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Fernán Caballero


Cecilia Francisca Josefa Böhl de Faber y Larrea, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Fernán Caballero (* 24. Dezember 1796 in Morges (Schweiz); † 7. April 1877 in Sevilla) war eine spanische Schriftstellerin schweizerischer Herkunft.

Leben

Cecilia war die Tochter des deutschen Konsuls und Kaufmanns in Cádiz Johann Nikolaus Böhl von Faber, der ein wichtiger Impulsgeber für die spanische Romantik war, und einer andalusischen Mutter, Frasquita Larrea. Geboren wurde sie in Morges in der Schweiz, erzogen aber hauptsächlich in Hamburg. Der Vater kaufte 1805 ein Gut in Deutschland und ließ sich dort nieder, doch die Mutter zog mit zweien ihrer Töchter nach Cádiz zurück, Cecilia und ihr Bruder Juan Jacobe blieben beim Vater. Sie wurde von einer belgischen Gouvernante und vom Vater erzogen, ab 1807 kam sie in ein französisches Mädchenpensionat in Hamburg. Erst 1811 zog die Familie wieder zusammen, Böhl konvertierte zum Katholizismus und übersiedelte nach Cádiz. 1815 besuchte Cecilia Spanien, wo sie dann 1816 den Infanteriekapitän Antonio Planells y Bardaxí heiratete, mit dem sie nach Puerto Rico ging. Sie war in der Ehe todunglücklich und wurde nur durch den baldigen Tod ihres Mannes erlöst, denn er starb im folgenden Jahr im Feld. 1822 heiratete die junge und ungewöhnlich gebildete Witwe Francisco Ruiz del Arco, Marqués de Arco Hermoso, einen Offizier in einem der spanischen Wachregimenter aus einer begüterten Sevillaner Adelsfamilie. Diesmal wurde die Ehe glücklich, und Cecilia lebte teils in einem Stadtpalais in Sevilla, teils auf der Finca „Dos Hermanas“, wo sie das Landleben studieren konnte.

Beim Tod Arco Hermosos 1835 war sie bereits 39 Jahre alt und fand sich in prekären Umständen wieder, da auch ihr Vater 1836 starb und sie somit als alleinstehende Witwe einen schweren Stand hatte, wirtschaftlich wie gesellschaftlich. 1836 unternahm sie eine Reise nach Paris und lernte dort einen außergewöhnlich attraktiven Mann kennen, den Aristokraten Frederic Cuthbert, der sich in der Figur des Sir George Percy in ihrem Roman Clemencia widergespiegelt findet. Cecilia verliebte sich unsterblich in ihn, er aber brauchte sie nur als ein Abenteuer unter vielen, und sie trennte sich tief enttäuscht. 1837 heiratete sie Antonio Arrom de Ayala, einen um 17 Jahre jüngeren Mann erheblich unter ihrem Stand. Zu dieser Zeit scheint sie bereits an einem Text geschrieben zu haben, den zu publizieren sie aber kein Bedürfnis verspürte. Ihr dritter Mann jedoch ermutigte sie auch zum Schreiben und Veröffentlichen, und so gab sie 1849 den Roman La Gaviota unter dem Pseudonym „Fernán Caballero“ heraus. Arrom war Konsul in Australien, in verschiedenen Geschäften engagiert und machte dadurch viel Geld. Unglückliche Spekulationen trieben ihn aber 1859 in London in den Selbstmord. Sie war inzwischen 63 Jahre alt und dachte vorübergehend daran, sich in ein Kloster zurückzuziehen, blieb aber doch in Sevilla, wo sie in ihrer Schriftstellerei Trost fand und am 7. April 1877 im Alter von 81 Jahren starb.

Werk

Da Cecilia Böhl de Faber befürchtete, als Autorin nicht ernst genommen zu werden, benutzte sie das Pseudonym Fernán Caballero. Der Name leitet sich von einem Dorf in der Provinz Ciudad Real ab, das wegen eines Verbrechens in den Zeitungen aufgeschienen war.

Ihr gesamtes literarisches Schaffen ist wie das der anderen Costumbristas zwischen Romantik und Realismus einzuordnen. Der spanische Literaturhistoriker Marcelino Menéndez y Pelayo sieht in ihr die Begründerin des modernen spanischen Sittenromans. Der Schriftsteller José Manuel Ruiz Asencio rückt sie sogar in die Nähe von William Shakespeare und Miguel de Cervantes Saavedra. Meyers Lexikon (5. Auflage, 1893) bezeichnet sie als Schöpferin des modernen realistischen Romans in Spanien, wobei sie jedoch eine streng katholische und extrem konservative Richtung verfolge.

