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Erotische Literatur


Erotische Literatur (Erotikon, pl. Erotika) ist ein Teilgebiet der erotischen Kunst und umfasst literarische Texte mit erotischem Hintergrund, insbesondere wenn sie durch entsprechende Bilder illustriert sind.

Eine Abgrenzung des Begriffs „Erotik“ - und damit auch der erotischen Literatur - zu Sexualität und Liebe ist schwierig. So muss bei einer bildlichen Darstellung unterschieden werden, ob sie tatsächlich auf eine erotische Wirkung abzielt wie etwa eine nackte Frau in eindeutiger Körperhaltung, oder ob es sich - im Gegensatz dazu - um ein Bild handelt, das einem belehrenden Text zur illustrierenden Erklärung beigefügt ist. Zum Beispiel steht in der bildlichen Darstellung der biblischen Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva vor dem Sündenfall deren Nacktheit für die paradiesische Unschuld und hat nichts mit Erotik zu tun. Bereits klassische Schriftsteller und Dichter haben - wie Ovid in seiner Liebeskunst - belehrende Texte zur Sexualität und Erotik geschrieben, sich aber durch sprachliche und stilistische Mittel von der eindeutig pornographischen Literatur abgegrenzt.

Die Zuordnung von Texten und Abbildungen zur erotischen Literatur hat sich im Lauf der Zeit verändert und wird in den einzelnen Kulturkreisen unterschiedlich bewertet. Im weiteren Sinn zählen zur erotischen Literatur Handbücher vom Kama Sutra bis zu Joy of Sex sowie belletristische Gedichte, Geschichten und Romane mit überwiegend erotischem Inhalt.

Geschichte der erotischen Literatur

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20. Jahrhundert

In Großbritannien veröffentlichte D. H. Lawrence 1915 seinen Roman Der Regenbogen, dessen Thema die Unmöglichkeit war, die aus der erotischen Begegnung erwachsene Nähe und Intimität zweier Menschen auch über den Sex hinaus aufrechtzuerhalten. Die Frage, wie liebevolle menschliche Beziehungen in einer industrialisierten, durchrationalisierten Gesellschaft überhaupt existieren können, trieb ihn auch in seinem übrigen Werk um, zuletzt in dem Roman Lady Chatterley (1928). Sowohl in Der Regenbogen als auch in Lady Chatterley hatte Lawrence menschliche Erotik explizit und ausführlich dargestellt und war daraufhin jeweils in Konflikt mit der Zensurbehörde geraten.

In den Vereinigten Staaten erlebte in den 1970er Jahren der Bodice-Ripper-Roman eine Konjunktur, ein Subgenre von trivialen Liebesromanen, die Elemente des Abenteuerromans und des Geschichtsromans verwendeten, ihre Geschichten aber aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur erzählten. Im Mittelpunkt dieser Geschichten stand stets die „Eroberung“ der als unwiderstehlich, aber auch „unbezähmbar“ charakterisierten jungen Frau durch den draufgängerischen und schurkenhaften Mann, dem sie sich am Ende liebend ergibt. Bodice-Ripper-Romane enthielten regelmäßig explizite Beschreibungen sexueller Handlungen, die im Gesamtumfang der dickleibigen Bücher jedoch nur einen geringen Anteil ausmachten. Als die romantisierende Darstellung sexueller Gewalt von den feministisch mittlerweile sensibilisierten Leserinnen im Laufe der 1980er und 1990er Jahre als zunehmend befremdlich empfunden wurde, traten an die Stelle der Bodice Ripper neue Subgenres erotischer Liebesromane, die anstelle von „erzwungener Verführung“ (engl. forced seduction) nur noch einvernehmlichen Sex zeigten.

