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Diskos von Phaistos


Der Diskos von Phaistos (griechisch Δίσκος της Φαιστού, auch Diskos von Phaestus oder Diskos von Festos), eine Scheibe aus gebranntem Ton, ist eines der bedeutendsten Fundstücke aus der Bronzezeit. Er ist mit spiralförmig angeordneten Menschen-, Tier- und Pflanzenmotiven versehen, die mit einzelnen Stempeln aufgedruckt wurden. Der Diskos stellt damit den ersten bekannten „Druck mit beweglichen Lettern“ der Menschheit dar, in dem Sinne, dass zum ersten Mal ein kompletter Textkörper mit wiederverwendbaren Zeichen produziert wurde.[1]

Der Diskos von Phaistos ist einzigartig, da bislang kein weiteres Fundstück seiner Art entdeckt werden konnte. Nahezu alle den Diskos betreffenden Fragen, wie die nach seinem Zweck, seiner kulturellen und geografischen Herkunft, der Leserichtung und der Vorderseite sind umstritten. Selbst seine Echtheit und die Annahme, dass es sich bei den Zeichen um Schriftzeichen handelt, wurden schon angezweifelt. Das einmalige Objekt befindet sich heute in Raum III, Schaukasten 41, des Archäologischen Museums in Iraklio.[2]

Entdeckung, Fundort und Datierung

Koordinaten der Fundstelle:

Der Diskos wurde am Abend des 3. Juli 1908 bei Ausgrabungen des Italieners Luigi Pernier im Zuge der von Federico Halbherr geleiteten italienischen Archäologischen Mission von 1908 gefunden. Man entdeckte ihn im westlichsten Gebäude des altpalastzeitlichen Nordosttrakts der minoischen Palastanlage von Phaistos auf Kreta. Pernier war jedoch bei der Auffindung nicht persönlich anwesend.[3] Der Diskos lag etwa einen halben Meter über dem Felsboden nach Norden geneigt mit der später als „A“ bezeichneten Seite nach oben zwischen Schutt- und Keramikresten in einem rechteckigen 1,15 × 3,40 Meter großen Vorratsraum, der heute als Kammer 8 des Gebäudes 101 bezeichnet wird.[2][4] Neben ihm befanden sich eine zerbrochene Schrifttafel (Ph-1) in Linearschrift A,[5] Keramik aus der Zeit von 1650 bis 1600 v. Chr., Asche, Kohle und verbrannte Rinderknochen. Der Raum besaß keinen ebenerdigen Zugang. Nördlich der Kammer 8 schließt sich eine Reihe von mit Ziegeln abgetrennten Behältnissen an, die nach Westen über die Westwand der Kammer hinausreicht.[6]

Luigi Pernier datierte die Entstehungszeit des Diskos zwischen 1700 und 1600 v. Chr., in die Periode Mittelminoisch III.[7] Dabei nahm er an, dass der Diskos nicht in dem Raum aufbewahrt wurde, wo man ihn fand, sondern dass er aus einem oberen Stockwerk beim Zusammenbrechen des Gebäudes 101 in die Kammer 8 fiel.[6] Schon Pernier wies jedoch darauf hin, dass zwar die Mehrheit der Keramikfunde im Auffinderaum des Diskos aus der mittelminoischen Zeit stammten, einige hellenistische Fundstücke dazu jedoch nicht passten. Die stratigrafischen Daten des Fundortes sind für die zeitliche Einordnung des Diskos folglich nicht verwertbar, da uneindeutig, zumal der Zeitpunkt seiner Herstellung nicht mit dem der Einlagerung am Auffindeort übereinstimmen muss. Einige Wissenschaftler, wie Yves Duhoux und Derk Ohlenroth, erweitern deshalb den möglichen Herstellungszeitraum des Diskos um Mittelminoisch II, und damit insgesamt von 1850 bis 1550 v. Chr., und beziehen sich dabei auf die Nutzung des Gebäudes 101 schon in der Altpalastzeit.[7]

