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Euregio (deutsch-niederländischer Kommunalverband)

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Die Euregio ist ein deutsch-niederländischer Zweckverband, dem 129 Städte, Gemeinden und Kreise aus dem Münsterland, dem südwestlichen Niedersachsen und den östlichen Niederlanden angehören. Sie wurde 1958 als erste Europaregion gegründet und fördert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Unternehmen und Organisationen. In der EUREGIO wohnen circa 3,4 Millionen Menschen auf einer Fläche von 13.000 km². Etwa zwei Drittel der Einwohner und des Gebiets befinden sich in Deutschland und ein Drittel in den Niederlanden. Der Sitz der Geschäftsstelle ist in Gronau.

Geschichte

Ende der 1950er Jahre begannen Städte, Gemeinden und Provinzen aus dem Münsterland, dem südwestlichen Niedersachsen und den östlichen Niederlanden, sich für eine organisierte grenzüberschreitende Zusammenarbeit einzusetzen. Dazu wurde im Jahr 1958 mit der Euregio die erste Europaregion gegründet. Es war vor allem die Notwendigkeit der grenzüberschreitenden Gebietsentwicklung, die damals eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit veranlasste. Sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden konnten die Grenzgebiete durch ihre periphere und sozial-wirtschaftlich Lage oftmals von den Entwicklungen im restlichen Land nicht mitprofitieren. Indem sie gemeinsam aktiv wurden, stärkten die Grenzkommunen ihre Position.

Die Euregio bestand zunächst aus verschiedenen Interessensgemeinschaften. Auf deutscher Seite gründeten 1954 Vertreter lokaler Behörden und Unternehmen die Interessengemeinschaft Rhein-Ems (später Kommunalgemeinschaft Weser-Ems). In den Niederlanden entstand 1960 die „Belanggemeenschap Twente-Gelderland“ (heute Regio Twente). Ein Jahr später, 1961, wurde der „Samenwerkingsverband Oost-Gelderland“ (heute Regio Achterhoek) errichtet. Die drei Organisationen arbeiteten zu Beginn informell zusammen und konzentrierten sich auf leichte und von der Politik getragene Themen, wie die Begegnung von Bürgern durch Kunst-, Kultur- und Sportveranstaltungen oder den Ausbau von Fahrradwegen. Seit Mitte der 60er Jahre kamen Abgeordnete der Instanzen regelmäßig in der Euregio-Arbeitsgruppe zusammen. Gemeinsam arbeiteten sie an einem Übergang von projektbasierten Kontakten zu einer programmatischen Zusammenarbeit, um unter anderem die lokale Ökonomie und Infrastruktur zu stärken und Grenzpendlerprobleme zu lösen.

1971 entstand ein sozial-kultureller Arbeitskreis. Einige Jahre später wurde dieser Arbeitskreis nach seinem ersten Vorsitzenden Alfred Mozer (1905–1979) benannt. Mozer war ein leidenschaftlicher Verfechter des Europa-Gedankens. Er war davon überzeugt, dass die Menschen einander zuerst kennen lernen müssen, um zusammenarbeiten zu können. Deshalb unterstützte er die grenzüberschreitenden Begegnungen von Bürgern. Mit dem Euregio-Rat wurde 1978 die Zusammenarbeit institutionalisiert. Prinz Claus hatte die Gründung 1974 angeregt. Anlässlich einer Sitzung der Stichting Streekbelangen Oost-Gelderland sagte er:

„Versuchen Sie einen Euregio-Rat zu bilden, der die Interessen dieser grenzüberschreitenden Region, aber auch die Bereitschaft zu gemeinsamen Anstrengungen im eigenen Kreis in Worte zu fassen weiß.[1]

Der Rat war das erste regionale grenzüberschreitende Parlament in Europa und fortan das höchste Organ der Euregio.