Die Bodice-Ripper-Romane der 1970er Jahre wurden in der Presse angesichts ihrer fast ausschließlich weiblichen Leserschaft als frühe Form eines Typus von „Mutti-Pornografie“ (engl. mommy porn) eingestuft, für den in den frühen 2010er Jahren E. L. James' Romanreihe Shades of Grey sprichwörtlich geworden ist.[1]

Erotische Literatur im Internet

Mitte der 1990er Jahre, mit der Nutzung des Internets aufkommend, begann eine Welle der Veröffentlichungen von sogenannten sex stories, meist in englischer Sprache im sogenannten Usenet. Zu prominenten englischsprachigen Autoren des Usenets gehören Mary Ann Mohanraj (die inzwischen ihre Werke in Buchform herausbringt), Dulcinea († 1997), Deirdre (156 Kurzgeschichten), Elf Sternberg („Journal Entries“, SF), Uther Pendragon (sein Hauptwerk sind die Geschichten über die Brennans), Al Steiner („Aftermath“), Selena Jardine (lesbische Erotik), Frank Downey („Dance of a Lifetime“, romantisch), Adrian Hunter (Bondage) und Nick Scipio (u.a. „Summer Camp“).

Siehe auch

Sekundärliteratur

Nachschlagewerke

  • Lexikon der erotischen Literatur. Autoren, Werke, Themen, Aspekte, hrsg. von Almut Oetjen, Loseblattausg. ab 1992, ISBN 3-89048-050-0
  • Encyclopedia of erotic literature, hrg. von Gaëtan Brulotte; John Phillips, New York, NY [u.a.]: Routledge, 2006
  • Hansjürgen Blinn (Hrsg.): Klassiker der erotischen Literatur, elektronische Ressource (CD-ROM), Kleine digitale Bibliothek Band 19, Directmedia Publishing Berlin 2007, ISBN 978-3-89853-319-5

Artikel in Nachschlagewerken

  • Artikel Erotische Literatur in: Harenbergs Lexikon der Weltliteratur, Band 2, 1989, ISBN 3-611-00091-4
  • Artikel Erotische Literatur in: Metzler Literatur Lexikon, 2. Aufl. 1990, ISBN 3-476-00668-9
  • Artikel Erotische Literatur in: Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur, 8. Aufl. 2001, ISBN 3-520-23108-5
  • Artikel Erotische Literatur in: Der Brockhaus: Literatur, 2. Aufl. 2004, ISBN 3-7653-0351-8

Geschichte

allgemein

  • John Atkins: Sex in literature, 4 Bände 1970–1982
  • Paul Englisch: Geschichte der erotischen Literatur, 1927, Reprint 1977, ISBN 3-921695-01-5
  • Carolin Fischer: Gärten der Lust. Eine Geschichte erregender Lektüren, Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, ISBN 3-476-01563-7, als TB: München: Dt. Taschenbuch-Verlag, 2000
  • Hiltrud Gnüg, Der erotische Roman. Von der Renaissance bis zur Gegenwart, Ditzingen: Reclam, 2002, ISBN 3-15-017634-4
  • Eberhard und Phyllis Kronhausen: Bücher aus dem Giftschrank. Eine Analyse der verbotenen und verfemten erotischen Literatur, 1969
  • Hermann Schreiber: Erotische Texte. Sexualpathologische Erscheinungen in der Literatur, 1969

Antike und Mittelalter

  • G. Leick: Sex and eroticism in Mesopotamian literature, 1994 (ISBN 0-415-06534-8)
  • S. Mulchandani: Erotic literature of ancient India. Kama Sutra, Koka Shastra, Gita Govindam, Ananga Ranga, 2006, ISBN 81-7436-384-X
  • Ali Ghandour: Lust und Gunst: Sex und Erotik bei den muslimischen Gelehrten, 2015, ISBN 978-3981755107

Neuzeit bis 1900

  • Jean Marie Goulemot: Gefährliche Bücher. Erotische Literatur, Pornographie, Leser und Zensur im 18. Jahrhundert (Originaltitel: Ces livres qu'on ne lit que d'une main, übersetzt von Andrea Springler), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1993, ISBN 3-499-55528-X.
  • Ian Frederick Moulton: Before pornography. Erotic writing in early modern, Oxford University Press, Oxford / New York, NY 2000, ISBN 0-19-513709-4 (englisch).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‘Mommy Porn’ Is On The Rise. In: The Huffington Post. 27. März 2013, abgerufen am 15. Juli 2016. Mommy Porn Goes Global. In: Toronto Life. 13. Dezember 2013, abgerufen am 15. Juli 2016.

Kategorien: Erotik | Erotische Literatur

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