Sieht man von Extrempositionen ab, wie die, dass der Diskos von Phaistos eine Fälschung sei oder den wissenschaftlich nicht untermauerten Entstehungshypothesen von Victor J. Kean (2100 v. Chr.) und Kristian Jeppesen (1100 v. Chr.), so gibt es neben der klassischen Datierung nach Pernier und der erweiterten mittelminoischen nach Duhoux und Ohlenroth einige Wissenschaftler, die die Entstehung des Diskos in der spätminoischen Zeit annehmen. Zu ihnen gehören Benjamin Schwartz, Henry D. Ephron und Louis Godart. Letzterer kommt nach der Untersuchung der auf der Tonscheibe aufgebrachten Zeichen und ihrer zeitlichen Bezugnahme zur archäologischen Realität Kretas zu dem Ergebnis, dass der Diskos „chronologisch in die Zeit zwischen 1550 v. Chr. und dem Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. einzuordnen ist“. Demgegenüber wiesen Günter Neumann und Kjell Aartun darauf hin, dass bestimmte Zeichen auf dem Diskos mit denen auf der in den 1930er Jahren gefundenen Bronzeaxt von Arkalochori und mit drei männlichen Tonstatuetten aus dem Anfang der 1960er Jahre entdeckten Höhlenheiligtum von Traostalos korrespondieren. Sowohl die Bronzeaxt, deren Zeichen mit Linear A in Verbindung gebracht und als Silbenschrift interpretiert wurden,[8] als auch die Nutzung des Höhlenheiligtums wird allgemein in die Mittelminoische Zeit I bis III datiert, die Entstehungszeit der Axt zwischen 1700 und 1600 v. Chr.[7][9]

Beschreibung

Aufbau und Gliederung

Die Tonscheibe des Diskos ist von flacher und unregelmäßig runder Form. Ihr Durchmesser variiert zwischen 15,8 und 16,5 Zentimeter. Die Oberflächen beider Seiten, die mit den Bezeichnungen A und B unterschieden werden, sind glatt, aber nicht ebenmäßig und plan. Die Dicke der Scheibe schwankt zwischen 1,6 und 2,1 Zentimeter, wobei sich die Seite A am Rand verdickt, die Seite B in der Mitte. Der Diskos besteht aus qualitativ hochwertigem feinkörnigen Ton, im Farbspektrum von hellem Goldgelb bis dunklem Braun, der nach der Stempelung sorgfältig gebrannt wurde. Die Art des Materials erinnert an das kretominoischer Eierschalenware.[10]

Beide Seiten des Diskos sind mit spiralförmig angeordneten Abstrakta, Menschen- und Tiersignets sowie Gerätschaften und Pflanzenmotiven bestempelt. Insgesamt ist er mit 241 Stempeleindrücken beschriftet, die durch Trennlinien (sogenannte Feldtrenner) zu 61 Zeichengruppen zusammengefasst sind. Die Seite A enthält 122 Stempeleindrücke und 31 Zeichengruppen. Eine Lücke auf der Seite A verweist auf ein dort ehemals vorhandenes Zeichen, so dass die Gesamtzahl bei der Anfertigung des Diskos 123 Stempeleindrücke betrug.[11] Auf Seite B finden sich 119 Eindrücke, zusammengefasst in 30 Zeichengruppen. Die längsten Zeichengruppen haben sieben Stempeleindrücke, die kürzesten zwei. Auf Seite B finden sich nur Gruppengrößen mit zwei bis fünf Zeichen und auf Seite A mit zwei bis sieben Zeichen. Die Nummerierung der Zeichengruppen wird unterschiedlich angegeben, beispielsweise bezeichnete Arthur Evans die Zeichengruppe mit der Rosette im Zentrum als A 1, Louis Godart dagegen als A-XXXI.

Entsprechend der Nummerierung von Louis Godart sind folgende Zeichengruppen auf den beiden Seiten des Diskos, A und B, abgebildet – die Zeichen sind dabei gemäß der von Godart angenommenen Leserichtung von außen nach innen, also von rechts nach links, in der Tabelle gespiegelt dargestellt. In der Zeichengruppe A-VIII (A8) fehlt das letzte Zeichen in der dort vorhandenen Lücke bzw. ist nicht mehr identifizierbar:

(A1) (A2) (A3) (A4)
(A5) (A6) (A7) (A8) [.]
(A9) (A10) (A11) (A12)
(A13) (A14) (A15) (A16)
(A17) (A18) (A19) (A20)
(A21) (A22) (A23) (A24)
(A25) (A26) (A27) (A28)
(A29) (A30) (A31)
(B1) (B2) (B3) (B4)
(B5) (B6) (B7) (B8)
(B9) (B10) (B11) (B12)
(B13) (B14) (B15) (B16)
(B17) (B18) (B19) (B20)
(B21) (B22) (B23) (B24)
(B25) (B26) (B27) (B28)
(B29) (B30)

Corrigenda zur wissenschaftlich exakten Darstellung der Zeichenfolgen in obiger Darstellung (augenscheinlicher Vergleich mit dem originalen Diskos): Die spiegelverkehrte Darstellung irritiert, da alle sonstigen Darstellungen der Zeichenfolgen des Diskos in der Literatur dem Original entsprechen und nicht den verwendeten Stempeln, die ja nicht aufgefunden wurden. Die gezeichneten Darstellungen entsprechen teilweise nicht dem Original: (A1) „Dorn“ unter „Winkel“ fehlt; (A3) „Dorn“ unter Zeichen (07) fehlt; (A9) „Falke“ (31) Stellung unrichtig, fliegt im Original nach oben und nicht horizontal; (A12) „Taube“ (32) Stellung unrichtig; ist im Original jeweils nach hinten gekippt. Unter „Rosette“ (38) fehlt der „Dorn“. (A15) „Rinderfuß“ (28) Stellung unrichtig, weist im Original mit Huf nach oben, nicht nach unten. Unter „Läufer“ (01) fehlt der „Dorn“. (A16) Unter „Flamme“ (26) fehlt der Dorn. (A19) desgleichen; (A21) „Rinderfuß“ (28) unrichtig, weist im Original mit dem Huf nach oben. An „Läufer“ (01) fehlt der Dorn. (A22) „Falke“ (31) fliegt im Original mit der Beute nach oben, also auf dem Rücken. An „Flamme“ (26) fehlt der „Dorn“. (A23) „Taube“ (32) ist im Original nach hinten gekippt. (A25) „Falke“ (31) fliegt im Original nach oben, senkrecht zur Zeilenbegrenzung. (A27) An „Zweig mit fünf Blättern“ fehlt der Dorn. (A29) Die Reduplikation von „Tierfell“ (27) steht im Original mit Hälsen nach unten, nicht nach oben. Auf Seite B finden sich ähnliche Abweichungen vom Original: „Dorne“ fehlen, Drehungen des „Katzenkopfs“ (29) bleiben unberücksichtigt. „Widderkopf“ (30) weist im Original mit Schnauze nach oben und nicht horizontal. Solange der Diskos nicht entziffert ist, könnte eine wissenschaftlich genaue Darstellung von Bedeutung sein.

Zeichen, Symbole und Piktogramme

Der Diskos enthält insgesamt 45 distinkte Stempelmotive, die als Abstrakta, Menschen und Tiere, sowie Objekte (Gerätschaften, Waffen, Pflanzenteile) identifiziert werden können. Daneben gibt es 17 sogenannte Dorne, Strichmarkierungen unter dem ersten Zeichen einer Abteilung, ab dem Zentrum der Scheibe gezählt.

Die verschiedenen Stempelzeichen des Diskos wurden durchnummeriert und tragen bestimmte Namen, die auf die Bezeichnungen Louis Godarts zurückgehen. Daneben wurden die Zeichen von anderen Wissenschaftlern beschrieben, die ihnen unterschiedliche Bedeutungen gaben. Die untenstehende Tabelle listet die gängigsten Beschreibungen auf und gibt an, wie oft ein Zeichen auf dem Diskos auftaucht und ob es sich nur auf einer der beiden Seiten befindet. Wie schon oben sind die Zeichen gespiegelt, wären also mit dem Stempel, nicht mit dem Abdruck identisch:

Zeichen UCS Zeichen des Diskos (UCS-Name, nach Godart) Beschreibungen Anzahl Bemerkungen
01

Kategorien: Inschrift | Archäologisches Museum Iraklio | Nichtentziffertes Schriftsystem | Archäologischer Fund (Griechenland) | Archäologischer Fund (Griechische Bronzezeit) | 17. Jahrhundert v. Chr.

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Diskos von Phaistos (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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