1985 wurden die beiderseits der Grenze bestehenden Sekretariate zusammengelegt. Königin Beatrix und Prinz Claus eröffneten die gemeinsame Geschäftsstelle am Grenzübergang Gronau/Glanerbrug. Zwei Jahre später, 1987, wurde das erste grenzüberschreitende Aktionsprogramm vorgestellt. Es enthielt Strategien für die folgenden 20 Jahre im ökonomischen, technologischen, infrastrukturellen und soziokulturellen Bereich. Neben nationalen Finanziers war auch die Europäische Gemeinschaft an der Finanzierung beteiligt. Es wurden Arbeitskreise für die Themen Wirtschaft, Technologie, Soziales, Schule und Bildung, Tourismus, Kultur, Landwirtschaft, Umwelt, Verkehr und Alltägliche Grenzprobleme/Rettungswesen eingerichtet, um die Strategie umzusetzen.

Als die Europäische Union Anfang der 90er Jahre die Gemeinschaftsinitiative INTERREG startete, wurde das Programm der Euregio als eines der ersten genehmigt. Mit Geldern aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und von nationalen und regionalen Geldgebern fördert sie seitdem grenzüberschreitende Projekte in verschiedenen Bereichen. Seit 2013 wird das aktuelle INTERREG V Programm umgesetzt.

Aufgaben und Arbeitsfelder

Hauptaufgaben:

  • Förderung und Verbesserung der Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiet
  • wirtschaftliche Entwicklung im Grenzgebiet
  • kommunale Zusammenarbeit
  • gegenseitiges Verständnis über die Grenzen hinweg
  • grenzüberschreitende Mobilität
  • nachhaltige Zusammenführung von Menschen
  • Professionelle Bürgerberatung für die Themen Arbeiten, Unternehmen und Wohnen im Nachbarland
  • Initiieren, Organisieren und Durchführen von gemeinsamen Projekten
  • Interessenvertretung des Grenzgebiets
  • Regionale Verwaltung des EU-Förderprogramms INTERREG

Die Euregio verfolgt das Ziel, Hindernisse abzubauen, die durch die Grenze entstehen, so dass ein gemeinsamer Versorgungsraum entsteht. Im wirtschaftlichen Bereich möchte sie die Wettbewerbsfähigkeit der Region stärken. Sie unterstützt kleine und mittlere Unternehmen und regt Kooperationen mit Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen im Nachbarland an. So können die Betriebe neue Märkte erschließen und ihre Marktposition verbessern. Projekte werden beispielsweise auf dem Gebiet der Mechatronik, der Telemedizin, der Chiptechnik und des Maschinen- und Anlagebaus durchgeführt.

Um die Region besser zu erschließen, setzt sich die Euregio für einen Ausbau der Infrastruktur ein. Im Bereich des Straßenbaus wurde die Ost-West-Autobahn A 30fertiggestellt und über die A 31 eine direkte Anbindung an das Ruhrgebiet geschaffen. Im Schienenverkehr wurde die stillgelegte Strecke zwischen Gronau und Enschede wieder aktiviert und eine Verbindung zwischen Oldenzaal und Bad Bentheim errichtet. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Euregio-Gebiet ist der Tourismus, denn neben den größeren Städten wie Münster, Osnabrück, Enschede und Hengelo zieht auch der ländliche Raum viele Besucher an. Gemeinsame Vermarktungsstrategien und die strukturelle Zusammenarbeit der touristischen Regionalverbände mit kleinen und mittleren Unternehmen sollen den grenzüberschreitenden Tourismus fördern.

Auf sozial-kultureller Ebene fördert die Euregio Kontakte zwischen deutschen und niederländischen Bürgern, um ihnen die Kultur und Lebensart des Nachbarlandes näherzubringen. Beispielsweise regt sie den Austausch zwischen Gemeinden an und organisiert Veranstaltungen für Schulen und Vereine. Um den sozial-kulturellen Austausch kümmert sich die Euregio-Mozer-Kommission, die von den Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, sowie den Provinzen Overijssel und Gelderland finanziell unterstützt wird. Die Bürgerberatungsstelle bietet individuelle Gespräche und Informationsveranstaltungen zu Grenzpendlerfragen.

