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European Credit Transfer System


Das Europäische System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen[1], häufig nach seiner englischsprachigen Bezeichnung European Credit Transfer and Accumulation System abgekürzt zu ECTS, ist eine europaweite Einrichtung, die Hochschulbildung vergleichbar machen soll. Das ECTS kommt im Europäischen Hochschulraum zur Anwendung, dem sowohl die Länder der Europäischen Union als auch Nicht-EU-Länder angehören. Das europaweite System ist ein zentrales Instrument im Bologna-Prozess, der darauf abzielt, die nationalen Systeme besser aufeinander abzustimmen.[1]

Ursprünglich 1989 als Pilotprojekt im Rahmen des Erasmus-Programms entstanden[2], soll das ECTS heute sicherstellen, dass die Leistungen von Studenten an Hochschulen des europäischen Hochschulraumes vergleichbar und bei einem Wechsel von einer Hochschule zur anderen, auch grenzüberschreitend, anrechenbar sind. Dies ist möglich durch den Erwerb von Leistungspunkten (englisch credits), das sind Anrechnungseinheiten, die in der Hochschulausbildung durch Leistungsnachweise erworben werden. Diese Art der Bewertung von Leistungen an Hochschulen findet sich vorwiegend in den Bachelor- und Master-Studiengängen an Hochschulen.

Zwar wurde die Einführung des ECTS im Rahmen eines EU-Projektes seit 1989 in Europa erprobt, doch erst mit dem Bologna-Prozess ist es zu einem wirklich europäischen System geworden. In den USA und Kanada gibt es credits schon seit Jahren, allerdings werden sie auf andere Art und Weise genutzt. Mittlerweile sollen credits nicht nur zum Transfer von Studienleistungen genutzt werden, sondern auch zur Akkumulation. Daher heißt ECTS inzwischen auch European Credit Transfer and Accumulation System.

Neben dem Ziel, internationale Vergleichbarkeit herzustellen, soll das System auch Studienabbrechern ermöglichen, ihre Studienleistung im Bewerbungsprozess zu signalisieren: Der potentielle Arbeitgeber soll mehr Informationen über die Leistungsfähigkeit eines Studenten erhalten können. Aus der Perspektive der betrieblichen Einarbeitung kann ein Leistungsnachweis mit ECTS auf verkürzte Einarbeitungszeit schließen lassen. Dies soll unter dem Aspekt zu langer Studiendauern in Deutschland und hoher Kosten für den Aufbau von Humankapital ein Kriterium für Einstellungsentscheidungen sein.

Grundlagen des ECTS

Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich zum einen auf die sogenannten ECTS-Credits (auch Leistungspunkte (LP), Kreditpunkte (KP), ECTS-Punkte, Credit Points (CP) oder einfach Credits genannt), die nach dem für Europa einheitlichen ECTS-Standard („European Credit Transfer and Accumulation System“) vergeben werden, sowie den ECTS-Einstufungstabellen, die die Transparenz der Notengebung erhöhen sollen. Die 2004 eingeführten ECTS-Noten werden im aktuellen ECTS-Leitfaden ECTS Users' Guide von 2009 nicht mehr empfohlen.[3]

ECTS-Punkte

ECTS-Punkte (englisch ECTS Credit Points) sind Leistungspunkte, mit denen der Arbeitsaufwand „gemessen“ wird. Für ein erfolgreich absolviertes Modul vergibt die Hochschule Punkte auf Basis des ECTS-Punktesystems, die je nach Hochschule als Leistungspunkte (LP), Kreditpunkte (KP), Credit Points (CP) oder ECTS-Punkte[4] bezeichnet sein können und die der durchschnittlichen Arbeitslast des Studiums (workload) und der einzelnen Module Rechnung tragen sollen. Grundlage für die Vergabe von Leistungspunkten nach ECTS-Standard (ECTS credits) ist die Annahme eines in Stunden gemessenen durchschnittlich zu leistenden Arbeitsaufwandes für das Studium. Die Annahme ist ein Aufwand von 1500 bis 1800 Stunden pro akademischem Jahr, der sich in 60 LP ausdrückt. Ein ECTS-Leistungspunkt entspricht daher 25 bis 30 Arbeitsstunden, was von der Kultusministerkonferenz inzwischen auch für Deutschland übernommen wurde.[5]

