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Flechtingen


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: BördeVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verbandsgemeinde: Flechtingen
Höhe: 98 m ü. NHN
Fläche: 73,52 km²
Einwohner: 2862 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 39 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 39345,
39356 (Behnsdorf, Belsdorf),
39359 (Böddensell)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 039054, 039055
Kfz-Kennzeichen: BK, BÖ, HDL, OC, OK, WMS, WZL
Gemeindeschlüssel: 15 0 83 230
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Lindenplatz 13/15
39345 Flechtingen
Webpräsenz: www.luftkurortflechtingen.de
Bürgermeister: Dr. Dieter Schwarz (FUWG)
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Flechtingen ist eine Gemeinde im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Sie ist Mitgliedsgemeinde und zugleich Hauptsitz der Verbandsgemeinde Flechtingen.

Geografie

Lage

Der Luftkurort Flechtingen liegt im Nordwesten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt im Gebiet des waldreichen Flechtinger Höhenzuges. Bis auf eine Öffnung nach Norden ist der Ort von Wäldern umgeben. In der Ortslage befindet sich der 13 Hektar große Schloßteich, der vom nach Norden abfließenden Spetzebach gespeist wird. Während der Ortskern zwischen 96 und 100 Metern Seehöhe liegt, steigt das Gelände in westlicher Richtung bis auf 130 Meter an. Landwirtschaftlich nutzbare Flächen liegen östlich und nördlich des Ortes. Im Südwesten liegt ein seit Jahrhunderten genutztes Hartgesteinvorkommen.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Flechtingen gehören folgende Ortsteile:

Geschichte

Flechtingen gehört zu den ältesten Orten der Altmark. Er wird bereits 961 in einer für das Magdeburger Moritzkloster bestimmten Schenkungsurkunde von König Otto I. erwähnt und gehörte seinerzeit zum Nordthüringgau. Spätestens seit dem 12. Jahrhundert befand sich Flechtingen im Besitz des Bistums Halberstadt, das den Ort nach und nach vollständig an die ursprünglich Magdeburger Adelsfamilie von Schenck als Lehen vergab. 1307 werden die Schencks als Inhaber der Wasserburg genannt, es ist die erste Erwähnung der Burg. Die Familie, zunächst als Schenck von Dönstedt genannt, nahm später den Namen Schenck von Flechtingen an. Im Laufe des 14. Jahrhunderts ging Flechtingen in den landesherrlichen Besitz der brandenburgischen Markgrafen über, unter denen die Schencks von Flechtingen 1442 Erbkämmerer und Erbschatzmeister wurden. Diese waren bereits 1436 als eine der sieben Schlossgesessenen der Altmark erwähnt worden. 1483 wurden Burg und Dorf von einem Großfeuer fast vollständig zerstört. Die von Schencks begannen jedoch noch im gleichen Jahr mit dem Wiederaufbau. Während des Dreißigjährigen Krieges lag das Dorf zwischen den Fronten der kaiserlichen und der dänischen Truppen. Im Sommer 1629 besetzte Wallenstein den Ort, der am 1. August 1631 samt Burg von seinen Soldaten vollständig ausgeplündert wurde.

Seit dem 16. Jahrhundert war Flechtingen administrativ dem Holzkreis des Erzstiftes Magdeburg unterstellt. Nach der Säkularisierung des Erzstiftes übte das Herzogtum Magdeburg die landesherrliche Gewalt aus, bis dieses 1701 in das Königreich Preußen überging. Von 1807 bis 1813 gehörte der Ort zum Kanton Calvörde des vom Bruder Napoleons, Jérôme Bonaparte, regierten Königreichs Westphalen. Mit der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Flechtingen in den Landkreis Gardelegen eingegliedert. Der Ort begann sich industriell zu entwickeln. Von großer Bedeutung war das Hartgesteinvorkommen des Flechtinger Steinbruches, das bereits für den Bau des Magdeburger Domes Verwendung gefunden hatte. Mit der Eröffnung des Eisenbahnabschnittes Neuhaldensleben – Oebisfelde 1872 erhielt Flechtingen einen eigenen Bahnhof, allerdings in drei Kilometer Entfernung vom Ortskern. Hier entstand im Laufe der Jahre der Ortsteil Flechtingen-Bahnhof.

Vom Bahnanschluss profitierte neben dem Steinbruch das Schenck'sche Gut. Bereits 1853 war mit Karl Schenck von Flechtingen das letzte männliche Mitglied der Gutsherrenfamilie gestorben und damit der Schencksche Familienstamm ausgestorben. 1869 erhielt jedoch der Adoptivneffe Eduard von Peucker die Genehmigung, künftig das Gut weiterzuführen, und wurde neuer Gutsherr auf Flechtingen. Das Gut bestand bis 1928 als Gutsbezirk als eigenständige kommunale Einheit und hatte 1910 185 Einwohner, während die Gemeinde Flechtingen zu diesem Zeitpunkt 878 Einwohner zählte. Als Wirtschaftsbetrieb existierte das Schenck'sche Gut bis 1945. Im Rahmen der von der sowjetischen Besatzungsmacht angeordneten Bodenreform wurden der Landbesitz und das Schloss 1945 enteignet. Die Ländereien wurden aufgesiedelt und an Neubauern vergeben, das Schloss diente zunächst ausgebombten Familien und Flüchtlingen aus den Ostgebieten als Wohnraum.

