Fieberthermometer - LinkFang.de





Fieberthermometer


Ein Fieberthermometer ist ein spezielles Thermometer zur Bestimmung der Körpertemperatur vor allem bei Fieber. Es muss folgenden Anforderungen genügen:

  • Messbereich mindestens 35 °C bis 42 °C bei einer Auflösung von 0,1 °C
  • Festhalten der während der Messung erzielten Maximaltemperatur

Ausdehnungsthermometer

Quecksilber-Fieberthermometer erreichen diese Anforderungen, indem sich eine bestimmte Quecksilbermenge in einer sehr dünnen Kapillare ausdehnt. Die Anzeige der Maximaltemperatur wird durch einen in der Kapillare befindlichen Glasdorn erreicht, welcher den sich bei Abkühlung zurückziehenden Quecksilberfaden abreißen lässt, wodurch die erreichte Maximaltemperatur weiter angezeigt wird. Zum Rückstellen muss das Quecksilber durch „Zurückschütteln“ oder Klopfen wieder in den Vorratsbehälter befördert werden.

Da die Verwendung von Quecksilber sowohl bei Beschädigung als auch bei der Entsorgung des Thermometers sehr problematisch ist, hat sich Galinstan als Thermometerflüssigkeit etablieren können. Diese Thermometer funktionieren nach dem gleichen Prinzip und sehen den alten Quecksilberthermometern zum Verwechseln ähnlich. Daher wurden sie oft fälschlicherweise als „quecksilberhaltig“ eingestuft und entsorgt.

In der EU ist der Verkauf quecksilberhaltiger Messgeräte im Gesundheitsbereich seit April 2009 untersagt.[1][2][3]

Die Verwendung von Glas-Fieberthermometern mit Galinstan hat auch heute im Zeitalter von digitalen Fieberthermometern noch Vorteile. Die Thermometer sind 100 % wasserdicht und können daher leicht gereinigt und desinfiziert werden. Es wird keine Batterie benötigt. Außerdem eignen sie sich für Patienten mit Nickel-Kontaktallergie, bei denen der Einsatz von elektronischen Messfühlern problematisch ist.

Die ersten Fieberthermometer gehen auf Daniel Gabriel Fahrenheit zurück, waren jedoch aufgrund ihrer Länge von rund 60 cm nur schwer zu handhaben und lieferten deshalb ungenaue Ergebnisse.

Fieberthermometer heutige Form

Der englische Arzt Thomas Clifford Allbutt erfand 1867 das kurze Fieberthermometer, das mit rund 15 cm etwa der heutigen Größe entsprach und erstmals genaue Messergebnisse lieferte. 1868 beschrieb Karl Ehrle das erste Maximalthermometer für die Fiebermessung (Abreissen des Quecksilberfadens durch eine Luftblase). Damit konnte das Krankenhauspersonal die Messung durchführen, die Ablesung konnte aber erst später durch den Arzt erfolgen. Zuvor musste das Thermometer für ein sicheres Ablesen durch den Arzt oftmals stundenlang bis zur Visite beim Patienten verbleiben.

Im Jahr 1890 entwickelte dann der Drogist Wilhelm Uebe das moderne, geschlossene Fieberthermometer[4], wie wir es heute kennen. Er kam auf die Idee, das Glasthermometer am oberen Ende zuzuschmelzen, statt sie mit einem Gipsstopfen zu verschließen. Diese Weiterentwicklung erhöhte die Anwendungssicherheit und den Hygienestandard des Fieberthermometers. Aus diesem kleinen Ansatz entwickelte sich die UEBE Medical. Über Jahre waren deren medizinische Thermometer weltweit die meistverkauften Hilfsmittel für Selbstdiagnosen.

Basalthermometer

Das Familienunternehmen UEBE zog nach dem Zweiten Weltkrieg von Zerbst nach Wertheim. Für die Messung feiner Temperaturunterschiede, die den Zyklus einer Frau begleiten, wurde 1959 das Basalthermometer entwickelt. Diese Entwicklung wurde durch die Forschungsergebnisse der natürlichen Familienplanung, speziell der Sektion für natürliche Fertilität inspiriert. Mit Hilfe eines Basalthermometers können anhand der aufgezeichneten Temperaturkurve die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage der Frau ermittelt werden.

