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Entenschnabel (Glienicke)


Am Entenschnabel im Norden Berlins bildete die Berliner Mauer einen ihrer absurdesten Verläufe. Die Stichstraße Am Sandkrug in der brandenburgischen Gemeinde Glienicke/Nordbahn (Landkreis Oberhavel) ragt in einem schmalen Streifen – auf einer Karte gesehen, ähnelt der Grenzverlauf hier einem Enten­kopf mit Schnabel – von Ost nach West in das Berliner Gebiet hinein. Sie wird durch die zu den Berliner Ortsteilen Frohnau und Hermsdorf gehörenden Straßen Am Rosenanger, Am Pfingstberg und Burgfrauenstraße umgeben. Nach der Teilung Berlins in die alliierten Sektoren kam das umliegende Gebiet zu West-Berlin (Frohnau im Norden bis zur Westspitze des Entenschnabels, Hermsdorf im Süden) und die Grundstücke zu beiden Seiten der Straße Am Sandkrug wurden durch den Mauerbau auf drei Seiten vom Berliner Areal abgetrennt. Bemerkenswert ist die Lage im Verhältnis zur Frohnauer Straße Am Rosenanger. Da diese auf einer kleinen Anhöhe liegt, konnten zu Zeiten der Teilung die Bewohner jener Grundstücke über die Mauer hinweg auf die zur DDR gehörenden Grundstücke in der Straße Am Sandkrug herabblicken.

Geschichte

Der historische Streckenverlauf der Bundesstraße 96 von Hermsdorf nach Frohnau führte östlich am Entenschnabel vorbei in nördlicher Richtung auf etwa 1100 Meter über DDR-Gebiet, davon über 800 Meter lediglich genau um die Straßenbreite. Weil dieses Teilstück unmittelbar auf der Grenze verlief, war es für die DDR als zivile Straße nicht nutzbar, der Durchgangsverkehr musste über die Herrmann-/Hattwichstraße umgeleitet werden, womit alle anderen Straßen zu Stichstraßen wurden. Ab 1. Juni 1952 war deswegen auch die Durchfahrt durch den „Entenschnabel“ nicht mehr möglich. In West-Berlin musste der Verkehr ebenso fast 38 Jahre lang von der Berliner Straße aus kommend über die Burgfrauenstraße und die Zeltinger Straße zur Oranienburger Chaussee umgeleitet werden. Davon war auch Frohnaus wichtigste Buslinie, die damalige Linie A12, betroffen.[1]

Die umgrenzte Fläche war so schmal, dass der für Berlin typische Grenzstreifen hier keinen Platz gefunden hätte bzw. keine Nutzfläche geblieben wäre. Die Grenzsicherung bestand nur aus der eigentlichen Mauer und dem sogenannten „Hinterlandzaun“ und war nur rund drei Meter breit. Am Ende der Sackgasse wurde später eine größere Freifläche geschaffen. Aus diesem Grund durften dort nur noch zuverlässige DDR-Bürger (meistens SED-Mitglieder) wohnen. Alle Besucher, auch Handwerker oder Ärzte, bedurften einer Sonderbewilligung. Gelegentlich konnten die Bewohner ihre Häuser nicht verlassen, denn auch sie hatten sich nach den Sonderregeln für Grenzgebiete zu richten.

Vor dem Fall der Mauer gab es schon seit Mitte der 1960er Jahre speziell in diesem Fall immer wieder Initiativen des West-Berliner Senats, eine Grenzbegradigung herbeizuführen. Auch beim letzten Gebietsaustausch 1987 war dies nicht möglich gewesen, es scheiterte wieder unter anderem an der formalen Begründung, dass das Gebiet des Entenschnabels bewohnt sei. Die DDR-Unterhändler hatten damals dem West-Berliner Senat allerdings signalisiert, dass Mitte der 1990er Jahre weitere Korrekturen möglich sein könnten. So hätte man beispielsweise den Entenschnabel mit Albrechts Teerofen tauschen wollen.

Die Realität verlief dann ganz anders: Nach der politischen Wende musste man keine Kuhwiesen oder Straßenzüge mehr tauschen und so ist auch der historische Streckenverlauf der Bundesstraße 96 längst wieder durchgängig befahrbar. Nur noch an den Ortsschildern ist erkennbar, dass man an besagter Stelle in das Bundesland Brandenburg wechselt und sich nach rund einem Kilometer wieder auf Berliner Gebiet befindet.

Heutige Situation

An der Bundesstraße 96, neben der Einfahrt zur Straße Am Sandkrug, befindet sich heute eine Erinnerungsstele und Gedenktafeln des Berliner Mauerweges. Die Straße ist nach wie vor eine Sackgasse.[2]

Literatur

  • Heimatmuseum Reinickendorf (Hrsg.): Entenschnabel – Über das Leben mit der Mauer als Gartenzaun. 2. Auflage. Berlin 2011

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Sperrung der B 96 am Entenschnabel
  2. Mauerwegabschnitt Hohen Neuendorf–Hermsdorf

Kategorien: Berliner Mauer | Geographie (Landkreis Oberhavel) | Glienicke/Nordbahn

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Entenschnabel (Glienicke) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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