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Feuerwalze (Militär)


Eine Feuerwalze ist eine militärische Angriffstaktik, die erstmals zur Zeit des Ersten Weltkriegs angewandt worden ist und sich dadurch auszeichnet, dass eine enge Abstimmung zwischen der eigenen Artillerie und den eigenen Infanterieverbänden stattfindet. Hierdurch soll ein erfolgreiches Eindringen in feindliche Stellungssysteme ermöglicht werden.

Die Taktik der Feuerwalze wurde erstmals von der französischen Artillerie in der Herbstschlacht in der Champagne vom 25. September bis 6. November 1915 an der Westfront verwendet. Geprägt hat sie der französische General Robert Nivelle.

Bei dieser Taktik benötigte man, analog anderen Angriffsmethoden des Ersten Weltkriegs, eine hohe Konzentration an eigenen Geschützen. Im Gegensatz zu einem Vernichtungsfeuer/Trommelfeuer, das darauf abzielte das gegnerische Stellungssystem inklusive aller Unterstände in tagelangem Dauerbombardement zu zerstören, beabsichtigte man mit dem Konzept der Feuerwalze die feindlichen Infanteristen niederzuhalten und zu einem Verweilen in Unterständen und Bunkern zu nötigen. Während die feindliche Grabenbesatzung in sicherer Deckung lag, arbeiteten sich die eigenen Infanteristen nach vorne und näherten sich dabei gefährlich nahe den Explosionsfontänen der einschlagenden Granaten. Entsprechend einem vorher festgelegten Schema sprang dann der Beschuss 50–100 Meter in Feindrichtung, während die Infanterie – möglichst nahe folgend – in den zuvor beschossenen Abschnitt eindrang. Ziel war es also die Masse der feindlichen Grabenbesatzungen zu überrumpeln und nach Möglichkeit noch in deren Unterständen zu töten (z. B. durch Handgranateneinsatz).

Die Taktik hatte den theoretischen Vorteil, dass die gegnerische Infanterie niedergehalten wurde und dadurch Geländegewinne auch in stark mit Stellungen versehenem Gelände wieder möglich wurden. Nachteil war jedoch, dass sie nicht flexibel an die Gefechtssituation angepasst werden konnte, da die vorhandenen Fernmeldeeinrichtungen für eine zuverlässige Verbindung zwischen Infanterie und Artillerie noch nicht ausreichten. Daher kam es teilweise zu einem Davonlaufen der Feuerwalze, wenn die Infanterie aufgrund schwierigen Geländes oder des hartnäckigen Widerstands des Gegners der Feuerwalze nicht folgen konnte. Andererseits beschränkte das langsam vorrückende Feuer auch einen – den Umständen nach möglichen – schnelleren Angriff der Infanterie nach vorne. Im Gegensatz zu einem längeren Trommelfeuer richtete eine Feuerwalze nicht genug Schaden an dem gegnerischen Grabensystem mit seinen Stacheldrahtverhauen und Unterständen an. Es zeigte sich, dass die Zeitspanne zwischen dem Vorbeiziehen einer Feuerwalze und dem Eintreffen der angreifenden Infanterie für die Grabenbesatzung meist ausreichte, um die Unterstände zu verlassen und sich auf ihre Posten zu begeben. War die Feuerwalze jedoch richtig ausgeführt, also der Abstand zwischen dem Auftreffen der Granaten und dem Eintreffen der Infanterie klein genug, wie z.B. in der letzten Phase der Schlacht um Verdun, erzielte sie verheerende Ergebnisse.

Durch den Bewegungskrieg des Zweiten Weltkriegs verlor die Feuerwalze an Bedeutung, da die Front dort in den seltensten Fällen lange genug stabil war, um eine ähnliche Anzahl an Geschützen wie im Ersten Weltkrieg zusammenzuziehen. Allgemein verringerte sich im Laufe der Jahrzehnte die Anzahl der Stellungsschlachten, bei denen eine statische Frontlinie bestand. Ein Beispiel für eine solche Schlacht war die Schlacht um Dien Bien Phu, wo die Vieth Minh mehrfach Feuerwalzen mit großem Erfolg einsetzten. Mit dem Aufkommen des Feuerradars, mit dem man anfliegende Geschosse präzise orten kann, wurde die Feuerwalze vollends obsolet. Heutzutage müssen Geschütze nach wenigen Sekunden die Position wechseln, um nicht durch Gegenfeuer zerstört zu werden.

Die strategische Wirkung wurde letztlich durch die Reichweite der Kanonen beschränkt, da die Geschütze der Infanterie bei einem erfolgreichen Vorstoß nur langsam folgen konnten und daher früher oder später die einheitliche Feuerwalze als Schutz für die Infanterie entfiel.

Literatur

  • Hans Linnenkohl: Vom Einzelschuss zur Feuerwalze. Bernard & Graefe, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5866-6, S. 272.

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