Flechtingen, das 1939 922 Einwohner zählte, war im April 1945 zuerst von amerikanischen, anschließend von britischen Truppen besetzt worden. Am 1. Juli 1945 wurde der Ort an die sowjetischen Besatzungstruppen übergeben. Neben der Bodenreform traten 1949 nach der Gründung der DDR weitere tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen ein. Die Flechtinger Steinbrüche wurden verstaatlicht und zum Betriebsteil des Volkseigenen Betriebes „VEB Zuschlagstoffe Haldensleben“. Als einer der größten Arbeitgeber entwickelte sich der Dämmstoffe produzierende VEB MIWOLL. Besonders einschneidend waren die Veränderungen in der Landwirtschaft. Im Zuge der DDR-Verwaltungsreform von 1952 wurde Flechtingen dem Kreis Haldensleben zugeschlagen. Im gleichen Jahr wurde in Flechtingen von drei Kleinbauern die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) namens „Frieden“ gegründet. Sie gab bereits 1953 wegen Unwirtschaftlichkeit wieder auf, und erst 1960 war nach massiven Druck der staatlichen Behörden Flechtingen „vollgenossenschaftlich“ geworden.[2] Damit gaben auch die noch verbliebenen Züchter des Deutschen Edelschweins auf, die noch in den 1950er Jahren Herdbuchzucht betrieben hatten. Von besonderer Bedeutung für die landwirtschaftlichen Betriebe der umliegenden Region war die 1952 gegründete Maschinen-Traktoren-Station (MTS). 1964 hatte sich die Zahl der Einwohner Flechtingens auf 1280 erhöht.

Die politischen Wende von 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands 1990 brachten erneut einschneidende Veränderungen mit sich. Landwirtschaft und Industrie wurden wieder privatisiert, die Norddeutsche Naturstein GmbH übernahm den Steinbruch, die Rockwool GmbH das Mineralwollewerk, die MEDIAN-Gruppe errichtete 1993 und 1995 zwei neue Rehabilitationskliniken. Administrativ gehörte Flechtingen ab 1990 zum neuen Bundesland Sachsen-Anhalt. Pläne, das Wasserschloss zu einem Hotel umzubauen, scheiterten bisher. Nach der Kreisgebietsreform vom 1. Juli 1994 wurde der Ort in den Ohrekreis eingegliedert, der 2007 in dem neu gebildeten Landkreis Börde aufging. Seit 1994 war Flechtingen Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Flechtinger Höhenzug und ab 2005 der Verwaltungsgemeinschaft Flechtingen. Am 1. Januar 2010 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Behnsdorf, Belsdorf, Böddensell und Flechtingen zur neuen Gemeinde Flechtingen zusammen.[3] Diese wurde Mitgliedsgemeinde und Sitz der ebenfalls am 1. Januar 2010 gegründeten Verbandsgemeinde Flechtingen.[4]

Politik

Bürgermeister

Die Gemeinde Flechtingen hat mit Dieter Schwarz einen ehrenamtlichen Bürgermeister, er wurde am 6. Dezember 2009 mit 100 % der abgegebenen Stimmen gewählt.[5]

Gemeinderat

Laut der Kommunalwahl am 6. Dezember 2009 hat der Gemeinderat 14 Mitglieder. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,80 %. Die Wahl brachte folgendes Ergebnis:

1. Freie Wählergruppe der Gemeinde Flechtingen 8 Sitze
Behnsdorfer Wählergemeinschaft 3 Sitze
CDU 2 Sitze
SPD 1 Sitz

Weiteres Mitglied des Gemeinderates und dessen Vorsitzender ist der Bürgermeister.

Wappen

Das Wappen und die Flagge wurden am 18. August 2015 durch den Landkreis Börde genehmigt.

Blasonierung: „In Silber auf einem, mit silberner Wellenleiste belegten grünen Dreiberg ein gezinntes, schwarzgefugtes rotes Burgportal, im offenen Torbogen ein gestürztes grünes Lindenblatt.“[6]

Das Wappen wurde vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

Die Farben der Gemeinde sind Rot - Weiß.

