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Eiszeit (Tankred Dorst)


Eiszeit ist ein Schauspiel von Tankred Dorst, das am 15. März 1973 unter der Regie von Peter Zadek im Schauspielhaus Bochum uraufgeführt wurde.[1]

Tankred Dorst meint mit dem Alten, einem 90-jährigen Schriftsteller in einem norwegischen Altersheim, keinen Geringeren als Knut HamsunNobelpreisträger für Literatur 1920 – in seinem letzten Lebensjahr.[2] Knut Hamsun starb am 19. Februar 1952.

Inhalt

Im Park jenes Alterheims trifft der Schriftsteller auf den Landstreicher Kristian, einen guten alten Bekannten aus Kindertagen. Kristian weiß bestens über das Schicksal der vielen Spielkameraden von damals Bescheid. Der Großteil ist inzwischen weggestorben. Kristian konstatiert schadenfroh, sein Gesprächspartner sei in dem Altersheim „eingesperrt“[3] Der Alte kann nicht widersprechen. Seine wesentlich jüngere Gattin, die frühere Schauspielerin Vera und der gemeinsame Sohn Paul dürfen ihn, der seine Familie fast ein Jahr nicht sehen durfte, neuerdings täglich drei Stunden besuchen. Beide sind im nahegelegenen Fjord-Hotel untergekommen.

Ein dreiköpfiges Gremium, das Dorst beim ersten Auftritt „Kommission“ und beim zweiten „Gericht“ nennt, nimmt den „Landesverräter“ im Speisesaal des Altersheimes ins Gebet. Die unnachgiebigen Herren sind der melancholische Journalist Reich, der schüchterne Direktor der Sparkasse aus der nahegelegenen Kreisstadt und der Pfarrer Holm. Der Journalist bleibt meist ironisch-distanziert, weil er diese Inquisition eigentlich für sinnlos hält. Auch der kleinbürgerliche Sparkassendirektor hält sich respektvoll vor dem großen norwegischen Dichter zurück. Pfarrer Holm ist es, der auf Gerechtigkeit pocht, weil er während der deutschen Besetzung Norwegens inhaftiert gewesen war. Gerechtigkeit hieße in dem Fall, das ganze Vermögen des Alten könnte eingezogen werden.[A 1]

Pfarrer Holm hat eine ellenlange Reihe von Vorwürfen, die besonders die nazi­freundliche Haltung des Alten während der Besetzung betreffen. Immer, wenn es für den Schriftsteller brenzlig wird, stellt er sich taub. Der Journalist Reich wirft dem Alten vor, er habe Ossietzky einen Parteischriftsteller, des Friedensnobelpreises 1935 unwürdig, geschimpft. Uneinsichtig und stur bleibt der Alte, der sich als Individualist bekennt, bei seiner vorgefassten Meinung bezüglich des Preisträgers.

Pfarrer Holm spricht die Audienz des Alten bei Hitler anno 1941 sowie den Nachruf des Alten auf Hitler anno 1945 an.

Das oben genannte Wort vom Landesverräter kommt aus dem Munde von Oswald Kronen. Als 16-Jähriger wollte der Sohn des geschäftstüchtigen Reeders Kronen den Alten mit einer gestohlenen deutschen Handgranate umbringen, ließ es aber sein und ging für drei Jahre zu den Partisanen. Oswald nennt den inzwischen begnadigten Vater, der wieder erfolgreich Geschäfte macht, einen Kollaborateur. Während seines Besuchs im Altersheim tötet Oswald den Alten wieder nicht, sondern sprengt sich später in der Einsamkeit auf einer Landzunge samt PKW in die Luft.

Paul und Vera bemühen sich über das Stück hinweg aufopferungsvoll und treusorgend um den Alten. Zu guter Letzt erwägen sie eine Abkehr von ihrem unbeeinflussbaren Patriarchen. Eine Kunstreise durch Italien bis hinab nach Taormina soll die Abkehr einleiten. Aber unbedingt nur zu zweit soll es in den Süden gehen.

Rezeption

Verfilmung

Literatur

  • Eiszeit - Ein Stück. (= edition suhrkamp. 610). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-00610-X.

Verwendete Ausgabe

  • Eiszeit. In: Tankred Dorst. Band 4: Politische Stücke. 1. Auflage. Suhrkamp Verlag, 1987, ISBN 3-518-02658-5, S. 263–343.

Sekundärliteratur

Anmerkung

  1. Ein Urteil in der Richtung wird im Stück nicht gesprochen.

Einzelnachweise

  1. Günther Erken bei Arnold, S. 86, linke Spalte, vorletzter Eintrag
  2. Verwendete Ausgabe, S. 264 unten
  3. Verwendete Ausgabe, S. 318, 2. Z.v.o.
  4. Eiszeit in der IMDb

Kategorien: Werk von Tankred Dorst | Literatur (20. Jahrhundert) | Drama | Literarisches Werk | Literatur (Deutsch)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Eiszeit (Tankred Dorst) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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