Bislang konnte über die Semesterwochenstunden hinaus nicht berücksichtigt werden, wie viel Lern-, Vor- und Nachbereitungs-Aufwand durchschnittlich mit einer Veranstaltung verbunden ist. Dies wird durch das ECTS-Leistungspunktesystem möglich: Wird z. B. ein arbeitsintensives Seminar innerhalb eines Moduls besucht, das viel Textlektüre, Prüfungsvorbereitung und Hausarbeiten erfordert, so kann die aufzuwendende Arbeitslast nicht ausreichend durch die Präsenzzeit an der Universität dokumentiert werden. Eine Dokumentation ist aber durch die Zahl der erworbenen ECTS-Punkte gegeben, indem die Leistungspunkte für das gesamte Modul als die Summe des Aufwandes für die einzelnen Modulteile berechnet werden sollen. Folglich ist es möglich, dass Veranstaltungen mit gleicher Präsenzzeit unter Umständen unterschiedlich viele ECTS-Punkte zugewiesen sind. Mit diesem Verfahren soll die Anrechnung von im In- und Ausland erbrachten Studienleistungen wesentlich erleichtert werden.

Werden die Leistungspunkte nach dem ECTS vergeben, dann ist es der Regelfall, dass bei einem Nichtbestehen des Moduls für die Teilleistungen keine ECTS-Punkte angerechnet werden.

ECTS-Punkte werden auch im Rahmen der Berechnung der Durchschnittsnote herangezogen. So wird in den meisten Fällen die erreichte Note mit den ECTS-Punkten des jeweiligen Leistungsnachweises multipliziert, diese über alle Leistungen kumuliert und dann durch die Gesamtanzahl der ECTS-Punkte dividiert. Beachtet werden muss, dass je nach Prüfungsordnung manche Klausuren z. B. doppelt gewichtet werden. Ausgehend von der hohen Standardisierung der Berechnungsmethodik durch die Einführung des Bologna-Systems existieren kostenfreie Tools, die die Berechnung stark vereinfachen.

Einstufungstabellen/Grading tables

Um die europäischen Notensysteme transparenter zu gestalten, sollen gemäß aktuellem ECTS-Leitfaden (ECTS Users' Guide) ECTS-Einstufungstabellen Auskunft über die tatsächliche Prozentzahl der Studierenden pro „lokaler“ Note geben. Diese können z. B. auf den Leistungsübersichten (Transcript of Records) abgedruckt werden.

Folgende Verfahrensschritte zur Erstellung dieser statistischen Verteilungstabellen müssen dabei von den Hochschulen vollzogen werden: 1. Bestimmung einer Referenzgruppen (die Studierenden z. B. der gesamten Hochschule, des Fachbereichs oder Studiengangs) 2. Sammeln der Noten über einen Zeitraum 3. Berechnung der Notenverteilung in Prozentsätze 4. Einfügen der Einstufungstabellen in die entsprechenden Dokumente

Auf Basis dieser Einstufungstabellen ist eine faire Notenumrechnung möglich, indem die eigenen Prozentsätze mit denen anderer Hochschulen oder Institutionen verglichen werden.

Bislang verwenden jedoch nur sehr wenige Hochschulen ECTS-Einstufungstabellen.

Noten

Bis 2009 empfahl die EU-Kommission die Notenumrechnung mittels ECTS-Noten. Eine ECTS-Note ist keine absolute, sondern eine relative Note. ECTS-Noten unterscheiden sich grundsätzlich von traditionellen Schulnoten, indem sie eine Reihung der an einer Prüfung erfolgreich teilnehmenden Studierenden statt eine absolute Qualität der Leistung wiedergeben. Die ECTS-Bewertungsskala gliedert die Leistung der Studierenden nach statistischen Gesichtspunkten. Daher setzt die Anwendung des ECTS-Bewertungssystems statistische Daten über die Leistung der Studierenden voraus.[6]

Vorgehen: Zuerst werden die geprüften Studenten in zwei Gruppen unterteilt: Eine Gruppe, die bestanden hat, und eine Gruppe, die nicht bestanden hat. Dies geschieht aufgrund einer vorher festgelegten Mindestpunktzahl. Falls einem Studenten nur eine geringe Punktzahl zum Bestehen gefehlt hat, wird anstatt F die Note FX vergeben. Die Gruppe, die bestanden hat, wird anschließend aufgrund ihrer Punktzahl geordnet und verschiedenen Notengruppen zugewiesen, wobei A, die Bestnote, die besten 10 % der Studenten erhalten. Die nächsten 25 % besten Studenten erhalten B. Eine vollständige Aufstellung ist in der Tabelle enthalten.

