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Dunkelziffer


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dunkelziffer (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Dunkelziffer bzw. auch „Dunkelzahl“ wird in der Regel das Verhältnis zwischen der Zahl der statistisch ausgewiesenen und der wirklich begangenen Straftaten verstanden.[1] Die Bezeichnung stammt aus der Kriminalstatistik, heute wird sie auch erweitert verwendet.

Ursprung

Ursprünglich beruht sie auf einer falschen Übersetzung des englischen Ausdrucks „dark number“ (Dunkelzahl) in einer deutschen Dissertation, die im Jahr 1908 von einem japanischen Staatsanwalt (Shigema Oba) angefertigt wurde.[2] In der Folgezeit hat sie sich in der deutschsprachigen Forschung eingebürgert, auch wenn die Dunkelziffer keine Ziffer, sondern eine Zahl bezeichnet.

Im Bereich der Kriminologie ist die Dunkelziffer weitgehend identisch mit dem Dunkelfeld. Basierend auf der Erhebung empirischer Daten durch repräsentative Befragungen sieht man sich heute in der Lage, in gewissem Rahmen die Dunkelziffer zu schätzen und das Dunkelfeld aufzuhellen. Eine exakte Aufklärung der Dunkelziffer ist jedoch nicht möglich.

Verwendungen außerhalb der Kriminalstatistik

Dunkelziffer wird auch bei Straßenverkehrsunfällen verwendet. Hier bezeichnet er Unfälle, die der Polizei nicht zur Kenntnis gelangen und die damit nicht in die amtliche Unfallstatistik eingehen. Dies betrifft besonders Alleinunfälle, aber insbesondere auch bei Fahrradunfällen und Fußgängerunfällen mit Kfz werden auch Unfälle mit Personenschaden häufig nicht gemeldet. Durch Befragungen oder Vergleiche mit ärztlichen oder Krankenhausunterlagen ist die Dunkelziffer abgeschätzt worden. Demnach gelangen beispielsweise fast 99 Prozent der Fahrrad-Alleinunfälle der Polizei nicht zur Kenntnis, bei Unfällen zwischen Rad- und Pkw-Fahrern gehen 82 Prozent der Unfälle nicht in die Verkehrsunfallstatistik ein.[3]

Im übertragenen Sinn wird Dunkelziffer auch im Gesundheitswesen verwendet und bezeichnet ein Missverhältnis von diagnostizierten (oder auch statistisch erfassten bzw. gemeldeten) Krankheitsfällen zur tatsächlichen Krankheitshäufigkeit (Prävalenz).

Literatur

  • Sabine Rückert: Tote haben keine Lobby: die Dunkelziffer der vertuschten Morde Hoffmann und Campe, 1. Aufl. Hamburg 2000. 302 S., ISBN 3-455-11287-0
  • Hans Göppinger: Kriminologie, Beck Verlag (1997), ISBN 3-406-07343-3
  • Gerhard Heilenz: Kindesmißhandlung: Häufigkeit und Dunkelziffer: eine Querschnittsuntersuchung an 1003 stationären PatientInnen der Universitäts-Kinderklinik Freiburg. Freiburg im Breisgau, Univ., Dissertation 1995. 114 S.
  • Klaus Scheib: Die Dunkelziffer bei Tötungsdelikten aus kriminologischer und rechtsmedizinischer Sicht. Logos-Verl., Berlin 2002. 289 S. (Zugl. Berlin, Humboldt-Univ., Dissertation 2001), ISBN 3-8325-0050-2
  • Karl Brasse: Dunkelziffer von Unfalltoten. Münster (Westfalen), Univ., Dissertation 1990
  • Helmut Hartmann: Sozialhilfebedürftigkeit und „Dunkelziffer der Armut“ : Bericht über das Forschungsprojekt zur Lage potentiell Sozialhilfeberechtigter. Kohlhammer, Stuttgart 1981. 187 S., ISBN 3-17-007496-2
  • Hans Joachim Schneider: Kriminologie. ISBN 3-406-36969-3
  • Hans-Dieter Schwind: Kriminologie, 19. Auflage, Heidelberg 2009, ISBN 3-7832-0800-9
  • Klaus-Uwe Henschelhard: Absolutbestimmung der Dunkelziffer, Univ. Heidelberg, Dissertation

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Göppinger in Kriminologie
  2. Grundfragen der gesamten Strafrechtswissenschaft, S. 240
  3. Hautzinger, H. et al: Dunkelziffer bei Unfällen mit Personenschäden. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen M 13, Bergisch Gladbach; zitiert nach: Alrutz, D. et al 1997: Sicherheit des Radverkehrs in Erschließungsstraßen. Berichte der BASt V 37, S. 39
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Kategorien: Medizinstatistik | Empirische Sozialforschung | Kriminalphänomenologie

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