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Erich Klabunde


Erich Klabunde (* 20. Februar 1907 in Hamburg; † 21. November 1950 in Bad Pyrmont) war ein deutscher Journalist und Politiker der SPD, der die Gründung des Nordwestdeutschen Rundfunks und die Grundlegung eines sozialen Wohnungsbaus im Nachkriegsdeutschland vorantrieb.

Biografie

Familie, Ausbildung und Beruf

Klabunde wuchs in Berlin als Sohn eines Buchdruckers auf[1] und schloss 1926 eine Banklehre ab. Anschließend studierte er an der Universität Hamburg bis 1930 ohne Abschluss „quer durch die Fächer“,[2] unter anderem Zeitungswissenschaften. Seine „große Leidenschaft“[1] wurde der Journalismus; von 1927 bis 1933 war er durch Vermittlung von Alexander Zinn[3] beim Hamburger Anzeiger zuerst als Volontär und dann als Redakteur beschäftigt.

Seit 1926 Mitglied der SPD und des Sozialistischen Studentenschaft, wurde er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus politischen Gründen entlassen und erhielt ein Beschäftigungsverbot für ein Jahr. Klabunde heiratete in dieser Zeit (November 1934) die Rechtsanwältin Clara Genter.[1] Er arbeitete fortan als Wirtschaftsprüfer in Pinneberg[2] und wurde 1935 als Nachfolger Erich Lüths Geschäftsführer des in Hamburg ansässigen Verbandes Deutscher Nähmaschinenhändler.[1] Ab 1939 arbeitete er für Institutionen der Wohnungsbaupolitik und veröffentlichte in der Fachpresse Überlegungen, wie sozialer Wohnungsbau zu finanzieren sei.[4] Im Zweiten Weltkrieg wurde er zum Dienst in der Organisation Todt verpflichtet. Sein Biograph Holger Martens schreibt, Klabunde „soll“ darin „den Rang eines Offiziers“ innegehabt haben.[1]

In Verbänden und Politik

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs knüpfte er Verbindungen zu befreundeten Journalisten. Er gründete mit ihnen 1945[5] den Berufsverband Hamburger Journalisten und stand diesem seitdem vor, ebenso ab 1946 dem Verband norddeutscher Journalisten.[1] Nachdem er den ersten Deutschen Journalistentag organisiert hatte, wurde er im Dezember 1949 in Berlin zum ersten Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes gewählt.[6] Über seine tagespolitische Verbandsarbeit urteilte Josef Müller-Marein in der Zeit, Klabunde sei „nicht nur kein Journalist, sondern mehr geneigt …, seiner Partei, nämlich der SPD, als den Interessen der Presse zu dienen“.[7] Klabunde wirkte außerdem beim Aufbau des Nordwestdeutschen Rundfunks NWDR im dortigen Hauptausschuss (heute Rundfunkrat) mit.

Klabunde setzte in der Nachkriegszeit seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmer fort.[1] Bereits im August 1945 referierte er vor einem SPD-Arbeitskreis seine weitreichenden Vorstellungen einer flächendeckenden Förderung für den Wohnungsbau, die in der damaligen Situation als nicht realisierbar angesehen wurden, jedoch die Grundlage für sein weiteres politisches Engagement bildeten.[8] Er wurde von den Britischen Besatzungsbehörden 1947 als Fachmann für gemeinnützigen Wohnungsbau in den Zonenbeirat geholt. Zudem wurde er Geschäftsführer des Gesamtverbandes Gemeinnütziger Wohnungsunternehmen für die britische Besatzungszone und rief als dessen Publikationsorgan die Fachzeitschrift Gemeinnütziges Wohnungswesen ins Leben.[1] Im März 1949 erreichte er den Zusammenschluss der Wohnungsverbände der drei westlichen Besatzungszonen mit 2000 Unternehmen und 700.000 Wohnungen, dessen Vorsitz er wiederum übernahm.[9] 1946 wandte sich Klabunde gegen die seiner Wahrnehmung nach um sich greifende Wirtschaftsbürokratie, die er gegen die Wirtschaftsfreiheit hielt;[10] er kombinierte dabei den sozialistischen Grundwert der Freiheit mit derjenigen des Unternehmers wie auch des Arbeitnehmers zur wirkungsvollen Forderung nach größerem Handlungsspielraum in der Wirtschaft.[11]

Ab 1946 war Klabunde Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, wo er zum Fraktionsvorsitzenden der SPD gewählt und Teil der politischen Prominenz wurde; so verkehrte er mit dem späteren Bundesbankchef Karl Klasen und dem späteren Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller.[12] Bei der Bundestagswahl 1949 wurde er über die Hamburger Landesliste der SPD in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1950 angehörte. Als Mitglied des Ausschusses für das Wohnungswesen war er maßgeblich am Zustandekommen des Ersten Wohnungsbaugesetzes vom 24. April 1950 beteiligt, „seinem großen Coup“,[3] das dem sozialen Wohnungsbau in der Bundesrepublik eine tragfähige Grundlage verschaffte.[13] Obwohl er Oppositionsabgeordneter war, gelang es ihm, seine Eckpunkte im Gesetz zu verankern und einen fast einstimmigen Bundestagsbeschluss herbeizuführen; der „Höhepunkt seines Lebens“, wie Marina Friedt befindet.[2]

