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Formaldienst


Der Formaldienst ist die in der Bundeswehr gebräuchliche Bezeichnung für das Exerzieren.

Zweck

Der Formaldienst dient dem Einüben von bestimmten Formen des Verhaltens des Soldaten und von Abteilungen, die für die äußere Ordnung im militärischen Dienst unerlässlich sind.

Für die Bundeswehr regelt die Zentralrichtlinie (A2-221/0-0-1280) Formaldienstordnung das formale Verhalten des einzelnen Soldaten und von „in militärischen Formationen zusammengefaßten Soldaten“. Die Bestandteile des Formaldienstes haben ihren historischen Ursprung zum Teil im 16. bis 18. Jahrhundert, als es die Kampftaktik in Schlachten erforderlich machte, dass Soldaten in einer Linie standen und dabei Bewegungen präzise und koordiniert, insbesondere für den Feuerkampf und die Ladetätigkeiten ihrer Schusswaffen, ausführten. Auch wenn diese Methoden in technischer Hinsicht überholt sind, haben sie noch heute eine wichtige psychologische Funktion, da mit dem Formaldienst Soldaten aller Dienstgrade lernen und üben, auch unter Belastung den Befehl ihres Vorgesetzten auszuführen.

Inhalt

Formaldienst des einzelnen Soldaten bei der Bundeswehr

Grundstellung

Der Soldat wird zunächst darin ausgebildet, korrekt zu stehen und auf Befehle unverzüglich zu reagieren. Die Grundstellung, durch das Kommando „Stillgestanden“ befohlen, bedeutet:

  • Die Füße stehen mit den Hacken aneinander.
  • Die Fußspitzen zeigen in einem Winkel von ca. 60° nach außen.
  • Das Körpergewicht ruht gleichmäßig auf beiden Füßen.
  • Die Brust ist vorgewölbt.
  • Die Schultern sind in gleicher Höhe leicht zurückgenommen.
  • Die Arme hängen herab, der Zwischenraum zwischen Ellenbogen und Körper beträgt etwa eine Handbreite.
  • Die Hände liegen mit ausgestreckten, aneinander liegenden Fingern mit den Handflächen an der Außenseite der Oberschenkel an. (Bis 2004: „Die Hände sind geschlossen und liegen mit den Handrücken nach außen am Oberschenkel. Die gekrümmten Finger berühren die Handfläche, der Daumen liegt ausgestreckt entlang des gekrümmten Zeigefingers.“)
  • Der Kopf wird aufrecht gehalten, der Blick ist geradeaus gerichtet, der Mund ist geschlossen.

Beim Kommando „Achtung“ nimmt der Soldat unverzüglich Grundstellung zum Vorgesetzten oder in die befohlene Richtung ein, wie bei der Meldung an einen höheren Vorgesetzten. Dieses Kommando dient auch insbesondere dazu, Handlungen und Bewegungen von Soldaten in besonderen Situationen zu unterbrechen.

Analog zur Grundstellung ist das „Rührt Euch“. Hierzu bewegt der Soldat beim gleichnamigen Kommando seinen linken Fuß ca. 20 cm nach links und die Hände hinter seinen Rücken.

Der Militärische Gruß

Die Vorschriften sehen für einen Gruß die Möglichkeiten „Anlegen der rechten Hand an die Kopfbedeckung oder den Kopf“, „Einnehmen der Grundstellung mit Front zum Vorgesetzten“ oder „Blickwendung“ im Vorbeigehen vor, die je nach Situation angewandt werden. Der Gruß kann jeweils durch einen verbalen Gruß ergänzt werden: „Guten Tag, Herr/Frau (Dienstgrad)!“ Der Gruß wird von Soldaten in Uniform grundsätzlich gegenüber Angehörigen höherer Dienstgradgruppen erwiesen, allerdings nur bei der ersten Begegnung am Tag und nur innerhalb umschlossener militärischer Anlagen. Eine Ausnahme hiervon sind die unmittelbaren Vorgesetzten und für Soldaten bis einschließlich Hauptfeldwebel der Kompaniefeldwebel: Diese sind bei der ersten Begegnung am Tag zu grüßen, gleich ob sie sich innerhalb oder außerhalb der Kaserne befinden.

