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Fährhafen Sassnitz


Der Fährhafen Sassnitz ist ein deutscher Hafen, hauptsächlich für die Fährschifffahrt, an der Ostsee im Ortsteil Mukran der Stadt Sassnitz. Er liegt an der Prorer Wiek im Osten der Insel Rügen. Der Hafen wurde 1986 als Fährhafen Mukran für die Fährverbindung Mukran–Klaipėda in Betrieb genommen. Die Fährhafen Sassnitz GmbH agiert als Betreiber des Hafens seit Mai 2016 unter der Marke Mukran Port.[1]

Allgemeines

Von Sassnitz gibt es Fährlinien nach Schweden, Dänemark (Bornholm), Litauen und Russland. Mit einem Güterumschlag von etwa fünf Millionen Tonnen pro Jahr ist der Fährhafen Sassnitz der drittgrößte deutsche Ostseehafen.

Der Hafen wird von der Fährhafen Sassnitz GmbH mit Sitz in Neu Mukran betrieben.

Auf dem Gelände des Fährhafens Sassnitz wurde von 2013 bis Anfang 2015 für 9,8 Millionen Euro ein rund 23 Hektar großes Gewerbegebiet zur Neuansiedlung erschlossen. Dazu wurden auch Fördermittel der EU zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur in Höhe von 5,5 Mio. Euro genutzt.[2]

Eisenbahnfährhafen

Der Fährhafen Sassnitz ist der größte deutsche Eisenbahnfährhafen, außerdem verfügt er als einziger Hafen in Mitteleuropa über Gleisanlagen der russischen Breitspur. Zur Abfertigung der Eisenbahnfähren gibt es drei Anleger. Zwei davon sind doppelstöckig und in russischer Breitspur ausgeführt.

Bis 2014 wurden hier zwischen 60.000 und 70.000 Waggons pro Jahr mit den Eisenbahnfähren trajektiert, wobei der Hauptanteil von bzw. nach Schweden kam bzw. ging.

Andere Hafenanlagen

Insgesamt verfügt der Hafen über 16 Liegeplätze für Schiffe mit bis zu 365 Metern Länge und 9,5 Metern Tiefgang. Neben den Eisenbahnfähren können RoRo-Fähren, Stück- und Schüttgutschiffe sowie Kreuzfahrtschiffe abgefertigt werden. Im östlichen Teil des Hafens befindet sich eine Kaianlage direkt an einer Fischverarbeitungsanlage.

Für den Schwerlastumschlag insbesondere für die Offshore-Industrie wurde 2013/2014 für 24 Mio. Euro eine Fläche von sechs Hektar aufgeschüttet. Der hier befindliche Liegeplatz 3a wurde speziell für die Verladung von Schwergut und Windenergieanlagen für Offshore-Windparks angelegt, damit hier Errichterschiffe Ladung aufnehmen können.[3][4]

Eisenbahnanlagen

Das 340 Hektar große Areal hat direkten Anschluss an die Bahnstrecke Stralsund–Sassnitz. Es ist in einen Normalspurteil mit 48 Kilometern Gleislänge und einen Breitspurteil mit 24 Kilometern Gleislänge unterteilt. Hier besteht die Möglichkeit zum Umschlag von Eisenbahnwaggons mit der in Finnland, Russland und den baltischen Ländern verwendeten Breitspur mit 1520 Millimetern Spurweite. Das Breitspur-Areal bietet mehrere Optionen zum Umladen der Güter. Neben fünf Umladehallen, Krananlagen, einer Umpumpanlage für flüssige Güter, einer Gefahrgutrampe ist die Umspuranlage von Breit- auf Normalspur und umgekehrt die zentrale Schnittstelle. Hier werden die Güterwagen angehoben und die Drehgestelle gegen solche der jeweils anderen Spurbreite ausgetauscht. Für die Rangieraufgaben wird eine Breitspurvariante der DR-Baureihe V 60 mit SA-3-kompatiblen Mittelpufferkupplungen Bauart INTERMAT eingesetzt. Die Umlade- und Umachsanlagen sind direkt mit den beiden doppelstöckigen Breitspur-Fähranlegern verbunden. Die Fähranleger sind jeweils fünfgleisig, um die Be- und Entladezeit kurz zu halten.

