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Ernst Lemmer


Ernst Lemmer (* 28. April 1898 in Remscheid; † 18. August 1970 in West-Berlin) war ein deutscher Politiker (DDP bzw. DStP, später CDU).

Er war von 1956 bis 1957 Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen, von 1957 bis 1962 Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen sowie von 1964 bis 1965 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte.

Leben

Lemmer, der evangelischen Glaubens war, besuchte das Realgymnasium in Remscheid, wo er 1914 auch das Abitur („Notabitur“) ablegte. Mit 16 Jahren trat er 1914 als Kriegsfreiwilliger in die Armee ein. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, wurde hoch dekoriert und schied als Leutnant aus. Nach dem Krieg studierte er Theologie, Geschichte und Nationalökonomie in Marburg und Frankfurt am Main. Anschließend war er von 1922 bis zur Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 Generalsekretär des Gewerkschaftsringes deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände, des Dachverbandes der liberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. 1933 wurde er aus dem Reichsverband Deutscher Presse ausgeschlossen. Danach war er bis 1945 Korrespondent verschiedener ausländischer Zeitungen in Berlin, unter anderem von 1938 bis 1944 Berichterstatter des Pester Lloyd in Budapest.

Des Weiteren war Lemmer als Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung tätig und reiste häufig zu Beratungen in die Schweiz. Daneben hatte er in Berlin regelmäßigen Kontakt mit dem Schweizer Militärattaché Burckhardt. In einem CIA-Report wird er zu den Hauptinformanten von Georges Blun gezählt und damit zu dem nachrichtendienstlichen Netz der Roten Drei.[1] Lemmer leitete Informationen über den Holocaust ins Ausland weiter.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lemmer zunächst dritter Vorsitzender des FDGB, bereits 1947 wurde er jedoch abgesetzt. Lemmer organisierte die Gemeindeverwaltung in Kleinmachnow nach Kriegsende.[3]

1949 verließ er die Sowjetische Besatzungszone auf Anraten des deutsch-amerikanischen Beamten Ulrich Biel, siedelte nach West-Berlin über und wurde dort Chefredakteur der Tageszeitung Der Kurier. Lemmer engagierte sich bei der Gründung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und wurde 1966 in deren erstes Kuratorium berufen. Von 1967 bis 1970 amtierte er als Evangelischer Vorsitzender der Berliner Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.[4] Am 28. April 1968 wurde er mit der Ernst-Reuter-Plakette ausgezeichnet.

Lemmer ist auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in einem Ehrengrab des Landes Berlin begraben. Nach ihm sind der Ernst-Lemmer-Ring in Berlin-Zehlendorf und Ernst-Lemmer-Straßen u. a. in Düsseldorf und Marburg benannt. Sein Neffe Gerd Ludwig Lemmer war Oberbürgermeister von Remscheid (1961–1963), nordrhein-westfälischer Minister für Bundesangelegenheiten (1962–1966) und Staatssekretär in verschiedenen Bundesministerien (1967–1969). Seine Tochter Ingeborg, eine Ärztin, war seit 1948 mit dem Fernsehjournalisten und ZDF-Moderator Gerhard Löwenthal (1922–2002) verheiratet, der das Dritte Reich als Jude im Berliner Untergrund überlebt hatte.

Partei

Seit 1919 war Ernst Lemmer aktiv bei den Jungdemokraten, dem Jugendverband der Deutschen Demokratischen Partei. Daneben war er einer der Gründer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold.

Als langjähriger Vorsitzender der Parteijugend gehörte er seit Anfang der zwanziger Jahre dem Parteivorstand der DDP an. Sein Eintreten für den umstrittenen Bau des Panzerschiffs A führte 1928 zu einer vor allem von Erich Lüth, einem entschiedenen Gegner der Aufrüstungspläne, initiierten Abwahlkampagne als Reichsführer der Jungdemokraten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Lemmer einer derer, die von der ehemaligen DDP den Weg zur CDU nahmen und nicht zu einer der liberalen Nachfolgeparteien, die schließlich in der FDP aufgingen. Er gehörte zu den Mitbegründern der CDU. Am 4. Januar 1946 wurde er von der Sowjetischen Militäradministration zum 2. Vorsitzenden der CDU in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bestimmt, nachdem die bisherigen Vorsitzenden Andreas Hermes und Walther Schreiber wegen Widerstandes gegen die Bodenreform abgesetzt worden waren. Im selben Jahr war er an der Errichtung des Unionhilfswerkes in Berlin beteiligt, dessen Hauptsitz in der Richard-Sorge-Straße als Ernst-Lemmer-Haus inzwischen nach ihm benannt ist. Am 20. Dezember 1947 wurden er und der 1. Vorsitzende Jakob Kaiser von der Sowjetischen Militäradministration wegen ihres Widerstands gegen die „Volkskongressbewegung“ abgesetzt. Gemeinsam mit Kaiser versuchte Lemmer von West-Berlin aus weiter in die ostdeutsche CDU zu wirken. Als dies immer weniger gelang, gründeten beide – gemeinsam mit anderen in Ostdeutschland entmachteten und geflohenen Christdemokraten – die Exil-CDU. Diese verstand sich als legaler Vorstand der CDU in der Sowjetischen Besatzungszone, auch wenn sie dort nicht anerkannt wurde. Auf dem Gründungsparteitag der Bundes-CDU 1950 in Goslar wurde die Exil-CDU als Interessenvertretung der ostdeutschen Christdemokraten anerkannt und einem Landesverband gleichgestellt.