Formaldienst von Abteilungen

Hierbei ist geregelt, wie sich Abteilungen von mehr als 3 Soldaten zu verhalten haben.

Antreten

Mehr als 3 Soldaten treten grundsätzlich in einer Formation geordnet nach Dienstgraden an. Bei bis zu 12 Soldaten wird „in Linie zu einem Glied“ angetreten. Das bedeutet, dass die Soldaten in einer Reihe stehen, mit den Fußspitzen auf einer Höhe und mit der Front in Richtung des Vorgesetzten. Ab 12 Soldaten wird i.d.R. „in Linie“ (zu 3 Gliedern) angetreten („drei hintereinander, viele-viele nebeneinander“). Hierbei wird, wie in Linie zu einem Glied, von rechts beginnend angetreten; hinzustoßende Soldaten treten links in die Formation ein. Dienstgradhöhere Soldaten stehen dabei immer rechts. Die Ausnahme davon ist der Kompaniefeldwebel, der traditionell bei geschlossener Formation einer Einheit immer ganz auf der linken Seite antritt.

Die Meldung

Die Meldung ist zwar grundsätzlich Formaldienst des einzelnen Soldaten, findet aber auch mit einer Formation statt. Der einzelne Soldat meldet sich bei seinem Vorgesetzten, indem er die Grundstellung einnimmt, militärisch grüßt und sich

  • wie befohlen meldet,
  • in dienstlicher Angelegenheit meldet oder
  • in persönlicher Angelegenheit meldet.

Eine Formation kann ebenfalls gemeldet werden. Hierbei wird zuerst die Formation von ihrem eigenen Führer ins Stillgestanden gestellt, es folgen die Befehle „Richt Euch!“, „Augen gerade – aus!“ und „Zur Meldung Augen – rechts!“ (bzw. „… die Augen – links!“; unabhängig davon wird der Kopf immer genau zu dem hin gewendet, an den gemeldet wird); anschließend wird die Abteilung dem Vorgesetzten in der Stärke gemeldet, in der sie angetreten ist.

Der Marsch

Um die Abteilung zum Marschieren zu befehlen, muss sie erst in Marschrichtung bewegt werden. Hierzu befiehlt der Vorgesetzte „rechts – um!“, wobei jeder Soldat der Abteilung sich gleichzeitig um 90° nach rechts dreht. Dabei ist das Kommando „rechts“ das Ankündigungskommando und „um!“ das Ausführungskommando. Anschließend befiehlt der kommandierende Vorgesetzte entweder „ohne Tritt – Marsch!“ oder „im Gleichschritt – Marsch!“. Um die Formation anzuhalten, befiehlt er im Ohne-Tritt „vorne – halt!“, im Gleichschritt „Abteilung – halt!“.

Protokollarischer Dienst

Für repräsentative Staatsaufgaben wie Empfänge und militärische Ehren haben die meisten Armeen speziell ausgebildete Wacheinheiten.

Deutschland

In Deutschland ist es das Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung. Es führt zusätzlich zum Formaldienst eines jeden Soldaten besondere Bewegungen nach dem alten preußischen Exerzierreglement durch. Dazu ist es mit nicht mehr schussfähigen Gewehren 98k ausgerüstet.

Österreich

In Österreich ist die Garde des Österreichischen Bundesheeres im protokollarischen Dienst eingesetzt.

Siehe auch

Literatur

  • Harry Horstmann: Der Soldat: In Sprache und Tradition. 2010, ISBN 978-3-8391-8603-9.
  • Heinz-Georg Macioszek: Das Problem der Tradition in der Bundeswehr. Schriftenreihe des Europa-Kollegs Hamburg, Band 1, Sonderheft. Hamburg 1969.

Weblinks

 Wiktionary: Formaldienst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen


Kategorien: Allgemeine Truppenkunde | Militärische Ausbildung

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Formaldienst (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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