Note Bestanden (%) Beschreibung
A 10 Die Benutzung von Wörtern wie „ausgezeichnet“ oder „gut“ wird nicht mehr empfohlen, weil sie für das prozent-basierte Bewertungssystem der ECTS-Skala nicht angebracht sind.
B 25
C 30
D 25
E 10
X bestanden Leistungen werden anerkannt.
FX nicht bestanden Es sind Verbesserungen erforderlich, bevor die Leistungen anerkannt werden können.
F nicht bestanden Es sind erhebliche Verbesserungen erforderlich.

Ein Vorteil des ECTS ist, dass es das in Deutschland verbreitete Problem der „Notenentwertung“ vermeidet.[7][8]

Ein Nachteil ist die Nichtvergleichbarkeit von Prüfungsleistungen an verschiedenen Orten oder zu verschiedenen Zeiten. Objektiv gute Leistungen können bei starker Konkurrenz abgewertet, objektiv schlechte bei schwacher Konkurrenz aufgewertet werden.

Die Erfahrungen, die zwischen 2004 und 2008 mit der 5-stufigen ECTS-Benotungsskala gesammelt wurden, zeigten, dass der oben beschriebene letzte Schritt, die Zuweisung auf die Notengruppen, zu anspruchsvoll und schwierig ist. Dies gilt insbesondere für nationale Benotungssysteme mit wenigen Bestehensstufen, die sich nur schwer an die vordefinierte Prozentsatzstruktur der ECTS-Skala anpassen lassen.

Um das Verfahren zu vereinfachen und dennoch nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren, die europäischen Benotungssysteme transparenter zu gestalten, wird im ECTS-Leitfaden von 2009 die Nutzung einer „ECTS-Einstufungstabelle“ vorgeschlagen, die sich auf die reine Notenverteilung konzentriert. Die Vergabe von ECTS-Noten wird nicht mehr empfohlen.

Umrechnungen

Kanada und USA

In Kanada und in den USA gibt es keine gesetzlich durchgängigen Bewertungssysteme, die die Vergleich- und Anrechenbarkeit von erworbenen credits sicherstellen. Diesbezüglich sind die Hochschulen autonom. Die Bedeutung der Studienleistung steht in Zusammenhang mit Hochschulrankings, beispielsweise das grenzüberschreitend weit verbreitete QS World University Ranking, das ist ein Bewertungssystem, das die Leistungen von Hochschulen, Studiengängen und damit die Fähigkeiten von Studierenden erhebt. Das System soll Hochschulen ermöglichen, Vergleichbarkeit und damit Anrechenbarkeit herzustellen. Es wird auch allgemein von Arbeitgebern genutzt, um einen erworbenen Hochschulabschluss und damit die Leistungsfähigkeit eines Studierenden bzw. Absolventen bewerten zu können.

Zusätzlich gibt es ein weitgehend vereinheitlichtes Kurssystem mit Nummerkreisen (course-codes), an denen der Schwierigkeitsgrad und damit auch der Arbeitsaufwand pro credit bemessen werden kann, z. B. gibt es 1000er bis 3000er Nummern für Bachelorkurse, 4000er bis 6000er für Masterkurse und 7000er und 8000er für PhD-Kurse. Welche Niveau-Anforderung pro Studiengang an das Kursangebot zu erfüllen ist, wird von der Hochschule autonom festgelegt. Niveau-Unterschiede können an der course-Nummer erkannt werden. Beispielsweise gibt es Bachelor-Studiengänge, die ausschließlich Kurse auf 1000er bis 3000er Niveau verlangen, und solche, bei denen viele Kurse auf 4000er-Master-Niveau belegt werden müssen. Ebenso gibt es Master-Studiengänge, die ausschließlich auf 4000er bzw. 5000er Niveau angeboten werden und andere, die Kurse und eine "very-high-research-quality"-Thesis auf 7000er-PhD-Niveau verlangen. Zwischenzeitlich vergeben vielen europäischen Universitäten pro kanadischem bzw. US-amerikanischem credit auch deshalb unterschiedlich viele ECTS-Leistungspunkte, weil diese auf Basis der course-Nummer bemessen werden.

