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Fürstentum Moldau


Dieser Artikel behandelt das Fürstentum Moldau im Osten des heutigen Rumänien. Zu weiteren historischen Regionen, die diesen Namen tragen, siehe Moldau.

Das Fürstentum Moldau (rumänisch Principatul Moldovei) war ein Staat in Südosteuropa, dessen Territorium sich heute in Rumänien, Moldawien und der Ukraine befindet. Sowohl Rumänien als auch Moldawien sehen sich als Nachfolgestaat dieses Fürstentums.

Geschichte

Um 1354 gründeten Siedler aus Maramuresch im heutigen Siebenbürgen (laut Tradition „der Fürst Dragoș und seine Leute“) das Fürstentum Moldau, zunächst als Vasallenstaat des Königreichs Ungarn. 1359 wurde das Land unter Fürst Bogdan I. von Ungarn unabhängig, geriet aber ab 1387 für mehr als ein Jahrhundert unter das nominelle Supremat des Königreichs Polen.

Die meiste Zeit danach reichten die Grenzen bis an den Dnister. Während der Regierungszeit Stephans des Großen (reg. 1457–1503) erlebte das Fürstentum einen kulturellen und politischen Höhepunkt. Stephan gelang es, sich gegen ungarische, polnische und osmanische Expansionsgelüste zu behaupten. Dennoch verlor er 1484, nach dem Fall der Festungen Kilija und Akkerman, den Süden seines Landes an die Osmanen, die das Gebiet später Budschak nannten. Dadurch verlor das Fürstentum Moldau die Landverbindung zum Schwarzen Meer und wurde ein Binnenstaat. Gegen Ende seiner Regierungszeit (1497/98) löste Stephan seine Verbindung zum Königreich Polen und regierte de facto bis zu seinem Tod als souveräner Fürst.

Ab etwa 1512 wurden die moldauischen Fürsten bei Erhaltung innerer Autonomie zur Vasallentreue (inkl. Heeresfolge) gegenüber der Hohen Pforte verpflichtet und hatten Tribute abzuführen. Nach dessen vermeintlichem Gründer nannte die türkische Administration das ihr tributpflichtige Fürstentum Boğdan. Unter Stephans Nachfolgern als Landesherren ging trotz nomineller Unterwerfung unter das Supremat des Sultans zu Konstantinopel 1538 Tighina mit Umland an das Osmanische Reich verloren, dem 1711 schließlich auch die Festung Hotin folgte, die ab da unter der direkten osmanischen Herrschaft stand.

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geriet das Gebiet des Fürstentums in die Interessenssphären von Russland und Österreich. 1774/1775 trat der Suzerän des Fürstentums, der osmanische Sultan, nördliche Teile des Fürstentums Moldau (die Bukowina mit Czernowitz und Suceava) an Österreich ab.

1812 trat der osmanische Sultan die Osthälfte des Fürstentums Moldau zusammen mit dem Budschak, der ab 1484 unter der direkten osmanischen Verwaltung gestanden hatte, an Russland ab. Das Gebiet erhielt von der russischen Verwaltung die Bezeichnung Bessarabien und wurde als Gouvernement organisiert. Etwa zwei Drittel dieses Gebiets gehören zum heutigen Staat Moldawien. In den Jahren 1856–1878 erhielt das Fürstentum Moldau bzw. Rumänien, bedingt durch Russlands Niederlage im Krimkrieg, das Gebiet Cahul, Bolgrad und Ismail im südlichen Budschak vorübergehend zurück.

1859 wurde das Restgebiet des Fürstentums Moldau, das heute ungefähr der rumänischen Region Moldau entspricht, mit dem Fürstentum Walachei zum modernen Staat Rumänien vereinigt. Die gemeinsame Hauptstadt der „Vereinigten Fürstentümer der Walachei und Moldau“ (rumänisch Principatele Unite ale Țării Românești și Moldovei) war bis 1861 Jassy. Am 24. Dezember 1861 proklamierte Fürst Alexandru Ioan Cuza offiziell den neuen Staat Rumänien mit der Hauptstadt Bukarest. Nach fast vier Jahrhunderten osmanischer „Schutzherrschaft“ erlangte Rumänien während des Berliner Kongresses 1878 die Anerkennung seiner staatlichen Souveränität vom Osmanischen Reich.