Die Be- und Entladung der Schiffe erfolgt aus Stabilitätsgründen gleichzeitig und mit möglichst gleicher Waggonanzahl auf zwei Gleisen. Bei der Entladung werden zuerst auf dem Oberdeck die beiden mittleren Gleise, dann die beiden Außengleise und zuletzt das Mittelgleis abgezogen, anschließend geschieht dies auf dem Hauptdeck in gleicher Reihenfolge. Die Beladung erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.

Landseitige Verkehrsanbindung

Eisenbahnseitig besteht mit der Bahnstrecke Stralsund–Sassnitz der Anschluss über die Ziegelgrabenbrücke nach Stralsund und somit Verbindung über die Bahnstrecke Stralsund–Rostock nach Rostock und über die Berliner Nordbahn, oder die Bahnstrecke Angermünde-Stralsund und die Bahnstrecke Berlin-Stettin nach Berlin. Straßenseitig ist der Hafen an die B 96b (E 22) mit der B 96 (E 22 und E 251) über die Rügenbrücke mit Stralsund und über eine Kraftfahrstraße mit der A 20 verbunden.

Geschichte

Bereits 1963 gab es Planungen für eine Fährverbindung zwischen der DDR und der Sowjetunion. Startpunkt der Fähren auf DDR-Seite sollte der Hafen Mövenort an der Nordküste der Insel Rügen sein. Diese Planungen wurden verworfen; neue Planungen für den Bau einer Fährverbindung begannen im Jahr 1977. In den 1980er Jahren wurde der Fährhafen in Mukran als eines der letzten großen Verkehrsbauprojekte in der DDR gebaut. Es sollte insbesondere eine leistungsfähige Fährverbindung für den Güterverkehr mit dem damals zur Sowjetunion gehörenden litauischen Klaipėda (Memel) schaffen, um für den Transport von Gütern aus der DDR in die Sowjetunion den langwierigen und durch Transitgebühren kostspieligen Landweg zu umgehen, der zudem durch die damalige politische Lage in Polen unsicher geworden war. Am Hafenausbau waren auch zahlreiche Bausoldaten der NVA beteiligt.

Der Fährbetrieb auf der Verbindung von Mukran nach Klaipeda begann 1986 und wurde bis 1989 auf einen Liniendienst mit fünf Eisenbahnfähren ausgeweitet. Bis zum Ende der DDR war das Gelände gegenüber der Umgebung abgesperrt und nicht allgemein zugänglich. In den frühen 1990er Jahren wurde ein Großteil der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte über Mukran heimtransportiert. Ein im Jahr 2009 durch die Initiative Denk-MAL-Prora unter Denkmalschutz gestellter Wachturm erinnert an die ehemalige Grenzübergangsstelle.[5]

Nach 1990 bekam der bis dahin ausschließlich für den Güter- und Militärverkehr mit der Sowjetunion genutzte Hafen in Mukran zusätzliche Aufgaben. Wegen der Kapazitätsgrenzen im Sassnitzer Stadthafen wurde ab 1995 ein neues Fährterminal gebaut sowie an den vorhandenen Anlegern umfangreiche Umbau- und Erweiterungsarbeiten durchgeführt, um den damals zunehmenden Personenverkehr nach Skandinavien aufzunehmen. Nach zweijährigem Ausbau wurde am 7. Januar 1998 der größte deutsche Eisenbahnfährhafen an der Ostsee eröffnet. Seit diesem Tag verkehrt die Königslinie vom Hafen Mukran, der sich seitdem „Fährhafen Sassnitz“ nennt.