Das Notensystem kann zwischen den kanadischen Provinzen bzw. den US-amerikanischen Bundesstaaten (geringfügig) variieren.

Kanada

Internationale Notenäquivalente
ECTS A B C D E FX F
CA A+/A
Excellent
A−/B+
Very Good
B-/C+
Good
B-/C
Passable
C-/D
Passable
F
Failure
F
Failure

USA

Internationale Notenäquivalente
ECTS A B C D E FX F
US A A−/B+ B C+ C F F

Deutschland

Im Juli 2000 hatte die Hochschulrektorenkonferenz noch empfohlen, die ECTS-Noten durch eine feste Umrechnungstabelle zu bestimmen, jedoch kurz darauf diese Empfehlung zurückgenommen und seitdem – wie auch die Kultusministerkonferenz – die relative Notengebung unterstützt.[9] Die Herleitung aus absoluten Noten widerspricht dem Grundgedanken der relativen Noten.

Notenumrechnungsverfahren absolut → relativ (Beispiele)
ECTS A B C D E FX F
Beispiel 1 1,0; 1,3 1,7; 2,0 2,3; 2,7 3,0; 3,3 3,7; 4,0 4,3; 4,7 5,0
Beispiel 2[10] 1,0–1,5 1,6–2,0 2,1–3,0 3,1–3,5 3,6–4,0 4,1–5,0
Beispiel 3[11] 1,0; 1,3 >1,7; 2,0 2,3; 2.7; 3,0 3,3 3,7; 4,0 >5,0
Beispiel 4[12] 1,0–1,2 1,3–1,5 1,6–2,5 2,6–3,5 3,6–4,0 4,1
Schulnoten 1; 1− 2+; 2 2−; 3+ 3; 3− 4+; 4 4−; 5+; 5 6

Modul

Ein Modul ist eine Lehreinheit bei Bachelor- und Master-Studiengängen, die fachlich sinnvoll aus einer oder mehreren Lehrveranstaltungen an einer Hochschule zusammengesetzt sein sollte. Ein Modul kann sich über ein oder mehrere Semester erstrecken. In der Regel sollte es möglich sein, Modul 2 auch besuchen zu können, wenn Modul 1 nicht besucht wurde. Dies soll den Austausch mit anderen Institutionen ermöglichen.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Europäisches System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS) , ec.europa.eu
  2. ECTS-Leitfaden , ec.europa.eu
  3. ECTS-Leitfaden , ec.europa.eu
  4. Leistungspunkte (ECTS-Punkte) , studieninfo-bw.de
  5. Rahmenvorgaben für die Einführung von Leistungspunktsystemen und die Modularisierung von Studiengängen (PDF; 46 kB) – Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.10.2003 i.d.F. vom 04.02.2010
  6. Europäisches System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (ECTS), Europäische Kommission
  7. Prüfungsnoten an Hochschulen 1996, 1998 und 2000 nach ausgewählten Studienbereichen und Studienfächern, Arbeitsbericht des Wissenschaftsrats, 2002 (PDF; 2,4 MB)
  8. Prüfungsnoten an Hochschulen 2005 nach ausgewählten Studienbereichen und Studienfächern, Arbeitsbericht des Wissenschaftsrats, 2007 (PDF; 2,5 MB)
  9. Hochschulrektorenkonferenz: [1]
  10. Beispielsweise Universität Göttingen, [2]
  11. Beispielsweise Technische Fachhochschule Berlin, PDF
  12. Beispielsweise LMU München, PDF

Kategorien: Leistung (Pädagogik) | Abschluss oder Zertifikat | Bildung und Forschung in der Europäischen Union

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/European Credit Transfer System (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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