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Emilie Lieberherr


Emilie Lieberherr (* 14. Oktober 1924 in Erstfeld; † 3. Januar 2011 in Zollikerberg[1]; heimatberechtigt in Zürich und Nesslau) war eine Schweizer Politikerin.

Leben

Die Tochter eines Maschinenschlossers aus dem Toggenburg und einer Italienerin wuchs in Erstfeld auf, wo ihr Vater als SBB-Angestellter arbeitete. Sie besuchte das katholische Internat Theresianum Ingenbohl und absolvierte das Handelsdiplom. Anschliessend arbeitete sie drei Jahre lang als Sekretärin bei der Schweizerischen Bankgesellschaft in Zürich. 1947 absolvierte sie die Handelsmatura und arbeitete danach vier Jahre lang als Personaltrainerin bei der Oscar Weber AG in Bern. Von 1952 bis 1956 studierte sie als Werkstudentin Nationalökonomie an der Universität Bern und schloss mit dem Lizenziat ab. Nach dem Studium fuhr sie per Schiff in die Vereinigten Staaten, wo sie während zweieinhalb Jahren verschiedene Anstellungen innehatte, u. a. bei der Familie Fonda in New York als Kindermädchen für Peter und Jane Fonda.

Von 1960 bis 1970 arbeitete Lieberherr als Berufsschullehrerin für das Verkaufspersonal in Zürich. 1965 promovierte sie an der Universität Bern. 1961 war sie Mitbegründerin des Konsumentinnenforums Schweiz, das sie von 1965 bis 1978 präsidierte. 1969 war sie Mitinitiantin der Zeitschrift prüf mit, deren Chefredaktion sie anfangs auch innehatte.

Gegen Ende der 1960er Jahre fiel Lieberherr erstmals politisch auf, als sie zu einer der führenden Persönlichkeiten im Kampf um das Frauenstimmrecht in der Schweiz wurde. 1969 war sie Präsidentin des Aktionskomitees für den Marsch nach Bern. Sie trat der SP bei und war von 1970 bis zu ihrem Rücktritt 1994 als erste Frau Stadträtin der Stadt Zürich und Vorsteherin des Zürcher Sozialamts. Lieberherr war Initiantin der Heroinabgabe an Schwerstsüchtige und mitbeteiligt am Aufbau des Vier-Säulen-Modells der schweizerischen Drogenpolitik. Unter ihrer Leitung wurde in Zürich die Alimentenbevorschussung eingeführt, sie liess 22 Altersheime bauen, gründete die Stiftung Wohnfürsorge für Betagte, richtete Jugendtreffpunkte in den Quartieren ein und initiierte Einsatzprogramme für arbeitslose Jugendliche. Lieberherrs Nachfolgerin im Stadtrat wurde Monika Stocker (Grüne).

Neben ihrem Amt in der Stadtregierung vertrat sie von 1978 bis 1983 als Ständerätin den Kanton Zürich in der Bundesversammlung. Von 1976 bis 1980 war Lieberherr die erste Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen.

Bis 1978 wurde sie mit Unterstützung der SP wiedergewählt, nach einem Zerwürfnis mit der Partei 1982 und 1986 mit Unterstützung des Zürcher Gewerkschaftsbundes. 1990 unterstützte sie statt des schliesslich gewählten SP-Kandidaten Josef Estermann den amtierenden Stadtpräsidenten Thomas Wagner (FDP) im Wahlkampf um das Stadtpräsidium. Sie wurde aus der SP ausgeschlossen mit der Begründung, dass ihre «Parteisolidarität in Sach- und Personalfragen mangelhaft» sei.

Lieberherr blieb ledig, ihre langjährige Lebenspartnerin war Minnie Rutishauser.[2]

Ihr Grab liegt auf dem Friedhof Sihlfeld (Nr. FG 81204).

Dokumentationen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ein Leben für Frauen und Bedürftige. In: Tages-Anzeiger. 5. Januar 2011.
  2. Ruedi Baumann: Was es uns angeht, wenn Jositsch und Galladé ein Paar sind. In: Tagesanzeiger. 17. Oktober 2009.


Kategorien: Stadtrat (Zürich) | Ständerat (Zürich) | Gestorben 2011 | Geboren 1924 | SP-Mitglied | Frauenrechtler | Schweizer | Frau

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Emilie Lieberherr (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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