Digitale Fieberthermometer

Preiswerte und zugleich genaue elektronische Temperaturmesstechniken haben auch dem Digitalthermometer (nach der Anzeigemethode auch LCD-Fieberthermometer genannt) als Fieberthermometer zu einem beachtlichen Marktanteil verhelfen können. Nachteilig erscheint hier lediglich die Voraussetzung einer ausreichend frischen Batterie, die am Ende ihrer Haltbarkeit zudem entsorgt werden muss. Die Maximalwertanzeige wird erreicht durch Beenden der Messung, sobald sich die gemessene Temperatur innerhalb einer gewissen Zeit nicht mehr erhöht. Das digitale Fieberthermometer erzeugt ein akustisches Signal, um das Ende der Messung anzuzeigen.

Funktionsweise

Beim digitalen Fieberthermometer wird die Temperatur über ein elektronisches Bauteil (Sensor) erfasst, das seinen elektrischen Widerstand entsprechend seiner Temperatur verändert. Diese Widerstandsänderung wird von einer elektronischen Schaltung, welche die genaue Temperatur-Widerstands-Relation des Sensors berücksichtigt, ausgewertet und in °C (Grad Celsius) oder °F (Grad Fahrenheit) angezeigt. Im Messbereich des Sensors ist der Zusammenhang zwischen Temperatur und Widerstand nahezu linear.

Die Genauigkeit des digitalen Fieberthermometers hängt davon ab, welche Toleranz bei der Herstellung des Sensors akzeptiert wird und ob der 37 °C-Punkt genau eingestellt wird. Genaue Anforderungen stellt zum Beispiel die Norm DIN EN 12470-3.

Infrarot-Fieberthermometer

Infrarot-Fieberthermometer messen die vom Trommelfell oder von der Stirn abgestrahlte Infrarotstrahlung. Diese wird mittels einer Linse auf einen Sensor übertragen, in einen Temperaturwert umgerechnet und angezeigt. Der Vorteil der Infrarot-Fieberthermometer gegenüber herkömmlichen Thermometern liegt in der kurzen, nur wenige Sekunden betragenden Messdauer. Das Angebot preiswerter Infrarot-Fieberthermometer hat in den vergangenen Jahren zugenommen, so dass sie inzwischen auch in ärztlichen Praxen und Kliniken verwendet werden. Auch die Geräte für den Hausgebrauch weisen nunmehr hinreichend präzise Messergebnisse auf, weshalb sie insbesondere bei der Fiebermessung bei Kleinkindern gern eingesetzt werden.

Wird mit Infrarot-Fieberthermometern berührungslos gemessen, sind Schutzhüllen oder Desinfektionsmittel auch bei personenübergreifendem Messen unnötig; somit eignet sich diese Art von Fieberthermometern auch für groß angelegte Stichprobenkontrollen, beispielsweise bei Infektionsverdacht im öffentlichen Raum.

Fieber-Schnelltest

Zur schnellen Temperaturmessung bietet der Handel sogenannte Schnelltest-Streifen an. Dabei handelt es sich um Kunststoff-Streifen, in denen Thermochromfarbstoffe eingebettet sind. Übersteigt die Körpertemperatur einen gewissen Wert, wird z. B. der Buchstabe F sichtbar.

Messarten

Folgende Messarten gelten für die klassischen Fieberthermometer mit Messspitze.

  • In der Achselhöhle (axillar): Hierbei wird das Fieberthermometer unter die Arme in der Achselhöhle eingeklemmt. Diese Messmethode ist zwar am angenehmsten, jedoch auch am ungenauesten.
  • In der Mundhöhle (oral): Diese Messmethode ist um einiges genauer als die axillare Methode. Zu beachten ist jedoch, dass die Messspitze guten Kontakt zum Gewebe im Mund hat. Es wird empfohlen, die Messspitze unter die Zunge (sublingual) zu bringen.
  • Im After (rektal): Die Messspitze des Fieberthermometers wird dazu rektal in den After eingeführt. Diese Messmethode ist am genauesten und kommt insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern zur Anwendung.

Weblinks

 Commons: Fieberthermometer  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Fieberthermometer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellenangaben

  1. EU verbietet Quecksilber-Fieberthermometer (Memento vom 14. Juli 2007 im Internet Archive), Netzeitung, 10. Juli 2007
  2. Testsieger: Digitale Fieberthermometer , ORF1, 25. Februar 2008
  3. Häufig gestellte Fragen (PDF; 1,1 MB), Infoblatt Fa. Geratherm
  4. Unternehmen Uebe feiert 120-Jähriges Bestehen Fränkische Nachrichten

Kategorien: Diagnostikgerät | Thermometer

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Fieberthermometer (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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