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Erdschein


Weg von Sonnenlicht über Erdlicht zu aschgrauem Mondlicht

Erdschein oder Erdlicht nennt man Sonnenlicht, das von der Erde reflektiert und so auch auf von der Sonne unbeleuchtete Flächen des Mondes geworfen wird. Dadurch wird dessen uns zugewandte dunkle Seite matt beleuchtet und Licht, das durch eine weitere Reflexion an der Mondoberfläche als aschgraues Mondlicht wieder die Erde erreicht, kann uns bei günstigen Beobachtungsbedingungen auch mit bloßem Auge die Nachtseite des Mondes aschfahl schimmernd erkennen lassen.

Am besten ist der Widerschein des Erdlichts bei sehr schmaler Mondsichel wenig vor oder nach Neumond sichtbar, sofern die blendende Sonne in gewissem Winkel unter dem Horizont steht. Aus der Zeit vor der richtigen Deutung dieser Erscheinung stammt die poetische Umschreibung der alte Mond in den Armen des neuen.

Details

Bei Neumond steht der Mond zwischen Erde und Sonne, so dass man von der Erde her auf die Nachtseite des Mondes blicken könnte. Doch steht ein Beobachter auf der Erde dann im Licht des Tages. So kann durch die von gestreutem Sonnenlicht erleuchtete Atmosphäre ein Neumond – die Nachtseite ohne Mondsichel – von der Erdoberfläche aus nicht wahrgenommen werden, wenn sich nicht eine Sonnenfinsternis ereignet.

Ein Beobachter auf dem Mond könnte zu dieser Zeit auf die beleuchtete Seite der Erde blicken: Die Erde stünde für ihn als „Vollerde“ am schwarzen Mondhimmel und schiene dort wegen ihres sehr viel größeren Durchmessers und des außerdem infolge Wolken, Schneedecken und heller Wüsten etwa dreimal höheren Rückstrahlungsvermögens ungefähr fünfzigmal heller als der Vollmond von der Erde aus gesehen. Wenn man bedenkt, dass Mondlicht hell genug sein kann, um auf der Erde deutliche Schatten zu erzeugen, mag man ahnen, wie stark der Schein der Vollerde als Erdlicht die Mondlandschaft ausleuchtet. Mit einem einfachen Fernglas sind von der Erde aus sogar Einzelheiten auf der Nachtseite der Mondoberfläche im fahlen Schimmer aschgrauen Mondlichts zu erkennen.

Zur quantitativen Messung des aschgrauen Mondlichts entwickelte der französische Astronom André Danjon eine praktische Methode in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unterschiede im Widerschein von Erdlicht erlauben Rückschlüsse auf Veränderungen der Erdalbedo, wie sie vornehmlich durch wechselnde Bewölkungsverhältnisse und Schneebedeckungen entstehen.

Die korrekte Deutung des aschgrauen Mondlichts wird häufig Leonardo da Vincis – etwa zwischen 1506 und 1510 entstandenen und im Codex Leicester vorliegenden – Aufzeichnungen zugeschrieben, mitunter auch Michael Mästlin (1550–1631). Andere Beobachter hatten die Ansicht vertreten, dass der Mond selbst etwas Licht ausstrahle, oder sie meinten, er sei ähnlich wie Wasser lichtdurchlässig und leuchte im Sonnenlicht auf.

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Kategorien: Beobachtende Astronomie | Erdmond

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