Fernán Caballero hat als erstes so genannte „escenas de costumbres“ (Sittenbilder) mit einer einfachen Romanhandlung verbunden und gilt daher als Begründerin der spanischen novela costumbrista; sie zeigt stets ein gewisses folkloristisches Interesse für das ländliche Ambiente in Spanien und schildert das idyllische Andalusien gewissermaßen aus der Außenperspektive der erst im Erwachsenenalter dorthin Gezogenen. Gerade deshalb werden ihre Texte aber häufig als Fundgrube für die Dokumentation der damaligen „typisch spanischen“ Sitten und Gebräuche verwendet. Fernán Caballero zeigt im Gegensatz zu späteren spanischen Autorinnen wie etwa Emilia Pardo Bazán keinerlei feministischen Ansätze, sondern versteht sich als Hüterin der konservativen, katholischen Moral, die Frauen auf ihre „weibliche“ Rolle beschränkt. Sie ist puritanisch und bisweilen auch für heutigen Geschmack sehr sentimental. Das Wertvollste an ihren Texten sind die Beschreibungen. Im Übrigen schrieb sie ihre allerersten Werke auf Deutsch.

Spanische Titel

Romane

  • La gaviota (1849) [die nicht erhaltene Erstfassung wurde 1845 auf Französisch veröffentlicht]; moderne Ausgaben z.B.: Edición, introducción y notas de Carmen Bravo-Villasante. 3. ed. Madrid: Castalia, 1987. (=Clásicos Castalia, 95). oder: Madrid, Espasa-Calpe, 1995, edición de Enrique Rubio Cremades.
  • Clemencia. Madrid, Imp. de C. González, 1852.
  • La familia de Alvareda. Madrid, Imp. Mellado, 1856. Moderne Ausgabe: 8. Auflage, Madrid, Espasa Calpe, 1975.
  • Lágrimas (1853)
  • Un verano en Bornos, 1858
  • Un servilón y un liberalito, ó Tres almas de Dios: novela. Madrid, Imprenta del Establecimiento de Mellado, 1863.
  • Una en otra. Novela de costumbres. Madrid, Librería de Miguel Guijarro, 1882.

Erzählungen und Novellen

  • Cuadros de costumbres populares andaluzas 1852
  • Cuentos y poesías andaluzas, 1859
  • Promesa de un soldado a la Virgen del Carmen. Madrid, Imprenta del Establecimiento de Mellado, 1863.
  • Un sermón bajo naranjos. Madrid, Imprenta del Establecimiento de Mellado, 1863.
  • La farisea; Las dos gracias: novelas originales. 3. Aufl., Madrid, Centro General de Administración, 1865.
  • La estrella de Vandalia; ¡Pobre dolores! Madrid, Librería de Miguel Guijarro, 1880.
  • Relaciones. Madrid, Librería de Miguel Guijarro, 1880.
  • Vulgaridad y nobleza. Madrid, Librería de Antonio Rubiños, 1917.

Essays

  • El alcázar de Sevilla. Madrid, Imprenta del Establecimiento de Mellado, 1863.

Drama

  • Matrimonio bien avenido, la mujer junto al marido. Madrid, Imprenta del Establecimiento de Mellado, 1863.

Kinderliteratur

  • Cuentos, oraciones, adivinas y refranes populares e infantiles, El refranero del campo y poesías populares (posthum). Madrid, Sáenz de Jubera, Hermanos, [1921].
  • La mitología contada a los niños e historia de los grandes hombres de la Grecia. 4. Auflage, Barcelona, Librería de Juan y Antonio Bastinos, 1888.

Sonstiges

  • Cosa cumplida solo en la otra vida: diálogos entre la juventud y la edad madura. Madrid, Librería de Miguel Guijarro, 1881.

Deutsche Übersetzungen

  • Die Möve, übersetzt von L.G. Lemcke in Ausgewählte Werke, Bd. 2, Braunschweig 1859.
  • Die Möwe: Roman. Übertragung aus dem Spanischen und Nachwort von Hans Kundert. Zürich: Manesse Verlag, 1973. (Manesse-Bibliothek der Weltliteratur). ISBN 3-7175-1460-1; ISBN 3-7175-1461-x

Literatur

  • Amores, Montserrat: Fernán Caballero y el cuento folclórico. El Puerto de Santa María: Ayuntamiento de El Puerto de Santa María, 2001. (Biblioteca de Temas Portuenses, 13) ISBN 84-89141-32-0
  • Coloma, Luis: Recuerdos de Fernán Caballero. Madrid: Razón y Fe, 1949
  • Gómez Sánchez, José María: Recuerdos al viento: Fernán Caballero (1796-1996). Dos Hermanas: Ayuntamiento de Dos Hermanas, 1997. ISBN 84-920852-4-X
  • Herrero, Javier: Fernán Caballero: un nuevo planteamiento. Madrid: Gredos, 1963. (Biblioteca románica hipánica; 2,71 )
  • Klible, Lawrence H.: Fernán Caballero. New York: Twayne, 1973
  • Palma, Angélica: Fernán Caballero, la novelista novelable. Madrid: Espasa-Calpe, 1931.
  • Fernán Caballero: de la Andalucía romantica a la novela moderna; catálogo de la exposición conmemorativa del bicentenario del nacimiento de la escritora. El Puerto de Santa María, 1996. Madrid: Ed. Imprenta, 1997. ISBN 84-89141-11-8

Weblinks

 Wikisource: Fernán Caballero – Quellen und Volltexte


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