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Enzweihingen


Enzweihingen
Höhe: 208 m
Einwohner: 3895 (Aug. 2014)
Eingemeindung: 1. Januar 1971
Postleitzahl: 71665
Vorwahl: 07042

Enzweihingen, im Mittelalter Wihingen genannt, ist seit 1971 Teilort der Großen Kreisstadt Vaihingen an der Enz im baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg.

Geographie

Lage

Enzweihingen liegt rund drei Kilometer östlich der Kernstadt von Vaihingen zwischen Strohgäu und Heckengäu, am Zusammenfluss von Kreuzbach, Strudelbach und Enz auf 200 bis 300 m Höhe. Zum Dorf gehören die Weiler Leinfelder Hof und Pulverdingen. Die benachbarten Siedlungen sind (von Nordosten im Uhrzeigersinn) Leinfelder Hof, Oberriexingen, Unterriexingen, Pulverdingen, Schönbühlhof (Markgröningen), Hochdorf, Riet, Aurich und Vaihingen an der Enz.

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Enzweihingen mit Bahnbrücke (von Südwesten)

Verkehr und Infrastruktur

Die stark befahrene Bundesstraße 10 Stuttgart–Pforzheim durchschneidet Enzweihingen. Im Osten quert die aus dem Vaihinger Marksteintunnel kommende Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart die Enz auf der 1044 m langen Enztalbrücke und verschwindet bei der ehemaligen Burg Dauseck wieder im Pulverdinger Tunnel.

Bahnanschluss gekappt

Die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) hat den Personenzugverkehr auf der 1904 eröffneten Vaihinger Stadtbahn von Kleinglattbach über den Vaihinger Stadtbahnhof bis Enzweihingen 1991 eingestellt. Seit 2004 fahren auch keine Güterzüge mehr.

Durchgangsverkehr

Die Trassenführung der B 10 durch den Ort sorgt für eine hohe Belastung der Anwohner. Seit den 1970er Jahren werden Alternativen projektiert und geplant. Derzeit thematisiert wird eine von Bund, Land und Stadt bevorzugte Tunnellösung unter dem jetzigen Verlauf der B 10, sowie zwei von einer Bürgerinitiative favorisierte Varianten einer Umfahrung durch das am nördlichen Ortsrand gelegene Industriegebiet. Da davon aber auch Teile der Enzauen betroffen wären, bestehen naturschutzbedingte Hürden.

Bildung

Enzweihingen hat eine Grund- und Werkrealschule.

Geschichte

Ortsadel

Im Mittelalter unterstand Enzweihingen dem Ministerialengeschlecht „von Wihingen“.[1] Dieser von 1152 bis 1524 bezeugte Ortsadel[2] stand im Dienst der Grafen von Vaihingen, die zur Begleichung von Schulden 1339 große Teile ihrer Grafschaft inklusive Vaihingen und Enzweihingen an die Grafen von Württemberg veräußern mussten. Seither zählte das verkehrsgünstig gelegene Dorf zum württembergischen Amt Vaihingen. Ein Grabmal eines nach 1420 verstorbenen Georg von Wihingen in der Horrheimer Clemenskirche legt nahe, dass die Familie von Wihingen nach diesem Verkauf Enzweihingen verließ, um sich – wie ihr Vaihinger Lehensherr auf der Eselsburg[3] – auf verbliebenem Vaihinger Territorium am Rand des Strombergs niederzulassen.

Wohlstand und Elend durch die Fernstraße

Durch seine Lage am Enzübergang der seit der Römerzeit bedeutenden Fernstraße Ulm–Cannstatt–Speyer kam das Dorf zu Wohlstand. In Kriegszeiten geriet diese Standortgunst jedoch zum Nachteil, weil auf der Straße häufig durchziehende Heerscharen ins Dorf kamen und „fouragierten“, das heißt Versorgung erzwangen, oder plünderten: Der Dreißigjährige Krieg und mit ihm Pest und Hunger löschten die Gemeinde fast aus. Die um 1690 folgenden „Franzoseneinfälle“ im Zuge des Pfälzischen und des Spanischen Erbfolgekrieges sorgten erneut für verheerende Rückschläge. 1693 brannten französische Truppen 60 Gebäude nieder.

Poststation und Postwege

Enzweihingen hatte bereits 1513 eine Poststation an der von den Taxis (später Thurn und Taxis) betriebenen reitenden Post auf dem Niederländischen Postkurs. Dieser führte von Brüssel, an Worms und Speyer (Rheinhausen) vorbei, über Ulm, Augsburg, Innsbruck und Trient nach Italien. Als erster örtlicher Posthalter ist um 1520 Hieronymus (Jeremias) von Taxis, ein Bruder des späteren Augsburger Postmeisters Seraphin I. von Taxis belegt.[4]

Die Kiesersche Forstkarte von 1682 zeigt einen parallel zur Enzweihinger Steige verlaufenden Postweg Richtung Südosten durchs Pulverdinger Holz (siehe Abb.).[5] In westlicher Richtung zweigte in Enzweihingen eine Postroute über Pforzheim nach Straßburg ab. Seit 1805 verlief die Strecke Stuttgart–Pforzheim–Karlsruhe der Württembergischen Post über Enzweihingen.

