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Flüelen


Flüelen
Staat: Schweiz
Kanton: Uri UR
Bezirk: (Der Kanton Uri kennt keine Bezirke.)
BFS-Nr.: 1207
Postleitzahl: 6454
UN/LOCODE: CH FLN
Koordinaten:
Höhe: 435 m ü. M.
Fläche: 12,42 km²
Einwohner: 1972 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 159 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
13,3 % (31. Dezember 2014)[2]
Website: www.flueelen.ch

Flüelen aus der Luft (2008)

Karte

Flüelen (italienisch Fiora ) ist eine politische Gemeinde des Kantons Uri in der Schweiz.

Geographie

Flüelen liegt rechts der Reusseinmündung am südlichen Ende des Urnersees, einem Arm des Vierwaldstättersees. Der Ort besteht aus den zusammengewachsenen Ortsteilen Oberdorf, Dorf und Usserdorf.

Nur 76 ha oder 6 % der Gemeinde sind Siedlungsfläche. Davon sind 28 ha Gebäude- und 10 ha Industrieareal sowie 30 ha Verkehrsfläche. Umfangreicher ist die Landwirtschaftsfläche mit 273 ha oder einem Anteil von 22 %. Darunter befinden sich Alpgebiete, welche östlich des Dorfs am Hang der Eggbergen (Gemeinde Altdorf) liegen. Diese bedecken eine Fläche von 186 ha. Weitere 85 ha sind Wies- und Ackerland. Ausserdem sind mehr als die Hälfte des Gemeindeareals, nämlich 684 ha oder 55 %, von Wald und Gehölz bedeckt. Unproduktives Gebiet umfasst den Rest des Gemeindegebiets, das bedeutet 209 ha oder 17 %. Es handelt sich fast ausschliesslich um vegetationslose Flächen (Hochgebirge) oder Gebiete mit unproduktiver Vegetation (hochalpine Vegetation).

Flüelen grenzt im Südwesten an Seedorf UR, im Westen an den Vierwaldstättersee, im Norden an Sisikon, im Osten an Bürglen UR und im Süden an Altdorf UR.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1685 337
1743 372
1799 469
1850 600
1860 660
1880 1420
1888 730
1920 1185
1930 1170
1941 1608
1970 1731
1990 1695
2000 1787
2005 1874
2010 1950

Wegen seiner Bedeutung als Warenumschlagplatz an der Gotthardroute sind schon ältere Einwohnerzahlen bekannt. Der Ort wuchs zwischen 1685 und 1743 relativ langsam. Dieses Wachstum beschleunigte sich etwas bis 1799. Auch in der Phase bis 1860 nahm die Zahl der Bewohner nur langsam zu. Ein herausragendes Jahr war 1880. Die Einwohnerzahl war durch die Anwesenheit von Bauarbeitern der Gotthardbahn deutlich höher als vorher. Sie sank deshalb bis 1888 auch wieder markant. Zwischen 1888 und 1920 kam es dann zu einem dauerhaften Bevölkerungsanstieg von 62 %, als Folge der guten Verkehrsverbindungen (Axenstrasse und Gotthardbahn). Danach folgte ein Jahrzehnt der Stagnation. In den 1930er Jahren wuchs die Bevölkerung nochmals um 37 % an. Nach einem beständigen Wachstumsschub bis 1970 folgte bis 1990 ein kleiner Rückgang der Einwohnerschaft. So blieb das Wachstum im halben Jahrhundert von 1941 bis 1990 bescheiden. Seit 1990 setzte ein verstärktes und bis heute anhaltendes Wachstum ein.

Sprachen

Die Bevölkerung spricht eine hochalemannische Mundart. Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache deutsch. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 94 % Deutsch, 2 % Italienisch und rund 2 % Albanisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen

Die Bevölkerung war früher vollumfänglich Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 1562 Personen waren katholisch (87 %). Daneben gab es 6 % evangelisch-reformierte Christen, 1,4 % Muslime und 2,80 % Konfessionslose. 28 Personen machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität

Von den Ende 2005 1874 Bewohnern waren 1692 (90 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Zugewanderten stammen mehrheitlich aus Mitteleuropa (Deutschland), aus Südeuropa (Italien) und dem ehemaligen Jugoslawien (Serbien-Montenegro). Bei der Volkszählung 2000 waren 1601 Personen (90 %) Schweizer Bürger; davon besassen 57 Personen die doppelte Staatsbürgerschaft.

Altersstruktur

Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an Leuten mittleren Alters (30–59 Jahre; 41 %). Der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren von 22 % der Ortsbevölkerung entspricht beinahe dem Anteil der Senioren (60 Jahre und älter; 22 %).

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und mehr
Anzahl 152 187 59 262 430 305 296 96
Anteil 8,51 % 10,46 % 3,30 % 14,66 % 24,06 % 17,07 % 16,56 % 5,37 %

Politik

Legislative

Die Gemeindeversammlung bildet die Legislative. Sie tritt meistens zweimal jährlich zusammen.

Exekutive

Der siebenköpfige Gemeinderat bildet die Exekutive. Er ist nebenamtlich tätig. Derzeitiger Gemeindepräsident ist Simon Arnold.

