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Führerhauptquartier Wolfsschanze


Wolfsschanze (auch Wolfschanze) war der Tarnname für ein militärisches Lagezentrum des Führungsstabes der deutschen Wehrmacht und eines der Führerhauptquartiere während des Zweiten Weltkrieges in der Nähe von Rastenburg (heute Kętrzyn) beim Dorf Görlitz (Gierłoż) in Ostpreußen, im heutigen Polen.

Bunkersystem in Ostpreußen

Die Wolfsschanze war Teil eines Bunkersystems und von Quartieren, in denen Gefechtsstände für Stäbe der meisten deutschen Truppengattungen untergebracht waren. Im 20 km entfernten OKH Mauerwald (Mamerki) hatten von 1941 bis 1944 das Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres (OKH) und das Quartier des Heereshauptversorgungsdienstes ihren Sitz.[1] In der Nähe von Possessern (Pozezdrze) entstanden die verbunkerte Feldkommandostelle Hochwald für Heinrich Himmler, in Breitenheide (Szeroki Bor) das Göring-Quartier, in Goldap das Quartier und die Versuchsanstalt der Luftwaffe (Deckname Robinson), in Rosengarten (Radzieje) das Quartier des Reichskanzleichefs, in Nikolaiken die Abwehrzentrale, in Lötzen (Gizycko) in der Feste Boyen die Abwehrabteilung Fremde Heere Ost, die unter der Leitung von Reinhard Gehlen Informationen von den sowjetischen Gefangenen gewann. Außerdem hatte Außenminister Joachim von Ribbentrop im Schloss der Familie Lehndorff in Steinort (Sztynort) und am Schwenzaitsee (Jezioro Święcajty) Residenzen. Göring verfügte über ein Anwesen in der Rominter Heide, den Reichsjägerhof Rominten.

Name

Den Decknamen gab Adolf Hitler der Anlage selbst, angelehnt an das von ihm verwendete Pseudonym „Wolf“, das auf die Bedeutung seines Vornamens Adolf zurückzuführen ist und das er hauptsächlich in seiner privaten Korrespondenz der 1920er Jahre verwendet hatte.[2] Ein weiterer Tarnname des Führerhauptquartiers Ost war „Görlitz“.

Geschichte

Die Wolfsschanze wurde ab 1940 durch die Organisation Todt oberirdisch errichtet. Zum Schutz gegen Luftaufklärung lag sie in einem dichten Wald unter nichtbrennbaren Tarnnetzen und war mit einem tarnenden Mörtel versehen. Zahlreiche Flakstellungen sicherten gegen Luftangriffe.[3] Insgesamt wurden auf dem Gebiet zwischen 1940 und 1944 ca. 100 verschiedene Objekte und Gebäude errichtet. Die Baustelle hatte den Tarnnamen „Chemische Werke Askania“.[4] Seit 1941, mit Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion (Unternehmen Barbarossa), war die Wolfsschanze der Hauptaufenthaltsort von Hitler.

Die Anlage umfasste insgesamt ca. 40 Wohn-, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude sowie sieben massive und 40 leichte Stahlbetonbunker. Die Decken der Bunker waren sechs bis acht Meter dick. Die Anlage verfügte über einen Bahnanschluss und besaß einen eigenen Flugplatz. Sie war von einem 50 bis 150 Meter breiten Minengürtel und einem 10 km langen Stacheldrahtzaun umgeben. Es bestand ständige Funk- und Telefonverbindung nach Berlin und zu allen Frontabschnitten.[5]

Hitler befand sich im Bunker Nr. 13 der spartanisch ausgelegten Anlage, im streng gesicherten Sperrkreis 1. Dort hielten sich neben den Kommandeuren der Wehrmacht auch hochrangige Vertreter der NSDAP auf. Insgesamt existierten drei Sperrkreise, für die man jeweils Passierscheine benötigte. Im Sperrkreis 2 befanden sich die aus Holzbaracken bestehenden Unterkünfte des „Führer-Begleit-Bataillons“. Im Führerhauptquartier hielten sich insgesamt über 2100 Offiziere, Soldaten und Zivilpersonen dauerhaft auf.