Kirche und Konfessionen

Bis zur Reformation gehörte Enzweihingen zum Landkapitel Vaihingen im Archidiakonat Trinitatis der Diözese Speyer. Die Grafen von Vaihingen verkauften 1348 das ihnen zustehende Patronatsrecht an der Martinskirche, eine spätgotische Westturmanlage mit einem netzgewölbten Chor, dem Deutschen Orden.[6] Nach der gewonnenen Schlacht bei Lauffen im Jahr 1534 kam Herzog Ulrich von Württemberg wieder an die Regierung und setzte sich zum Ziel, die evangelische Konfession gegen kaiserlichen Widerstand landesweit durchzusetzen. Endgültig gelang dies jedoch erst seinem Sohn Christoph, der dem Deutschorden 1553 das Patronat über die Martinskirche abkaufte.

Das Religionsedikt von 1806 änderte wenig am konfessionellen Monopol. Erst durch den Zuzug von Heimatvertriebenen ab 1945 etablierte sich wieder eine katholische Gemeinde am Ort.[7]

Eingemeindung

Enzweihingen wurde zum 1. Januar 1971 nach Vaihingen eingemeindet.

Wappen

Das Wappen von Enzweihingen zeigt im gespaltenen Schild vorne in Rot ein aufrechtes goldenes Bockshorn, hinten in Gold eine aufrechte schwarze Hirschstange. Die Hirschstange zeigt die Zugehörigkeit von Enzweihingen zu Württemberg. Das älteste bekannte Wappen von Enzweihingen stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert und ist dem heutigen Wappen weitgehend gleich. Das Wappen des Ortsadels zeigte zwei nach unten gerichtete gekreuzte Kurzschwerter (siehe Abb.).

Persönlichkeiten

  • Friedrich Wilhelm Etzel (* in Enzweihingen; † 10. April 1900 in Waiblingen), Dorfschultheiß und Stadtschultheiß
  • Robert Franck (* 16. Juli 1857 in Enzweihingen; † 26. Januar 1939; Ludwigsburg), nach dem die Ludwigsburger Handels- und Gewerbeschule benannt wurde
  • Konstantin Freiherr von Neurath (* 2. Februar 1873 in Kleinglattbach; † am 14. August 1956 im Leinfelder Hof, Enzweihingen), Politiker, Reichsaußenminister 1932–1938
  • Karl Blessing (* 5. Februar 1900 in Enzweihingen; † 25. April 1971 in Rasteau), Präsident der Deutschen Bundesbank von 1958 bis 1969.

Literatur

  • Gudrun Aker: Vor 850 Jahren erstmals urkundlich erwähnt: Enzweihingen – das Buch zur Ortsgeschichte. Ipa-Verlag, Vaihingen 2002, ISBN 3-933486-38-6.
  • Lothar Behr u. a. (Hrsg.): Geschichte der Stadt Vaihingen an der Enz. Vaihingen 2001, ISBN 3-933486-34-3.
  • Markus Otto: Die Herren von Wihingen und die stammverwandten Herren von Remmigheim – Vortrag am 22. Februar 1991. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde. 20. 1991/93, S. 89–91.
  • Karl Eduard Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Vaihingen. Hallberger, Stuttgart 1856. Reprint Bissinger, Magstadt, ISBN 3-7644-0036-6 (Die württembergischen Oberamtsbeschreibungen, Bd. 37), Wikisource .

Anmerkungen

  1. Markus Otto: Die Herren von Wihingen und die stammverwandten Herren von Remmigheim – Vortrag am 22. Februar 1991. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde. 20, 1991/93, S. 89–91.
  2. In der Oberamtsbeschreibung von Vaihingen/Enz sind mehrere Wihinger als Dienstmannen der Grafen von Vaihingen erwähnt, ausführlicher aber nur ein "Götz", vielleicht der nach 1420 verstorbene Georg, von dem ein Grabmal in Horrheim herrührt (Quelle: Markus Otto, 1991, a.a.O., S. 89).
  3. Eine Burg auf dem Eselsberg bei Ensingen.
  4. Wolfgang Behringer: Im Zeichen des Merkur. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, S. 76 mit Bezug auf Joseph Rübsam, in: ADB 37, 1894.
  5. Die gesüdete Forstkarte 158 (Enzweihingen) von Andreas Kieser (1682) findet sich bei Leo-BW online
  6. Quelle: Leo BW online
  7. Katholische Kirchengemeinde St. Paulus

Weblinks

 Commons: Enzweihingen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Enzweihingen – in der Beschreibung des Oberamts Vaihingen von 1856

Kategorien: Ort im Landkreis Ludwigsburg | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ludwigsburg) | Vaihingen an der Enz

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Enzweihingen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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