Wirtschaft

Im Jahr 2005 gab es 16 Landwirtschaftsbetriebe, die 44 Arbeitsstellen anboten. Industrie und Gewerbe beschäftigten in 19 Arbeitsstätten 256, der Dienstleistungsbereich in 56 Betrieben 387 Personen (Beschäftigung auf Vollzeitstellen umgerechnet). Die Volkszählung 2000 ergab 20 Landwirtschafts- und Forstbetriebe mit 51 Beschäftigten. Die Betriebszählung 2001 kam auf 21 Industrie- und Gewerbebetriebe mit 220 und 70 Dienstleistungsunternehmen mit 418 Beschäftigten. Die früher landwirtschaftlich dominierte Gemeinde weist heute einen hohen Anteil an Industriebeschäftigten und Gewerblern aus. Von den im Jahr 2000 909 erwerbstätigen Personen Flüelens arbeiteten 293 (32,23 %) in der eigenen Gemeinde. Insgesamt bot der Ort 681 Menschen Arbeit an, von denen 293 (43,02 %) Einheimische waren.

Die 616 Wegpendler arbeiten grösstenteils in anderen Gemeinden des Kantons Uri. Darunter 281 Personen in Altdorf, 56 in Schattdorf, 29 in Bürglen, 27 in Erstfeld und 18 in Seedorf. Bedeutende Arbeitsorte ausserhalb des Kantons sind im Kanton Schwyz die Gemeinden Schwyz (24 Personen) und Ingenbohl (12), im Kanton Luzern die Stadt Luzern (26) und Emmen (10) und im Kanton Zug die Stadt Zug (12). Die 388 Zupendler kamen hauptsächlich aus Altdorf (98 Personen), Seedorf (49), Schattdorf (45), Erstfeld und Bürglen (je 40), Attinghausen (30) und Silenen (20).

Verkehr

Flüelen liegt sowohl auf der Schiene wie auf der Strasse sehr verkehrsgünstig. Durch die Gemeinde führt die Kantonsstrasse von Brunnen zum Gotthard und die Gotthardbahnlinie, welche am Seeufer einen Bahnhof Flüelen bedient. Ausserdem hat die Gemeinde einen eigenen Autobahnanschluss an der A2, der Autobahn von Basel nach Chiasso/Mailand. Am 10. Juni 2005 wurde nach sechs Jahren Bauzeit der 2.6 km lange Flüeler-Tunnel fertig. Von 1906 bis 1951 verkehrte die Strassenbahn Altdorf–Flüelen.

Geschichte

Die noch heute existierende Ziegelproduktion in Flüelen ist 1560 erstmals belegt.[3] 1576 übernahm Ritter Walter von Roll die Ziegelhütte. Die erste bekannte Ziegelhütte befand sich im Ausserdorf auf dem Areal der noch heute «Ziegelhaus» genannten Liegenschaft. Bis Mitte 17. Jahrhundert war Flüelen ein Teil von Altdorf UR. Seither ist die Gemeinde selbständig. Flüelen profitierte von jeher von seiner Lage am See und war ein wichtiger Umschlagplatz für Güter, die über den Gotthard transportiert wurden.

Um 1870 wurde die Eisenbahn gebaut. Die alte Hafenanlage wurde zu grossen Teilen zugeschüttet und das Dorfbild merklich verändert.

Im 2015 feierte das Dorf sein 750-jähriges Jubiläum.[4]

Sehenswürdigkeiten

Im Wartesaal des Bahnhofs ist mit der «Föhnwacht» eines der schönsten und bekanntesten Wandbilder des Urner Malers Heinrich Danioth zu sehen. Der Bahnhof steht seit 1945 und war damals eher ein avantgardistischer Bau. Neben dem Bahnhof Richtung Schiffsstation steht die Plastik Schwurhände (Rütlischwur) von Werner Witschi. Unweit des Bahnhofes befindet sich ausserdem Schloss Rudenz mit dem öffentlich zugänglichen Schlosspark.

In der alten Kirche ist seit März 2008 eine permanente Ausstellung installiert, in der Bergkristalle aus der Region, darunter der aussergewöhnliche Fund von 2006, gezeigt werden.[5] Im 2015 bestand darin eine Sonder-Ausstellung zum Jubiläum der Gemeinde.[6]

Die alte Kirche hätte nach der Exsekration 1912 abgerissen werden sollen und wurde im Ersten Weltkrieg als Bürstenfabrikationshalle benutzt. Über die Jahre wurde sie von verschiedenen Vereinen auch als Turnhalle benützt oder als Truppenunterkunft sowie für die Gemeindeversammlungen. Im 2010 wurde sie komplett renoviert.[7]

Bilder

Persönlichkeiten

Literatur

  • Helmi Gasser: Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri, Band 2: Die Seegemeinden. (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 78). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1986, ISBN 3-7643-1811-2. S. 61–138.
  • Alfons Müller-Marzohl: Flüelen UR, das Dorf und seine Kirchen. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 484). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1991, ISBN 978-3-85782-484-5.

Weblinks

 Commons: Flüelen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. https://www.pxweb.bfs.admin.ch/Selection.aspx?px_language=de&px_db=px-x-0102020000_201&px_tableid=px-x-0102020000_201\px-x-0102020000_201.px&px_type=PX
  3. flueelen.ch: Wirtschaftsgeschichte, Ziegelproduktion , aufgerufen am 2. Januar 2016
  4. Der See gibt, der See nimmt , NZZ, 18. Juli 2015
  5. Kristallausstellung
  6. Aussergewöhnliche Ausstellung in der alten Kirche Flüelen , SRF, 8. Juli 2015
  7. Information der Gemeinde zur alten Kirche

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Flüelen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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