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Flugroute


Der Begriff Flugroute ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Flugverfahren i.S. des § 27a der Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO).

Definition

Bei Flugverfahren handelt sich um standardisierte Anweisungen für die Bedienung von Luftfahrzeugen bei Flügen nach Instrumentenflugregeln (IFR). Das Luftverkehrsgesetz (LuftVG) beschreibt sie als Verfahren „für Flüge innerhalb von Kontrollzonen, für An- und Abflüge zu und von Flugplätzen mit Flugverkehrskontrollstelle und für Flüge nach Instrumentenflugregeln, einschließlich der Flugwege, Flughöhen und Meldepunkte“ (§ 32 Abs. 4 Nr. 8 LuftVG). Derartige Flugverfahren halten Luftfahrzeuge in begrenzten Bereichen des Luftraums (Korridore oder Flugerwartungsgebiete) und werden deshalb mit geographischen Routen gleichgesetzt, wie sie Straßen und Schienenwege am Boden fixieren. Der Vergleich trägt wegen der unterschiedlichen Medien aber nur sehr begrenzt; in der Luft kann ein Flugweg immer nur in etwa eingehalten werden. Flugverfahren nach Instrumentenflugregeln werden durch Rechtsverordnungen des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung (BAF), hilfsweise zeitlich begrenzt durch Allgemeinverfügungen (§ 35 Abs. 2 VwVfG) der Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) für jeden einzelnen Flugplatz festgelegt, an dem Instrumentenflugbetrieb zulässig ist (§ 27a Abs. 2 LuftVO).

Flugverfahren für Abflüge beginnen nach dem Abheben des Luftfahrzeugs von der Startbahn und enden am Einflugpunkt der übergeordneten „Luftstraße“. Dort wird das Luftfahrzeug im Streckenflug durch Anweisungen der für den jeweiligen Luftraum zuständigen Flugsicherungsstelle auf vordefinierten Verbindungsstrecken (ATS-Strecken) geführt, die früher entlang von Funkfeuern am Boden, heute teilweise auch durch GPS-Waypoints festgelegt sind und bis zum Anflugpunkt des Anflugverfahrens reichen. An ihm beginnen die Ein- und Anflugverfahren, die mit dem Aufsetzen auf der Landebahn des Zielflugplatzes enden. Verzögert sich die Landung, werden Warteverfahren bereitgestellt; für das Scheitern des Endanflugs (wegen unvorhergesehener Hindernisse oder nicht ausreichender Sicht, die auch bei Instrumentenflug vor dem Aufsetzen gegeben sein muss) sind Fehlanflugverfahren festgelegt.

Flugverfahren im eigentlichen Sinne gibt es, weil die Luftfahrzeuge im Instrumentenflug von Lotsen überwacht und ggf. geführt werden müssen, nur im kontrollierten Luftraum. Sie betreffen faktisch im Wesentlichen die professionelle Luftfahrt, die mit instrumentenflugtauglichen Luftfahrzeugen durchgeführt wird. Im unkontrollierten Luftraum wird nach Sichtflugregeln (VFR) und dem Grundsatz „sehen und gesehen werden“ geflogen; auch in kontrollierten Lufträumen ist dies nach der Entscheidung des Luftfahrzeugführers aber möglich. Der verantwortliche Luftfahrzeugführer oder die für die Flugplanerstellung verantwortliche Stelle einer Fluggesellschaft („Pilot“) wählt eines der für den Start- und Zielflugplatz festgelegten Ab- und Anflugverfahren in dem einzureichenden Flugplan (§ 25 LuftVO) aus. Das Flugverfahren wird mit der Freigabeentscheidung der Flugsicherungsstelle (§ 26 LuftVO) verbindlich und ist dann nach den in der jeweiligen Durchführungsverordnung festgelegten Anweisungen durchzuführen. Es kann aber auch vom Fluglotsen, etwa wegen der konkreten Verkehrssituation, durch Einzelweisung geändert oder abgekürzt werden (sog. „Directs“).

Zu Flugverfahren gehören auch „Flugwege, Flughöhen und Meldepunkte“ (§ 27a Abs. 2 LuftVO). Damit ist nicht das Flugprofil gemeint, das sich nach den Flugeigenschaften des Luftfahrzeugs richtet. Danach kann der Pilot Schnell- oder Steilstartverfahren sowie verschiedene Landeverfahren wählen, für die er aber teilweise eine Freigabe des Lotsen benötigt.

Beim Abflug folgt die Flugroute zunächst der Richtung der Startbahn, gefolgt von einer Abflugroute (engl. Departure Route). Auf kleineren Flugplätzen sind das meistens vorgeschriebene Kurven bei einem gewissen Punkt. Auf größeren Flugplätzen gibt es oft viele detaillierte Abflugrouten in alle Himmelsrichtungen. Diese Abflugrouten bringen das Flugzeug zum Übergangspunkt (engl. Transition Point), der den Einstieg in die Luftstraße bildet (ähnlich wie eine Auffahrt auf die Autobahn).

