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Erich Lindstaedt


Erich Lindstaedt (* 5. November 1906 in Rixdorf; † 29. Februar 1952 in Hannover) war hauptamtlicher Funktionär der Arbeiterjugendbewegung in der Weimarer Republik, politischer Emigrant, 1. Bundesvorsitzender der SJD – Die Falken nach 1945 und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendringes.

Leben und Tätigkeit

Jugend und frühe Laufbahn

Lindstaedt wurde in Rixdorf bei Berlin (heute Berlin-Neukölln) geboren. Sein Vater starb früh, Lindstaedt musste schon als Jugendlicher finanziell selbstständig werden. Mit 14 Jahren trat er in eine kaufmännische Lehre ein. Er gründete eine Lehrlingsgruppe, die er in die organisierte Arbeiterjugendbewegung führte. Lindstaedt wurde Sekretär beim Hauptvorstand der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), zuständig für das Referat „Wandern“ (Vorsitzender war Erich Ollenhauer). Am 2. März 1930 wurde er zum Vorsitzenden der Berliner SAJ gewählt, verlor dieses Amt jedoch am 1. März 1931 in einer Kampfabstimmung gegen Erich Schmidt, den Vertreter der Linken, und ging dann als hauptamtlicher Sekretär zum Hamburger Arbeiterjugendbund.[1]

Emigration

Nach dem Verbot der KPD durch die Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 ging Lindstaedt in den politischen Untergrund, um als Teil der illegalen KPD gegen das sich etablierende NS-Regime zu arbeiten. Er wurde schließlich verhaftet und verbrachte einige Monate in Haft. Einer erneuten Haft entzog er sich durch Flucht in die Tschechoslowakei.

In der Tschechoslowakei war er unter dem Namen Erich Ernst im Sozialistischen Jugendverband der deutschen Minderheit in Karlsbad als Sektetär tätig. Außerdem arbeitete er bei der Zeitschrift Junges Volk als Redakteur mit. Nach Deutschland unterhielt er Kontakte durch die Zusammenarbeit mit dortigen illegalen Arbeiterjugendgruppen.

Nach dem Münchner Abkommen vom Herbst 1938 und der Besetzung von großen Teilen der Tschechoslowakei durch deutsche Truppen siedelte er nach Schweden über, wo er sich in Malmö niederließ. Dort lebte er als Hilfsarbeiter und Aushilfskraft in einer Konditorei von Gelegenheitsarbeiten. Er nahm Verbindungen zum schwedischen Sozialistischen Jugendverband auf und bemühte sich um Kontakt zur Untergrundtätigkeit in Deutschland. [2] Er war Mitglied der SoPaDe und der Gewerkschaftsgruppe.[3]

Von den deutschen Polizeiorganen wurde er derweil als Staatsfeind eingestuft: Das Reichssicherheitshauptamt - das ihn irrtümlich in Großbritannien vermutete - setzte ihn im Frühjahr 1940 auf die Sonderfahndungsliste G.B., ein Verzeichnis von Personen, die im Falle einer erfolgreichen Invasion und Besetzung der britischen Insel durch die Wehrmacht von Sonderkommandos der SS, die den Besatzungstruppen nachfolgen sollten, mit besonderer Priorität ausfindig gemacht und verhaftet werden sollten.[4]

Wirken nach 1945

Auf die Bitte seines Freundes Erich Ollenhauer kehrte er nach Deutschland zurück. Im Mai 1946 übernahm er die Leitung des Zentralsekretariates der neuen sozialdemokratischen Jugendbewegung in Hannover. In den Folgejahren vermittelte er die Unterstützung des Neuaufbaus der Sozialistischen Jugend in Deutschland durch den Schwedischen Sozialistischen Jugendverband SSU und ebnete ihr den Weg zur Aufnahme in die Sozialistische Jugendinternationale IUSY. Die Sozialistische Jugendbewegung Deutschlands - Die Falken war die Fortsetzung der Weimarer Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde und der SAJ. Lindstaedt und der frühere Kinderfreunde-Funktionär Hans Weinberger aus München wurden auf der 1. Verbandskonferenz an 7./8 April 1947 in Bad Homburg zu gleichberechtigten Vorsitzenden des Verbandes gewählt. Wie Erich Lindstaedt stolz anmerkte, waren die Falken die erste der neugegründeten oder wiedererstandenen Jugendbewegungen, die sich in demokratischen Wahlen durch Delegierte, die die Mitglieder repräsentierten, einen Gesamtvorstand wählte. Konzeptionell setzte sich Lindstaedt als Vertreter der jugendpolitisch geprägten früheren SAJ gegen den jugendbewegten Weinberger durch. Lindstaedt betrachtete neben der pädagogischen Arbeit in Kinder- und Jugendgruppen und den großen Sommerzeltlagern die Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen im vorparlamentarischen Raum als ein zentrales Arbeitsfeld seines Verbandes. Weinberger schwebte dagegen eine politikferne sozialistische Erziehungsorganisation vor. Auch hinsichtlich des Aufbaus der Organisation setzte sich Lindstaedt gegen Weinberger durch, der von Bayern aus eine dezentrale Organisation mit starken Landesverbänden anstrebte. [5] Auf der Zentralkonferenz der Falken in Herne 1948 wurde Lindstaedt zum alleinigen 1. Vorsitzenden gewählt.[6]