Ab 2001 betrieb die Reederei DFDS Seaways die Eisenbahnfährlinie nach Klaipėda in Litauen. Aufgrund des kontinuierlich zurückgegangenen Trajektverkehrs von Eisenbahnwaggons wurde diese jedoch in den letzten Jahren unwirtschaftlich und deswegen Ende September 2013 eingestellt.[6]

Anfang 2011 übernahm die Fährhafen Sassnitz GmbH insgesamt 22 Kilometer Breitspurgleise von DB Netz und hat die Hafenbahn Baltic Port Rail Mukran als Tochterunternehmen gegründet.[7] Der Umschlag der Eisenbahngüter (Stück- und Schwergut) im Breitspurverkehr wurde Anfang 2011 von der damaligen DB Schenker Rail (heute DB Cargo) durch die Hamburger Buss Group übernommen, die zu diesem Zweck das Tochterunternehmen Buss Rail Terminal Sassnitz GmbH gegründet hat, das zum Geschäftsfeld Buss Ports gehört.[8] Am 26. Juli 2013 hat DB Netz aus betriebswirtschaftlichen Gründen den etwa fünf Kilometer langen Streckenabschnitt vom Abzweig Borchtitz zum neuen Fährhafen Sassnitz sowie die gesamten normalspurigen Bahnhofsanlagen zur Übernahme durch andere Eisenbahninfrastrukturunternehmen ausgeschrieben.

Seit Juni 2012 gibt es eine regelmäßige Fährlinie zwischen Sassnitz und Ust-Luga (über Baltijsk), auf der auch Eisenbahnwagen russischer Breitspur trajektiert wurden. Diese Linie wurde im Juli 2014 um die Zielorte Klaipeda und Kopenhagen erweitert.

Seit Juni 2014 werden nur noch sporadisch Eisenbahnfahrzeuge von und nach Schweden trajektiert, da Stena Line diesen Verkehr nach Rostock verlagert hat.[9]

Linienverkehr

Vom Fährhafen Sassnitz aus bestehen folgende Linienverbindungen:[10]

Einzelnachweise

  1. Eckherd-Herbert Arndt: „Mukran Port“ als neue Marke. In: Täglicher Hafenbericht vom 3.Mai 2016
  2. Neues Gewerbegebiet für Sassnitz. Der Güterumschlag am Fährhafen hat sich innerhalb von 13 Jahren nahezu halbiert. In: Täglicher Hafenbericht vom 6. Februar 205, S. 3.
  3. Thomas Schwandt: Wind of Change im Fährhafen. Offshore-Windparks vor der vorpommerschen Küste bieten Sassnitz neue Perspektiven als Bau- und Servicehafen. In: NNN vom 10. Dezember 2014, S. 15
  4. Sassnitz setzt auf Offshore-Industrie · Der Standort an der Ostküste Rügens löst sich vom Fährgeschäft und wandelt sich zum Basis- und Servicehafen. In: Täglicher Hafenbericht vom 13. November 2015, Sonderbeilage Baltc Sea/Ostseehäfen, S. 5
  5. Chris-Marco Herold:Wachturm in Mukran wird Denkmal. Ostseezeitung, 31. Dezember 2009
  6. Marcel Brech: DFDS Seaways stellt Fährlinie zwischen Sassnitz und Klaipeda ein. 30. August 2013, abgerufen am 31. August 2013.
  7. Fährhafen Sassnitz erweitert seine Aktivitäten mit Hafenbahn. Schlotmann: Betrieb wird flexibler. Pressemeldung Nr. 99/11. Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung, 20. April 2011, abgerufen am 20. April 2011.
  8. Buss Ports investiert kräftig weiter in die Zukunft. In: Port of Hamburg Magazine. Nr. 2/11, S. 16, Hafen Hamburg Marketing e.V. Hamburg 2011
  9. Stena Line verlagert Eisenbahnverkehr von Sassnitz nach Rostock. In: svz.de. Zeitungsverlag Schwerin, 24. April 2014, abgerufen am 25. April 2014.
  10. Mukran Port: Liniendienste

Literatur

  • Wulf Krentzien: Die Sassnitzer Häfen und ihr Fährverkehr. Sutton-Verlag, Erfurt 2006, ISBN 3-86680-016-9.
  • Harm Sievers: Auf der Breitspur nach Osten. Positive Perspektiven für den Fährhafen Sassnitz/Mukran. In: Güterbahnen . Heft 1, 2009, ISSN 1610-5273 , S. 32–35
  • Wolfgang Klietz: Ostseefähren im Kalten Krieg. Ch. Links, Berlin 2012, ISBN 3-86153-673-0.

Weblinks

 Commons: Fährhafen Sassnitz  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Fährhafen Sassnitz (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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