Ebenso gibt es Flugrouten für den Landeanflug (engl. Arrival Route), die zum Übergangspunkt des Endanfluges der entsprechenden Landebahn führen. Die Festlegung dieser An- und Abflugrouten in der Terminal Area (TMA) nimmt auch Rücksicht auf dicht bebaute Gebiete und prinzipiell auch auf Aspekte des Lärmschutzes.

Nicht kontrollierte Flugrouten werden hauptsächlich von Fliegern der Allgemeinen Luftfahrt und in niedrigeren Höhen beflogen. Zum größten Teil erfolgen diese Flüge nach Sichtflugregeln. VFR-Piloten können dabei die Fluginformationsdienste (FIS) bzw. den Flugberatungsdienst AIS in Anspruch nehmen. Solche Flugrouten werden teilweise Luftwege oder ADR (advisory route) genannt. Vereinzelt werden dafür spezielle „Routenkarten“ produziert.

Während des Fluges werden die Flugrouten oft geändert, da der Pilot auf aktuelle Wettersituationen reagieren muss. Im kontrollierten Luftraum ist dazu eine Freigabe des Radarkontrollers notwendig. Oft fragen Piloten auch um Abkürzungen an, um Verspätungen einzuholen oder Treibstoff zu sparen.

Über wenig beflogenen Ozeanen ist die Wahl der Flugroute vielfach freigestellt und richtet sich teilweise nach den Windverhältnissen. Einen Jetstream von 200 Knoten auszunützen oder ihm bei Gegenkurs auszuweichen, kann Unterschiede in Flugdauer oder Treibstoffverbrauch von bis zu 25 % bedeuten. Die diesbezüglichen Techniken lassen sich energetisch optimieren – ähnlich wie bei einer Segelregatta – aber auch nach vereinfachten Methoden des Single Heading Flight abwickeln.

Ein Beispiel für eine bekannte, allgemeine Flugroute ist die Kangaroo-Route, die Flüge von Europa nach Australasien bezeichnet.

Sperrung von Luftraum

Flugrouten über Krisengebiete werden der Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) bewertet. Die ICAO gibt lediglich Empfehlungen heraus; das Recht zur Sperrung von Luftraum obliegt nationalen Behörden. Nach dem Absturz der Malaysia-Airlines-Flug 17 stellte sich die Frage der eine Verschärfung der bisher geltenden Praxis, beispielsweise von reinen Höhenbeschränkungen in Kriegsgebieten abzusehen.[1]

Die Flugrouten mit den meisten Passagieren

Rang[2] Stadt 1 Stadt 2 Passagiere (2012)
(in Millionen)
Distanz[3]
1 Korea Sud Seoul Korea Sud Jeju 10,156 450 km
2 Japan Tokio Japan Sapporo 8,211 819 km
3 Brasilien São Paulo Brasilien Rio de Janeiro 7,716 366 km
4 China Volksrepublik Peking China Volksrepublik Shanghai 7,246 1075 km
5 Australien Sydney Australien Melbourne 6,943 706 km
6 Japan Tokio Japan Osaka 6,744 405 km
7 Japan Tokio Japan Fukuoka 6,640 883 km
8 Hongkong Hongkong Taiwan Taipeh 5,513 780 km
9 Japan Tokio Japan Okinawa 4,584 1554 km
10 Sudafrika Johannesburg Sudafrika Cape Town 4,407 1271 km

Literatur

  • Steffen Schleiden: Rechtliche Grundfragen der Flugroutenfestlegung. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4039-2.
  • Holger Wöckel: Festlegung von Flugverfahren. Rechtliche Grundlagen und Rechtmäßigkeitsanforderungen. Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-14113-5.
  • Nils Kaienburg, Thomas Uhl: Die Planung von Flugverfahren - (Ein)Blick in die Praxis. In: Zeitschrift für Luft- und Weltraumrecht. Band 61, Nr. 4, 2012, S. 505–571.
  • Edwin Grabherr, Olaf Reidt, Peter Wysk: Luftverkehrsgesetz. Loseblatt-Kommentar. 17. Auflage. C. H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-32912-8.
  • Peter Wysk: Rechtsschutz bei der Festlegung von Flugrouten. In: Aktuelle juristische Praxis. Nr. 270, 2003.

Einzelnachweise

  1. Fehlende Koordination für Flüge über Kriegsgebieten. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. Juli 2014, abgerufen am 24. Juli 2014.
  2. 300 world 'super routes' attract 20% of all air travel, Amadeus reveals in new analysis of global trends. In: amadeus.com. 16. April 2013, abgerufen am 19. März 2014.
  3. Airport Distance Calculator. Abgerufen am 23. März 2014.

Weblinks

 Wiktionary: Flugroute – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
es:Ruta aérea

Kategorien: Flugnavigation

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Flugroute (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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