Bereits im Vorfeld und dann bei der Gründung des Bundesjugendringes (BDJR) war er aktiv beteiligt. Als dieser sich im Oktober 1949 auf seiner Gründungsversammlung in Altenberg eine parteipolitisch ausgewogene Führung gab, wurde Josef Rommerskirchen vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) 1. Vorsitzender und Lindtstaedt sein Stellvertreter.[7] Diesen Posten behielt er bis zu seinem frühen Tode 1952 inne.[8]

Während des Arbeiterjugendtages in Hamburg 1951 musste er unerwartet in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Bereits ein gutes halbes Jahr später starb er im Josephstift in Hannover Linden. Er liegt in Hannover-Ricklingen begraben. Kurz nach seinem Tod zog der Bundesvorstand der Falken nach Bonn; neuer Bundesvorsitzender wurde der aus Berlin stammende Heinz Westphal, der politisch die Linie Lindstaedts fortsetzte. Die Landeshauptstadt Hannover hat den Erich-Lindstaedt-Hof in Hannover-Wettbergen nach ihm benannt, im Herbst 2012 wird der Rat der Stadt über die Widmung des Grabes als städtisches Ehrengrab entscheiden.

Schriften

  • Mit Hordentopf und Rucksack. Verlag Schaffende Jugend, Bonn 1951
  • Mit uns zieht die neue Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Arbeiterjugendbewegung. Verlag Schaffende Jugend, Bonn 1954

Einzelnachweise

  1. 1904 – 1954 50 Jahre Arbeiterjugendbewegung. Verlag Schaffende Jugend, Bonn [1954], S. 59. – SJD-Die Falken, Bundesvorstand, Arbeitsblätter, Erich Lindstaedt zum 10. Todestag.
  2. Gröschel, Roland: Zwischen Tradition und Neubeginn, Hamburg 1986, S. 238 f. – SJD-Die Falken, Bundesvorstand, Arbeitsblätter, Erich Lindstaedt zum 10. Todestag.
  3. Falkonpedia: Erich Lindstaedt Falconpedia-Artikel über Erich Lindstaedt
  4. Eintrag zu Lindstaedt auf der Sonderfahndungslsite G.B. (Wiedergabe auf der Website des Imperial War Museums in London).
  5. Schweigmann-Greve, Kay: Zwischen Arbeiterjugendbewegung, britischer Reeducation und moderner Jugendverbandsarbeit: Sozialdemokratische Jugendarbeit in den Nachkriegsjahren in Hannover. Hannoversche Geschichtsblätter
  6. Vorwärts Trotz Alledem. Die Falken Sozialistische Jugendbewegung Deutschlands, Bericht über die 2. Zentrale Jahreskonferenz vom 6. bis 9. Mai 1948 in Herne/Westfalen, S. 69
  7. Deutscher Bundesjugendring (Hrsg.): Gesellschaftliches Engagement und politische Interessenvertretung – Jugendverbände in der Verantwortung. 50 Jahre Deutscher Bundesjugendring, Berlin 2003, S. 231
  8. Deutscher Bundesjugendring (Hrsg.): Gesellschaftliches Engagement und politische Interessenvertretung – Jugendverbände in der Verantwortung. 50 Jahre Deutscher Bundesjugendring, Berlin 2003, S. 428


Kategorien: Gestorben 1952 | Geboren 1906 | Deutscher | Mann | Verbandsfunktionär

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Erich Lindstaedt (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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