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Fettabscheider


Fettabscheider trennen Fette und Öle vom Abwasser. Das fett- und ölhaltige Schmutz- und Spülwasser aus Küchen der Gastronomie, Hotellerie oder Gemeinschaftsverpflegung muss über einen Fettabscheider entsorgt werden. Fettabscheideranlagen reinigen gewerbliche Abwässer vor, bevor das Wasser in die Kanalisation abfließt.

Fett schwimmt aufgrund seiner geringeren Dichte auf, sammelt sich auf der Oberfläche und kann entnommen werden. Das öl- und fettfreie Abwasser fließt in den Abwasserkanal. Da sich in der Anlage auch die Fließgeschwindigkeit des Abwassers verringert, sinken schwere Feststoffe (Essensreste) zu Boden und setzen sich im Schlammfang ab.

Funktion

Die meisten Fettabscheider funktionieren nach dem Schwerkraftprinzip[1], d.h. der Dichteunterschied von Fett und Wasser führt zu einer Phasentrennung während schwerere Feststoffe zum Boden sinken.

Fettabscheider bestehen aus einem Einlauf mit Prallwand oder ähnlicher Vorrichtung zur Beruhigung des Wassers, einem Ablauf, welcher das Wasser unterhalb der Fettschicht entnimmt, und dem zentralen Fettsammelraum, auf dessen Boden sich auch Sinkstoffe absetzen, sofern keine separate Kammer als Schlammfang vorgeschaltet ist. Weiterhin bedarf es nach dem Fettabscheider einer Möglichkeit zur Entnahme von Proben, z.B. in Form eines Schachts.

Im Abwasser emulgierte Fette und Öle (Emulsion) passieren einen Fettabscheider, der ausschließlich nach dem Schwerkraftprinzip arbeitet, meist ungehindert. Insbesondere in industriellen Betrieben und Regionen, in denen niedrige Abwassergrenzwerte für Öle und Fette gefordert werden, ist eine weitergehende Abwasserbehandlung hinter dem Fettabscheider erforderlich. Herkömmliche Fettabscheider können die hier geforderten Grenzwerte nicht erreichen. Durch den Einsatz einer Spalt- oder Flotationsanlage lassen sich die Grenzwerte dauerhaft und sicher unterschreiten.

Es gibt Fettabscheider für den Einbau ins Erdreich und Anlagen, die frei aufgestellt werden.

Anforderungen

Fettabscheider für den Erdeinbau sind außerhalb von Gebäuden in der Nähe der Anfallstelle des Schmutzwassers einzubauen, an einer Stelle, die mit dem Saugschlauch der Entsorgungsfahrzeuge leicht zu erreichen ist. Frei aufgestellte Fettabscheider müssen in frostfreien Räumen stehen.

Die Aufstellung von Fettabscheideranlagen in Räumen, in denen Speisen zubereitet werden, ist aus hygienischen Gründen nicht zugelassen.

Mobil aufgestellte Fettabscheideranlagen sind nur für fliegende Bauten wie mobile Verkaufsstände oder auf Festen zugelassen.

Fettabscheider, die unterhalb der Rückstauebene eingebaut sind, müssen mit einer Hebeanlage (mit Rückstauschleife) an die Kanalisation angeschlossen sein.

Der Einbau von Fettabscheidern ist genehmigungspflichtig.

Die Nenngröße (NS; früher: NG) einer Fettabscheideanlage richtet sich nach der Menge des anfallenden Schmutzwassers und wird in Litern pro Sekunde gemessen.

Hat die Zulaufleitung oberhalb der Abscheideranlage auf einer Länge von 10 m keine entlüftete Anschlussleitung, so ist nach DIN EN 1825-2 die Zulaufleitung möglichst nah am Fettabscheider mit einer zusätzlichen Lüftungsleitung im Querschnitt des Zulaufrohres (DIN EN 1825-1) zu versehen, die bis über das Dach zu führen ist. Anschlussleitungen von mehr als 5m Länge zur entlüfteten Hauptzulaufleitung sind gesondert zu entlüften.
Die Lüftungsleitungen der Zuleitung und gegebenenfalls des Fettabscheiders können zu einer Sammellüftung zusammengeführt werden, an welche jedoch nicht die Lüftungsleitung einer Hebeanlage (DIN EN 12056-4) oder sonstige Lüftungen (DIN 1986-100) angeschlossen werden dürfen.[2]

Komplett- oder Teilentsorgung

Komplettentsorgung: Klassische Fettabscheider sollen nach DIN EN 1825 mindestens alle vier Wochen durch ein Entsorgungsunternehmen komplett entleert, gereinigt und anschließend mit Frischwasser aufgefüllt werden. Moderne Fettabscheider haben einen Festanschluss für die Entsorgungsleitung. Die Leitung wird innerhalb des Gebäudes fest installiert und endet mit einer Kupplung an der Gebäudeaußenseite. Meist ist die Kupplung zusammen mit einer Fernbedienung in einem Auf- oder Unterputzkasten untergebracht, bei vollautomatischen Fettabscheidern erfolgt die Entsorgung automatisiert. Die Fettabscheiderinhalte können so unauffällig von einem Tankwagen aufgenommen werden.