Abgrenzung

Das Fürstentum, nach dem Fluss Moldova benannt, wurde im Westen durch die Ostkarpaten von Siebenbürgen begrenzt. Im Süden grenzte es entlang der Flüsse Milcov und Sereth an die Walachei, entlang der Donau an die Norddobrudscha und an das Schwarze Meer. Im Nordwesten grenzte das Fürstentum an Galizien, im Norden und Osten an den Dnister.

Die jenseits des Dnister gelegenen Gebiete der einstigen Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik, im Zweiten Weltkrieg „Transnistria“ bzw. das heutige Transnistrien gehörten nicht zum Territorium des Fürstentums Moldau, standen aber oft unter dessen Einfluss. Viele moldauische Bojaren hatten Besitztümer jenseits des Dnister, und manche moldauische Fürsten besaßen auch in der Ukraine politische und kirchliche Macht (siehe Petro Mohyla).

Der moldauische Auerochse

Einer Legende nach, die von Dimitrie Cantemir um 1714 überliefert wird, wurde das Fürstentum Mitte des 14. Jahrhunderts von Dragoș gegründet, einem lokalen Fürsten aus Maramureș. Während einer Jagd habe er einen Auerochsen verfolgt und sei auf diese Weise weit nach Osten in einen unbekannten Landstrich an einen Fluss gekommen. Dragoș hetzte, so heißt es, seine Hunde auf den Ochsen. Beim Kampf gegen das riesige Tier unterlag sein Lieblingshund namens Molda und ertrank im Fluss. Zum Andenken an den Hund gab Dragoș dem Fluss dessen Namen. Den Kopf des Auerochsen machte Dragoș zum Wappen des Landes, das er an dieser Stelle, an der er vom Pferd gestiegen war, gründete. Zu der Erzählung gehört auch, dass der Fürst nur einen Menschen und ansonsten unbesiedeltes Gebiet vorgefunden habe, womit spätere rumänische Geschichtsschreiber den Besitzanspruch auf das neue Gebiet östlich der Karpaten rechtfertigten. Das Absteigen (rumänisch descălecarea) vom Pferd wurde wörtlich zum Inbegriff der Staatsgründung: Descălecatul Moldovei, „Die Gründung Moldawiens“. Tatsächlich war das Gebiet im 14. Jahrhundert nicht leer, sondern von einem Völkergemisch aus Ungarn, Tataren, Kiptschak und Walachen bewohnt.[1]

Der Auerochse (bour) ist seitdem das Wappensymbol des Fürstentums Moldau. Die Flagge des mittelalterlichen moldauischen Fürstentums war rot, in der Mitte lag der Kopf eines Auerochsen. Dieser Auerochse als Symbol für das Fürstentum Moldau wurde auch in die Wappen der Bukowina und Bessarabiens, die im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts vom Fürstentum abgetrennt worden waren, übernommen. Bis heute ist der moldauische Auerochse auf dem Staatswappen von Rumänien und der Republik Moldau zu sehen; auch manche Städte und Verwaltungseinheiten in diesen beiden Staaten tragen noch den Auerochsen auf ihren Wappen. In Rumänien tragen auch zwei Verwaltungseinheiten, die nicht dem historischen Fürstentum zugerechnet werden, den Auerochsen auf dem Wappen: Maramureș (wegen der oben genannten Legende) und der Kreis Bistrița-Năsăud (weil Teile davon im 16. Jahrhundert zum moldauischen Fürstentum gehört hatten).

Siehe auch

Literatur

  • Hugo Weczerka: Das mittelalterliche und frühneuzeitliche Deutschtum im Fürstentum Moldau von seinen Anfängen bis zu seinem Untergang 13.–17. Jahrhundert. 1955. Neuauflage in: Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission. Band 4, Verlag Oldenbourg, München 1960.

Einzelnachweise

  1. Charles King: The Moldovans. Romania, Russia, and the Politics of Culture. Hoover Institution Press, Stanford University, Stanford (CA) 2000, S. 13

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Fürstentum Moldau (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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