Flagge

Flaggenbeschreibung: „Die Flagge ist rot - weiß (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt, das auf der Flagge zusätzlich eine weiße Außenkontur hat.“[6]

Wappen des Ortsteiles

Blasonierung: „In Silber eine gezinnte rote Mauer, dahinter wachsend ein gezinnter roter Turm, begleitet von zwei aus der Mauer wachsenden grünen Kastanienbäumen, in der Toröffnung ein blaues Wasser.“

Die Blasonierung geht auf einen Beschluss der Gemeindevertretung von Flechtingen zurück, wonach „nunmehr gültige und für den Ort verbindliche Insignien zu tragen. Wappensymbol soll dabei das Flechtingen prägende Wasserschloss sein. Im neu geschaffenen Wappen wird das Wasserschloss durch einen aus einer Zinnenmauer wachsenden Zinnenturm dargestellt. Der Turm wird von je einem Kastanienbaum begleitet. Diese nehmen sowohl Bezug auf die gewaltigen und sehr alten Bäume, die den Zugang zum Schloss säumen, als auch auf die landschaftliche Lage von Flechtingen, das am Flechtinger Höhenzug liegt.“

Das Wappen wurde vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet und dem Genehmigungsverfahren zugeführt. Es wurde am 26. Februar 1996 vom Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt und 1996 im Landeshauptarchiv Magdeburg hinterlegt.

Flagge des Ortsteiles

Die Flagge ist rot-weiß gestreift mit dem aufgelegten Wappen.

Bauwerke, Sehenswürdigkeiten

Wasserburg

Die Wasserburg Flechtingen liegt in einem künstlich angestauten See im Ortszentrum und wurde auf einem Grauwackefelsen errichtet. Vom 14. Jahrhundert bis 1945 war die ursprüngliche Burg Stammsitz der Adelsfamilie Schenck von Flechtingen. Seine heutige Form geht auf Umgestaltungen im 19. Jahrhundert zurück. Die ältesten Gebäudeteile entstanden um 1300, zu ihnen gehören die Ringmauer, der Palas und der Bergfried. Erste große Veränderungen wurden 1483 mit der Verlagerung der Burg nach Westen vorgenommen. Ende des 15. Jahrhunderts wurden spätgotische Bauelemente hinzugefügt, 100 Jahre später erhielt die Anlage Veränderungen im Renaissance-Stil. Um 1600 wurde die ehemalige Zugbrücke durch eine Dammzufahrt ersetzt. Bei den letzten Umbauten zwischen 1840 und 1890 erhielt das Wasserschloss sein historistisch-neugotisches Aussehen.

Nach der Enteignung des Schlosses diente es 1945 zunächst als Flüchtlingsunterkunft. Danach wurde es als Genesungsheim genutzt, ehe es 1958 von den Grenztruppen der Volksarmee übernommen wurde. Von 1964 bis 1993 war das Schloss ein Altersheim. Anschließend gab es Versuche, das Schloss zu einem Hotel umzugestalten, die bisher zu keinem Ergebnis führten.

Kirche

Die evangelische Kirche von Flechtingen wurde auf Veranlassung von Jakob von Schenck in den Jahren 1722 bis 1727 als Patronatskirche der Adelsfamilie errichtet, ohne dass ihr ein besonderer Namen verliehen wurde. Das Gebäude wurde aus Bruchsteinen errichtet und besteht aus dem rechteckigen Saalbau und dem Westquerturm. Der Turm enthält noch Reste der ehemaligen mittelalterlichen Kirche. Seine achteckige geschweifte Haube wurde 1571/72 aufgesetzt. Der mit einer flachen Holztonne gedeckte Innenraum des Kirchenschiffs enthält zahlreiche Einrichtungsgegenstände der alten Kirche aus dem Jahr 1592. Dazu gehören die verglaste Herrschaftsempore, die reichlich mit Stuck verzierten Kanzel und Taufstein. Die über dem Altar errichtete Orgel wurde 1856 von Orgelbaumeister August Troch aus Neuhaldensleben geschaffen. Zahlreiche in der Kirche aufgestellte Grabmäler und Epitaphen erinnern an die Patronatsfamilie von Schenck.

Schlossmühle

Bemerkenswert ist auch die bis auf das Jahr 1311 zurückgehende Schlossmühle.

Verkehr

Flechtingen liegt an der Bahnstrecke Oebisfelde–Magdeburg, sein Bahnhof liegt etwa drei Kilometer entfernt. Im Ort kreuzen sich die Landesstraßen L 25 und L 43. Über die L 25 hat Flechtingen Anschluss an die 17 km entfernte Autobahn A 2, die Kreisstadt Haldensleben ist 14 Straßenkilometer entfernt. Im zur Verbandsgemeinde gehörenden sieben Kilometer entfernten Bülstringen befindet sich ein Hafen des Mittellandkanals.

Literatur

  • Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 11: Provinz Sachsen Anhalt. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-31402-9.
  • Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler – Sachsen-Anhalt. Band I, Deutscher Kunstverlag, 2002, ISBN 3-422-03069-7.

Weblinks

 Commons: Flechtingen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2014 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/mahlich-wolfgang-1999-06-25/HTML/mahlich-ch2.html
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
  4. Amtsblatt für den Landkreis Börde vom 16. August 2009 Nr. 45/18, Gebietsänderungsvertrag Flechtingen (PDF; 3,5 MB)
  5. Bürgermeisterwahlen
  6. 6,0 6,1 Amtsblatt des Landkreis Nr. 58/2015

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