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Feldschlange


Die Feldschlange, auch Kolubrine (von lateinisch colubrinus – „schlangenartig“; französisch Couleuvrine , englisch Culverine, türk. Kolomborna) oder Kalverine, war ein Kanonentyp des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit.

Feldschlangen hatten ein im Vergleich zu Belagerungsgeschützen relativ kleines Kaliber zwischen 14 cm (ganze Feldschlangen) bis ca. 5 cm (Falkonetts). Der Lauf war dagegen mit normalerweise zwischen 30 und 40 Kaliberlängen sehr lang, wodurch Treffergenauigkeit, Reichweite und Durchschlagswirkung der Geschosse erhöht wurden, da in dem längeren Lauf die Kugeln nachhaltiger dem Explosionsdruck der Treibladung ausgesetzt waren. Geschütze mit noch größerer Kaliberlänge bezeichnete man auch als Bastard-Feldschlangen (von französisch Batarde ).

Die Entwicklung des Kanonengusses im 16. Jahrhundert beruhte auf der Kombination mehrerer Durchbrüche in den beteiligten Handwerken:

  • der Entwicklung von Schmelzöfen mit höheren Temperaturen,
  • der Entdeckung besonders zäher Bronzelegierungen,
  • der dadurch möglichen Gewichtsersparnis (der geringere Metallverbrauch pro Stück senkte auch die Kosten),
  • den scharf gehüteten Geheimnissen, wie sich vom Modell über die Gussform bis zum Guss selbst überhaupt dermaßen lange und präzise Rohre herstellen ließen.

Die verschossenen Eisenkugeln variierten im Gewicht zwischen etwa 20 Pfund bei den größten Geschützen und einem Pfund bei den kleinsten. Feldschlangen waren gewöhnlich auf einer zweirädrigen Lafette montiert, die von einem Pferd gezogen werden konnte.

Dieser Kanonentyp wurde von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis ins 17. Jahrhundert verwendet. Er ging später in der Feldkanone auf.

Der Name Feldschlange kommt in Deutschland erstmals um 1440 vor und stammt von der anfangs als Schlangen- oder Drachenkopf gestalteten Mündung, die auf den Gegner furchteinflößend wirken sollte. Möglich ist aber auch, dass der Begriff aus der Machart der Feldschlange selbst kommt, deren Rohr häufig mit einem korkenzieherförmigen Eisenband umschmiedet war (vgl. Schrumpfringe bei heutigen Kanonen).

Die mittleren Feldschlangen hießen auch Falken oder Falkaunen, die leichteren Falkonetts; speziell letztere dienten dem gezielten Schuss auf feindliche Offiziere oder Geschützbedienungen.[1] So verstarb Tilly infolge der Verwundung durch eine Falkonettkugel an Tetanus. Giovanni dalle Bande Nere kostete ein Falkonetttreffer zunächst ein Bein, die infizierte Wunde dann sein Leben, ebenso Marschall Guébriant. Götz von Berlichingen verlor seine rechte Hand durch eine Feldschlange.[2]

Kuriosum: Die Rohre ausgedienter Feldschlangen wurden gelegentlich an belebten Straßenecken zum Schutz der Hauskanten als Prellstein eingemauert (so beschrieben von Wilhelm Raabe in Die Chronik der Sperlingsgasse).

Literatur

  • Thomas Meyer: Bogen, Armbrust, Hakenbüchse. Entwicklung und Technik der Fernwaffen des Mittelalters. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-8676-8.
  • Erich Egg: Der Tiroler Geschützguss. 1400–1600 (= Tiroler Wirtschaftsstudien 9, ZDB-ID 527219-1 ). Wagner, Innsbruck 1961.

Weblinks

 Commons: Culverins  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf e.V. – Bewaffnung Artillerie
  2. Engelbert Hegaur (Hrsg.): Lebens-Beschreibung des Ritters Götz von Berlichingen zugenannt mit der eisern Hand. = Leben, Fehden und Handlungen des Ritters Götz von Berlichingen. Aufs neu zum Druck befördert, in unsre Schriftweis gesetzt und mit einem Index versehen. Nachdruck der Original-Ausgabe München, Langen, 1910. Melchior-Verlag, Wolfenbüttel 2006, ISBN 3-939102-91-1.

Kategorien: Waffe (Frühe Neuzeit) | Waffe (Mittelalter) | Vorderladergeschütz (historisch)

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