Teilentsorgung: Es gibt auch Fettabscheider, bei denen Fett und Schlamm in handlichen Kunststofffässern getrennt und dann entsorgt werden. Der Betreiber kann die Sammelfässer mit den konzentrierten Reststoffen bei Bedarf selbst entsorgen. Durch die bedarfsgerechte Entsorgung sind die Betriebskosten in der Regel geringer als bei Komplettentsorgung per Tankwagen. Außerdem wird die Menge des Entsorgungsguts bei diesem Verfahren im Vergleich zur Komplettentsorgung auf rund zehn Prozent reduziert. Die Entsorgung der Fette und der Feststoffe kann bei Fettabscheidern mit Teilentsorgung auch direkt über einen Anschluss an eine zentrale Nassmüllentsorgung erfolgen. Hierbei werden die separierten Stoffe zusammen mit anderen Essensabfällen in einen zentralen Sammelbehälter gesaugt und von dort regelmäßig entsorgt.

Gesetzliche Vorschriften

Der Einsatz von Fettabscheideranlagen wird durch die Normen DIN EN 1825-1 und DIN EN 1825-2 sowie den nationalen Anhang DIN 4040-100 geregelt. Sie gilt für Betriebe mit gewerblicher Essensausgabe wie beispielsweise Gaststätten, Hotels, Großküchen und Imbissstuben, in denen fetthaltiges Abwasser anfällt.
DIN 4040-100 fordert im Gegensatz zur DIN EN 1825 einen getrennten Schlammraum und macht feste Vorgaben zu notwendigen Mindestvolumen von Schlammfang, Fettsammelraum und Fettabscheider insgesamt sowie für die Mindestoberfläche des Fettabscheider-Raumes, während nach DIN EN 1825 bei hydraulischem Nachweis auch eine Unterschreitung dieser Werte möglich ist.

Bei industriellen Lebensmittelverarbeitern (Molkereien, Käsereien, Fischverarbeitung, Spülbetriebe, Küchenabfall-Aufbereitungsanlagen) fällt Abwasser mit einem hohen Anteil emulgierter Fette/Öle an. Dieses Abwasser wird in Fettabscheideranlagen nach dem Schwerkraftprinzip nicht immer effektiv behandelt. Eine weitergehende Abwasserbehandlung kann erforderlich werden.

Übersicht der gesetzlichen Vorschriften[3]

Technische Bestimmungen:

  • DIN EN 1825-1, Abscheideranlagen für Fette - Teil 1: Bau-, Funktions- und Prüfgrundsätze, Kennzeichnung und Güteüberwachung
  • DIN EN 1825-1, Abscheideranlagen für Fette Teil 2: Wahl der Nenngröße, Einbau, Betrieb und Wartung
  • DIN 4040-100, Abscheideranlagen für Fette - Teil 100: Anforderungen an die Anwendung von Abscheideranlagen nach DIN * EN 1825-1 und DIN EN 1825-2
  • DIN EN 1717, Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-Installationen und allgemeine Anforderungen an Sicherheitseinrichtungen zur Verhütung von Trinkwasserverunreinigungen durch Rückfließen - Technische Regel des DVGW
  • DIN 1986-100, Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke - beschreibt den grundsätzlichen Einsatzfall und einige Randbedingungen
  • DWA - DVWK - M 767, Abwasser aus der fleischverarbeitenden Industrie
  • DWA - DVWK - M 768, Abwasser aus der Fischindustrie

Rechtliche Bestimmungen:

Literatur

  • Jürgen Mültner: Biologische Fettabscheider-Nachbehandlung. In: IHKS-Fachjournal: 2005/06. download
  • Marco Eulenstein: Fettabscheider in der Praxis. In: IHKS-Fachjournal: 2004/05. download

Weblinks

 Commons: Fettabscheider  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Fettabscheider – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Planungshandbuch Fettabscheider der Firma Kessel, abgerufen im Februar 2016
  2. Planungshandbuch Fettabscheider der Firma Kessel, abgerufen im Februar 2016
  3. Aktuelle Vorschriften für Fettabscheider

Kategorien: Abfalltechnik | Abwasserbehandlung

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Fettabscheider (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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