Die Sicherung jedoch war nicht streng genug, um die Attentäter des 20. Juli abhalten zu können. Der Wachoffizier des inneren Sperrkreises hatte keine Befugnis zu Durchsuchungen. Die Tore waren lediglich aus Holz, die Zäune aus Maschendraht. Sofern Generäle passierten, wurde deren Begleitung ebenfalls nicht weitergehend kontrolliert. Die Überwachung des Führer-Begleit-Bataillons führten i. d. R. Mitglieder der SS-Division „Leibstandarte SS Adolf Hitler“ durch; im Verlauf des Krieges wurden hierfür zunehmend Kriegsversehrte dieser Einheit herangezogen.

Auf dem Gelände der Wolfsschanze verübte während einer Lagebesprechung Claus Schenk Graf von Stauffenberg das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler. Seit 20. Juni 1992 erinnert daran eine Gedenktafel in Form eines aufgeschlagenen Buches mit geborstenem Rücken. Am 20. November 1944 verließ Hitler endgültig die Wolfsschanze, als die Rote Armee nur noch wenige hundert Kilometer entfernt stand. Die Bunker übernahm danach der Stab der 4. Armee von General Friedrich Hoßbach.

Als am 24. Januar 1945 die Rote Armee anrückte, wurden alle Objekte von der zurückweichenden Wehrmacht gesprengt. Es wird angenommen, dass für die Sprengung einzelner Bunker bis zu 8 Tonnen Sprengstoff verwendet wurden. Von 1945 bis 1955 wurden hier ca. 54.000 Minen entschärft.[6]

Die Reste sind seit 1959 eine Touristenattraktion in Masuren, die jährlich zirka 200.000 Personen besuchen. Mit Modernisierungsmaßnahmen in Höhe von 1,6 Mio Euro durch einen Privatinvestor im Jahr 2012 sollte die Besucherzahl auf 240.000 gesteigert werden.[7]

An einer seriösen Präsentation des Bunkergeländes mangelt es. Über die Tatsache, dass die 57 ha der Wolfschanze als wichtiges Biotop nach der Richtlinie des Europarates (92/43/EWG) klassifiziert sind, wird nur am Rande informiert.[8]

Lageplan der Anlage

Die Nummerierung auf diesem Plan entspricht nicht der Nummerierung der Anlage, wie sie der Besucher heute vor Ort vorfindet.

Siehe auch

Literatur

  • Christel Focken: FHQ „Führerhauptquartiere“ Wolfsschanze (Masuren). Helios-Verlag, Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-84-7.
  • Alfons Schulz: Drei Jahre in der Nachrichtenzentrale des Führerhauptquartiers. Christiana, 2. Auflage. Stein am Rhein 1997, ISBN 3-7171-1028-4.
  • Uwe Neumärker, Robert Conrad, Cord Woywodt: „Wolfsschanze“. Hitlers Machtzentrale im Zweiten Weltkrieg. Ch. Links Verlag, 4. Auflage. Berlin 2007, ISBN 978-3-86153-433-4.
  • Martin Kaule: Wolfsschanze. »Führerhauptquartier« in Masuren. Ch. Links Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-86153-768-7.
  • Jan Zduniak, Agnieszka Zduniak: Wolfsschanze und Hitlers andere Kriegshauptquartiere in Wort und Bild. Kengraf, Kętrzyn 2006, ISBN 83-89119-18-8.
  • Jerzy Szynkowski: Wolfsschanze; Allgemeine Informationen, Das Attentat vom 20. Juli 1944, Fundiertes Bildmaterial, Erinnerungen von Zeitzeugen. ALGRAF s.c. Bischofsburg/Biskupiec.
  • Walter Frentz (hist. Farbfotos): Wolfsschanze, Lempertz, Königswinter 2011, ISBN 978-3-939284-06-2.

Weblinks

 Commons: Wolfsschanze  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 30 unzerstörte Bunker – Mauerwald – Hauptquartier des Oberkommandos des Heeres. In: mauerwald.com. Abgerufen am 13. April 2013.
  2. Im Führerhauptquartier (FHQ)
  3. Zduniak, J., Zduniak, A.: Wolfsschanze und Hitlers andere Kriegshauptquartiere in Wort und Bild, Wydawnictwo KENGRAF, Kętrzyn 2011, S. 14 f.
  4. Wolfsschanze bei Rastenburg
  5. Hinterlassenschaften – Die Wolfsschanze...
  6. Zerstörung der Wolfsschanze
  7. Reiseportal Masuren
  8. Thomas Klatt Das Grauen als Geschäft, S. 2 der Beilage zum General-Anzeiger Bonn, 17./18. Oktober 2015

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Führerhauptquartier Wolfsschanze (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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