Von 1950 bis 1956 war Lemmer stellvertretender Landesvorsitzender, anschließend bis 1961 Vorsitzender des Landesverbandes der CDU in Berlin. Von 1961 bis zu seinem Tode 1970 war Lemmer schließlich Vorsitzender der Exil-CDU.

Abgeordneter

Von Dezember 1924 bis November 1932 und März bis Juli 1933 war Lemmer Reichstagsabgeordneter. Am 23. März 1933 stimmte er zusammen mit den vier anderen Reichstagsabgeordneten der Deutschen Staatspartei (Hermann Dietrich, Theodor Heuss, Heinrich Landahl und Reinhold Maier) für das sogenannte Ermächtigungsgesetz.

Von 1946 bis 1949 gehörte Lemmer dem Brandenburgischen Landtag an, von 1950 bis zum 15. November 1969 dem Berliner Abgeordnetenhaus, wo er bis 1956 Vorsitzender der CDU-Fraktion war.

Dem Deutschen Bundestag gehörte Lemmer seit der Erhöhung der Zahl der Berliner Abgeordneten am 1. Februar 1952 bis zu seinem Tode an.

Am 16. November 1954 gab es den im Bundestag einmaligen Fall, dass zwei Fraktionskollegen gegeneinander um das Amt des Bundestagspräsidenten kandidierten: Lemmer trat, vorgeschlagen von dem FDP-Abgeordneten Hans Reif, gegen den „offiziellen“ CDU/CSU-Kandidaten Eugen Gerstenmaier an und verlor erst im dritten Wahlgang (Gerstenmaier: 204, Lemmer: 190, Enthaltungen: 15). Vom 12. Februar 1963 bis zum 19. Februar 1964 war er stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion.

Seit 1953 war Lemmer auch Delegierter zum Europarat.

Öffentliche Ämter

1945/46 war er Bürgermeister der brandenburgischen Gemeinde Kleinmachnow.

Vom 15. November 1956 bis 29. Oktober 1957 war er im zweiten Kabinett von Konrad Adenauer Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen, sodann vom 29. Oktober 1957 bis 11. Dezember 1962 Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen. Von 19. Februar 1964 bis 26. Oktober 1965 war er im ersten Kabinett von Ludwig Erhard Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte. Von 1966 bis 1969 amtierte Lemmer schließlich als Sonderbeauftragter des Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger für Berlin.

Veröffentlichungen

  • Berlin am Kreuzweg Europas, am Kreuzweg der Welt. Verlag Haupt & Puttkammer, Berlin 1957.
  • Der ungewollte Staat. Warum die Weimarer Republik scheiterte. In: Die politische Meinung, 12/1967, S. 46–53.
  • Manches war doch anders. Erinnerungen eines deutschen Demokraten. Heinrich Scheffler Verlag, Frankfurt am Main 1968, (Neuauflage bei Langen Müller, München 1996.)
  • Skat-Taktik. Erfahrungen und Gedanken eines passionierten Skatspielers. Ass-Verlag, Leinfelden bei Stuttgart 1969.

Literatur

Weblinks

 Commons: Ernst Lemmer  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. CIA-Report: The Rote Drei.
  2. Bernward Dörner: Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte. Berlin 2007, ISBN 978-3-549-07315-5, S. 280.
  3. CDU Kleinmachnow: Ansprache zur Feierstunde 60 Jahre CDU Kleinmachnow (PDF; 104 kB), 22. Juni 2005
  4. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e. V. Vorstandsmitglieder seit 1949. Abgerufen am 12. Juli 2014.

ISBN-13: 978-3938045961


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst Lemmer (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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