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Eisenstraße (Rothaargebirge)


Die Eisenstraße im Rothaargebirge ist eine ehemalige Handels- und Fernverkehrsstraße im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen und im Lahn-Dill-Kreis in Hessen.

Die Straße überquert die Rhein-Weser-Wasserscheide. Sie führt in ihrem asphaltierten Teil, der 12,5 km[1] lang ist, auf 658,4 m [2] und im für den öffentlichen Kraftfahrzeugverkehr gesperrten Teil auf maximal auf 673,3 m ü. NHN [2] Höhe.

Auch andere Straßen solcher Art in Deutschland und Österreich tragen den Namen Eisenstraße.

Geographie

Lage

Die Eisenstraße liegt im Südteil von Rothaargebirge und Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Sie ist unter anderem Teil der Landesstraße 722 und verläuft auf ländlichen und zumeist Waldgebieten der Städte Hilchenbach, Bad Laasphe und Netphen und passiert die Eder-, Sieg- und Lahnquelle.

Verlauf

Die Eisenstraße zweigt bei Lützel (zu Hilchenbach) auf 578 m ü. NHN [2] von der Bundesstraße 62 ab und führt anfangs nach Südosten zur zu Lützel gehörenden Siedlung Lützel. Nach deren Passieren verläuft sie südsüdostwärts auf dem Rothaarkamm im Bereich der Wasserscheide von Eder und Sieg und damit auch auf der Rhein-Weser-Wasserscheide. Sie führt vorbei an einem Feuchtbiotop, wo sich an einem Kleinzufluss der Eder in kleinen Kratern, die das Regionalforstamt des Kreises Siegen-Wittgenstein in den 1980er Jahren für den Naturschutz in den Boden sprengen ließ, mehr als ein Dutzend Teiche gebildet haben, zur nahe dem Forsthaus Hohenroth neben einer 656,4 m [2] hohen gelegenen Stelle liegenden Kreuzung mit einer Kohlenstraße, einem ehemaligen Kohlenweg. Rund 100 m südöstlich vom dort befindlichen Parkplatz, von dem die Kohlenstraße zum Forsthaus und in entgegengesetzter Richtung zur nahen Ederquelle (621 m ) führt, erreicht der asphaltierte Abschnitt der Straße 658,4 m [2] Höhe.

Etwas später verlässt die Eisenstraße kurz vor dem Aukopf (644,9 m ) für etwa 900 m ihres Verlaufs die L 722, um südwestlich an der Erhebung vorbeizuführen. Dann verläuft sie im Rahmen der L 722 zur Kreuzung mit der L 719 (596,2 m )[2] , um kurz darauf am Abzweig einer nach Großenbach (zu Bad Laasphe) führenden Stichstraße die Siegquelle (603 m ) zu passieren.

Danach führt die Eisenstraße in Richtung Süden vorbei an der Ilmquelle über die östlichen und südlichen Hochlagen des Grauhain (ca. 638 m ) vorbei am Lahnkopf (624,9 m ) nach Lahnhof, wo neben der dort auf 605,6 m [2] Höhe befindlichen Straße die Lahnquelle (Lahntopf; ca. 603 m ) liegt. Kurz darauf zweigt östlich der Stiegelburg (637,8 m ) auf 607,9 m [2] Höhe die entlang der Lahn verlaufende Lahn-Ferien-Straße ab.

Dann verlässt die Eisenstraße auf 605,7 m [2] Höhe erneut die L 722, um sich fortan die ostwärts verlaufende Strecke ein Stück mit der von dort nach Heiligenborn (zu Bad Laasphe) führenden Kreisstraße 17 zu teilen. Kurz darauf verlässt sie die K 17 an einem Parkplatz mit trigonometrischer Punkt auf 646,8 m [2] Höhe und führt als Waldweg erst ost- und ab einer 661,9 m [2] hoch liegenden Stelle südostwärts zur westfälisch-mittelhessischen Grenze mit historischem Grenzstein, der neben einer Waldwegkreuzung nahe einem trigonometrischen Punkt (670,9 m )[2] steht. Etwa 150 m ostnordöstlich des Steins und 120 m südlich vom Gipfel des Jagdbergs bei Netphen (675,9 m ) erreicht die Eisenstraße bei einem auf 673,3 m [2] Höhe liegenden trigonometrischen Punkt ihre insgesamt höchste Stelle; nebenan ist auf einem vierteiligen Schild zu lesen: Höchster Punkt im Lahn-Dill-Kreis – 673,1 m ü. NN . Dort teilt sie sich den entlang der vorgenannten Grenze führenden Weg mit einer weiteren Kohlenstraße.

Diese Kohlenstraße verlassend führt die Eisenstraße südost- und leicht abwärts nach Sohl (zu Bad Laasphe), das an der Grenze am Fischelbach (Sohler Bach) liegt. Von dort verläuft sie nördlich des Bachs im Rahmen der im Weiler auf 570,8 m [3] Höhe endenden K 36, auch Alte Eisenstraße genannt, nach Osten vorerst leicht aufwärts und dann, ab einer auf 590,6 m [3] Höhe gelegenen Kreuzung mit mehreren Waldwegen abwärts nach Fischelbach (zu Bad Laasphe), wo sie auf etwa 425 m [2] an der Einmündung in die L 718 (Fischelbacher Straße) endet.

