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Else Jerusalem


Else Jerusalem, geborene Kotányi,[1](* 23. November 1877 in Wien; † vermutlich 1942 in Buenos Aires) war eine österreichische Schriftstellerin und Vortragskünstlerin. Sie gilt als eine der Protagonistinnen in der bürgerlichen Frauenbewegung um 1900.

Leben und Wirken

Die Tochter aus wohlhabendem jüdischem Haus, eine geborene Kotányi, studierte vier Jahre als außerordentliche Hörerin an der Universität Wien und wurde bekannt mit Schriften über zu ihrer Zeit als gewagt geltende Themen wie Prostitution (Novellensammlungen „Venus am Kreuz“ und „Komödie der Sinne“) und Sexualerziehung („Gebt uns die Wahrheit“ 1902). Ihr Hauptwerk, der in einem Bordell spielende Roman „Der heilige Skarabäus“ (1909 im S. Fischer Verlag erstmals publiziert) erreichte bis 1911 22 Auflagen. Nach der Scheidung von Fritz Jerusalem heiratete sie 1910 Prof. Widakovich. Sie emigrierten nach Argentinien und lebten in Buenos Aires, wo sie auch ethnologische Studien betrieb. Ihr Sohn Fritz Jerusalem nannte sich später Fritz Jensen.

Eine kritische Neuausgabe ihres Hauptwerks "Der heilige Skarabäus" von 1909 wird gerade unter der Federführung von Prof. Dr. Brigitte Spreitzer von der Universität Graz im Wiener Verlag Das vergessene Buch vorbereitet. Die Publikation ist Mitte Oktober 2016 vorgesehen.

Werke

  • Venus am Kreuz: drei Novellen. Leipzig: Meyer, 1899.
  • Gebt uns die Wahrheit! Ein Beitrag zu unsrer Erziehung zur Ehe. Berlin u. Leipzig: Seemann, 1902.
  • Der heilige Skarabäus: Roman. Berlin: S. Fischer, 1909 (mindestens 21 Nachdrucke).
  • The red house. London: Laurie, 1932.
  • Steinigung in Sakya: ein Schauspiel in 3 Akten. Berlin: Reiss, 1928.
  • Die Dreieinigkeit der menschlichen Grundkräfte. Zürich: Die Gestaltung, [1939].
  • Nachlass : Briefe von Else Widakowich an Robert Lehmann-Nitsche. Buenos Aires, 1915

Literatur

  • Karin J. Jusek: Ein Wiener Bordellroman: Else Jerusalems „Heiliger Skarabäus“. In: Heide Dienst, Edith Saurer (Hrsg.): „Das Weib existiert nicht für sich.“ Geschlechterbeziehungen in der bürgerlichen Gesellschaft. Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1990, ISBN 3-85115-123-2, S. 139-147.
  • Eva Borst: Über jede Scham erhaben. Das Problem der Prostitution im literarischen Werk von Else Jerusalem, Margarete Böhme und Ilse Frapan unter besonderer Berücksichtigung der Sittlichkeits- und Sexualreformbewegung der Jahrhundertwende. Frankfurt am Main u.a.: Lang 1993. (= Studien zur deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts; 24) ISBN 3-631-46460-6.
  • Brigitte Spreitzer: „Ich bin ja nur ein Stück Weiberfleisch“...: die Auslöschung der „Kleinigkeit Ich“ bei Else Kotanyi-Jerusalem. In: Texturen: die österreichische Moderne der Frauen. Passagen, Wien 1999, S. 84-87.
  • Eva Borst: Ichlosigkeit als Paradigma weiblichen Daseins: Prostitution bei Margarete Böhme und Else Jerusalem. In: Karin Tebben (Hrsg.): Deutschsprachige Schriftstellerinnen des Fin de Siècle. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999, S. 114-137.

Weblinks

 Wikisource: Else Jerusalem – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Else Jerusalem auf Frauen in Bewegung abgerufen am 29. September 2010


Kategorien: Gestorben im 20. Jahrhundert | Geboren 1877 | Person (Cisleithanien) | Literatur (Österreich) | Österreicher | Frau | Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Drama | Literatur (Deutsch)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Else Jerusalem (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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