Zudem versteht sich die Euregio als Plattform für kommunale Zusammenarbeit. Sie regt den Austausch zwischen Städten und Gemeinden in Bereichen wie dem Gesundheitswesen und dem demografischen Wandel an, so dass vom Nachbarn gelernt werden kann und die Systeme aufeinander abgestimmt werden. Als Sprachrohr ihrer Mitglieder vertritt die Euregio die Interessen des Grenzgebiets auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.

Mitglieder

129 Gemeinden, (Land-)Kreise und kreisfreie Städte sind Mitglied der Euregio. Sie befinden sich in folgendem geografischen Raum:

Deutschland

Niederlande

Ausgewählte aktuelle Projekte

Im Rahmen des INTERREG IV A-Programms werden in der Euregio Projekte in den drei Bereichen Wirtschaft, Technologie, Innovation nachhaltige regionale Entwicklung und Integration und Gesellschaft gefördert. Dies sind einige Projektbeispiele:

  • Das Projekt Mechatronik für KMU fördert kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im deutsch-niederländischen Grenzgebiet bei der Entwicklung von neuen Produkten oder der Optimierung von Produktionsprozessen. Die Förderung kann bis zu 80.000 Euro betragen.
  • Das Netzwerk GMA hilft kleinen und mittleren Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagebau, ihre Marktposition zu stärken. Sie erhalten Unterstützung bei Marketing, Weiterbildung sowie Technik und Prozessinnovation.
  • Bei der Bürgerberatung erhalten die Einwohner im EUREGIO-Gebiet Informationen zum Arbeiten, Studieren und Wohnen im Nachbarland. Neben individuellen Beratungen finden in Zusammenarbeit mit Finanzämtern und Rentenversicherungsträgern auch Steuer- und Pensionssprechstunden statt. Sprechstunden erfolgen regelmäßig in der Geschäftsstelle in Gronau und verschiedenen Orten in der Euregio.
  • GrensWerte ist ein Kunst- und Kulturprojekt. Von 2012 bis 2014 werden unter wechselnden Jahresthemen verschiedene Kunstprojekte durchgeführt, um die regionale Kultur zu fördern und den Einwohnern sichtbar zu machen. So entstehen Netzwerkstrukturen zwischen Kultureinrichtungen und Künstlern.

Literatur

  • V. Müller: 25 Jahre EUREGIO-Rat. Rückblick auf die Arbeit eines politischen Gremiums im „kleinen Europa“. Gronau/Enschede 2003.
  • M. Kohle: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im deutsch-niederländischen Gebiet EUREGIO. In: Neues Archiv für Niedersachsen. Heft 1/2000, Hannover, S. 79–101.
  • K. Goinga: EUREGIO: Das alltägliche Europa in der Praxis. EUREGIO: Het Europa in de praktijk van alledag. Gronau/Enschede 1995.
  • J. Grabbe: EUREGIO – Begriff und Auftrag, Organisation und Leistung. In: Geographische Kommission für Westfalen (Hrsg.). Westmünsterland – Ostniederlande. Entwicklung und Stellung eines Grenzraumes. Vorträge auf dem Jahrestag der Geografischen Kommission für Westfalen 1983. Spieker (30), Münster 1984, S. 49–64.
  • Fabrice Gireaud: Zwischen Annexion und Euregio – Das deutsch-niederländische Verhältnis nach dem Zweiten Weltkrieg mit besonderem Blick auf die Grafschaft Bentheim. In: Emsländische Geschichte Bd. 18, Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.), Haselünne 2011, S. 348–448.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Müller, V. (2003): 25 Jahre EUREGIO-Rat. Rückblick auf die Arbeit eines politischen Gremiums im ‚kleinen Europa‘. Gronau/Enschede, S. 11.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Euregio (deutsch-niederländischer Kommunalverband) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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