Naturräumliche Zuordnung

Der asphaltierte Abschnitt der Eisenstraße liegt innerhalb der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Süderbergland (Nr. 33) in der Haupteinheit Rothaargebirge (mit Hochsauerland) (333): Er beginnt im Nordwesten an der B 62 bei Lützel im Naturraum Lützeler Paß (333.13), der zur Untereinheit Wittgensteiner Kammer (333.1) gehört, und verläuft als Teil der L 722 auf oder entlang der Grenze der Untereinheit Dill-Lahn-Eder-Quellgebiet (333.0) mit dem Naturraum Ederkopf-Lahnkopf-Rücken im Osten zur Untereinheit Südwittgensteiner Bergland (333.2) im Westen. Der Asphaltteil endet im Südosten – zwischen der Stiegelburg im Westnordwesten und dem etwas entfernt befindlichen Netphener Jagdberg im Ostsüdosten – im Naturraum Ederkopf-Lahnkopf-Rücken (333.01); und die eigentliche L 722 führt in Richtung Süden und abwärts nach Hainchen.[4]

Berge

Zu den Bergen und Erhebungen an oder nahe der Eisenstraße gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN):[2]

Rhein-Weser-Wasserscheide und Fließgewässer

Entlang der über den Kamm des Rothaargebirges verlaufenden Eisenstraße, an der die Eder-, Sieg- und Lahnquelle liegen, verläuft ein Teil der Rhein-Weser-Wasserscheide.

Die drei größten Flüsse, die nahe der Straße entspringen, sind in Nordwest-Südost-Richtung betrachtet:

Zu den sonstigen Fließgewässern, die nahe der Eisenstraße an der Rhein-Weser-Wasserscheide entspringen, gehören (sortiert nach Länge):

  • Benfe (11,2 km):
    fließt in überwiegend nördlicher Richtung zur Eder, in die sie in Erndtebrück mündet
  • Netphe (10,8 km):
    fließt in westliche Richtungen zur Sieg, in die sie in Netphen mündet
  • Ilse (8,7 km):
    fließt in nördlicher Richtung zur Lahn, in die sie in Feudingen mündet
  • Obernau (6,3 km):
    fließt in südwestlicher Richtung, durchfließt die Obernautalsperre und mündet in Netphen in die Sieg
  • Nauholzbach (3,9 km):
    fließt in südwestlicher Richtung zur von der Obernau durchflossenen Obernautalsperre
  • Sindernbach (3,8 km):
    fließt in westlicher Richtung zur Sieg, in die er in Walpersdorf mündet
  • Ilm (2 km):
    fließt in östlicher Richtung zur Lahn, in die sie südlich von Welschengeheu mündet

Ortschaften

Ortschaften an oder nahe der Eisenstraße sind (in Nordwest-Südost-Richtung betrachtet):

Klima

Wegen der Höhe von zumeist mehr als 600 m Höhe und der Abgelegenheit in den Wäldern ist im Bereich der Eisenstraße ein besonders raues Klima vorzufinden. Die Winter können bis zu einem halben Jahr andauern, nicht selten werden an der Wetterstation vom Forsthaus Hohenroth Temperaturen von unter −15 °C gemessen. Die Sommer sind meist kühl (Höchsttemperaturen bis 25 °C) und niederschlagsreich. Die Durchschnittstemperatur im Umfeld der Eisenstraße beläuft sich auf etwa 6 bis 7 °C und der mittlere Jahresniederschlag im Umfeld des Forsthauses auf 1500 Liter/m².[6] Auch mit rund 200 Nebeltagen pro Jahr zählt das Gebiet rund um die Straße zu den rauesten und kältesten Regionen Nordrhein-Westfalens.

Im Dezember 2014 wurden große Teile der Eisenstraße aufgrund von Schneebruch durch extreme Raueisbildung von bis zu 15 cm Länge gesperrt. Dieses entstand durch einige Tage lang anhaltenden Nebel bei leichtem Ostwind – besonders im Geäst der Bäume. Bodennah bildete sich kaum Raueis, da es dort wesentlich windgeschützter ist als in der Höhe. An weniger windgeschützten Orten – zum Beispiel beim und im auf einer Freifläche gelegenen Großenbach – hielt sich das Raueis deutlich länger. Ähnliche Ereignisse fanden zeitgleich im Westerwald, im Erzgebirge und auf der Schwäbischen Alb statt.