Tod und Würdigungen

Nach einem Schlaganfall bei einer Sitzung des NWDR-Hauptausschusses am 18. November 1950[14] starb er kurz darauf mit 43 Jahren.[15] Der als Nachwuchstalent geltende, führungsbereite und rhetorisch begabte[1] Klabunde wurde von Adolf Grimme gewürdigt als „gefürchtete[r] Souverän schlagfertiger Dialektik, immer sprungbereit zum geistigen Turnier“.[16] Er lieferte sich mit Hamburger Journalisten wie auch mit Personen aus dem eigenen Lager harte Gefechte. Der streitbare Kämpfer setzte als „einer der Begründer des sozialen Wohnungsbaus“ Akzente,[3] was „nicht nur soziales Engagement“ gewesen sei, „sondern zugleich eine Systemfrage“, da sie für ihn mit der Verankerung demokratischer Werte zusammenhing.[17]

Nach ihm ist eine große Zahl von Straßen in ganz Westdeutschland benannt worden,[17] unter anderen der Klabundeweg in Hamburg-Bergstedt, Soltau und Lünen, die Erich-Klabunde-Straße in Bremen-Steintor und im Kasseler Stadtteil Auefeld sowie der Erich-Klabunde-Hof in Hannover. Außerdem zeichnet die Berufsvereinigung Hamburger Journalisten seit 1957 (und seit 1996 jedes Jahr) eine sozialkritische journalistische Arbeit mit dem Erich-Klabunde-Preis aus, die einen Bezug zu Hamburg hat.[2]

Werke

  • (mit Julius Brecht) Wohnungswirtschaft in unserer Zeit. Hrsg. vom Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen anläßlich seines 50jährigen Bestehens und des Inkrafttretens des ersten Bundes-Wohnungsbaugesetzes. Hammonia, Hamburg 1950.

Literatur

  • Karl Schiller: Erich Klabunde zum Gedächtnis. In: Neues Hamburg. Zeugnisse vom Wiederaufbau der Hansestadt. Ullstein, Berlin 1951, S. 64 f.
  • Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Bd. 1. Dietz Nachf., Hannover 1960, S. 161–162.
  • Erich Lüth: Erich Klabunde. Journalist und Politiker der ersten Stunde. Kayser, Hamburg 1971.
  • Holger Martens: Erich Klabunde 1907–1950. Hrsg. von der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Hamburg 2000.
  • Klabunde, Erich. In: Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002. Band 1, A–M, Saur, München 2002, ISBN 3-598-23781-2, S. 421.
  • Holger Martens: Klabunde, Erich. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Personenlexikon. Bd. 2, Christians, Hamburg 2003, ISBN 978-3-8353-0099-6, S. 216 f.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Holger Martens: Klabunde, Erich. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Personenlexikon. Bd. 2, Christians, Hamburg 2003, ISBN 978-3-8353-0099-6, S. 216 f.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Marina Friedt: Erich-Klabunde-Preis. In: DJV-Hamburg.de.
  3. 3,0 3,1 3,2 Erich Klabunde. In: Hamburger Persönlichkeiten.
  4. Laut Erich Lüths Biographie „Erich Klabunde – Journalist und Politiker der ersten Stunde“ arbeitete Klabunde sowohl durch Vermittlung seines Freundes Julius Brecht im Wohnungsbauministerium als auch für den Verband norddeutscher Wohnungsunternehmer.
  5. Klabunde, Erich. In: Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002. Band 1: A–M. Saur, München 2002, S. 421.
  6. Bundesbrüder. In: Der Spiegel vom 15. Dezember 1949.
  7. Jan Molitor (Pseudonym): Unsere Parlamentarier und die Öffentlichkeit. In: Die Zeit, 5. Oktober 1950.
  8. Holger Martens: Erich Klabunde und das Erste Wohnungsbaugesetz von 1950. In: Heinrich-Kaufmann-Stiftung (Hrsg.): Miteinander geht es besser. Beiträge zur 1. Tagung zur Genossenschaftsgeschichte (2006). Books on Demand, Norderstedt 2011, S. 73–79, hier S. 74 f .
  9. Holger Martens: Erich Klabunde und das Erste Wohnungsbaugesetz von 1950. In: Heinrich-Kaufmann-Stiftung (Hrsg.): Miteinander geht es besser. Beiträge zur 1. Tagung zur Genossenschaftsgeschichte (2006). Books on Demand, Norderstedt 2011, S. 73–79, hier S. 75 .
  10. Erich Klabunde: Wirtschaftsfreiheit – Wirtschaftsbürokratie. In: Die Zeit, 26. September 1946; siehe die Replik von Richard Tüngel: Ein „Unpolitischer“ erwidert. In: Die Zeit, 13. März 1947.
  11. Dieter Felbick: Schlagwörter der Nachkriegszeit, 1945–1949. De Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-017643-2, S. 156 .
  12. Rudolf Herlt: Schiller und Klasen. Wie eine Freundschaft zerbrach. Scheidung nach Paragraph 23. In: Die Zeit, 7. Juli 1972.
  13. Holger Martens: Erich Klabunde und das Erste Wohnungsbaugesetz von 1950. In: Heinrich-Kaufmann-Stiftung (Hrsg.): Miteinander geht es besser. Beiträge zur 1. Tagung zur Genossenschaftsgeschichte (2006). Books on Demand, Norderstedt 2011, S. 73–79.
  14. Klabunde schwer erkrankt. In: Hamburger Abendblatt vom 20. November 1950.
  15. Die Woche. In: Die Zeit vom 30. November 1950.
  16. Zitiert nach Erich Lüth: Erich Klabunde. Journalist und Politiker der ersten Stunde. Kayser, Hamburg 1971, S. 79.
  17. 17,0 17,1 Holger Martens: Erich Klabunde und das Erste Wohnungsbaugesetz von 1950. In: Heinrich-Kaufmann-Stiftung (Hrsg.): Miteinander geht es besser. Beiträge zur 1. Tagung zur Genossenschaftsgeschichte (2006). Books on Demand, Norderstedt 2011, S. 73–79, hier S. 79 .


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Erich Klabunde (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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