989/90 ließ er sich vom österreichischen Erstligaabsteiger LASK Linz verpflichten, wanderte jedoch noch während der laufenden Saison zum österreichischen Erstligisten Vorwärts Steyr ab und beendete schließlich die Saison beim Zweitligisten FC Zug in der Schweiz.

Rückkehr nach Sachsen

Im Sommer 1990, wenige Monate nach der politischen Wende in der DDR, ließ sich Lippmann wieder in Dresden nieder. Dort schloss er sich dem wiedergegründeten Dresdner SC an, mit dem er 1991 in die viertklassige Landesliga und 1992 in die Amateur-Oberliga aufstieg. Nach Abschluss der Saison 1992/93, in der er sich einen Knöchel- und Schienbeinbruch zuzog, beendete Lippmann seine Laufbahn als Fußballspieler.

Trainer

Nach dem Ende seiner Spielerlaufbahn wurde er zunächst Nachwuchstrainer beim DSC, 1995 kehrte er nach neun Jahren wieder zu Dynamo Dresden zurück, wo er ebenfalls als Nachwuchstrainer und als Honorartrainer des DFB tätig wurde. Nach einer überraschenden Beurlaubung bei Dynamo am 9. April 2008 und einem kurzen Zwischenspiel beim Bischofswerdaer FV 08 übernahm er 2009 das Traineramt beim sächsischen Bezirksklassenverein SV Pirna-Süd, den er 2010 in die siebentklassige Bezirksliga führte.

Literatur

  • Hanns Leske: Enzyklopädie des DDR-Fußballs. Die Werkstatt, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-556-3.
  • Horn, Weise: Lexikon des DDR-Fußballs. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2004, ISBN 3-89602-536-8.
  • Baingo, Horn: Geschichte der DDR-Oberliga. Göttingen 2007, ISBN 978-3-89533-428-3.
  • Uwe Nuttelmann: DDR-Oberliga. Eigenverlag 2007, ISBN 978-3-930814-33-6.
  • Munzinger-Archiv: Internationales Sportarchiv. 19/1986 vom 28. April 1986.

Einzelnachweise

  1. Munzinger-Archiv 19/1986 vom 28. April 1986


Kategorien: Geboren 1961 | DDR-Bürger | Fußballspieler (Deutschland) | Fußballspieler (DDR) | Deutscher | Mann

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