Schutzgebiete

Der asphaltierte Teil der Eisenstraße liegt in mehreren Schutzgebieten: Im Nordwesten verläuft er ab Lützel durch das Landschaftsschutzgebiet (LSG) Rothaargebirge (CDDA-Nr. 386370; 1984 ausgewiesen; 60,4662 km² groß) und erreicht etwas nach der Siedlung Lützel das LSG Netphen (CDDA-Nr. 390136; 1985; 11,89074 km²), in dem er bis zum Ende verbleibt. Nahe der Siedlung Lützel führt er in einem LSG-losen Bereich durch das Naturschutzgebiet Rothaarkamm und Wiesentäler (CDDA-Nr. 329599; 1930; 8,9236 km²). Nahe dem Grauhain tangiert er die Westspitze des NSG Auerhahnwald (CDDA-Nr. 81326; 1934; 14,46 ha). Der gesamte Bereich des Asphaltteils südwestlich der Siedlung Lützel bis zum Ende verläuft im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Rothaarkamm und Wiesentäler (FFH-Nr. 5015-301; 34,4146 km²).[3]

Bedeutung

Die Eisenstraße ist eine alte Handels- und Fernverkehrsstraße, die seit vorgeschichtlicher Zeit genutzt wurde. Sie ist Teilstück der einst im Hochmittelalter bedeutenden Leipzig-Kölner-Messestraße, auch Brabanter Straße genannt, weil sie bis nach Antwerpen führte. Dieser Fernhandelsweg führte über Erfurt und Marburg zum Kreuzungspunkt alter Fernwege beim Berg Angelburg im Schelderwald auf den langen Wasserscheiden über Siegen nach Köln.

Über die Eisenstraße wurde bis ins Hochmittelalter Eisenhandel abgewickelt, mit Roheisen bis hin zu fertigen Produkten wie Waffen, Helme, Harnische, Sensen, Sicheln, Messer und ähnlichem. Diese Produkte fertigten einst Waldschmiede im oberen Dill- und Dietzhölze-Tal sowie im angrenzenden Siegerland. Die Eisenwarenproduktion bestand schon in keltischer Zeit. In die Brabanter Straße mündete bei der Angelburg der Westfalenweg ein, der am Dünsberg vorbei aus der Wetterau (Hessen) kommend, auf der Lahn-Dill-Wasserscheide in den westfälischen Raum führte. Solche alten Straßen verliefen entweder auf dem Bergkamm oder hangparallel, weil die Täler versumpft waren und man am Talende steile Anstieg vermeiden wollte. Als Zugtiere für Wagen setzte man Ochsen ein, Pferde waren zu kostbar.

Etliche über 2.000 Jahre alte Ringwallanlagen, die in der Nähe zur Eisenstraße liegen, beweisen, dass die Eisenstraße schon während der keltischen Besiedlung der Region ein wichtiger Verkehrsweg war. Gut erhalten ist zum Beispiel die Wallanlage Alte Burg, die vom Forsthaus Hohenroth erreicht werden kann.

Sehenswertes

Zu den Sehenswürdigkeiten an oder unweit der Eisenstraße gehören mit Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; alphabetisch sortiert)[2] :

Verkehr und Wandern

Die Eisenstraße ist abschnittsweise Teil der Landesstraße 722, die von Lützel vorbei an dessen Siedlung Lützel südostwärts nach Lahnhof und dann, abseits der einstigen Handels- und Fernverkehrsstraße, weiter nach Hainchen führt. Diese kreuzen nahe der Siegquelle erst die von dieser in Richtung Benfe abzweigende L 720 und dann die L 719 (WalpersdorfVolkholz). Nahe dem von Lahnhof zweigt von der L 722 die entlang der Lahn verlaufende Lahn-Ferien-Straße und etwas südöstlich davon die nach Heiligenborn führende Kreisstraße 17 ab. Ab Sohl teilt sich die Eisenstraße die Strecke mit der nach Fischelbach führenden K 36.

Zwischen dem Lahnhof und dem nahe davon gelegenen Südostende des asphaltierten Abschnitts der Eisenstraße führt der Europäische Fernwanderweg E1 auf etwa 600 m Länge parallel zu ihr. Entlang der Straße verlaufen die sie mancherorts auch kreuzenden Wanderwege Rothaarsteig und Talsperrenweg. An der die Eisenstraße kreuzenden Kohlenstraße mit dortigem Kyrillpfad beginnt nahe der Ederquelle der Ederhöhenweg, der anfangs etwas östlich parallel zur Straße abwärts entlang der Eder führt. Auch der Natursteig Sieg, der Ende 2016 fertiggestellt werden soll, wird die Straße kreuzen.

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Länge des asphaltierten Abschnitts der Eisenstraße per Funktion Entfernung messen auf Google Maps
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 2,14 2,15 Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  3. 3,0 3,1 3,2 Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  4. Heinz Fischer: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 124 Siegen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1972. → Online-Karte (PDF; 4,1 MB)
  5. Jägerhain: eigentlich „nur“ ein Flurstück mit einer 650,7 m hohen Kuppe
  6. Mittlere Lufttemperatur und Niederschlagssumme 1981–2010 , abgerufen am 27. Februar 2016, auf klimaatlas.nrw.de

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Eisenstraße (Rothaargebirge) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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